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Veröffentlicht am 31.03.2021

Tiefgründig

Sommer der blauen Wünsche
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Carlin ist stets eine Außenseiterin, aufgrund der bipolaren Störung ihrer Mutter. Die leidenschaftliche Malerin, ist sehr emotional und dabei vor allem zwischen zwei Extremen schwankend. Wahrscheinlich ...

Carlin ist stets eine Außenseiterin, aufgrund der bipolaren Störung ihrer Mutter. Die leidenschaftliche Malerin, ist sehr emotional und dabei vor allem zwischen zwei Extremen schwankend. Wahrscheinlich ist dies auch der Grund, warum Carlins Vater sie schon früh verließ. Seit dem letzten Umzug hat Carlin in der neuen Schule keinen Anschluss gefunden und nach ihrem 14. Geburtstag während einer manischen Phase ihrer Mutter, war auch jeder Versuch zwecklos. Jetzt mit 17 ist sie erschöpft und lässt ihre aktuell schwer depressive Mutter unterbringen. Sie selbst reist zu ihrer Mutter väterlicherseits, die in einer Künstlerkolonie an der Küste der schottischen Highlands lebt und zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Gleich zu Beginn begegnet sie Arran MacKay, den Sohn des örtlichen Großgrundbesitzers und Lords. Seine roten Locken und grünen Augen faszinieren ihn. Dass er seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt stört sie nicht. Immer wieder geraten die zwei aneinander, doch die Funken knistern. Als Carlin erfährt, dass der Lord die Ländereien rund um Caladale an einen norwegischen Milliardär verkaufen will, erwacht in ihr der Kampfgeist!

Ich hatte im ewigen Lockdown Lust auf Heile Welt in Schottland, schön und leicht, so ein bisschen Rosamund Pilcher für Jugendliche. Ein wenig klang der Klappentext so, aber nur wenn man nicht gründlich liest und die Autorin nicht bereits kennt…

Mit „Wie die Sonne in der Nacht“ und „Schneetänzer“ bin ich Antje Babendererde bereits zu den Native Americans nach New Mexiko bzw. den Norden Kanadas gefolgt. Die Probleme der Ureinwohner fand ich sensibel und eindrucksvoll dargestellt, aber stets behandelt die Autorin auch eine problematische Familienkonstellation. Dies ist hier auch wieder der Fall. Sowohl Carlin, als auch Arran haben ein problematisches Verhältnis zu ihren alleinerziehenden Elternteilen. Aber anders als die übrigen männlichen Helden der Autorin, befindet sich Arran immer noch in der Bad Boy Phase und für meinen Geschmack vermittelt die Geschichte zu sehr, dass durch Liebe auch die wildesten Kerle gezähmt werden können. Mädels das klappt so nicht, denkt nicht mal daran!

Vielleicht bin ich als Mutter überbehütend, aber die Altersangabe von ab 13 Jahren finde ich noch zu früh dafür ist mir diese Geschichte zu lustbetont und sinnlich. Meine 13 jährige Tochter würde das alles noch nicht so genau wissen wollen, aber das ist entwicklungsabhängig. Die Großmutter finde ich echt ziemlich cool und ihren Rat Arran aus dem Weg zu gehen, mehr als begründet. Ich habe lange überhaupt nicht verstanden, was Carlin an ihm findet, denn ich stehe weder auf Bad Boys, noch auf Kiffer oder Säufer und als solcher stellt sich Arran ganz klar zu Beginn dar, da helfen auch keine grünen Augen und roten Locken.

