Profilbild von sabrina_sbs

sabrina_sbs

Lesejury Star
offline

sabrina_sbs ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit sabrina_sbs über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2017

Überraschend gut!

Der grüne Palast
0

Die österreichische Erzherzogin Leopoldine soll mit dem im brasilianischen Exil lebenden portugiesischen Thronfolger verheiratet werden. Arrangierte Ehen sind an der Tagesordnung und in diesem historisch ...

Die österreichische Erzherzogin Leopoldine soll mit dem im brasilianischen Exil lebenden portugiesischen Thronfolger verheiratet werden. Arrangierte Ehen sind an der Tagesordnung und in diesem historisch inspirierten Buch, werden die Leser auf eine Reise nach Brasilien mitgenommen und können der Entwicklung von einem jungen, naiven Mädchen, zu standhaften, starken Frau folgen.
Briefromane sind spätestens nach „Die Leiden des jungen Werthers“ nicht mehr mein Ding und daher war ich auch ziemlich skeptisch bei dem Buch, zumal mich auch Geschichten um den Adel nicht wirklich packen können. Trotzdem habe das Buch, als ich es schon ausgeliehen bekam, angelesen und wurde doch sehr positiv überrascht. Schnell waren die Vorurteile über Bord geworfen und ich ließ mich einfach nur von Ungeheuerlichkeiten, Intrigen, der Liebe und anderen Verwicklungen unterhalten. Weder blieben die Figuren blass, noch hatte ich Probleme dem Geschehen vollkommen zu folgen, obwohl man nur den verschiedenen Briefwechseln folgt. Auch die Befürchtung, dass der Lesefluss durch die Briefform gestört werden könnte, hat sich nicht bewahrheitet. Die Autorin hat es in dem unterhaltsamen und kurzweiligen Buch geschafft, dass schnell deutlich war, wer welches Spiel spielt, dass nicht der Mensch, sondern die Monarchie im Vordergrund steht und selbst wie die verschiedenen Settings eigentlich aussehen.
Unter dem Strich ein guter historischer Roman im Briefstil, der das Leben am Hof, die Liebe und die menschlichen Abgründe zum Thema hat.

Veröffentlicht am 28.02.2017

Nicht ganz so genial wie "Blackout", aber trotzdem überzeugend

ZERO - Sie wissen, was du tust
0

Das Internet ist allgegenwärtig, die Lifeloggingbewegung nimmt immer größere Ausmaße an, während Datenschützer gebetsmühligenartig vor den Datenkraken wie Facebook und Co warnen. Die Welt ist nun mal global ...

Das Internet ist allgegenwärtig, die Lifeloggingbewegung nimmt immer größere Ausmaße an, während Datenschützer gebetsmühligenartig vor den Datenkraken wie Facebook und Co warnen. Die Welt ist nun mal global vernetzt – sollte man da nicht lieber selbst die Daten sammeln und bewusst zur Verfügung stellen, um gewünschte Gegenleistungen zu erhalten? Welche Gefahren birgt das? Journalistin Cynthia muss leidvolle Erfahrungen machen und dabei begleitet der Leser sie bei der Suche nach den Internetaktivisten „Zero“...

Das Thema geht uns alle an, daher fand ich das Thema schon mal sehr interessant. Elsberg hat es auch interessant aufgebaut und die spannende Jagd um Leben und Tod hatte mich nur so durch das Buch fliegen lassen, obwohl immer wieder meine Gedanken kurz zum eigenen Internetverhalten abschweiften. Die technischen Aspekte des Buches sind recht leicht verständlich und störten den Lesefluss nicht. Was mich jedoch etwas störte waren die Charaktere, die recht blass geblieben sind und mich nicht ganz so mitreißen konnten.

