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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2021

Eine spannende Erzählung, die herausragend vorgetragen wird

Das Karussell der Verwechslungen
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Buchmeinung zu Andrea Camilleri – Das Karussell der Verwechslungen

„Das Karussell der Verwechslungen“ ist ein Kriminalroman von Andrea Camilleri, der 2021 bei Lübbe in der Übersetzung von Rita Seuss und ...

Buchmeinung zu Andrea Camilleri – Das Karussell der Verwechslungen

„Das Karussell der Verwechslungen“ ist ein Kriminalroman von Andrea Camilleri, der 2021 bei Lübbe in der Übersetzung von Rita Seuss und Walter Kögler erschienen ist. Der Titel der italienischen Originalausgabe lautet „La giostra degli scambi“. Die gekürzte Hörbuchfassung wird von Bodo Wolf gesprochen und ist 2021 bei Lübbe Audio erschienen.

Zum Autor:
Andrea Camilleri (1925-2019) ist der erfolgreichste zeitgenössische Autor Italiens und begeistert mit seinem vielfach ausgezeichneten Werk ein Millionenpublikum. Ob er seine Leser mit seinem unwiderstehlichen Helden Salvo Montalbano in den Bann zieht, ihnen mit kulinarischen Köstlichkeiten den Mund wässrig macht oder ihnen unvergessliche Einblicke in die mediterrane Seele gewährt: Dem Charme der Welt Camilleris vermag sich niemand zu entziehen.

Sprecher:
Bodo Wolf, Jahrgang 1944, studierte an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin und war in einer Vielzahl von DEFA-Spielfilmen und -Serien (z.B. Schneeweißchen und Rosenrot, Der Prinz hinter den sieben Meeren) zu sehen. Einem breiten Publikum wurde er durch Gastauftritte in TV-Serien wie Liebling Kreuzberg, Peter Strohm und Unser Lehrer Doktor Specht und als Bernhard Blocksberg in der Hörspiel-Serie Bibi Blocksberg bekannt. Darüber hinaus ist Bodo Wolf ein erfolgreicher Synchronsprecher. Er wirkte in mehr als 700 Film- und Fernsehproduktionen mit und leiht u. a. Robin Williams und Christopher Walken seine angenehme Stimme.

Klappentext:
Im Kommissariat des sizilianischen Küstenörtchens Vigàta gibt eine ungewöhnliche Entführung Rätsel auf: Ein vermummter Täter hat nacheinander zwei weibliche Bankangestellte überfallen, betäubt und kurz darauf unversehrt freigelassen. Dann erfährt Commissario Montalbano, dass ein junger Unternehmer nach einer Urlaubsreise mit seiner großen Liebe vermisst wird. Stehen die Ereignisse in Zusammenhang? Schon bald kommt Montalbano einem perfiden Täuschungsmanöver auf die Spur...

Meine Meinung:
Auch in diesem Band ist Vieles so, wie man es aus anderen Bänden der Serie kennt. Auf die Macken seiner Assistenten möchte ich keinesfalls verzichten und seine Essensauswahl weckt bei mir das Interesse an diesen Gerichten. Auch Montalbanos Schwierigkeiten mit seinem Chef und anderen Polizeibehörden gehören einfach dazu. Es passieren ungewöhnliche Entführungen und selbst Montalbano ist irritiert. Aber mit seiner sympathischen Art und seiner ihm eigenen Hartnäckigkeit begibt er sich auf Spurensuche. Auch wenn es etliche heitere Momente gibt führt ihn auch dieser Fall in dunkle Abgründe. Die Geschichte beginnt mit einer Reihe von Nebenhandlungen, konzentriert sich aber immer mehr auf den eigentlichen Fall. Der Leser / Hörer begleitet den Commissario bei seinen Überlegungen und ist doch überrascht, zu welchen Ergebnissen Montalbano kommt.
Neben Spannung entwickelt sich wie immer die Atmosphäre eines kleinen sizilianischen Küstenstädtchens. Der Schreibstil ist angenehm und verbindet Informationen mit Gefühlen und Atmosphäre. Bodo Wolf schafft es hervorragend, dies in Laute zu fassen und den Figuren Leben einzuhauchen.