Sehr einfühlsam und treffend finde ich Carlins Schwierigkeiten im Alltag mit ihrer geliebten, aber bipolaren Mutter dargestellt, ebenso wie die daraus resultierenden Probleme sich in der Schulgemeinschaft zu integrieren oder mit dem anderen Geschlecht. Auch Arrans seelischer Balast wird nach und nach sehr sensibel offengelegt. Der Rollstuhl als Fortbewegungsmittel ist da in der Tat das geringste Problem. Wie gehen Kinder mit ihren Gefühlen nach dem Suizid eines Elternteils um? Was, wenn dann noch Schuldgefühle nach dem Tod des besten Freundes dazukommen? Ganz langsam wandelt sich Scheusal Arran zu einem verletzlichen Menschen. Dennoch hätte ich wie die Großmutter jeden Kontakt der minderjährigen Enkelin zu ihm versucht zu unterbinden. Es ist auch nicht nur die Liebe zu Carlin, die diese Veränderung mit sich bringt, sondern auch die Liebe zum Land seiner Vorfahren, das nun gerade akut gefährdet ist. Danke, das wäre mir sonst nämlich zu einfach gewesen. Doch das Leben in so einer kleinen Gemeinschaft ist auch sehr speziell und wer aus der Masse hervorsticht, riskiert ausgeschlossen zu werden, was neben Arran auch seine Cousine Fiona und der osteuropäische Neuankömmling Mitja fürchten müssen. Am Beispiel der Gemeindepflegerin Bridget sehen die jungen Leute ganz deutlich, dass das Dorf ein langes Gedächtnis hat und selten Milde walten lässt. So gibt es neben Arran und Carlin noch weitere gut ausgearbeitete Charaktere, die einen mit in die tiefen Geheimnisse der Highlander nimmt.

Katinka Kultscher klingt als Carlin jung und zerbrechlich. Die Sorgen ihrer Großmutter um sie, kann man da umso leichter nachvollziehen und auch ihre gewisse Naivität hinsichtlich der grünen Augen des geheimnisumwitterten Highlanders. Ihre Stimme ist angenehm und abwechslungsreich, so dass es Spaß macht ihr zuzuhören.

Eine sinnliche Geschichte in den Highlands mit zwei Jugendlichen, die sich gegenseitig helfen, mit ihrer Familiengeschichte zurecht zu kommen! Tiefgründig. Einen Stern ziehe ich ab, weil zu selbstverständlich gekifft wird, was ich für die Altersgruppe nicht gut finde. Gut finde ich aber, das Carlin dabei nicht mitmacht.

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Veröffentlicht am 12.03.2021

Cooles Comicroman, aber leider zu klein gedruckt.

Und dann kam Juli
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Der 11 jährige Paul ist sauer! Bisher war alles normal und prima, doch nun stand plötzlich ein Pferd in ihrem schönen großen Garten und macht sich dort breit. Seine Eltern, die sich seit Ewigkeiten vehement ...

