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Veröffentlicht am 29.12.2020

Aufregend anders: der Aufstieg der DDR

Die Republik
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In "Die Republik” nimmt uns der Autor Maxim Voland mit in eine Welt, in der die in 1949 neu gegründete DDR das gesamte Staatsgebiet, mit Ausnahme des westlichen Teils von Berlin, umfasst. Die Ideologien ...

In "Die Republik” nimmt uns der Autor Maxim Voland mit in eine Welt, in der die in 1949 neu gegründete DDR das gesamte Staatsgebiet, mit Ausnahme des westlichen Teils von Berlin, umfasst. Die Ideologien der DDR haben sich bis in die Gegenwart bewährt und mit Hilfe von Stasi-Methoden und hochmoderner Überwachungstechnologien hat sich die DDR zu einer der führenden europäischen Mächte entwickelt. Die internationalen Geheimdienste beäugen die Entwicklungen und Überwachungen kritisch aus dem autonomen Bereich West-Berlins und warten auf ihre Chance, die Zukunft der DDR zu ihrem Gunsten zu verändern – als eine Giftgaswolke durch Berlin zieht und zahlreiche Tote fordert. Es bleibt zunächst unklar, ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag handelt, und, wer dahinter stecken könnte. Gemeinsam mit einem Stasi-Oberst, einer MI6 Agentin, einer Bewohnerin der DDR und einem Besucher aus Frankreich entfalten sich die politischen Verstrickungen und Ereignisse.
Der Schreibstil des Autors ist toll und konnte mich sofort fesseln. Bei ein paar Wörtern hatte ich das Gefühl, dass sie nicht ins Genre passen, aber vor dem Hintergrund, dass sich der Autor Markus Heitz sonst dem Fantasy-Genre widmet, kann man gut darüber hinwegsehen. Die Geschichte entwickelt sich rasant und die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten und steigert sich sogar. Die Lesenden erleben ein Stück gut recherchierte DDR-Geschichte, Action und Feuergefechte, Intrigen sowie Verfolgungsjagden. Die Charaktere finde ich gut gewählt und sie passen für mich hier sehr gut, vor allem auch die unterschiedlichen Blickwinkel auf die Situation in der fiktiven DDR. Besonders den Einstieg fand ich auch sehr gut, mit Broiler und Co. fühlte ich mich gleich sehr gut an die DDR erinnert. Auch Zitate, Redewendungen und Witze aus der DDR zwischen den Kapiteln finde ich sehr passend. Der Autor schafft es enorm gut, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu verwischen.
Positiv finde ich an diesem Buch auch, dass durchaus Kritik am Kapitalismus, Sozialismus und an Überwachung durch Technologie geübt wird und somit auch sehr aktuelle Themen behandelt werden. Das Buch ist dabei aber zu keiner Zeit belehrend, sondern regt zum Nachdenken an.
Für mich wirklich ein tolles Buch mit vielen unterschiedlichen Facetten. Wer Agenten-Thriller/Polit-Thriller mag, der ist meiner Meinung nach mit diesem Buch wirklich gut beraten.

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Veröffentlicht am 04.10.2020

Zeitreisen wundervoll illustriert und kindgerecht aufgearbeitet

Einstein
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Mit “Einstein – Die fantastische Reise einer Maus durch Raum und Zeit" hat Torben Kuhlmann beim Nord Süd Verlag auf 128 Seiten wieder ein toll illustriertes Buch (nicht nur) für Kinder geschaffen. Die ...

Mit “Einstein – Die fantastische Reise einer Maus durch Raum und Zeit" hat Torben Kuhlmann beim Nord Süd Verlag auf 128 Seiten wieder ein toll illustriertes Buch (nicht nur) für Kinder geschaffen. Die kleine Maus hat diesmal das große Käsefest in Bern verpasst und sucht nun nach einer Möglichkeit, durch Raum und Zeit zu reisen. Die Maus beschäftigt sich also mit der Bedeutung der Zeit und findet die Aufzeichnungen von Albert Einstein. Zeitreisen will allerdings gelernt sein, das weiß man spätestens nach Lektüre dieses Buches.
Das Buch ist fantastisch illustriert. Aber nicht nur grafisch, sondern auch inhaltlich macht die Geschichte einiges her. Die Illustrationen und der Text ergänzen sich extrem gut und so ist das Buch sowohl zum Vorlesen aber auch zum Entdecken winziger Details sehr gut geeignet. Die unterschiedlichen Zeitebenen und Möglichkeiten, die sich ergeben lassen dabei viel Raum für Spekulation. Sehr gut finde ich auch, dass das mehrmalige Lesen und Anschauen des Buches immer wieder neue Details offenbart.
Meiner Meinung nach ist das Buch aber nicht nur für Kinder geeignet – auch Erwachsene haben damit ihren Spaß. Insbesondere die letzten Seiten geben Anreiz, sich noch weiter mit der Thematik zu beschäftigen. Ich persönlich mag auch die Farbgestaltung sehr, die nicht knallig bunt daherkommt, sondern sehr gut auch das Geschichtliche mit sich trägt.
Ein tolles Buch, dass ich so auch verdammt gern in meiner Kindheit gelesen und angeschaut hätte!