Fazit:
Auch wenn es sicherlich nicht der beste Roman aus der Serie ist, so sorgt er doch für kurzweilige Unterhaltung. Bodo Wolf überzeugt mit seinem Vortrag und sorgt für großes Hörvergnügen. Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten) und spreche ich klare Leseempfehlung für die Freunde ruhiger Kriminalromane aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Sprecher
  • Spannung
  • Cover
Veröffentlicht am 10.02.2021

Gelungene Mischung aus Historie und Spannung

Die Wölfe vor den Toren
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Buchmeinung zu Astrid Fritz – Die Wölfe vor den Toren

„Die Wölfe vor den Toren“ ist ein historischer Kriminalroman von Astrid Fritz, der 2020 bei Rowohlt Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der sechste ...

Buchmeinung zu Astrid Fritz – Die Wölfe vor den Toren

„Die Wölfe vor den Toren“ ist ein historischer Kriminalroman von Astrid Fritz, der 2020 bei Rowohlt Taschenbuch erschienen ist. Dies ist der sechste Fall für die Armenapothekerin Serafina.

Zum Autor:
Astrid Fritz studierte Germanistik und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Als Fachredakteurin arbeitete sie anschließend in Darmstadt und Freiburg und verbrachte mit ihrer Familie drei Jahre in Santiago de Chile. Heute lebt Astrid Fritz in der Nähe von Stuttgart.

Klappentext:
Februar 1418: Die Menschen leiden unter der beißenden Kälte. Erschreckend nah heulen des Nachts die ausgehungerten Wölfe und reißen die ersten Schafe. Dann fällt ihnen in dem Dörfchen Würi, gleich vor der Stadt, der junge Badersohn Jörgelin zum Opfer. Zum Schock gesellen sich Spukgeschichten über Werwölfe. Man hängt zur Abschreckung sogar einen Wolf an den Galgen. Das Töten geht weiter. Als die junge Heilerin Mia stirbt, kommen der Armenapothekerin Serafina und ihrem Mann, Stadtarzt Achaz, Zweifel, ob die Tiere für das Morden verantwortlich sind oder wer anders sein Unwesen treibt. Das erste Mal ermitteln sie als Ehepaar gemeinsam. In der Würi stoßen die beiden jedoch auf eine Mauer des Schweigens, der sie mit Spürsinn, Wissen und Hartnäckigkeit begegnen.

Meine Meinung:
Auch in diesem Buch durchmischt die Autorin auf angenehme Art Historisches mit einem Kriminalfall. Zum Einen wird das harte Leben der Menschen in einem strengen Winter deutlich beschrieben, besonders wenn man außerhalb der eigentlichen Stadt wohnt. Zum anderen wird eine spannende Geschichte um Tote erzählt, in der Aberglauben eine wichtige Rolle spielt. Die Hauptfiguren Serafina und Achaz sind gewohnt sympathisch beschrieben, auch weil die Autorin ihnen die ein oder andere Schwäche zugesteht. Achaz bekommt eine größere Rolle und wird in vielerlei Hinsicht gefordert. Als seine Frau in Gefahr gerät ist es mit seiner ruhigen Art vorbei. Diese ist aber vonnöten, wenn es gilt, gegen den Aberglauben vorzugehen.
Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt und liest sich flüssig weg. Meist folgen wir Serafina, die mit viel Herzblut agiert. Der Spannungsbogen ist in Ordnung, auf spannende Passagen folgen immer wieder ruhigere Elemente, in denen der Fokus mehr auf dem Leben der Menschen liegt. Die stärkere Zusammenarbeit des Ehepaars tut der Geschichte gut, überhaupt entwickeln sich die Figuren auf eine interessante Art und Weise.

Fazit:
Ein durchaus spannender Historienroman, der auch einen interessanten Einblick in das Leben jener Zeit gewährt. Deshalb vergebe ich gerne vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung für die Freunde historischer Kriminalromane aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.01.2021

Das Prinzip der artgerechten Ernährung

Mein Weg zur gesunden Ernährung
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Buchmeinung zu Dr. Matthias Riedl – Mein Weg zur gesunden Ernährung

„Mein Weg zur gesunden Ernährung“ ist ein Sachbuch von Dr. Matthias Riedl, das 2020 im ZS Verlag erschienen ist.

