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Veröffentlicht am 03.01.2021

Liebe Nachbarschaft

Das Haus
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Kann ein Haus böse sein, das Böse beherbergen, es speichern und kann es dann auf spätere Bewohner übertragen werden? Fragen, die man sicher im ersten Moment belächelt und ins Paranormale abschiebt. Für ...

Kann ein Haus böse sein, das Böse beherbergen, es speichern und kann es dann auf spätere Bewohner übertragen werden? Fragen, die man sicher im ersten Moment belächelt und ins Paranormale abschiebt. Für Nadja, die gerade an einem Buch über solche Themen schreibt ist diese Frage gar nicht zum lachen, gehen in ihrem Mietshaus doch gerade ziemlich merkwürdige Dinge vor. Ist der Sturz des schüchternen Enid von der Dachterasse ein tragischer Unfall, Selbstmord, oder gar etwas ganz anderes gewesen? Gemeinsam mit zwei weiteren Hausbewohnerinnen macht sich Nadja, eher unfreiwillig, auf Spurensuche.

Nachbarschaft, ein Mikrokosmos, in dem die verschiedensten Persönlichkeiten aufeinander treffen, manchmal auch aneinander geraten. Jeder kennt es, in einem Mietshaus noch stärker als in einem Einfamilienhaus, irgendwie ist die Konstellation immer ähnlich, da gibt es die Klatschtante mit ihrem unerschöpflichen Vorrat an Informationen, die Hilfsbedürftige, die immer jemanden findet, der ihre Arbeiten erledigt, der gute Geist, der Treffen organisiert und den Gemeinschaftssinn heraufbeschwört, der Einsiedler, der allen aus dem Weg geht und lieber für sich bleibt.

Die Autorin hat all diese Figuren und noch einige mehr in ihrem Haus versammelt. Sie beschreibt die verschiedenen Eigenarten mit treffendem Blick, teils etwas überspitzt, fast schon satirisch. Für einen herkömmlichen Krimi manchmal einen Tick drüber, allerdings schreibt die Autorin nicht wirklich herkömmlich. Die Geschichte ist eingebettet in eine Alltagssituation, eher träge beginnt die Story zu wachsen, teilweise glaubt man als Leser nicht, dass da was interessantes passiert und dann geschieht doch wieder etwas Neues. Die Geschichte baut sich stufenweise auf, es gibt Verwicklungen, falsche Spuren, zahlreiche Verdächtige und ein total überraschendes Finale.

Mich hat diese Geschichte allerdings nicht ganz abgeholt, ohne das ich genau festmachen könnte woran das lag. Die Figuren fand ich etwas blass, trotz der fabelhaften Ausarbeitung ihrer Eigenschaften waren sie optisch für mich nicht greifbar. Ich konnte sie mir nur schwer vor meinem geistigen Auge vorstellen, dadurch viel es mir auch schwer sie innerhalb des Hauses richtig zu platzieren. Mir war das Ganze dadurch nicht rund, andere Leser wird das wahrscheinlich überhaupt nicht stören.

Fazit, ein Krimi mit einer interessanten Grundkonstellation und scharf beobachteten Figuren. Kurzweilig, auf Grund der Länge gut für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 27.12.2020

Agentenspiele

Grünes Öl
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Nach jahrelanger Forschung gelingt dem Mikrobiologen Jacques und seinem Partner Al Ge ein bahnbrechender Durchbruch, der die kleine Firma vor der Insolvenz retten würde, die Gründer wären reich und ein ...

Nach jahrelanger Forschung gelingt dem Mikrobiologen Jacques und seinem Partner Al Ge ein bahnbrechender Durchbruch, der die kleine Firma vor der Insolvenz retten würde, die Gründer wären reich und ein grundlegendes Problem der Weltbevölkerung im Bezug auf die Brennstoffversorgung gelöst. Aber natürlich ist nicht jedem an dieser Lösung gelegen und so geraten die beiden Freunde bald ins Visier skrupelloser Investoren. Ein Katz und Maus Spiel beginnt.