Blackout hatte mir ein Tick besser gefallen, jedoch ist auch dieses Buch extrem spannend, brandaktuell und macht den Leser nachdenklich. Das Szenario ist relativ realistisch für meine Begriffe, obwohl manches schon etwas sehr SciFimäßig anmutet. Ein Blick auf die neusten technischen Entwicklungen und schon wird deutlich – soooo abwegig ist das gar nicht, denn Datenbrillen und Co sind schon auf dem Vormarsch…

Veröffentlicht am 17.02.2017

Unterhaltsame, teils "feurige" Geschichte

Ameisen küssen nicht
0

Ameisen küssen nicht – oder etwa doch? Die junge Professorin Isa, die sogenannte Ameisenkönigin ist sich sicher, dass die Liebe nur ein biochemischer Prozess ist, der von den wirklich wichtigen Dingen ...

Ameisen küssen nicht – oder etwa doch? Die junge Professorin Isa, die sogenannte Ameisenkönigin ist sich sicher, dass die Liebe nur ein biochemischer Prozess ist, der von den wirklich wichtigen Dingen ablenkt. Hinzu kommt, dass Isa das Talent besitzt, ständig in ihrer Umgebung unbeabsichtigte Brände zu legen. Ben, der ebenfalls renommierte (!) Affenforscher lässt hingegen nichts anbrennen. Jede gut aussehende Frau kann er um den Finger wickeln und das tut er sooft es nur geht. Nun treffen die beiden im Rahmen des „Future Awards“ aufeinander und das Geschehen nimmt seinen Lauf.
Direkt in der ersten Szene hatte mich die Autorin schon überzeugen können, denn es beginnt schon recht „heiß“ und „feurig“. Die Emotion gegenüber der Rationalität fand ich im ersten Teil sehr gut dargestellt und die Reise nach Norwegen, inklusive Wettbewerb wirklich unterhaltsam. Im zweiten Teil ging mir manches etwas zu holprig weiter und es wirkte auf mich an mehr Stellen etwas zu sehr konstruiert, aber der Witz und die spritzigen Dialoge machen das wieder wett. Die Charaktere waren unterhaltsam und stimmig, allen voran Meyer – das Original in dem Buch und mein absoluter Liebling. Aber auch eine gewisse Entwicklung machen die Figuren im Verlauf der Geschichte, die es zunehmend interessanter macht dem Ganzen zu folgen.
Wer etwas kompliziertere Liebesgeschichten mag, der wird dieses Buch definitiv auch mögen. Die wissenschaftlichen Aspekte im Buch sind gut verständlich und verhältnismäßig rar, sodass sich keiner Sorgen machen muss dem Geschehen auf dieser Ebene vor lauter Fachbegriffen nicht folgen zu können. Der Schreibstil ist flüssig, die Kapitel sind recht kurz, sodass man schnell vorankommt. Die Geschichte hat nur wenige Längen, dafür hat sie an mancher Stelle mit der einen oder anderen Wendung überrascht, sodass ich unter dem Strich recht zufrieden das Buch zugeschlagen habe.

Veröffentlicht am 13.02.2017

Solider Krimi

Denn mir entkommst du nicht
0

Kommissarin Charlotte Schneidmann ist frisch aus der Elternzeit zurück, als ein grausamer Frauenmord geschieht. Mit ihrem Kollegen Käfer macht sie sich auf die Suche nach dem Täter, denn es ist nicht unwahrscheinlich, ...

Kommissarin Charlotte Schneidmann ist frisch aus der Elternzeit zurück, als ein grausamer Frauenmord geschieht. Mit ihrem Kollegen Käfer macht sie sich auf die Suche nach dem Täter, denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass der mögliche Sexualstraftäter erneut zuschlagen könnte.
Ein solider Krimi, der mich mit seinem Thema und den Protagonisten überzeugen konnte. Meist fand ich die Geschichte spannend, jedoch gab es zwischendurch immer wieder kleinere, langsame Sequenzen. Leider fehlten mir auch paar überraschende Wendungen und wenn man aufmerksam liest, wird man verhältnismäßig schnell erkennen, wer die Frauen umbringt (wobei man an diesen Stellen noch nicht sicher sein kann).
Der Schreibstil ist ansprechend, flüssig und leicht zu lesen. Besonders gut hat mir hierbei der zweite Erzählstrang um den ehemaligen Kleinkriminellen Antonio gefallen, der mittlerweile einer ordentlichen Arbeit nachgeht und für seine Familie da ist, immer mehr in den Fokus der Ermittlungen gerät. Das Thema und die Hintergründe sind interessant, nicht sehr gewöhnlich und es hat mich überzeugt. Das Thema Abtreibung, aber auch Drogen und Prostitution sind zentral und offenbaren menschliche Tiefen, die es in sich haben.
Es handelt sich um eine Reihe, aber auch der Start mitten in der Reihe war kein Problem. Es gibt Rückblicke, aber die sind trotzdem verständlich.

