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Veröffentlicht am 10.02.2021

Kreativer Podcast-Thriller

Der Countdown-Killer - Nur du kannst ihn finden
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Elle Castillo ist Minnesotas beliebteste Podcasterin. Denn Elle hat sich dem „True Crime“-Genre verschrieben und rollt als private Ermittlerin scheinbar abgeschlossene Kriminalfälle wieder auf. Dabei geht ...

Elle Castillo ist Minnesotas beliebteste Podcasterin. Denn Elle hat sich dem „True Crime“-Genre verschrieben und rollt als private Ermittlerin scheinbar abgeschlossene Kriminalfälle wieder auf. Dabei geht es ihr nur um eines: Sie möchte Gerechtigkeit für die Opfer nie aufgeklärter Verbrechen. In der neuesten Staffel ihres Podcast widmet sie sich keinem geringeren als dem spektakulärsten Fall der Polizeigeschichte des Bundesstaates: Dem des sogenannten „Countdown-Killers“. Dieser tötete seine Opfer auf perfide, zahlenbasierte Art und Weise nach seinem ganz eigenen „Countdown“. Lange Zeit versetzte er Minnesota in Angst und Schrecken, dann konnte eines seiner Opfer fliehen und die Serie brach ab. Eine verbrannte Männerleiche wurde am Tatort gefunden und für die Öffentlichkeit war klar: Der Countdown-Killer ist tot. Doch Elle glaubt nicht daran und fängt an, die alten Spuren neu zu beleuchten. Da wird wieder eine junge Frau entführt, das Muster passt zum damaligen Vorgehen. Hat Elle den Mörder wieder aufgescheucht oder einen Trittbrettfahrer heraufbeschworen? Bevor sie diese Frage beantworten kann, wird der Fall persönlich…

Spannung pur! „Der Countdown-Killer“ ist ein absolut gelungener Thriller, der mich als Leser absolut fasziniert und gefesselt hat. Die Mischung aus verschiedenen Stilelementen fand ich wahnsinnig kreativ und hat mir großen Spaß gemacht, es wird zwischen Elles Podcast, unveröffentlichten Entwürfen und Interviews dazu, eigenen Gedankenmonologen und der eigentlich erzählten Handlung abgewechselt. Schade nur, dass nicht alle Folgen des Podcasts im Ganzen abgedruckt wurden, ich war dann doch etwas überrascht und enttäuscht, dass nach Folge 6 plötzlich Folge 11 kam und in letzterer nur kurz zusammengefasst wurde, was an Themen in den Zwischenfolgen behandelt wurden. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und auch die Aufteilung in vier große Abschnitte war stimmig und passend.

Eine tolle Aktion fand ich auch den begleitenden Crime-Hörspiel-Podcast des Fischer-Verlags, der unkompliziert über den abgedruckten QR-Code aufgerufen werden kann. Eine super Idee, man konnte den Podcast im Buch quasi „live“ mithören, was das Gelesene noch eindrücklicher gemacht hat. Eine tolle Aktion!

Der Fall des Countdown-Killers wurde sehr spannend geschildert, Elles Nachforschungen und Erkenntnisse wurden authentisch und nachvollziehbar dargestellt und der Leser konnte gemeinsam mit ihr Rätseln und dem Killer auf die Spur kommen. Dabei gab es einige Überraschungen und unvorhergesehene Wendungen, die mir gut gefallen haben. Elle als Protagonistin war mir sehr sympathisch, ich habe ihre Einstellung und ihren Enthusiasmus sehr bewundert – auch bereits bevor ich ihre Hintergründe kannte. Je weiter die Geschichte voranschritt, umso mehr hat sie mich allerdings genervt: Ihre Handlungen waren teilweise impulsiv und egoistisch, sie hat wenig Rücksicht auf ihr liebevolles Umfeld genommen (Martín ist so ein toller Mann!) und sich immer und immer wieder im Kreis gedreht. Das ließ sie zuweilen labil und hysterisch wirken und sie hat des Öfteren die Grenzen ihrer Befugnis überschritten und somit gegen ihre eigenen Grundsätze verstoßen. Überrascht war ich, dass plötzlich mitten im Buch die Perspektive und Zeitebene gewechselt hat, was den Leser die Hintergründe des Täters hat verstehen lassen. Das hat mich kurz irritiert, war aber durchaus notwendig zum vollständigen Verständnis der Täterhandlungen. Dementsprechend habe ich die Auflösung des Falles als stimmig und absolut rund wahrgenommen. Auch das Cover – das ich zunächst einfach nur hübsch und ansprechend fand – macht nach der Lektüre absolut Sinn und ist somit sehr passend für das Buch.