Zum Autor:
Dr. Matthias ...

Buchmeinung zu Dr. Matthias Riedl – Mein Weg zur gesunden Ernährung

„Mein Weg zur gesunden Ernährung“ ist ein Sachbuch von Dr. Matthias Riedl, das 2020 im ZS Verlag erschienen ist.

Zum Autor:
Dr. Matthias Riedl ist Ernährungsmediziner, Diabetologe, Buchautor sowie ärztlicher Direktor und Gründer des medicum Hamburg, Europas größtem interdisziplinärem Zentrum für Diabetologie, Ernährungsmedizin und angrenzende Fachgebiete. Das medicum Hamburg betreut mit Ernährungsberatern, Psychotherapeuten, Diabetologen, Ernährungsmedizinern, Internisten, Kardiologen und Sportpädagogen alle Krankheitsbilder, die durch falsche Ernährung entstanden sind oder sich durch spezielle Kostformen therapieren lassen. Das interdisziplinäre Konzept des medicum Hamburg ist in Europa einmalig und wurde schon vielfach ausgezeichnet.

Klappentext:
Brauchen wir Superfood? Sind Insekten-Burger oder vegane Ersatzprodukte eine gesunde Alternative? Macht Fett wirklich fett? Warum sind manche Menschen schneller satt als andere? Und ist Bio wirklich immer besser?
Für den Laien steckt der Ernährungs-Alltag voller Fragezeichen und Stolperfallen. Die Ansprüche an eine hochwertige Ernährung wachsen, doch wir haben immer weniger Zeit fürs Kochen und Genießen, das echte Ernährungs-Know-how dümpelt eher auf niedrigem Level und wir fühlen uns zwischen den ständig aufploppenden neuen Food-Trends verloren.
Zeit für den TV-Ernährungs-Doc Dr. Matthias Riedl, endlich für Klarheit zu sorgen! Umfassend beantwortet er die 100 wichtigsten und meistgestellten Ernährungs-Fragen. Praxisnah, brandaktuell und auf dem neuesten Stand der Forschung bringt er sein Wissen auf den Punkt.

Meine Meinung:
Als Anfänger in Ernährungsfragen hat mir das Buch sehr geholfen. Manchmal waren es aber fast zu viele Informationen, die bereit gestellt wurden und sich zudem stellenweise wiederholten. Der Autor empfiehlt das Prinzip der artgerechten Ernährung, also eine Ernährung wie sie unsere Eltern noch meist gepflegt haben. Viel Gemüse, wenig Fleisch und vor allem keine verarbeiteten Produkte ist seine Empfehlung. Man muss nicht seine gesamten Gewohnheiten umkrempeln, sollte sich aber in die richtige Richtung bewegen. Jeder nach seinen Möglichkeiten. Hilfreich ist es, wenn man selbst den Kochlöffel schwingt, weil es zunehmend verarbeitete Produkte vermeidet. Mich hat dieser Ansatz überzeugt.

Fazit:
Der Autor beantwortet viele Ernährungsfragen und macht Vorschläge für den Weg zur gesunden Ernährung, die mich mitgenommen haben. Deshalb vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 29.01.2021

Am Ende überzogen

Wolfssommer
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Buchmeinung zu Hans Rosenfeldt – Wolfssommer

„Wolfssommer“ ist ein Kriminalroman von Hans Rosenfeldt, der 2020 im Wunderlich Verlag in der Übersetzung von Ursel Allenstein erschienen ist. Der Titel der ...

Buchmeinung zu Hans Rosenfeldt – Wolfssommer

„Wolfssommer“ ist ein Kriminalroman von Hans Rosenfeldt, der 2020 im Wunderlich Verlag in der Übersetzung von Ursel Allenstein erschienen ist. Der Titel der schwedischen Originalausgabe lautet „Vargasommar“ und ist 2020 erschienen. Die ungekürzte Lesung durch Vera Teltz ist 2020 im audiobuch Verlag erschienen.

