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Veröffentlicht am 16.02.2021

Ein kleiner Mann mit Halbglatze und Brille

Auf Wiedersehen, Kinder!
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Das war Ernst Papanek, Sozialst und Pädagoge, mehr noch aber Freund und vor allem Fürsprecher der Kinder und zwar ALLER Kinder. Ein Mann, der mit den wichtigsten aller Welt verkehrte, dem über einen gewissen ...

Das war Ernst Papanek, Sozialst und Pädagoge, mehr noch aber Freund und vor allem Fürsprecher der Kinder und zwar ALLER Kinder. Ein Mann, der mit den wichtigsten aller Welt verkehrte, dem über einen gewissen Zeitraum eine ganze Menge Leute von Weltruhm zuhörten und dem dennoch nichts wichtiger war als das Wohl von Kindern. Vor allem von solchen, die aus unterschiedlichen Gründen in Not geraten sind. Er kümmerte sich in Österreich um Kinder aus bedürftigen Familien und in den Vereinigten Staaten um juvenile delinquents. Am meisten jedoch setzte er sich - und sein Leben und dazu das seiner gesamten Familie - für die ein, die eigentlich am Ende angelangt waren. Im Jahr 1939 schuf er vier Kinderheime in der Nähe von Paris für jüdische Kinder aus Deutschland und Österreich. Solche, deren Todesurteil eigentlich schon gefällt war und die ohne seine Hilfe und die seiner Mitstreiter gar nicht mehr aus ihrem jeweiligen Heimatland herausgekommen waren. Und die von ihren Eltern ausgeschickt worden waren, damit wenigstens sie überleben.

Also Kinder, die schwer traumatisiert waren, die in ihren jungen Jahren schon ungeheuer viel erlitten hatten. Ernst Papanek wollte viel mehr, als einfach nur ihr Leben retten. Er wollte sie - soweit möglich - heilen, ihnen helfen, ihr Leben wieder als lebenswert zu empfinden.

Und das hat er geschafft, für alle diese unterschiedlichen Kinder, denen er im Laufe seines Lebens so begegnete - zunächst noch vollkommen ohne pädagogische Ausbildung. Aber das hinderte ihn an überhaupt nichts, denn er war der geborene Pädagoge. Und ein Traumtänzer, dem allerdings - halten Sie sich fest - so mancher dieser Tänze auch gelang. Sozusagen ein Nurejew der Pädagogik. Einer, der viel angegriffen wurde, den man zu stoppen versuchte - und dem niemand nicht einmal annähernd das Wasser reichen konnte.

Wie ich dazu komme, ein derartiges Loblied auf Ernst Papanek, nein: Doktor und dann auch noch Professor Ernst Papanek, den viel zu wenig Leute kennen, zu singen?

Nun, ich möchte Sie dazu verführen, ihn ebenfalls kennen- und schätzen zu lernen: "To know, know, know him - is to love, love, love him" um mit seinen späteren Landsleuten, den Amerikanern zu sprechen.

Aber: und jetzt halten Sie sich fest - diese liegt in deutscher Sprache vor - verfasst - nein: erschaffen von der wunderbaren Historikerin Lilly Maier. Sie schreibt nicht über die von ihr ausgewählten Personen, sie streichelt sie mit ihren Worten. Denn sie widmet sich denen, über die es noch viel zu wenig zu lesen gibt - und ihre Recherchen sind unglaublich. Das Buch steckt voller Wissen, Fotos, weiterführender Ideen und ist spannender als jeder Roman!

Ich empfehle jedem, der einen wirklich guten und wertvollen Menschen auf die eindringlichste Art, die man sich vorstellen kann, kennenlernen möchte, diese wundervolle Lektüre. Sie werden sehen, Ernst Papanek war ein Mensch mit Ecken und Kanten, ein richtiger Typ, aber er war in jeder Lebenslage ein MENSCH, was man längst nicht von allen Menschen behaupten kann.

Ernst Papanek: das ist gelebter Sozialismus mit Herz, vor allem zum Wohle von Kindern! Der Wiener Historikerin Lilly Maier ist eine mehr als lesenswerte Biographie gelungen!

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Veröffentlicht am 01.02.2021

Eine Odyssee durch ein verwirres Land

Fanny oder Das weiße Land
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Beziehungsweise durch viele verwirrte Länder - und immer in Richtung Westen.

Wir begegnen hier dem Wiener Karl, der im Ersten Weltkrieg in russische Kriegsgefangenschaft gerät. Ihn verschlägt es ins östliche ...

