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Veröffentlicht am 10.12.2020

Kleine Weihnachtswunder

Zauberhafte Weihnachtswunder
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"Zauberhafte Weihnachtswunder" ist eine Zusammenstellung von drei Geschichten und einem Gedicht, die von Frank Lauenroth geschrieben worden sind. Die Geschichten sind in sich abgeschlossen. In "Spätschicht" ...

"Zauberhafte Weihnachtswunder" ist eine Zusammenstellung von drei Geschichten und einem Gedicht, die von Frank Lauenroth geschrieben worden sind. Die Geschichten sind in sich abgeschlossen. In "Spätschicht" begleiten wir einen Busfahrer auf seiner einsamen Heiligabend-Spätschicht. "Der Zauber der Weihnacht" behandelt die Geschichte zweier Geschwister, die sich spinnefeind sind, aber durch eine gemeinsame Suche vereeint werden. In "Engel gibt es nicht" treffen wir auf den Hauptwachtmeister Riegenstieg, der an Heiligabend in einer Gefängniszelle eine besondere Person trifft. In allen drei Texten eine Wendung in Form eines (Weihnachts)wunders, das jeweils phantastische bzw. Science-Fiction-Elemente andeutet. Der Erzählstil lässt sich flüssig lesen, wobei er durchzogen ist von humorvollen Kommentaren, die teilweise ironisch und teilweise eher bissig sind.

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Veröffentlicht am 07.12.2020

Ein Kinderbuch mit einer wichtigen Botschaft

Das Wunder von R.
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Inhalt: Kurz vor Weihnachten muss die Familie Greco-Aiden umziehen. Der neue Präsident ihres Landes hatte bestimmt, dass Familien mit zwei Müttern und drei Kindern ab sofort illegal seien. Doch auch ihre ...

Inhalt: Kurz vor Weihnachten muss die Familie Greco-Aiden umziehen. Der neue Präsident ihres Landes hatte bestimmt, dass Familien mit zwei Müttern und drei Kindern ab sofort illegal seien. Doch auch ihre neue Stadt R. ist nicht perfekt: Die Erwachsenen reden nicht miteinander – aus Furcht, dass etwas Schlimmes passiert. Denn: Wenn nichts passiert, kann auch nichts Schlimmes passieren. Die Kinder aus R. (und auch der Weihnachtsmann) sehen das aber ganz anders.

Persönliche Meinung: „Das Wunder von R.“ ist ein weihnachtliches Kinderbuch, das einige gesellschaftsrelevante Themen anspricht. So beschäftigt sich „Das Wunder von R.“ mit Homophobie und Egoismus innerhalb der Gesellschaft. Bereits im Vorwort benennt die Autorin Francesca Cavallo den Umstand, dass in Weihnachtserzählungen sehr selten Familien mit gleichgeschlechtlichen Paaren vorkommen. Früher habe sie immer gedacht, dass das wohl irgendwie sinnvoll begründet werden könne. Denn: Erwachsene wüssten schon, was sie tun. Erst im Erwachsenenalter wurde ihr bewusst, wie falsch das Fehlen gleichgeschlechtlicher Paare in weihnachtlichen Erzählungen ist. Dementsprechend widmet sie „Das Wunder von R.“ auch „[a]llen Kindern, die sich Erwachsenen widersetzen, um die Welt zu verändern.“ Diese Widmung umreißt auch grob den Plot der Erzählung: Die Kinder der Stadt R. möchten nicht so abgekapselt leben wie ihre Eltern und versuchen, ihre Eltern aus der selbstauferlegten Gefühlskälte zu befreien. So plädiert "Das Wunder von R." insgesamt für Diversität und Toleranz. Dabei ist die Handlung in ein weihnachtliches Setting eingebettet: Sie spielt kurz vor Weihnachten und Elfen sowie der Weihnachtsmann persönlich treten auf (besonders der Auftritt der Elfen ist dabei magisch). Die Erzählung ist in mehrere, kurze Kapitel unterteilt, die Schrift ist vergleichsweise groß und die Sprache sehr verständlich, sodass es sich sehr gut für jüngere Leser*innen eignet. Es finden sich zudem einige schön weihnachtliche Illustrationen von Verena Wugeditsch. Wenn man „Das Wunder von R.“ aus der Perspektive eines Erwachsenen liest, fallen möglicherweise ein paar Logikfehler auf und vielleicht findet man die Geschichte zu kurz. Beides fällt für mich allerdings nicht sonderlich ins Gewicht. Insgesamt ist „Das Wunder von R.“ eine schöne, kleine Weihnachtsgeschichte, die eine wichtige Botschaft besitzt und sich traut, gesellschaftliche Problemlagen zu benennen.