Insgesamt hatte ich eine tolle, abwechslungsreiche Lesezeit mit diesem kreativen Podcast-Thriller und würde das Buch jedem empfehlen, der Spaß am Mix verschiedener Stilelemente hat und gerne gemeinsam mit einer authentischen und größtenteils sympathischen Protagonistin auf Verbrecherjagd gehen möchte.

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Veröffentlicht am 02.02.2021

Die Anziehungskraft des Verbotenen…

Fall of Legend
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Scarlett Priest ist ein Internet-Star, eine Influencerin wie sie im Buche steht – und dabei eine hervorragende Geschäftsfrau, die neben ihren zahlreichen Channels auch noch sehr erfolgreich „Scarletts ...

Scarlett Priest ist ein Internet-Star, eine Influencerin wie sie im Buche steht – und dabei eine hervorragende Geschäftsfrau, die neben ihren zahlreichen Channels auch noch sehr erfolgreich „Scarletts Store“ betreibt. Kein Wunder, dass sie den Einfluss besitzt, durch einen einzigen Auftritt totgeglaubte Clubs wieder zum Leben zu erwecken. Clubs, die kurz vor der Pleite stehen – wie das „Legend“. Dessen Besitzer Gabriel Legend kämpft nicht nur mich dem Ruin seines Lebenstraums, sondern auch mit den Geistern der Vergangenheit, die ihn zu einem Leben im Verborgenen zwingen. Was passiert, wenn zwei so unterschiedliche Personen aus so unterschiedlichen Welten aufeinandertreffen? Ein Business-Deal wird abgeschlossen… doch auch eine unwiderstehliche Anziehungskraft entwickelt sich… eine Anziehung, die gefährlich ist…

„Fall of Legend“ ist der Auftaktband von Meghan Marchs neuer New-Adult-Trilogie rund um die Protagonisten Scarlett und Legend. Die drei aufeinander abgestimmten Cover in gold und dunkelblau sehen zeitlos-elegant aus. Auch kann man passende Bezüge zu den Protagonisten herstellen: Das Dunkle steht für Legend, der auch als mysteriös und düster beschrieben wird. Scarlett hingegen ist ein Sonnenschein, strahlend-funkelnd und noch dazu aus reichem Hause - auf sie passt die goldene Farbe sehr gut. Und da alles auf eine Durchmischung dieser beiden Welten hinausläuft gehen auch die beiden Farben ineinander über. Insofern ist das Cover absolut stimmig! Des Weiteren liebe ich die Zweideutigkeit und verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten des Titels.

Ebenso liebe ich den Schreibstil von Meghan March. Sie beschreibt das Geschehen sowohl aus Scarletts, als auch aus Gabriels Sicht. Der Leser erfährt eine emotionale Achterbahnfahrt in lockerem, einfach zu lesendem Stil und im angenehmen Erzähltempo.