Der 11 jährige Paul ist sauer! Bisher war alles normal und prima, doch nun stand plötzlich ein Pferd in ihrem schönen großen Garten und macht sich dort breit. Seine Eltern, die sich seit Ewigkeiten vehement gegen seinen Hundewunsch wehren, schmelzen dahin! Sie sind völlig blind dafür, dass Pferd Juli (klar, es ist ja gerade Juli und das Pferd braucht ja einen Namen) den ganzen Garten ruiniert. Alles frisst Juli ab, egal ob Gemüse oder Blumen. Einen Hund durfte er nie haben, weil das ja im Urlaub so aufwendig ist, aber nun hat seine Mutter beschlossen, eh nicht in den Urlaub zu fahren, weil sie gerade angefangen hat Geschichten für eine Zeitung zu schreiben und es ihr solchen Spaß macht! Nun fährt sein bester Freund Max weg und er bleibt zurück mit Juli, die den Garten und die Bandenbude verwüstet und wegen der der Pool abgebaut werden musste. Juli nervt und muss ganz klar weg! Dabei entwickelt Paul eine solche Energie, dass es sogar Max nervt und Nachbarin Anna aus der Parallelklasse, die eigentlich ganz nett ist, für ein Mädchen.
Entschuldigung, aber Paul benimmt sich wie ein verzogenes Einzelkind, das erfährt, dass ein Geschwisterchen kommt. Er ist unglaublich egozentrisch und sauer auf Juli, während alle anderen über ihre Eigenheiten lachen können, weil Juli ja eigentlich von nix eine Ahnung hat und es nicht böse meint. Aber Max wollte halt immer einen Hund haben, das ist ja auch viel cooler und es bleiben auch nicht gleich alle Mädchen stehen und quietschen ganz begeistert! Denn hier taucht man in die Tiefen von Pauls Gedanken ein, völlig ungeschönt und ganz ehrlich. Sind wir in unseren Gedanken nicht alle kleine Egomanen? Es ist auf jeden Fall sehr lustig, was er sich so denkt und welche Pläne er schmiedet. Allerdings sind sie nicht alle so richtig gut durchdacht und mit 11 Jahren, sind einige Pläne nun mal in ihrer Ausführung begrenzt! Das ist witzig. Allerdings geben Max und Anna ihm richtig Contra und das finden wir super. Zum einen, weil echte Freunde einem auch die Meinung sagen, wenn man mal völlig daneben liegt und weil sie das Herz am rechten Fleck haben! Freunde zum Pferdestehlen, ach nee, Pferde loswerden. Tja, denn der Traum der meisten Mädchen ist Pauls persönlicher Albtraum, auch wenn er nicht so genau weiß warum. Aber braucht man immer einen Grund um dagegen zu sein, wenn man 11 Jahre alt ist? Sehr schön ist, wie Julis Bedürfnisse von Pauls Mitmenschen in Relation gerückt werden. Auch wenn Paul sich echt verrannt hat, ist er doch nicht verbohrt, auch wenn es so scheinen mag.
Warnung: Die meisten Kinder wohnen nicht so ländlich, dass sie ausreichend Platz für ein Pferd im Garten haben, für einen Hund mag es ja reichen, aber bitte nicht nachmachen mit einem Pferd. Pauls Garten ist wirklich groß, denn in der Eifel ist das möglich. Pferde werden nicht gerne von Kindern ohne Erfahrung besprungen und beritten und Eltern würden die Haare zu Berge stehen, wenn ihr Nachwuchs dies ohne Sattel und Helm täte! Also, diese Geschichte hat zwar ein wahres Vorbild, aber ich bin ganz sicher, dass Sohn Paul Eimer auch  nicht ohne Helm und Sattel reiten darf. Aber aus Gründen der Dramaturgie kommt es bisweilen besser, wenn es pädagogisch weniger wertvoll ist. Diese Episode ist aber auch offensichtlich nicht so ernst gemeint.
Schön ist auch, dass Paul sich zwar verrannt hat, es aber auch selber merkt und wieder umkehrt und es ihm keiner übel nimmt. Klar, er war ja stets ehrlich!
Dies ist das erste Kinderbuch der Kinderbuchillustratorin Petra Eimer, das auch autobiografische Züge trägt (deswegen sind die Eltern wohl auch so supernett ;)), weshalb es auch ein Comicroman geworden ist, also eine Geschichte aus der Perspektive des jungen Helden, mit ganz vielen Illustrationen, Gedanken- & Sprechblasen und überhaupt Gedanken und Gefühlen, die eine grafisch geradezu anspringen. Das ist sehr locker flockig gemacht und spricht optisch an, aber und das gefällt mir tatsächlich nicht: Comicromae sind für Lesemuffel optimal, also Kinder, die nicht gerne lesen. Da dieses Abenteuer ab 8 Jahren ist, finde ich die Schrift einen Tacken zu klein. Die Zeilenabstände sind sehr komfortabel, was die optische Lesbarkeit deutlich vereinfacht, aber Kindern ab 8 Jahren fällt es leichter, wenn die Schrift noch etwas größer ist, was der Baumhausverlag normalerweise auch immer optimal berücksichtigt. Dieser Comicroman ist witzig und optisch ansprechend, eigentlich optimal um Jungs zu überzeugen, dass Lesen, ebenso wie Juli, eigentlich cool ist, sollte aber nicht so anstrengend sein!
Ein witziger Comicromanspaß über die unverhoffte Liebe, zu seinem persönlichen Albtraum. Manchmal muss man das Leben einfach seinen Weg gehen lassen und sich auf Neues einlassen, egal ob Pferde oder Mädchen.

Für Jungs, Mädchen und Lesemuffel ab 8 Jahren!

