Cover-Bild Die kleine Schwester
Band 2 der Reihe "Philip Marlowe"
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Krimi: Hard Boiled, Roman Noir
  • Genre: Krimis & Thriller / Krimis & Thriller
  • Seitenzahl: 352
  • Ersterscheinung: 23.09.2020
  • ISBN: 9783257071399
Raymond Chandler

Die kleine Schwester

Robin Detje (Übersetzer)

Orfamay Quest kommt aus der Provinz nach Los Angeles. Sie sorgt sich um ihren vermissten Bruder. Das ist die Version, die sie Privatdetektiv Philip Marlowe auftischt. Die Spur führt hinter die Kulissen von Hollywood, wo Orfamays große Schwester ein Leinwandstar ist. Marlowe gerät in eine Welt aus Gangstern und Glamour, Cops und Fedoras. Ein Meisterwerk mit wunderbarster Film-noir-Atmosphäre. Und gleichzeitig eine gnadenlose Entlarvung der Traumfabrik. Fortsetzung der Neuedition der ›Philip-Marlowe‹-Romane. Chandlers großer Hollywood-Roman in brillanter Neuübersetzung von Robin Detje. Mit einem Nachwort von Michael Connelly.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2020

Crime noir

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Durch eine Fehllieferung erhielt ich die Neuübersetzung von Raymond Chandlers Klassiker „Die kleine Schwester“. Warum nicht die Gelegenheit ergreifen um einen Krimi zu lesen, dessen Autor als Vater des ...

Durch eine Fehllieferung erhielt ich die Neuübersetzung von Raymond Chandlers Klassiker „Die kleine Schwester“. Warum nicht die Gelegenheit ergreifen um einen Krimi zu lesen, dessen Autor als Vater des modernen Detektivs und als Mitbegründer des „Krimi noir“ gilt. (Die Straßen waren schwarz nicht vom Dunkel der Nacht allein. Chandler)

Orfamay Quest kommt aus der Provinz nach Los Angeles, ihr Bruder Orrin meldet sich seit Monaten nicht mehr und sie befürchtet schlimmes. Viel Geld hat sie nicht, aber sie ist hübsch und hilflos, dem kann der hartgesottene Phil Marlowe nicht widerstehen – auch wenn er bald merkt, dass es einer der Fälle wird, bei denen er draufzahlt.

Die Ermittlungen führen in die Glitzerwelt Hollywoods, wo die jungen und schönen Starlets um Ruhm und Aufmerksamkeit buhlen und dabei jedes Mittel nutzen. Gleich daneben geht in die Schäbigkeit hinter den Kulissen, in abgeranzte Hotels, zu zwielichtigen Ärzten, die ihre Praxis mit Drogen finanzieren und zu Gangstern, die Hollywood als Geldmaschine erkannten.

Die Handlung ist sehr komplex und manchmal sogar verworren, man muss schon sehr konzentriert bei der Sache bleiben, um nicht einen Namen, einen Hinweis zu überlesen. Phil Marlowe ist ja inzwischen ein Synonym für einen Detektiv geworden, er agiert hier als „Harter Hund“, hat aber immer wieder seine romantischen Anwandlungen, wie er sich selbst eingesteht. Einer hilflosen Frau, einem hübschen Gesicht – da kann er eben nicht anders, auch wenn er die Folgen voraussieht.

Das sind sehr interessante Einblicke in die Filmwelt der 40iger Jahre, die sich seit der Zeit wohl nur wenig veränderte. Die Sprache ist „cool“, für meine Begriffe wird das aber zu sehr strapaziert. Allerdings blitzten immer wieder Abschnitte auf, die brillant geschrieben sind. Das vermittelt mir schon, warum Chandler zu den Klassikern gehört. Aber ob jeder Klassiker die Jahrzehnte übersteht und gut altert, muss jeder für sich entscheiden. Ich hatte meine Schwierigkeiten damit.

Nichts desto trotz war es an der Zeit mal einen „Philip Marlowe“-Krimi zu lesen und nicht nur die Filmbilder im Kopf zu haben.

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Veröffentlicht am 11.12.2020

Düstere Engel

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Die junge Dame aus Manhattan, Kansas, sucht ihren Bruder. Sie fährt nach Los Angeles und sucht nach einem Detektiv. Philip Marlowe soll den Auftrag bekommen. Orfamay Quest hat nicht viel Geld, aber ein ...

Die junge Dame aus Manhattan, Kansas, sucht ihren Bruder. Sie fährt nach Los Angeles und sucht nach einem Detektiv. Philip Marlowe soll den Auftrag bekommen. Orfamay Quest hat nicht viel Geld, aber ein niedliches Gesicht. Ein Grund für Marlowe den Auftrag anzunehmen. Den ehemaligen Medizinstudenten zu finden, erweist sich als schwierig. Auch scheint Marlowes Kundin es entweder mit der Wahrheit nicht ganz so genau zu nehmen oder zumindest mit etwas hinter dem Berg zu halten. Doch nach und nach deckt Marlowe die düsteren Geheimnisse des Orrin Quest und seiner kleinen Schwester auf.

Bei diesem Roman handelt es sich um den fünften Band, mit dem Privatdetektiv Philip Marlowe als Ermittler. Eine Rahmenhandlung, die es angebracht erscheinen ließe, beim Lesen eine Reihenfolge einzuhalten, ist nicht erkennbar. Die Welt von Philip Marlowe ist in Südkalifornien Ende der 1940er angesiedelt. Stars und Sternchen gab es auch damals schon und viele von ihnen hatten eine ungewöhnliche Geschichte. Alle träumten von Ruhm und Geld und möglicherweise von ein wenig Liebe. Doch in was ist Orrin Quest hineingeraten? Und warum ist seine kleine Schwester nicht einfach zu Polizei gegangen?