Das Buch startet rasant und sehr vielversprechend. Die Umstände, unter denen Gabriel und Scarlett sich kennenlernen sind amüsant wie ungewöhnlich zugleich und erwecken sofort mein Interesse am weiteren Verlauf der Geschichte. Deren Handlung ist zwar nicht sonderlich neu und wirkt teilweise etwas konstruiert, hat mich aber dennoch gut unterhalten. Die Zeit bis zu Scarletts heraufbeschworenen Partyabend zieht sich leider etwas, aber da die Bücherreihe drei Bände umfasst hatte ich bereits erwartet, dass die Storyline etwas gestreckt wird. Zwischendurch streut die Autorin aber immer mal ein paar kleine, unvorhersehbare Informationshäppchen ein, welche Spannung und Neugier gleichermaßen steigern. Etwas genervt haben mich Scarletts schmutzige Fantasien, die recht viel Raum eingenommen haben und die ich nicht unbedingt gebraucht hätte. Als es dann aber endlich zum Ersehnten gekommen ist war diese Szene zugegebenermaßen doch ziemlich heiß. Mein Lieblingsmoment war aber dann doch der Clubabend mit seiner tollen Tanzszene – hier sind die Funken gesprüht und Meghan March ist es ganz wunderbar gelungen, mich in die Club-Atmosphäre hineinzuziehen. Wie erwartet endet Band 1 mit einem Cliffhanger am Ende, der aber zum Glück nicht allzu fies ist.

Mir waren beide Protagonisten sehr sympathisch, was insbesondere an ihren gut ausgearbeiteten Charakteren und ihrer Authentizität liegt. Scarlett ist nicht nur eine taffe Businessfrau, sondern auch sehr empathisch. Trotz ihrer Herkunft hält sie nicht alles für selbstverständlich, ist dankbar für das, was sie hat und behandelt die Menschen in ihrem Umfeld mit Respekt auf Augenhöhe. Eine Powerfrau, die trotz Erfolg auf dem Boden geblieben ist und eine Identifikationsfigur. Mir hat es hat großen Spaß gemacht, ihr kleines Imperium und ihren Alltag als Influencerin kennenzulernen. Legend hingegen ist undurchschaubar, was ihn wiederum auch so interessant macht. Sein Verhalten ist schlecht vorhersehbar und er lässt niemanden hinter seine Fassade blicken, Informationen zu seiner Vergangenheit erhält der Leser erst nach und nach und auch diese teilweise nur angedeutet oder kryptisch. Dennoch wird es deutlich, dass er ein gutes Herz besitzt und lediglich nach außen hin sein Badboy-Image pflegt. Seine innere Zerrissenheit wird gut dargestellt und gegen Ende hin fängt die Fassade an zu bröckeln. Neben den Protagonisten gibt es weitere Personen, die ich super fand, wie z.B. Scarletts wunderbar-verrückte Freundinnen oder ihre coole Stiefschwester.

Meghan March lässt in ihrer Trilogie zwei Welten und dazugehörige Lebensstile aufeinanderprallen, was sehr interessant ist. Sie hat außerdem gefühlvolle Themen wie den Tod eines Elternteils, die angespannte Beziehung zum Vater, eine traumatisierende Vergangenheit voller Gewalt oder auch das sehr aktuelle Thema der Schattenseiten des Influencer-Daseins (Stalker, Bedrohung, Beschimpfungen) quasi nebenher thematisiert.

Insgesamt hatte die Geschichte zwar kleinere Schwächen, aber dennoch habe ich das Buch wahnsinnig gerne gelesen und hatte eine tolle Lesezeit. Natürlich war es eher leichte Kost, aber das fand ich unheimlich entspannend. Meghan Marchs Schreibstil was super flüssig zu lesen und dementsprechend schnell hatte ich das Buch beendet - und freue mich nun auf Band 2!

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Veröffentlicht am 29.12.2020

Spannender, überraschender und gut durchdachter Thriller

Als die Nacht begann
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Hauptkommissar Jan Tommen steht vor einem neuen rätselhaften Fall: Mitten am Tag wurde auf der lebhaften Berliner Friedrichtstraße die Biologie-Studentin Fiona Denz aus der Ferne erschossen. Weder eine ...