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Veröffentlicht am 11.03.2021

Es wird immer düsterer

Amulett #5
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Emily hat knapp die Prüfungen der Akademie überlebt und sie und ihre Freunde konnten Cielis verlassen. Doch Max Griffin hat den Mutterstein gestohlen, mit dessen Hilfe der Elfenkönig immer neue Amulette ...

Emily hat knapp die Prüfungen der Akademie überlebt und sie und ihre Freunde konnten Cielis verlassen. Doch Max Griffin hat den Mutterstein gestohlen, mit dessen Hilfe der Elfenkönig immer neue Amulette schmieden und sich eine überwältigende Armee an Steinhütern erschaffen kann, mit der er in Windsor eindringen und es zerstören kann. Emily und ihren Getreuen ist die Ernst der Lage klar und sie machen sich bereit zum unausweichlichen Kampf. So muss sogar ihr kleiner Bruder Navin aufgrund seiner Erfahrung das Kommando über einen Kampfflieger übernehmen. Elfenprinz Trellis scheint apathisch und so sucht Emily Antworten bei ihrem Stein. Doch seine Antworten und Einblicke sind viel finsterer als ihr lieb ist. Eine furchtbare Erkenntnis dämmert ihr.

Dieser Band ist noch bildgewaltiger als seine Vorgänger! Das ist wirklich beeindruckend, dieser Rausch an Farben und Strukturen! Allerdings hätten mir bisweilen ein paar mehr Worte sehr gut gefallen und hätten mir mehr Klarheit verschafft. Gut, dass sehen meine Zielgruppenkids Franziska (11) und Jonathan (10) anders. Gerade die technischen Finessen der Raumfahrzeuge, Androiden u.ä. finden sie richtig beeindruckend. Jonathan kann ausgesprochen schnell und gut lesen, allerdings achtet er meistens nicht so auf Illustrationen. Hier ist es tatsächlich anders. Er hält wirklich inne, um sich die Feinheiten genau anzusehen, so dass die Reihe sein Auge schult. Eigentlich sind beide zart besaitet, aber merkwürdigerweise stört sie die Martialität der Reihe überhaupt nicht. Es läuft ganz klar auf einen kriegerischen Konflikt hin und der wird aufs Ganze gehen, denn der Elfenkönig kennt kein Erbarmen. Während sein Sohn Trellis scheinbar ohnmächtig ist, befindet er sich im Nimmer. Um ihn zurückzuholen, muss Emily es wagen und ihm folgen, um ihn zurück zu holen. Dabei erfährt man endlich mehr über Trellis Vergangenheit. Das hilft ihn besser zu verstehe und in ihm einen potenziellen Verbündeten zu sehen, trotz seiner Herkunft. Da wird es dann etwas komplex, weshalb ich mir mehr Text gewünscht hätte. Aber da bin ich ja alleine und wahrscheinlich ist das Tempo einfach zu hoch für viele Worte. Denn es ist wieder sehr aufregend und spannend. Die ersten Angriffe müssen geflogen und pariert werden. Dabei geht es jedoch nicht nur um Macht, sondern auch um Verantwortung und darum, dass man nie verlernen darf zu hinterfragen und sich eigene Gedanken zu machen. Zu leicht kann man ansonsten in die falschen Fänge geraten, oder den Falschen vertrauen. Der scheinbar leichte Weg kann durchaus der gefährlichere sein, daher ist Vorsicht immer und überall geboten.

Auch dieses Mal gibt es am Ende einen Cliffhanger, allerdings ganz anderer Natur als bisher, für Emily eröffnet sich eine Partie, deren Risiko sie vielleicht nicht überblicken kann. Sehr spannend, aber zu Glück geht es ja bald schon wieder weiter!

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Veröffentlicht am 22.01.2021

Der Fluch der Reinheit

Chaos Walking – Das Hörbuch zum Film
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In der Zukunft suchen die Menschen nach anderen Planeten, um sie zu besiedeln. Vor ungefähr 20 Jahren landeten einige von ihnen auf einem bis dato unbekannten Planeten und ließen sich dort nieder. Doch ...