Veröffentlicht am 12.02.2017

Sei vorsichtig mit deinen Wünschen

Das geträumte Land
0

Jende Jonga ist endlich in Amerika, dem Land der ungeahnten Möglichkeiten, dem Land, in dem es jedem der arbeitet gut geht, in der Leistung und nicht die Herkunft alles bestimmt. Jeder kann ein amerikanischer ...

Jende Jonga ist endlich in Amerika, dem Land der ungeahnten Möglichkeiten, dem Land, in dem es jedem der arbeitet gut geht, in der Leistung und nicht die Herkunft alles bestimmt. Jeder kann ein amerikanischer „Jemand“ werden. Doch bald wird er merken, dass die Flucht vor der Perspektivlosigkeit in Kamerun nicht zwangsläufig geradlinig verläuft, wenn überhaupt. Die Familie Edwards hingegen scheint alles zu haben, was man sich nur wünschen kann, aber auch da herrscht nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen.
Der Beginn war für mich etwas schwierig. Zwar wird man mitten ins Geschehen geworfen und nicht mit endlosen „Einführungen“ konfrontiert, aber dadurch hatte ich das Gefühl, dass mir irgendwelche Infos fehlen. Das Gefühl war falsch, wie sich nach ca. 50 Seiten zeigte. Ab da war ich sehr gut in der Geschichte und fand es total spannend die Entwicklungen der beiden so ungleichen Ehepaare zu verfolgen. Da ist einerseits das Paar, welches scheinbar alles hat. Genug Geld, Erfolg, gesunde und glückliche Kinder und eine gute Ehe – aber weit gefehlt. Auf der anderen Seite ist das Paar Jonga, welches nach Amerika kam, um eine gute Zukunft zu haben, die sie in Kamerun nicht haben würden. Jetzt leben sie beengt in einer von Kakerlaken besiedelten Wohnung in Harlem, arbeiten ohne Ende und müssen um ihre Papiere bangen und dann kommt die Lehmann-Pleite, die die Wirtschaft bekanntermaßen ziemlich anschlägt. Die Entwicklungen sind sehr gut dargestellt, ebenso die kulturellen Unterschiede. Der amerikanische Traum und die knallharte Realität werden bis in die Wurzeln analysiert und es bereitete mir Freude zu sehen, wie tiefgehend die Autorin sich dem Thema zugewendet hat. Ebenfalls genial dargestellt sind die Klassen- Zugehörigkeitsmerkmale, sowie der Umgang mit Migranten.
Der Schreibstil ist flüssig und hat mich – bis auf die Anfangsszenen – sehr gut unterhalten können. Die Autorin schafft es, dass man jeden Charakter zeitweise nicht mag, sein Tun nicht nachvollziehbar findet und man trotzdem für ihn das Beste hofft. Sie schreibt unheimlich authentisch und offen, dass es wirklich beeindruckend fernab dessen ist, was ich sonst so zum Thema gelesen habe.
Überzeugt hat mich auch das Ende, weil ich ein schnulziges Happy End befürchtet hatte, aber es überrascht dann doch auf positive Art. Es ist keine typische Einwanderungsgeschichte, sondern ein kritischer Gesellschaftsroman, der Amerika und Kamerun auf Herz und Nieren prüft und daher wirklich lesenswert ist!