Hauptkommissar Jan Tommen steht vor einem neuen rätselhaften Fall: Mitten am Tag wurde auf der lebhaften Berliner Friedrichtstraße die Biologie-Studentin Fiona Denz aus der Ferne erschossen. Weder eine Spur des Heckenschützen, noch ein Mordmotiv ist vorhanden und so sammelt Jan Tommen sein inoffizielles Ermittlerteam um sich, um auch abseits der polizeilichen Pfade das Leben von Fiona Denz zu beleuchten. Während sich hier immer mehr Ungereimtheiten finden, schlägt der Heckenschütze erneut zu: Ein junger, zurückgezogen lebender Mann wird auf einer Parkbank erschossen, es finden sich keinerlei Verbindungen zum ersten Opfer. In Jan Tommen kommen immer mehr Zweifel auf, ob es sich überhaupt um gezielte Tötungen handelt – oder ob er es mit einem willkürlich mordenden Serienmörder zu tun hat, der sich Zufallsopfer sucht…

„Als die Nacht begann“ ist Alexander Hartungs siebter Band der Thriller-Reihe rund um Jan Tommen und sein außergewöhnliches Ermittlerteam. Der Quereinstieg ist größtenteils gelungen, da die einzelnen Fälle inhaltlich unabhängig voneinander in sich geschlossen sind. Jedoch habe ich mir vielerlei Fragen zum privaten Hintergrund der Ermittler gestellt und insbesondere die Zusammenstellung des Teams nicht wirklich nachvollziehen können. Hier wäre ein kurzes Abholen der Leser sinnvoll gewesen. Außerdem bin ich mir hinsichtlich eines offen gebliebenen Handlungsstranges unsicher, ob dieser auch wirklich ungelöst enden soll, oder in einem Folgeband nochmals aufgegriffen wird.

Das Cover des Buches ist schlicht gehalten und wirkt auf mich eher unscheinbar. Außerdem verrät es noch nicht viel über den Inhalt. Die einsame Laterne in der Dunkelheit passt jedenfalls sehr gut zum Titel und strahlt eine düstere, angsteinflößende Atmosphäre aus.

Alexander Hartungs Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, er ist temporeich und hat einen permanent ansteigenden Spannungsaufbau. Aufgrund der detaillierten Schilderungen von Örtlichkeiten und Personen kann sich der Leser diese plastisch vorstellen und die jeweils herrschende Atmosphäre wird gut transportiert. Die Sprache ist einfach gehalten und teilweise etwas salopp, was aber zu den agierenden Personen passt und sich flüssig lesen lässt. Auch kam der Humor nicht zu kurz und an einigen Stellen konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Die Geschichte rund um den Heckenschützen hat mich absolut gefesselt und interessiert miträtseln lassen. Sie startet rasant mit einem Prolog, den der Leser zunächst noch überhaupt nicht einordnen kann und der sich erst langsam im Verlauf des Buches erschließt, ihm dann aber einen wunderbaren Rahmen verleiht. Das Motiv und die Hintergründe waren lange Zeit undurchsichtig und der Leser ist den Hintermännern nur langsam und nach einigen Überraschungen und Wendungen gemeinsam mit den Ermittlern auf die Spur gekommen. Diese Unvorhersehbarkeit mag ich an Thrillern sehr! Auch der Fakt, dass der Leser sehr nah an den ermittelnden Personen dran war und sämtliche Gedanken und Vorgänge miterlebt hat, hat mir ausgesprochen zugesagt. Teilweise gab es etwas viele Zufälle und an manchen Stellen waren die Vorkommnisse schon etwas sehr unrealistisch, aber das hat den Fall schnell vorangebracht und dem Leser eine spannende Lesezeit verschafft und ist somit – für mich zumindest – vernachlässigbar.

Was mich mehr irritiert hat war das „Ermittlerteam“ an sich. Die einzelnen Personen waren mir zwar mit ihren individuellen Eigenheiten sehr sympathisch und auch facettenreich dargestellt, aber hier wurde es mir dann doch etwas zu realitätsfern. Ich habe mich zum einen gefragt, wie sich so eine unterschiedliche Mischung an Menschen zusammengefunden hat, aber hierzu fehlt mir wohl das Wissen aus den Vorbänden. Zum anderen fand ich es seltsam, dass es kein polizeiinternes Ermittlungsteam gibt, dass sich um den Fall kümmert sondern sich solch eine bunt gemischte Truppe abends in einer Privatwohnung trifft um heikle Polizeiinformationen zu spekulieren und dann auf nicht ganz legalem Weg auf eigene Faust ermittelt. Ihr Vorgehen war für mich befremdlich, wenn auch amüsant zu lesen und die Geschichte vorantreibend. In der Realität hätten derartig erworbene Ermittlungsergebnisse allerdings keinerlei Bestand.