Zum Autor:
Hans Rosenfeldt, Jahrgang 1964, ist einer der angesehensten Drehbuchautoren Schwedens und Schöpfer der bislang erfolgreichsten skandinavischen Serie «Die Brücke», die in über 170 Ländern ausgestrahlt wurde und zahlreiche Preise erhielt. Hans Rosenfeldt schreibt Drehbücher und ist in seinem Heimatland Schweden ein beliebter Radio- und Fernsehmoderator. Gemeinsam mit Michael Hjorth bildet er zudem das erfolgreiche Krimi-Autoren-Duo Hjorth&Rosenfeldt.

Sprecher:
Vera Teltz ist Schauspielerin und Synchronstimme für Hollywood-Größen wie Naomie Harris, Noomi Rapace und Michelle Rodríguez. Sie ist außerdem als Hörbuchsprecherin tätig.

Klappentext:
In der schwedischen Stadt Haparanda, dicht an der Grenze zu Finnland, wird eine tote Wölfin gefunden. Als die Behörden das Tier untersuchen, finden sie in dessen Magen menschliche Überreste. Nachforschungen führen die Ermittler auf eine heiße Spur: Zwischen Russland, Finnland und Schweden scheint ein Drogendeal aus dem Ruder gelaufen zu sein, es gab mehrere Tote, und gleich mehrere Kriminelle sind auf dem Weg nach Haparanda. Allen voran: Profi-Killerin Katja, die für ihren russischen Auftraggeber Drogen und Geld zurückholen soll. Auch die erfahrene Polizistin Hanna Wester setzt alles daran, sie Lage aufzuklären. Doch sie ringt mit ihren privaten Problemen. Sie hat Angst, ihr Mann könne sie verlassen. Zugleich hat sie eine Affäre mit ihrem Chef. Dazu plagt sie ein altes Trauma. Doch Hanna steht ihre Frau und muss das auch, um den brisanten Fall zu lösen.

Meine Meinung:
In diesem Buch ist vieles so wie ich es mir bei einem Kriminalroman wünsche. Die Figuren sind mit vielen Grautönen versehen, handeln aber nachvollziehbar und glaubhaft. Die Handlung ist komplex und nimmt mehrere überraschende Wendungen. Der Schreibstil ist knapp und klar, vermittelt aber trotzdem Gefühle der Beteiligten. Es gibt viele Perspektivwechsel und der Leser ist den Ermittlern immer ein Stück voraus. Die Sprecherin macht einen ausgezeichneten Job und das Setting hoch im Norden an der Grenze zwischen Schweden und Finnland ist ungewöhnlich. Die Figuren haben den ein oder anderen Schicksalsschlag zu verkraften. Die Hauptfigur Hanna Wester wirkt sympathisch und ist eine Frau, die mitten im Leben steht. Die Spannung ist durchgängig hoch und auch an die Actionfreunde ist gedacht worden. Alles scheint im grünen Bereich zu sein, obwohl die Grundstimmung recht dunkel gehalten ist. Aber dann setzt der Autor noch einen Hammer obenauf, der mit der Hauptfigur zu tun hat. Das war für mich eindeutig zu viel des Guten und kostet einen Stern.

Fazit:
Das Buch hat mir lange Zeit herausragend gefallen, aber dann überzieht der Autor. Deshalb gibt es vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten). Von mir gibt es eine Leseempfehlung für die Freunde skandinavischer Krimis.

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Veröffentlicht am 05.01.2021

Hemmungslose Gier

Kreuzberg Blues
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Buchmeinung zu Wolfgang Schorlau – Kreuzberg Blues

„Kreuzberg Blues“ ist ein Kriminalroman von Wolfgang Schorlau, der 2020 bei Kiepenheuer&Witsch erschienen ist.

Zum Autor:
Wolfgang Schorlau lebt und ...

Buchmeinung zu Wolfgang Schorlau – Kreuzberg Blues

„Kreuzberg Blues“ ist ein Kriminalroman von Wolfgang Schorlau, der 2020 bei Kiepenheuer&Witsch erschienen ist.