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Veröffentlicht am 28.11.2020

Eine neue alte Asterix-Geschichte

Asterix - Der Goldene Hinkelstein
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Kurz zur Veröffentlichungsgeschichte: „Der goldene Hinkelstein“ von R. Goscinny und A. Uderzo ist ursprünglich als Schallplattenbuch im Jahr 1967 erschienen. Für die Neuveröffentlichung im Oktober 2020 ...

Kurz zur Veröffentlichungsgeschichte: „Der goldene Hinkelstein“ von R. Goscinny und A. Uderzo ist ursprünglich als Schallplattenbuch im Jahr 1967 erschienen. Für die Neuveröffentlichung im Oktober 2020 wurde der Text erstmalig auf Deutsch übersetzt und die Zeichnungen restauriert.

Inhalt: Troubadix möchte bei einem Gesangswettbewerb teilnehmen. Asterix, der um das (nicht vorhandene) Können des Barden weiß, begleitet ihn gemeinsam mit Obelix, um ihn vor dem Publikum, das vermutlich nicht von den Künsten Troubadix‘ überzeugt sein wird, zu beschützen. Doch auch die Römer sind mit von der Partie und kidnappen den angeblich größten Barden seiner Zeit: Troubadix.

Persönliche Meinung: Der Aufbau von „Der goldene Hinkelstein“ erinnert eher weniger an einen typischen (Asterix-)Comic. Viel mehr erinnert er an ein bebildertes Hörspielscript, woran man sich erst gewöhnen muss. Typische Comic-Elemente, wie Sprechblasen und Panels, fehlen. Die Zeichnungen, insgesamt sind es 21 Stück, sind im bekannten Asterix-Stil gehalten. Die Handlung ist insgesamt humorvoll und kurzweilig: Die Römer sind naiv-überheblich bis dümmlich dargestellt (der römische General kennt z.B. nicht die berühmte Formulierung „Ich kam, ich sag, ich siegte“), der Text ist mit Wortwitz geschrieben (z.B. tritt beim Gesangswettbewerb ein Barde namens „Comedienharmonix“ auf) und es finden sich typische Asterix-Motive (der Ausruf „Beim Teutates!“ oder Obelix, der unbedingt vom Zaubertrank trinken möchte und immer irgendwen verkloppen möchte). Zwischendurch gibt es noch einige andere lustige Szenen, die ich jetzt aber nicht vorwegnehmen möchte. Insgesamt ist „Der goldene Hinkelstein“ eine humorvolle Asterix-Geschichte, wobei man sich allerdings zunächst an die scriptartige Darstellung des Textes gewöhnen muss.

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Veröffentlicht am 28.11.2020

Eine gelungene Fortsetzung

INSEL
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Inhalt: 1987: Zwei Liebende verbringen ein einsames Wochenende in Islands Westfjorde. Doch nur eine Person kehrt zurück. Der Fall wird zügig von Huldas Kollegen aufgeklärt. Doch 10 Jahre später ereignet ...

Inhalt: 1987: Zwei Liebende verbringen ein einsames Wochenende in Islands Westfjorde. Doch nur eine Person kehrt zurück. Der Fall wird zügig von Huldas Kollegen aufgeklärt. Doch 10 Jahre später ereignet sich ein weiterer Mord auf der nur für Jagdausflüge genutzten Insel Elliðaey. Dieser Fall weist Bezüge zum ersten Fall von 1987 auf, sodass Hulda den alten Fall nochmal aufrollt und zu einem ganz anderen Ergebnis kommt.