Beziehungsweise durch viele verwirrte Länder - und immer in Richtung Westen.

Wir begegnen hier dem Wiener Karl, der im Ersten Weltkrieg in russische Kriegsgefangenschaft gerät. Ihn verschlägt es ins östliche Sibirien, quasi ans andere Ende der Welt. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Viktor und vier weiteren Männern gelingt ihm die Flucht, die zu einem unglaublichen Abenteuer wird und stellenweise an Doktor Schiwago, an anderer Stelle an eine waghalsige Weltumrundung denken lässt.

Was Karl aufrecht hält, ist der Gedanke an Fanny, seine große Liebe und an den gemeinsamen Sohn. Dadurch erduldet er einiges und erreicht vieles: denn Karl ist ein Künstler, ein Maler, zudem geschickt im Erstellen von Figuren und damit rettet er sein Team nicht nur einmal.

Es ist eine unglaubliche, mehrjährige Odyssee, der die Rückkehrer ausgesetzt sind - sie führt mehrfach zu neuer Gefangenschaft, aber auch zu einer wundervollen Begegnung unter Freunden, nämlich bei deutschen Mennoniten, sowie zu weiteren sowohl erschreckenden wie auch (wenigen) erbaulichen Momenten.

Es ist, obwohl in ruhiger, kluger Sprache geschrieben, definitiv ein tollkühnes, aberwitziges, aber auch brutales Abenteuer, dem die Österreicher ausgesetzt sind. Beatrix Kramlowsky hat sicher alles andere als einen Abenteuerroman geschrieben, oder einen solchen auch nur geplant, ich habe aber mit sehr großer Spannung, ja Erregung gelesen. Und Ängste, Erschreckendes, aber auch mal Erfreuliches durchgestanden.

Für mich ist dies ein wunderschönes, ja ein rührendes Buch, das mich sehr begeistert hat - ein besonderes Kleinod.

Veröffentlicht am 27.01.2021

Grün, grün, grün ist alles, was ich habe

Grün ist die Liebe
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Davon kann Elisabeth aus Kevelaer ein Lied singen, wenn es sich auch vor allem "nur" auf zwei Aspekte in ihrem Leben bezieht: sie ist ehrenamtlich als grüne Dame im Krankenhaus tätig und hat in dieser ...

Davon kann Elisabeth aus Kevelaer ein Lied singen, wenn es sich auch vor allem "nur" auf zwei Aspekte in ihrem Leben bezieht: sie ist ehrenamtlich als grüne Dame im Krankenhaus tätig und hat in dieser Funktion den wunderbaren Herrn Grün, einen ganz besonderen alten Herrn und wahren Gentleman, kennengelernt. Obwohl es ihm gar nicht gut geht, vermag er es doch, Elisabeth mit seinen wunderbaren Geschichten zu verzaubern. Wahren Geschichten, wohlgemerkt, solchen, die von Liebe und jahrelangem Miteinander handeln: die Lebensgeschichte von ihm und von seiner Frau also.

Elisabeth ist nur zu froh über diese Ablenkung, denn ihr eigenes Leben befriedigt sie gerade gar nicht: seit die Kinder aus dem Hause sind, fühlt sie sich unausgelastet, denn ihr Mann Robert ist sehr eingebunden in seinen Beruf und auch in Mußestunden nicht gerade kommunikativ - da betätigt er sich lieber als Teilzeitbauer und macht in Hühnern. Auch die familieneigene Pilgerherberge - man befindet sich schließlich im frommen Kevelaer - die von Mutter und Schwiegermutter geführt wird, und in der es eigentlich immer was zu tun gibt, vermag Elisabeth nicht zu faszinieren. Dennoch ist sie mit ihrem Leben nicht ganz unzufrieden, auch wenn mehr und mehr Zweifel aufkommen in Bezug auf ihren eigenen Lebensinhalt. Und das sind längst nicht mehr nur grüne Angelegenheiten, um die es hier so geht!

Auch, wenn Elisabeth ein Typ ist, der sich selbst ein wenig im Wege steht und damit öfter mal dazu beiträgt, dass nicht alles im grünen Bereich ist: die Wege und Wendungen, die ihr Leben und auch das der Menschen um sie herum nimmt, ist alles andere als 08/15. Nein, es sind viele ungewöhnliche, dadurch noch reizvollere Ideen in diesen originellen und warmherzigen, dabei unterhaltsamen und ausgesprochen humorvollen Roman eingebaut, den Autorin Marlies Ferber in der ihr eigenen Sprache - ganz klar der des Herzens - schreibt. Helden und Heldinnen müssen nicht immer jung und knackig sein, auch das Mittelalter und das Alter haben ihren Reiz. Den uns die Autorin in diesem Buch aufs Trefflichste zu vermitteln versteht.