Insgesamt hatte ich eine kurzweilige, spannende Lesezeit mit einem gut durchdachten Buch, das man aber aufgrund seines Unterhaltungswertes und nicht seiner Realitätsnähe genießen muss.

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Veröffentlicht am 13.12.2020

Die Kult-Gallier für die ganze Familie sind zurück!

Asterix - Der Goldene Hinkelstein
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Ach wie habe ich sie vermisst, die Gallier aus meiner Kindheit! Ich liebe Asterix seit ich lesen kann und inzwischen ist auch meine ganze Familie Asterixverrückt: Wir haben jedes einzelne Heft in unserer ...

Ach wie habe ich sie vermisst, die Gallier aus meiner Kindheit! Ich liebe Asterix seit ich lesen kann und inzwischen ist auch meine ganze Familie Asterixverrückt: Wir haben jedes einzelne Heft in unserer großen Familiensammlung stehen - umso überraschter war ich, vom bisher unveröffentlichten Werk „Asteris und der goldene Hinkelstein“ zu erfahren! Noch dazu, weil dieses noch von den beiden Asterix-Erfindern persönlich illustriert und getextet wurde. Ich war so traurig, als der große Uderzo dieses Jahr gestorben ist und habe es dementsprechend sehr genossen, ein weiteres Werk dieses genialen Künstlers zu lesen.

Bereits das Cover ist wie immer wahnsinnig vielversprechend, ich musste direkt schmunzeln und liebe die Abbildung des Barden Troubadix und die aussagekräftig gezeichneten Figuren. Allein dieses Cover anzusehen macht direkt Spaß! Insgesamt sind die Illustrationen in „Asterix und der goldene Hinkelstein“ sofort als typisch Uderzo zu identifizieren – kunstvoll, wunderschön und einzigartig. Insofern wurde ich sofort in die Asterix-Welt der Gallier entführt und hatte viel Spaß beim Betrachten der Bilder und dem Wiedersehen mit den vertrauten Figuren – auch wenn ich den kleinen Hund Idefix vermisst habe.

Zunächst war mir die Bilderbuch-Form etwas befremdlich, da ich Asterix nur in der Comic-Version mit Sprechblasen über den Figuren kannte. Nach kurzer Zeit bin ich aber gut in die Dialoge hineingekommen und hatte keinerlei Schwierigkeiten beim Lesefluss mehr. Gut gefallen hat mir auch die farbliche Abgrenzung der einzelnen Kapitel.
Auch passt die Idee hinter der Geschichte an sich ist witzig und passt wahnsinnig gut in unsere momentane Zeit voller Castingshows und Gesangswettbewerben - da haben Uderzo und Goscinny bereits 1967 Weitsicht bewiesen. Auch wenn klar war, das Troubadix keinerlei Chancen bei dem Wettbewerb hat war es schön, dass seine Freunde ihn begleitet und schlagkräftig unterstütz haben, sei es gegen Wegelagerer, die typische römische Übermacht oder wie in diesem Fall das Publikum. Alle Figuren sind dabei ihren Charakteren treu geblieben und auch die geliebten Eigenheiten der Personen wurden kreativ eingebaut.

Interessant fand ich auch den Anhang, der die Hintergründe und Entstehungsgeschichte des bisher unveröffentlichten Asterixabenteuers und die enorme Bedeutung des Jahres 1967 für das Asterix-Universum dargestellt hat – sehr informativ.

Asterix gefällt mir zwar als Comic nach wie vor besser, aber dennoch habe ich den Ausflug in mein geliebtes Gallien sehr genossen.