Persönliche Meinung: „Insel“ ist der zweite Band der rückwärts erzählten Trilogie um die isländische Kommissarin Hulda. Hulda tritt allerdings (von einzelnen Einsprengseln abgesehen) vergleichsweise spät auf die Handlungsbühne. Der Fokus liegt im ersten Drittel verstärkt auf der Beziehung der beiden Liebenden, ihrem Ausflug in die Westfjorde und die schroffe Landschaft Islands. Die letzten beiden Drittel thematisieren ausführlicher das Privatleben Huldas und ihre Ermittlungen im neuen Fall. Hulda tritt – wie schon in „Dunkel“ – als überaus tragische Figur auf. Die Tragik ihrer Geschichte wird insofern weitergesponnen, als dass die Leser*innen noch weitere unglückliche Facetten ihrer Vergangenheit kennenlernen. Das Tragische ist dabei allerdings nicht unglaubwürdig übersteigert, sondern fußt gewissermaßen im Alltag und ist dadurch authentisch. Dies gilt für den ganzen Fall: Die potentiellen TäterInnen sind realistisch gezeichnete Alltagsmenschen, die Tat ist nicht sonderlich blutig oder brutal, der Fall vergleichsweise wendungsarm (und dadurch realistischer), die Beweggründe, die zur Tat führen, (bis zu einem gewissen Grad) verständlich. Der Täter ist hier kein kriminelles Mastermind, sondern der Mensch von nebenan, der temporär vom Pfad der Tugend abweicht. Auch die Erzählweise ist nicht reißerisch: Huldas Schicksal und die beiden Fälle werden anschaulich, aber sachlich erzählt. Der „Thrill“ wird dadurch auch weniger durch die Grausamkeit des Falls oder die Exorbitanz der Täterfigur erzeugt, sondern durch die Alltäglichkeit des Falls, der gewissermaßen aufzeigt, dass auch die „normalen“ Menschen (unter bestimmten, ungünstigen Konstellationen) das Potential besitzen, zu Mördern zu werden. Dieser subtile „Thrill“ speist sich außerdem aus den Beschreibungen der Natur Islands, die mit ihrer Schroffheit, Einsamkeit und Verlassenheit eine latente Bedrohlichkeit ausstrahlt. Insgesamt ist „Insel“ eine gelungene Fortsetzung, der die Grundstimmung, die in „Dunkel“ angestoßen wurde, schön weiterspinnt.

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Veröffentlicht am 28.11.2020

Die Lebenden und die Toten im Treppenviertel

RIVER. Die Toten und die Lebenden
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Inhalt: Der fast 100-jährige Reeder Karl Mohr, wohnhaft im Treppenviertel von Hamburg-Blankenese, wird vermisst. Hinter den Fassaden der altehrwürdigen Häuser rumort es. Menschen ziehen aus, andere ziehen ...

Inhalt: Der fast 100-jährige Reeder Karl Mohr, wohnhaft im Treppenviertel von Hamburg-Blankenese, wird vermisst. Hinter den Fassaden der altehrwürdigen Häuser rumort es. Menschen ziehen aus, andere ziehen ein. Geheimnisse, die bis in die RAF-Zeit zurückreichen, kommen ans Licht.

Persönliche Meinung: „River. Die Toten und die Lebenden“ lässt sich nicht umstandslos einem Genre zuordnen. Zwar kommt es zu mehreren (klein)kriminellen Taten, sodass sich Krimielemente im Roman wiederfinden. Im Kern geht es aber, wie der Untertitel schon sagt, um „die Toten und die Lebenden“; die Menschen, die im Blankeneser Treppenviertel wohnen und den River, die Elbe, die zu ihren Füßen liegt. Insofern ist „River“ weniger ein Kriminalroman als vielmehr ein Gesellschaftsroman/Sittenbild über die Menschen, die im Treppenviertel wohnen. Die alteingesessenen, teilweise während des Romans sterbenden Bewohner*innen werden so langsam von einer freiheitlichen, der Polyamorie offenen Kindergeneration abgelöst. Bisweilen spitzt sich „River“ auch zu einer Familiengeschichte zu, deren Vergangenheit aufgedeckt und Gegenwart beleuchtet wird. Spannend dabei waren kleinere Aufdeckungen, die das scheinbare Familienidyll durchbrechen. Der Handlungsort ist das schon genannte Treppenviertel, das bildlich dargestellt wird. Die Erzählweise ist eher experimentell: Die Kapitel sind kurz (im Schnitt 3 oder 4 Seiten) und es kommt häufig zu einem abrupten Perspektivwechsel, an den man sich zunächst gewöhnen muss, da man bei der Vielzahl der auftretenden Personen zu Beginn ins kalte Wasser geschubst wird und sich erst orientieren muss. Auch der Erzählton ist anders als gewohnt: Die Figuren und die Handlung werden aus einer nüchternen Erzählposition beschrieben, die zwischen Distanz und Kälte changiert (was ich aber nicht negativ meine, sondern erzähltheoretisch interessant). Die Figuren bleiben dadurch zwangsläufig blass, allerdings gehört das zum Konzept des Romans: Es dreht sich weniger um Figuren als fühlende Individuen, sondern um deren Geschichten bzw. Vergangenheiten, die immer wieder mit Flüssen interagieren. Am Ende wird nicht jede Frage geklärt, allerdings ist „River“ erst der Auftakt zu einer Trilogie. „River“ besticht insgesamt durch seine Andersartigkeit, die immer mal wieder auf eine experimentelle Ebene ausschlägt. Die Handlung ist dabei durch die Aufdeckungen der kleineren und größeren Geheimnisse durchweg interessant.

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