Zum Autor:
Wolfgang Schorlau lebt und arbeitet als freier Autor in Stuttgart. Neben den neun »Dengler«-Krimis »Die blaue Liste«, »Das dunkle Schweigen«, »Fremde Wasser«, »Brennende Kälte«, »Das München-Komplott«, »Die letzte Flucht«, »Am zwölften Tag«, »Die schützende Hand« und »Der große Plan« hat er die Romane »Sommer am Bosporus« und »Rebellen« veröffentlicht. 2006 wurde er mit dem Deutschen Krimipreis, 2012 und 2014 mit dem Stuttgarter Krimipreis sowie 2019 mit dem Stuttgarter Ebner Stolz Wirtschaftskrimipreis ausgezeichnet.

Klappentext:
Denglers zehnter Fall führt ins Herz des gegenwärtigen Kampfs um das Recht auf Wohnen.
Georg Dengler fühlt sich in Stuttgart so wohl wie schon lange nicht mehr, und auch mit Olga läuft es besser denn je. Trotz der aufziehenden Corona-Pandemie lässt er sich von ihr überreden, in Berlin zu ermitteln. Der Immobilienhai Sebastian Kröger scheint seine Mieter mit kriminellen Methoden rauszuekeln. Doch Dengler muss erkennen, dass die Sache größer ist, viel größer. Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt: In einem Radius von wenigen hundert Metern vereinen sich in Kreuzberg Plattenbauten, schicke Townhouses, die türkische Community und der Schwarze Block. Ausgerechnet hier will der Bauunternehmer Kröger zwei Häuser »entmieten«, den danebenstehenden Kindergarten abreißen und ein neues Townhouse bauen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Die Mieter*innen wehren sich. Eine von ihnen bittet ihre Freundin Olga um Hilfe. Plötzlich stehen sie und Georg Dengler mitten im modernen Berliner Häuserkampf um das Recht auf Wohnen. Dann fällt ein Spekulant vom Dach eines der umkämpften Häuser – und die Lage eskaliert.

Meine Meinung:
Auch dies ist wieder ein hochpolitischer Roman von Wolfgang Schorlau, der die Gier finanzstarker Unternehmen thematisiert, die Wohneigentum als Spekulationsobjekt entdeckt haben. Ermöglicht wurde dies aber erst durch die Verkäufe öffentlichen Wohneigentums an Firmen zu unglaublich niedrigen Preisen und fast ohne Mieterschutz. Privatermittler Georg Dengler gerät über eine Bekannte seiner Partnerin Olga an einen besonders abscheulichen Fall einer Entmietungsaktion. Eine aggressive Ratte hat sich in das Gesicht eines Kleinkindes verbissen. Bald stellt sich heraus, dass die Dinge komplizierter sind als es auf den ersten Blick scheint. Dengler und Olga beißen sich in den Fall hinein und gehen hohes Risiko. Die Ermittler wirken sympathisch und kompetent.
Der Fall ist komplex und der Autor nimmt sich die Zeit, Mechanismen in diesem Umfeld zu zeigen. Einige Täter sind auch Opfer und man glaubt ihnen, dass sie es so nicht gewollt haben. Es gibt aber auch rücksichtslose Figuren, die ohne Hemmungen alles für mehr Geld, mehr Ansehen oder mehr Macht tun. Gelungen ist die Figur des auf dem Balkon rauchenden Rentners, der trotz seiner Hustenanfälle die Geschehnisse aus der Vogelperspektive beobachtet. Er dient als umfassender Informationsquell für Dengler. Ein weiteres Thema wird mit der Organisation Fuhrmann angestoßen, die ein Sammlungsbecken rechter Kräfte in staatlichen Funktionen unterhält. Die Dinge entwickeln sich und führen zu einem ansehnlichen Finale. Doch leider sattelt der Autor einen Abschnitt über Corona, Impfgegner und freiheitsliebende Menschen, die für machtpolitische Zwecke missbraucht werden, obendrauf. Für mich wirkte es aber nur wie ein Fremdkörper.
Das Ende des Buches ist tieftraurig und zeigt ein Deutschland im Würgegriff radikaler Kräfte. Jeder ist aufgefordert, daran etwas zu ändern.

Fazit:
Der Autor hält bei aller politischen Brisanz auch die Spannung hoch. Der aufgesattelte Abschnitt über Corona und die Auswirkungen passt da nicht hinein und kostet einen Stern. Deshalb vergebe ich diesmal nur vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten), spreche aber eine klare Leseempfehlung aus. Es lohnt sich.

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