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Veröffentlicht am 13.12.2020

Authentisches Jugendbuch, das in den Schulunterricht gehört

Verraten
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Der 16jährige Sebastian lebt 1986 in der DDR, als das Schicksal gnadenlos zuschlägt: Seine Mutter stirbt an Krebs und seiner Oma traut die Jugendfürsorge nicht zu, auf den Heranwachsenden aufzupassen. ...

Der 16jährige Sebastian lebt 1986 in der DDR, als das Schicksal gnadenlos zuschlägt: Seine Mutter stirbt an Krebs und seiner Oma traut die Jugendfürsorge nicht zu, auf den Heranwachsenden aufzupassen. So wird Sebastian in einem Durchgangsheim untergebracht, in dem schreckliche Verhältnisse herrschen. In diesem „Kinderknast“ lernt er flüchtig Katja kennen, eine Ausreißerin, die sich alles andere als gesellschaftskonform verhält. Glücklicherweise gelingt es einem der Erzieher des Heimes, Sebastians Vater ausfindig zu machen, welcher die Familie vor langer Zeit verlassen hat. Der quasi Unbekannte holt Sebastian aus dem Heim und nimmt ihn bei sich auf. Was Sebastian nicht weiß: Sein Vater gilt in der DDR als Staatsfeind und saß im Gefängnis. Schnell wird die Staatssicherheit somit auf Sebastian aufmerksam und möchte, dass Sebastian für sie arbeitet, indem er seinen Vater, aber auch seine neuen Mitschüler bespitzelt. Die Drohung: Sollte er nicht kooperieren muss er zurück ins Heim. Eine schwierige Situation für Sebastian, der noch dazu ein Geheimnis birgt: Er versteckt Katja, die seine Abholung zur Flucht genutzt hat, auf seinem Dachboden – und bringt sich somit auch selbst in größte Gefahr.

„Verraten“ ist ein Jugendbuch von Grit Poppe, die sich bereits in ihren anderen Büchern intensiv mit der Thematik der Jugendlichen in der ehemaligen DDR auseinandergesetzt hat. Bereits das Cover verdeutlicht für mich die innere Zerrissenheit, die Protagonist Sebastian verspürt: Die rissige Schrift, hinter der das Schwarzweiß-Foto eines resigniert blickenden Jugendlichen sowie das Wappen der DDR abgebildet ist, passt meiner Meinung nach perfekt zum Inhalt des Buches.

Die Geschichte selbst beginnt rasant, die wichtigsten Personen sowie ihre Hintergründe werden ausgiebig dargestellt. Inhaltlich ging es mir an manchen Stellen leider etwas zu schnell, z.B. das Auffinden und die sofortige Zusage des Vaters, Sebastian zu sich zu holen oder das Aufeinandertreffen mit Möller bereits am ersten Schultag. Manche Handlungen hätten sich für meinen Geschmack ruhig etwas langsamer entwickeln können. Überrascht war ich vom Schluss des Buches, da ich bei einem Jugendbuch mit einem Happy End gerechnet hätte – das von Grit Poppe gewählte ist meiner Meinung nach aber absolut realistisch und somit passend und mutig. Einige offene Fragen und Unstimmigkeiten sind geblieben, aber diese tun der Hauptstory keinen Abbruch.