In der Zukunft suchen die Menschen nach anderen Planeten, um sie zu besiedeln. Vor ungefähr 20 Jahren landeten einige von ihnen auf einem bis dato unbekannten Planeten und ließen sich dort nieder. Doch der Planet war schon besiedelt, von den Spruttles, die sich mit Krankheitskeimen gegen die Nahrungskonkurrenz wehrten. Den Krieg verloren sie dennoch, aber die Erreger wirkten anders als gedacht. Die Tiere begannen zu sprechen und die Menschen konnten die Gedanken aller anderen hören. Das sorgte für einen solchen Lärm in ihren Köpfen, dass alle Frauen und Mädchen verstarben und auch ein Teil der Männer, denn der Lärm war unerträglich für sie. Ihre Zivilisation ist zum Aussterben verdammt und Todd Hewitt ist der Jüngste vor ihnen. In einem Monat wird auch er zum Mann werden, ein Ereignis das er sich sehnlichst herbei sehnt, doch das seinen Ziehvätern Sorge zu bereiten scheint. Sie schicken ihn unter einem Vorwand in den Sumpf, wo er etwas unglaubliches entdeckt. Ein Ort absoluter Stille! Er berichtet ihnen davon und versetzt sie in Alarmbereitschaft. Sie packen seine Sachen, geben ihm das Tagebuch seiner Mutter und einen Notfallrucksack mit und fordern ihn auf in den Sumpf zu fliehen. Dort entdeckt er in der Stille, was nicht sein kann: ein Mädchen! Sie spricht nicht und er und sein Hund Manchie können seine Gedanken nicht hören. Was hat das zu bedeuten? Doch es bleibt keine Zeit darüber nachzudenken, denn die Männer seiner Siedlung sind mit Waffen hinter ihm her und so packt er das Mädchen an der Hand und sie rennen los. Wohin? Gibt es für sie eine Hoffnung? Was ist damals wirklich passiert?

Erzählt wird in einer für mich zu Beginn irritierenden Ich-Perspektive. Wieso kann Todd Hewitt Gedanken hören und mit seinem Hund sprechen? Warum ist er so fies zu seinem Hund? Offensichtlich ist er so etwas wie ein Verstoßener und hat keine Freunde, warum freut er sich dann nicht immerhin darüber, dass er einen Hund als Begleiter geschenkt bekommen hat? Hat er keine Freunde, weil er so fies ist, sogar zu Tieren? Den Ich-Erzähler gleich zu Beginn unsympathisch zu finden, ist keine gewöhnliche Erzähltaktik und hat mich verwirrt. Was um alles in der Welt ist das denn für eine Welt und ein Leben? Ich fühlte mich sogleich orientierungslos, aber auch irgendwie ratlos. Nach und nach beginnt man Todd zu verstehen, auch warum er keinen Hund wollte, warum er dennoch einen Hund bekam und was sich seine Ziehväter dabei dachten. Denn Todd ist nicht weniger verwirrt als der Zuhörer selbst, nur ist es für ihn akut, es ist sein eigenes Leben, dass er so gar nicht versteht und in welchem er sich getrieben fühlt wie ein Spielball. Während man etwas ratlos zuhört, formt sich langsam eine Ahnung und ein Bild und schon steht Todd wieder vor dem nächsten Rätsel. Er ist ein Getriebener auf der Flucht, ohne zu wissen vor wem und weshalb er wegläuft, dabei ist er ja eigentlich noch viel zu jung für solch ein Leben!

Meine Lieblingscharaktere außer den Hauptpersonen Todd, Viola und Manchie sind übrigens zwei einfache Außenseiter, die völlig unterschätzt werden, die Todd jedoch bedingungslos zur Seite stehen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, sondern weil sie gute Menschen sind, wenn auch nicht die Schlauesten.