Das Buch ist unterteilt in einzelne Kapitel, welche wiederum unterteilt sind in verschiedene Handlungsstränge. Um hier ein wenig die Übersicht zu gehalten ist jeder Abschnitt mit einer Zeit- und Ortsangabe überschrieben. Der Autor springt in kurzen Abständen zwischen diesen Abschnitten hin und her und es ist manchmal gar nicht so einfach ihm zu folgen. Durch die verschiedenen Handlungsstränge kommen natürlich viele Figuren ins Spiel und auch hier muss man den Überblick behalten. Anfangs gibt es Handlungen, von denen nicht klar ist, welche Rolle sie im Gesamten spielen. Ganz am Ende wird dies dann zwar zusammengeführt, aber teilweise nur mit minimalen Berührungspunkten. Für mich hätte es das so nicht gebraucht für die Geschichte, kommt mir fast ein wenig wie Füllmaterial vor, trägt aber natürlich wieder zur Verwirrung des Lesers bei.

Diese Verwirrung zieht sich für mich leider durchs ganze Buch, die Story ist verworren und bis weit über zwei Drittel wenig spannend. Dieses ganze, sehr an klassische Spionage Thriller angelegte, Verwirrspiel konnte mich nicht fesseln. Die Einblicke in die Arbeitsweise der Geheimdienste, wer wem einen Auftrag erteilt um etwas bestimmtes zu erreichen, diese Verbrüderung mit dem Bösen, um am Ende die Guten zu retten, diese Scheinheiligkeit im Bezug auf "Der Zweck heiligt die Mittel", wahrscheinlich gängige Praxis, konnte mich aber nicht erreichen.

In vielen Details ist die Geschichte für mich eher ein Spionage, statt ein Umwelt Thriller, ich hatte da ganz andere Erwartungen. Die Story ist teilweise wirr und undurchsichtig, in Teilen auch nicht unbedingt schlüssig. Die Auflösung hat bei mir nur große Fragezeichen hinterlassen. Alles in Allem natürlich ein aktuell interessantes Thema, die Umsetzung aber nicht meins.

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Veröffentlicht am 17.12.2020

Rettung der Menschheit

Vakuum
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Der Titel des Buches lässt erstmal nicht wirklich auf den Inhalt schließen. Vakuum kann alles Mögliche bedeuten. Beim lesen merkt man dann recht schnell in welche Richtung es geht. Zu Beginn haben wir ...

Der Titel des Buches lässt erstmal nicht wirklich auf den Inhalt schließen. Vakuum kann alles Mögliche bedeuten. Beim lesen merkt man dann recht schnell in welche Richtung es geht. Zu Beginn haben wir drei verschiedene Handlungsstränge, die erstmal nichts miteinander zu tun haben. Wir lernen Susan kennen, die in einer Forschungsstation kosmische Strahlungen beobachtet, Colin, einen Astronauten kurz vor einer erneuten Mondlandung und wir begegnen Pala, einem jungen Nomadenmädchen, das sich gerade große Sorge um ihren kranken Vater macht. Relativ schnell laufen die ersten ineinander, der letzte läuft weiterhin separat, hat aber eine große Bedeutung für die gesamte Geschichte.

Im Groben folgt die Geschichte einem einfachen und auch bekannten Muster, eine Bedrohung für die Menschheit, vor der nun verzweifelt eine Rettung gesucht wird. Wer entsprechende Bücher, oder auch Filme konsumiert kennt das Grundgerüst natürlich. Die Bedrohung ist, für mich jedenfalls, mal etwas völlig Neues, die Umsetzung innerhalb der Geschichte ganz gut gelungen, wenn man davon absieht, dass die technischen Detail teilweise etwas verwirrend waren.