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Veröffentlicht am 04.10.2020

Spannend und authentisch: Eine gelungene Weiterführung der Reihe

Zerrissen
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Der True-Crime-Thriller “Zerrissen” von Michael Tsokos ist am 01.10.2020 im Knaur Taschenbuch Verlag erschienen. Das 400-seitige Buch ist der vierte Teil der Fred Abel-Reihe und passt optisch sehr gut ...

Der True-Crime-Thriller “Zerrissen” von Michael Tsokos ist am 01.10.2020 im Knaur Taschenbuch Verlag erschienen. Das 400-seitige Buch ist der vierte Teil der Fred Abel-Reihe und passt optisch sehr gut in die Reihe. Auch in diesem Band hat es der Rechtsmediziner Dr. Fred Abel wieder mit interessanten Fällen zu tun. Ein besonders schwerer Fall von Kindesmisshandlung an einem jungen Mädchen führt ihn als Zeugen vor Gericht. Bei dem Mädchen handelt es sich allerdings um die Nichte seiner Kollegin Sabine Yao, was die weitere Zusammenarbeit erschwert. Außerdem findet ein alter Freund Abels eine grausam zugerichtete Leiche eingenäht in einem Boxsack. Die Ermittlungen zu den Fällen führen die Protagonisten in die Welt libanesischer Drogen-Clans und bedrohen nicht nur ihr Leben.
Der Schreibstil des Autors liest sich absolut flüssig. Mit der ersten Seite war ich bereits voll im Geschehen. Besonders begeistert mich hierbei immer die Authentizität – sowohl bezüglich der unterschiedlichen Orte in Berlin, aber auch der rechtsmedizinischen Fälle. Dies bestätigt sich auch wieder im Nachwort, in dem uns der Autor die Parallelen zu existenten Fällen aufzeigt.
Besonders gut empfand ich auch, dass die Zusammenhänge nicht konstruiert erschienen, man als Leser aber auch nicht seit Anfang an ahnte, worauf das alles hinaus liefe. Ich konnte also die ganze Zeit miträtseln. Genau das, was ich persönlich von einem guten Thriller (neben der Spannung) erwarte.
Alles in allem also ein sehr solider True-Crime-Thriller, den ich sehr gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 29.08.2020

Ein Roman mit dem Potential, uns die Augen zu öffnen

Der unsichtbare Garten
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Der Roman “Der unsichtbare Garten" von Karine Lambert ist am 25.05.2020 im Diana Verlag erschienen. Auf 288 Seiten konfrontiert uns die Autorin mit dem Schicksal des 35-jährigen Vincent: Eine seltene Augenkrankheit ...

Der Roman “Der unsichtbare Garten" von Karine Lambert ist am 25.05.2020 im Diana Verlag erschienen. Auf 288 Seiten konfrontiert uns die Autorin mit dem Schicksal des 35-jährigen Vincent: Eine seltene Augenkrankheit wird ihn innerhalb von wenigen Wochen fast vollständig erblinden lassen. Nicht viel Zeit für den jungen Mann seine Liste an Wünschen abzuarbeiten und einen Weg in die Zukunft zu suchen. Erst im alten Haus und verwilderten Gemüsegarten seines Großvaters findet er seine Chance.
Bereits der erste Eindruck des Buches in Form des Covers und Schutzumschlages ist umwerfend. Das Cover kommt mit satten Farbtönen daher, was man im ersten Moment durch den milchig-weiß durchscheinenden Schutzumschlag nicht erkennt. Als Lesender kommt man damit auch vor der Lektüre gleich in die richtige Grundstimmung für dieses Buch.
Inhaltlich holt die Autorin den Lesenden dann auch sofort ab: Bereits in den ersten Sätzen bekommt Vincent die Diagnose, dass er nicht mehr lange sehend durchs Leben gehen wird. Besonders beeindruckend ist hier der Schreibstil der Autorin. Der Schock der Diagnose, das Nicht-Akzeptieren-Wollen aber auch die Unsicherheit der Zukunft von Vincent sind fast schon greifbar. Kurze Sätze, sprunghafte Inhalte – einfach großartig. Mit der Zeit der Akzeptanz ändern sich auch die Satzkonstruktionen und man fühlt nicht nur inhaltlich, wie Vincent zu sich findet, sondern kann das auch stilistisch sehr gut erkennen.
Ein weiteres stilistisches Merkmal, dass ich sehr mochte und inhaltlich auch eine gewisse Ironie, aber auch viel zum Nachdenken bringt, sind kurze Notizen von Vincent, die immer wieder eingestreut werden. Bemerkenswert hierbei ist, wie sich die Schriftgröße dieser Notizen mit dem Fortschreiten der Krankheit ändert. Erst sehr subtil, später aber nicht mehr zu ignorieren.
Aber nicht nur stilistisch, auch inhaltlich fand ich das Buch sehr gut und es passt sehr gut in unsere Zeit, in der viele Menschen auf der Suche nach sich selbst sind. Nach dem Motto:
“Beeil dich mit der Langsamkeit, das würde ich dir gern mit auf den Weg geben.”
findet Vincent sein neues Leben und lernt dieses zu wertschätzen. Die Erdung, die er dabei erfährt, wird nicht nur durch den Garten symbolisiert, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen, die in seinem Leben deutlich an Wert und Qualität gewinnen.
Für mich ein wirklich tolles Buch, das unterschiedliche, wichtige Themen behandelt und dass ich sehr genossen habe. Denn auch die Nacht hat viele Farben, die wir nicht nur mit unseren Augen versuchen sollten zu sehen!