Während ich das Hörbuch hörte, kamen immer wieder die Kommentar: „Oh, wer ist das, tolle Stimme, die kenn ich!“ oder „Das ist doch die Stimme von Jack von MacGyver!“ Ja, aber auch die Stimme von Christian Bale und Johnny Depp und zahlreicher preisgekrönter Hörbücher, eine der beliebtesten deutschsprachigen Stimmen. Eine Stimme, die oft auch für Filme voller Spannung und Action steht, aber nicht unbedingt für Teenager. So toll ich David Nathan auch finde und er betont wirklich gekonnt, aber nicht zu stark, hat ein untrügliches Gespür für Timing und Emotionen, sowohl der Angst, als auch der Verwirrung oder Zuneigung, aber er klingt für meinen Geschmack zu alt für einen Ich-Erzähler der noch nicht ganz ein Mann ist und noch nicht einmal ein Teenager, dem der Stimmbruch noch bevorsteht. Dennoch gelingt es David Nathan beeindruckend besonders zu Beginn den störenden Gedankenlärm zu vermitteln. Ich war anfangs wirklich genervt von dem gehetzten, sich überlappenden Gedankenchaos und fand es anstrengend. Aber keine Sorge, Todd lernt mit der Zeit dieses Gedankenchaos zu bezähmen und dann beruhigt sich auch die Sprechweise entsprechend.

Die jugendlichen Helden haben eine Odyssee vor sich und man fragt sich, stets mit ihnen, was denn da in Prentiss Town nicht stimmt, wovor sie überhaupt auf der Flucht sind. Was ist das Geheimnis dieser Stadt in einer neuen Welt, die eigentlich voller Hoffnung sein sollte? Natürlich wird dies auf atemberaubende Weise aufgelöst, hochemotional in einem Kampf auf Leben und Tod, Gut gegen Böse, wie zwei Urgewalten. Das Ende ist echt heftig, deswegen sollte man die Altersempfehlung ab 14 Jahren durchaus ernst nehmen.

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Veröffentlicht am 18.01.2021

Ein Hörgenuss

Ein weißer Schwan in Tabernacle Street
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Dies ist der 8. Fall des Londoner Polizisten und Zauberlehrlings Peter Grant, dem ersten Zauberlehrling seit 50 Jahren und daher Mitglied der streng geheimen, sagenumwobenen Abteilung für magische Angelegenheiten. ...

Dies ist der 8. Fall des Londoner Polizisten und Zauberlehrlings Peter Grant, dem ersten Zauberlehrling seit 50 Jahren und daher Mitglied der streng geheimen, sagenumwobenen Abteilung für magische Angelegenheiten. Diese bestand bisher lediglich aus Peters Chef und Ausbilders Chief Inspector Thomas Nightingale, der mit seinen geschätzt 90 Jahren aussieht wie 40 und einen legendären Jaguar Mark II mit XK6-Motor fährt, der als Analogfahrzeug keine Interferenzen mit magischen Vestigia bekommt. Doch leider hat Peter inzwischen Fahrverbot und ist mittlerweile von Schottland Yard offiziell suspendiert, um als Undercoveragent in die SCC, die Serious Cybernetics Corporation als Sicherheitsmitarbeiter eingeschleust zu werden. Deren CEO Terrence Skinner ist ebenfalls eine Legende, nicht nur unter Nerds und befasst sich mit geheimen IT-Projekten. Obwohl er von seinen Mitarbeitern verehrt wird, hat er den Verdacht, dass sich ein Maulwurf unter ihnen befindet, den Peter aufspüren soll. Schottland Yard hatte Peter zuvor auf einen scheinbar einfachen Fall eines Einbruchs auf einem Jahrmarkt angesetzt. Dort wurde eine Lochband-Musikpartitur für eine Dampforgel gestohlen, die jedoch über mehr Klaviaturen verfügt, als die Orgel selbst und daher noch nie benutzt wurde. Eigentlich eine Lappalie, doch spürt Peter das Vestigium, dass ihn ahnen lässt, dass ernsthafte Schwierigkeiten bevorstehen. Tatsächlich führen die Spuren der Orgelerbauer zurück zu niemand Geringerem als den ersten Nerds Ada Lovelace und Charles Babbage.... Kann da wirklich ein Zusammenhang bestehen?