In früheren Jahren wäre ich wahrscheinlich ziemlich begeistert gewesen. Heute, sehe ich das etwas differenzierter. Das Buch startet etwas schwach in die Geschichte und kommt erst später in Fahrt. Die Timeline bekommt durch die verschiedenen Handlungsstränge eine interessante Dynamik, das hat der Autor gut gelöst. Was ich als negativ empfunden habe sind leider die teils sehr stereotypen Figuren. Die introvertierte Wissenschaftlerin mit Bindungsangst, der Spezialist für Atomwaffen, der glänzende Augen bekommt, wenn er von seinen Bomben schwärmt, oder der Astronaut, der sich als Gottes Geschenk an die Frauenwelt sieht und jedes weibliche Wesen ins Bett kriegen will. Bei der Entwicklung der Krise und dem allgemeinen Umgang damit greift der Autor auf bekannte und eingefahrene Muster zurück.

Ganz besonders unangenehm empfinde ich aber die Darstellung der USA an sich, natürlich entdeckt Amerika die Bedrohung als erstes und haben auch als erstes eine Lösung und wie selbstverständlich ist nur die Rettung und der Fortbestand des amerikanischen Volkes eine Option. Natürlich ist das Fiktion und natürlich sollte man das nicht überbewerten, aber ich bin zunehmend von dieser Denkweise in Büchern und Filmen genervt.

Zum Ende hin konnte die Geschichte , ähnlich einem Countdown, an Spannung etwas zulegen, auch emotional hat mich der Verlauf kurzzeitig nochmal gekriegt. Mit seinem erklärenden Nachwort hat der Autor eine leichte Gänsehaut bei mir verursacht, da das beschriebene Phänomen auf wissenschaftlichen Tatsachen beruht.

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Veröffentlicht am 13.12.2020

Interessante Erkenntnisse

Von wegen Heilige Nacht!
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Kaum eine Geschichte aus der Bibel ist wohl auch nicht gläubigen Menschen so bekannt, wie die um die Geburt des Jesuskindes. Der Grund für unser heutiges Weihnachtsfest, neben den Geschenken natürlich. ...

Kaum eine Geschichte aus der Bibel ist wohl auch nicht gläubigen Menschen so bekannt, wie die um die Geburt des Jesuskindes. Der Grund für unser heutiges Weihnachtsfest, neben den Geschenken natürlich. Die Weihnachtsgeschichte liefert uns unumstößliche Fakten zu Ort und Zeit der Geburt, den anwesenden Personen und den Begleitumständen. Doch sind diese Fakten tatsächlich so unumstößlich und hat sich alles genauso zugetragen, wie wir es uns seit Jahren immer wieder erzählen? In diesem Buch begleiten wir die Autor auf einem Faktencheck, einer Spurensuche in die Vergangenheit.

Das Buch nimmt Stück für Stück die einzelnen Punkte der Geschichte und überprüft sie, soweit dies heute noch möglich ist, auf ihren Wahrheitsgehalt. Kein einfaches Unterfangen, da es natürlich nur wenig belegte Daten gibt. In kurzen Kapiteln geht es so zum Beispiel um das genaue Datum der Niederkunft, nach dem wir ja schließlich unsere komplette Zeitrechnung eingerichtet haben, aber auch um den genauen Ort, oder die familiären Hintergründe. Schnell wird klar, dass Vieles von dem, das wir heute als Tatsache ansehen, so gar nicht passiert sein kann. Die Gründe hierfür analysiert das Buch ebenfalls und so lesen wir von Übersetzungsfehlern, oder Änderungen im Kalender.

Vom Cover des Buches her hatte ich mir eine heitere Analyse der Weihnachtsgeschichte erwartet, tatsächlich schreiben die Autorinnen aber eher trocken und manchmal auch etwas verworren. Trotzdem sind die Erkenntnisse sehr interessant und bieten Einblick in die damaligen Verhältnisse. Die Illustrationen sind einfach und witzig, wie das Cover auch, passen aber eben nur bedingt zum Schreibstil.

Das Buch ist ein nettes Geschenk zur Weihnachtszeit, das eine seit Jahrhunderten bestehende Geschichte hinterfragt und einige interessante Einblicke ermöglicht. Der Zauber, der der Weihnachtsgeschichte anhaftet wird dadurch aber in keinster Weise geschmälert. Es zeigt einfach, das die Bibel letztendlich auch nur eine Sammlung von Geschichten ist, geschrieben von Menschen, beeinflusst durch persönliche Interessen und zeitgeschichtliche Strömungen, hier und da etwas ausgeschmückt, eben kein Tatsachenbericht.