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Veröffentlicht am 26.08.2020

Mein Jahreshighlight: Spannend, kraftvoll, emotional

Zugvögel
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Das Buch “Zugvögel” ist der 400-seitige Debütroman der Autorin Charlotte McConaghy, erschienen am 26.08.2020 im S. FISCHER Verlag. Das Buch erzählt von Franny in einer Zeit, in der fast alle Tiere, Vögel ...

Das Buch “Zugvögel” ist der 400-seitige Debütroman der Autorin Charlotte McConaghy, erschienen am 26.08.2020 im S. FISCHER Verlag. Das Buch erzählt von Franny in einer Zeit, in der fast alle Tiere, Vögel und Fische auf der Erde bereits ausgestorben sind. Franny fühlt sich insbesondere den Vögeln, aber auch der Wildheit des Meeres besonders verbunden, mehr als den Menschen und so wundert es kaum, dass sie selbst eher ruhelos und am liebsten auf Wanderschaft ist, immer auf der Suche nach Freiheit und dem Meer. Als die letzten Küstenseeschwalben ihre vermeintlich letzte Reise von Grönland in die Antarktis antreten, beschließt Franny auf der Suche nach Erlösung ihre Küstenseeschwalben zu begleiten und sich so den Naturgewalten des Atlantiks anzuvertrauen.
Die Autorin hatte mich bereits mit ihren ersten Worten:
“Die Tiere sterben. Bald sind wir hier ganz allein.” (Teil 1, Kapitel 1)
Der Schreibstil ist kraftvoll, poetisch und wunderschön und ruhig zugleich und schafft es, die Wildheit und Kraft der Ozeane und gleichzeitig auch die Anmut und Eleganz der Vögel auf beeindruckende und bewegende Weise zu beschreiben ohne je mit dem Finger auf Schuldige zu zeigen. Aufgrund der Thematik über die Sorge des Artensterbens ist der Roman von einer fast schon greifbaren Melancholie geprägt, die zudem durch tiefe Traurigkeit und Verzweiflung von Franny verstärkt wird, aber weit über den Klimawandel und das Artensterben allein hinausgeht.
Der Leser wird nicht nur auf die beschwerliche Reise in die Antarktis, sondern auch auf eine Reise in die Vergangenheit von Franny mitgenommen – genau genommen in mehreren Zeitschienen, die unabhängig voneinander erzählt werden. Was auf den ersten Blick verwirrend zu sein scheint, gibt dem Buch aber eine zusätzliche Dynamik und verstärkt den symbolhaften Charakter. Insbesondere die Eigenarten der Protagonistin Franny haben für mich einen herausragenden symbolischen Charakter: Einmal wirkt sie wie ein Vogel, oder auch das Meer und als Leser kann man immer wieder erahnen, welchen Schaden ihre Seele nimmt, wenn sie sich wider ihrer Natur verhält.
Aber auch die anderen Charaktere sind großartig. Insbesondere die Crew des Fischerbootes, mit dem Franny reist, ist ziemlich exzentrisch und es treffen viele unterschiedliche Einzelschicksale aufeinander, die die Stimmung des Buches nur noch weiter untermalen.
Für mich avanciert dieses Buch als mein persönliches Lese-Highlight des Jahres. Ich bin zutiefst beeindruckt, wie man mit Stille und beispielsweise dem Nicht-Vorhandensein von Vogelgezwitscher einen so starken Nachhall erzeugen kann, wie aber auch gleichzeitig die Liebe, Kraft, Wildheit, Anmut, Eleganz und Fragilität alles Seins thematisiert wird, ohne mit dem Finger zu zeigen und gleichzeitig auch ein hoffnungsvolles Ende zu bieten. Dieses Buch hat mich zutiefst bewegt und wird mir sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben.
Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!

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