Netterweise muss man nicht alle 7 Vorgängerbände kennen, um in diesen einsteigen zu können. Die Personen entwickeln sich weiter, aber es beginnt ein absolut neuer Fall. Für Neulinge werden sogar im Booklet die Bewohner des Follys, des alten Herrenhauses, dass die Zauberer von London und ihr Personal und Labore beherbergt aufgeführt. Das finde ich super, hätte mir sogar tatsächlich schon bei der Lektüre des ersten Bandes „Die Flüsse von London“ sehr geholfen. Allerdings kommt hier wegen Peters Suspendierung das Folly eher am Rande vor. Daher lebt Peter aktuell bei seiner von ihm, mit Zwillingen schwangeren Freundin Beverly, ihres Zeichens Flussgöttin und Tochter der Themse. Beverly wird leider in dem Kurzpersonenverzeichnis nicht erwähnt, da sie ja keine Bewohnerin des Folly ist. Anfangs war ich sehr enttäuscht über die erwähnte Suspendierung und befürchtete, dass Peter nun wohl nie seine Lehrjahre würde beenden können, aber schon schnell stellte sich heraus, dass das nur Tarnung ist. Tja, die Story ist etwas technisch, wovon ich ungefähr so viel verstehe, wie von Magie. Deswegen hört sich für mich alles sehr schlau an. Terrence Skinner erinnert mich ganz schwer an Elon Musk und es würde mich ganz schwer wundern, wenn er den Autor nicht zu dieser Geschichte inspiriert hätte! Wie Ada Lovelace und Charles Babbage zeigen, ist diese Anspielung wohl kein Zufall.

Die bevorstehende Elternschaft von Peter und Beverly ist erdend, erheiternd und aufregend zugleich. Denn dass die Kinder über magische Fähigkeiten verfügen werden, ist bei weitem nicht gewiss und die Schwangerschaft schon ein ziemliches Wunder und dann auch noch Zwillinge!

Auf diese Reihe mit ihrem angepriesenen britischen Humor gepaart mit Magie und Krimi war ich ja schon sehr lange gespannt. Dann allerdings bei der Lektüre etwas enttäuscht, weil es mir zu langatmig war. Dietmar Wunder finde ich hier mit seiner sensationell angenehmen und ausdrucksstarken Stimme eine absolute Bereicherung. Selbst wenn ich nichts verstanden hätte, hätte mich die Stimme fürs Zuhören belohnt. Dass ich die Bände dazwischen nicht kenne hat mir nicht geschadet. Allerdings musste ich mich gegen des Tekkie-Themas und der Kürzungen schon deutlich beim Zuhören konzentrieren, denn das was als konzentrierte Essenz übrig geblieben ist, darf einem auf keinen Fall entgegen. Außerdem ist gerade der erste der vier Erzählteile in Rückblicken mit zwei Zeitebenen erzählt, die quasi die Vorgeschichte zu Peters neuem Einsatz erklären. Gerade beim Hören erfordern solche Zeit- und Perspektivsprünge echte Aufmerksamkeit.

Ich habe zuvor den Doppelband für Einsteiger begonnen „Die Flüsse von London & Schwarzer Mond über Soho“ und ich hatte das Gefühl, dass er unendlich sei und wenn man die fast 1000 Seiten betrachtet, ist er das fast auch. Die Kürzung des Hörbuches kam mir daher sehr entgegen. Lieber höre ich es zweimal, um alles mitzubekommen, weil bei Hören einem so manches Detail schon entgeht, als dass ich am Ende des Hörbuchs nicht mehr weiß, was am Anfang vorkam, weil es so lang ist. Das ist natürlich eine Geschmacksfrage.

Lobend möchte ich erwähnen, dass anders als bei der Buchvorlage, dieser Band als Hörbuch nicht von den Vorgängern abweicht, sondern sich wunderbar in die Sammlung im Hörbuchregal einreiht. Auch mich stört es ganz erheblich, wenn Bücher einer Reihe optisch im Regal nicht zusammen passen können, aus Willkür der Verlage. Beim Hörbuch ist alles wie gehabt!

Als Hörbuch werde ich dieser etwas abgedrehten Reihe wohl gerne weiter folgen.

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