Das Buch ist sowohl aus Sicht von Sebastian, als auch Katja geschrieben, was deren unterschiedliche Lebenserfahrung und Einstellungen verdeutlicht. Während Sebastians Kapitel beschreibend in der dritten Person verfasst sind wurde für Katja die Ich-Erzählperspektive gewählt. Beide erscheinen mir authentisch wie sympathisch und ich glaube, dass sie gerade für jugendliche Leser ein hohes Identifikationspotenzial bieten.
Sebastian ist behütet aufgewachsen und kennt die „harte Realität“ der DDR bisher nicht. Er ist höflich, wohlerzogen und glaubt an das Gute. Umso mehr hat er mir leidgetan, völlig unverschuldet in diese schreckliche Situation geraten zu sein, die er nur schwer fassen kann. Noch dazu ist er den psychologischen Tricks der Stasi hilflos ausgeliefert, da sie mit seinen Ängsten spielen und ihn regelrecht erpressen. Seine innere Zerrissenheit und Verzweiflung wird spürbar und die Veränderung, die mit dem ungeheuren Druck und seiner ungewollten Verantwortung einhergeht ist nachvollziehbar.
Katja hingegen ist mit allen Wassern gewaschen, sie hat in der Vergangenheit bereits lernen müssen, alleine zurecht zu kommen und sich durchzuschlagen – ein wahnsinnig taffes Mädchen! Sie lässt sich von niemandem etwas sagen und zeigt hohe Kreativität darin, sich den Erziehungsmethoden der DDR zu entziehen. Ein wirklich starker Charakter, der aber auch von Angst und Verzweiflung getrieben ist.
Es ist schön zu sehen, wie beide miteinander umgehen, einander helfen und eine Bindung zueinander entwickeln, da sie (zunächst) die einzigen beiden vertrauenswürdigen Menschen füreinander sind.
Auch Nebenfiguren wie Sebastians Vater oder seine Mitschülerin Sabine gewinnen im Laufe des Buches an Tiefe und werden in ihrem Denken und Handeln für den Leser begreifbar.
Eine spannende wenn auch unsympathische Figur war der MfS-Mitarbeiter Möller: Seine "zwei Gesichter" und perfiden Durchsetzungsmethoden einen Jugendlichen gegenüber sich schockierend wie faszinierend gleichermaßen. Erschreckend, welche Taktiken und Erpressungen er dabei ungeschoren anwenden kann und welche Macht er über Sebastian besitzt. Die früheren Stasi-Methoden werden anschaulich und eindrücklich dargestellt und schockieren den Leser umso mehr.

Insbesondere hier, aber auch an vielen anderen Stellen des Buches merkt man deutlich, wie intensiv und umfassend die Autorin recherchiert hat, um „Verraten“ möglichst authentisch zu gestalten – was ihr absolut gelungen ist! Dies ist zudem ihrem bildhaften Schreibstil zu verdanken, der die DDR mit all ihren Gegenständen, Häusern und Personen lebendig heraufbeschwört. Gerade junge Leser, die die DDR-Zeit lediglich aus dem Schulunterricht kennen, können somit den damaligen Alltag und die Repressalien, denen die Menschen ausgesetzt waren, nachempfinden. Auch gut gefallen hat mir, das reale Ereignisse wie die Tschernobyl-Katastrophe in die Handlung eingebaut wurden und der Umgang der Bevölkerung mit dieser Bedrohung dargestellt wurde.
Unterstützt wird der Eindruck der guten Recherchearbeit der Autorin noch zusätzlich durch den Anhang des Buches. Die Informationen inkl. Abdruck der Original-Dokumente und das Interview mit dem Zeitzeugen Christian Ansehl am Ende fand ich wahnsinnig interessant, auch wenn sie mich echt erschreckt haben. Unvorstellbar, wie damals strategisch und perfide die Anwerbung unschuldiger Jugendlicher durch die Stasi vonstattenging, das hat mich wirklich angewidert.

Mein Fazit:
„Verraten“ von Grit Poppe ist ein authentisch geschriebenes Jugendbuch, das auf bildhafte und anschauliche Weise den Alltag zweier junger Menschen in der DDR aufzeigt. Es bietet für die Zielgruppe zahlreiche Ansätze, über die innerhalb des Schulunterrichts diskutiert werden könnte – meiner Meinung nach eine gelungene Möglichkeit, SchülerInnen die damalige Zeit greifbar zu machen und gesellschaftskritisch zu betrachten. So können sich Jugendliche auch noch einmal intensiver mit scheinbar selbstverständlichen Errungenschaften und Werten der aktuellen Zeit auseinandersetzen und überlegen, wie sie sich wohl an Sebastians Stelle verhalten hätten. Ein absolut lehrreiches Buch, das unbedingt in den Schulunterricht gehört.

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