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Veröffentlicht am 15.10.2020

Schwer einzuordnen

Wir sind fünf
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Wir sind Fünf erzählt die Geschichte der Familie Blystad. Vater Tormod ist ein hart arbeitender Mann, der Frau und Kindern jeden Wunsch erfüllt, wenn sie glücklich sind, ist er es auch. Ein Wunsch der ...

Wir sind Fünf erzählt die Geschichte der Familie Blystad. Vater Tormod ist ein hart arbeitender Mann, der Frau und Kindern jeden Wunsch erfüllt, wenn sie glücklich sind, ist er es auch. Ein Wunsch der Kinder ist ein Hund und mit etwas Überzeugungsarbeit bei Mutter Siv darf Hündin Snusken einziehen. Alle Familienmitglieder profitieren von der Anwesenheit des Tieres, die Geschwister haben nun eine gemeinsame Aufgabe, Mutter Siv ist plötzlich voller Energie und Tatendrang, Alle blühen auf. Natürlich ist dem Leser bald klar, dass es so wohl nicht bis zum Ende des Buches weitergehen wird und schon bald liegt eine eher düstere Stimmung über den Figuren.

Das Buch ist locker, ich würde den Schreibstil fast als beschwingt bezeichnen, das Lesen fällt unglaublich leicht. Die Figuren sind nett gezeichnet, mit kleinen Macken und Eigenheiten und gerade zu Tormod gibt es viel Hintergrund, der seine Handlungen erklären soll und seinen Charakter unterstreicht. Die Aufmachung ist schön, mit Schutzumschlag und Lesebändchen. Das Cover erschließt sich beim Lesen.

Das Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt und schon in Teil zwei beginnt die Stimmung und irgendwie die gesamte Geschichte zu kippen. Obwohl es immer noch eine Familiengeschichte ist, kommen andere Elemente hinzu.Tormod betreibt eine Art Experiment, dem dessen Sinn ich nicht ganz verstanden habe und dessen Beschreibung ich manchmal recht abstrakt fand. Dieses Experiment nimmt immer skurilere Formen an und immer mehr Raum im Buch ein. Die Geschichte wird von Abschnitt zu Abschnitt wunderlicher und fast obskur.

Die Geschichte lässt sich nur schwer einem Genre zuordnen. Trotz vieler Momente, die zb an Dr Jekyll und Mister Hyde, oder an Frankenstein denken lassen ist das Buch nich gruselig, Since Fiction ist es aber auch nicht, obwohl die Story schon ziemlich futuristische Elemente enthält. Auf dem Einband wird die Geschichte mit Faust verglichen. Ich weiß auch nicht. Bis zum vierten Abschnitt fühlte ich mich eigentlich noch ganz gut unterhalten, habe gerätselt, wo die Geschichte wohl hingeht. Im letzten Abschnitt hat der Autor mich dann aber verloren. Die Geschichte ist mir irgendwie weggedriftet, war mir zu konfus und unglaubwürdig. Ich habe mich ständig gefragt, was der Autor mir wohl sagen möchte.

Das Buch lässt mich zwiegespalten zurück, wahrscheinlich war ich nicht der richtige Leser, ich habe nicht verstanden, was der Autor ausdrücken wollte, allerdings möchte ich auch nicht erst Literatur studieren müssen, um den tieferen Sinn eines Buches zu erfassen. Was ich verstanden habe ist, es geht um Familie, um das Streben nach Harmonie und Glück, um den Willen sich weiterzuentwickeln und sich zu verwirklichen. Es geht aber auch um Gelüste, um Sucht, um Manie, um die dunkle Seite in der Seele einer Person und was passiert, wenn diese dunkle Seite die Führung übernimmt. Vielleicht hab ich ja doch mehr verstanden, als ich dachte.

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