Wenn es mal ein Crime Noir Klassiker sein soll, kommt einem der Name Raymond Chandler durchaus in den Sinn. Ob „Die kleine Schwester“ der richtige Band für den Einstieg ist, kann man vielleicht etwas in Frage stellen. Auch muss man sich im Klaren sein, dass die Art der Darstellung aus den späten 1940er Jahren vielleicht nicht ganz einfach in die heutige Zeit übertragen werden kann. Diese Punkte und auch dass es in dem Fall eher um die Darstellung der Filmindustrie und deren Verbindung zum Verbrechen geht als um eine stringente Ermittlung, machen die Lektüre nicht ganz einfach. Auf der anderen Seite lässt sich jedoch sagen, dass die Stimmung im damaligen Los Angeles mit seiner Filmindustrie sehr gut rüberkommt. Mitunter braucht der Autor nur wenige prägnante Worte, um Bilder einer lebendigen Stadt mit ihrem besonderen manchmal düsterem Flair erstehen zu lassen.

Veröffentlicht am 18.12.2020

Eine Schwester auf der Suche nach dem Bruder

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"Was verdienen Sie so Mr. Marlow?" "Vierzig Dollar pro Tag plus Spesen. Das verlange ich. Manchmal auch fünfundzwanzig. Auch schon mal weniger." (Buchauszug)
Orfamay Quest ein unschuldiges Wesen aus einer ...

"Was verdienen Sie so Mr. Marlow?" "Vierzig Dollar pro Tag plus Spesen. Das verlange ich. Manchmal auch fünfundzwanzig. Auch schon mal weniger." (Buchauszug)
Orfamay Quest ein unschuldiges Wesen aus einer kleineren Provinz Kansas, kommt in die große Stadt, um nach ihrem Bruder Orrin zu suchen. Dieser hat sich länger nicht bei seiner Familie gemeldet, weshalb sie sich Sorgen machen. Zumindest ist es dies ihre Variante, die sie Privatdetektiv Philip Marlowe versucht weiß zu machen. Orfamays unschuldiger Blick, ihre Naivität scheinen jedoch Marlowe anzuziehen, weshalb er den Auftrag annimmt, obwohl er keine große Lust dazu hat. Doch immer mehr Ungereimtheiten stellen klar, das Orfamay ihm die ganze Wahrheit verschwiegen hat. Doch Marlowe findet irgendwann heraus, was sie vor ihm zu verbergen versucht. So entdeckt er unter anderem das Orfamays Schwester als Schauspielerin in Hollywood arbeitet und das Geheimnis um ihren Bruder.

Meine Meinung:
Zufällig bin ich an dieses Buch geraten, als ich bei einer Leserunde das falsche Buch bekam. So dachte ich mir, warum nicht, dann lese ich eben doch mit, obwohl mich der Klappentext nicht überzeugt. Man sollte vielleicht doch auf sein Bauchgefühl hören, den mit diesem Buch habe ich mir keinen Gefallen getan. Mir sagte zwar der Name Philip Marlowe etwas, jedoch das Chandler der Vorreiter der späteren Kriminalromane war, das wusste ich bis dahin nicht. Der Sprache ist trotz neuer Übersetzung zwar ok gewesen, doch die Ausdrucksformen sind meiner Ansicht nach eher grenzwertig. Einiger seiner Dialoge sind recht witzig und manche durchaus gut gemacht. Doch Chandler zeigt hier leider ein wirklich unschönes, bedenkliches Frauenbild auf, bei dem es keine Ausnahmen gibt. Zudem hat es ihm die Filmindustrie Hollywoods angetan, mit der er hier in diesem Buch anscheinend versucht abzurechnen. Fast alle Frauen werfen sich Marlowe an der Hals, als wenn er der größte Gigolo ist, derweil empfinde ich ihn eher als eine Art Colombo-Magnum Verschnitt zum Einschlafen. Marlowe glaubt sogar, dass die Frauen einen Mann regelrecht schwach machen, sodass dieser gar nichts anders kann, als zuzugreifen. Gerade im Zeitalter der heutigen MeToo-Bewegung empfinde ich dieses Frauenbild einfach nicht mehr zeitgemäß. Natürlich muss man vorstellen, dass dieses Buch kurz nach dem Krieg entstanden ist und da vieles sicher anders war. Doch möchte ich so was unbedingt heute noch in einem Krimi lesen. Außerdem hab ich den Eindruck, das Chandler die Problematik Hollywoods, das sich Frauen damals für eine gute Rolle eben hochgeschlafen musste, aufzeigen wollte. Auch Marlowes Einstellung zu Arbeit empfand ich gewöhnungsbedürftig, ich hatte nicht den Eindruck, dass ihm sein Job wirklich Spaß macht. Selbst seine Ermittlungen können mich nicht voll überzeugen. So weiß ich bis heute nicht, wie Marlowe an manche Informationen gekommen ist. Das Buch wurde für mich von Seite zu Seite immer verworrener und ich konnte irgendwann gar nicht mehr richtig folgen. Ebenso hält sich die Spannung in Grenzen, sodass die Geschichte immer ermüdender für mich wurde. Selbst wenn Chandler der Vater der Kriminalgeschichten sein soll, war dies sicher mein einziges Buch, das ich von ihm gelesen habe. Deshalb kann ich hier nur 2 von 5 Sternen geben.

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