Deswegen lege ich Ihnen ausdrücklich ans Herz: Wählen Sie den grünen Weg - wenn Sie etwas über Liebe lesen möchten, aber auch darüber, wie man sich selbst kennenlernt! Wenn Sie so gut drauf sind, wie der reizende Herr Grün und seine Autorin Marlies Ferber, werden Sie es nicht bereuen - im Gegenteil!

Veröffentlicht am 18.01.2021

Ein schweres Schicksal

Helenes Versprechen
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Im Mittelpunkt des Romans von Beate Rösler steht die Kinderärztin Helene Bornstein - sie erlebt ihre Jugend im Frankfurt der Weimarer Republik, einer Zeit der Bewegung. Ihr Vater ist selbst Kinderarzt, ...

Im Mittelpunkt des Romans von Beate Rösler steht die Kinderärztin Helene Bornstein - sie erlebt ihre Jugend im Frankfurt der Weimarer Republik, einer Zeit der Bewegung. Ihr Vater ist selbst Kinderarzt, hat eine Praxis im eigenen Haus und Helene folgt ihm in den Beruf. Als Hitler an die Macht kommt, arbeitet sie in einer Klinik, doch ebenso wie für ihren Vater ändert sich für sie alles - die Familie ist jüdischen Glaubens und wird quasi über Nacht von angesehenen Frankfurter Bürgern zu Geächteten.

Helenes arischer Mann Viktor steht zunächst zu ihr, doch er erweist sich als nicht stark genug - trotz des gemeinsamen Sohnes Moritz wendet er sich von ihr ab und damit auch von Moritz, der als Halbjude auch in Gefahr ist. Helene gelingt es, ihn nach England zu schicken, doch selbst will sie in Deutschland bleiben, um ihre Familie zu beschützen so gut es geht. Das gelingt ihr nur teilweise, aber dafür schafft sie es, auf andere Weise dem nationalsozialistischen Regime die Stirn zu bieten.

Nach dem Krieg bricht die traumatisierte Frau im wahrsten Sinne des Wortes zu neuen Ufern auf, um ein ebenso neues, komplett anderes Leben zu beginnen.

Autorin Beate Rösler ist ein fesselnder, dramatischer Roman gelungen, den ich nicht aus der Hand legen konnte. Dabei hat sie sich von der wahren Geschichte der jüdischen Kinderärztin Antonie Sandels inspirieren lassen. Doch es sind auch Momente aus der eigenen Familiengeschichte und natürlich Fiktion - es ist ja schließlich ein Roman - daran verewigt. Doch jede Seite kommt so lebendig, so anschaulich rüber, dass zumindest ich keinen Zweifel daran hatte, dass es so hätte ablaufen können. So oder ähnlich.

Veröffentlicht am 14.01.2021

Die Queen als bewährte Ermittlerin

Das Windsor-Komplott
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Richtig. Sie haben verstanden: DIE Queen ist gemeint: die britische "Lisbeth", die ein bisschen auch die unsrige ist. Mit starken deutschen Wurzeln versehen, deutet zumindet die Pünktlichkeit ...

Richtig. Sie haben verstanden: DIE Queen ist gemeint: die britische "Lisbeth", die ein bisschen auch die unsrige ist. Mit starken deutschen Wurzeln versehen, deutet zumindet die Pünktlichkeit als eine ausgesprochen deutsche Eigenschaft auf diese Herkunft hin. Doch nun, als Königin, ist sie Britin mit Haut und Knochen, wie wir alle wissen. Und hat durchaus ihren eigenen Kopf. Das wussten wir schon immer, aber in diesem Roman bzw. Krimi erfahren wir Genaueres.

Nämlich, dass sie bereits seit Jahren, nein: Jahrzehnten fleißig ermittelt und ihre Nase in alles steckt, was sie nichts angeht. Obwohl: eigentlich ja doch, denn es ist ihr Staat und in diesem speziellen Fall auch ihr Terrain, auf dem die Verbrechen stattfinden.

Es gab nämlich ein flottes Fest zur Osterzeit auf Schloss Windsor: Charles - richtig, der Kronprinz, sie kennen alle diesen Hallodri und Ehebrecher früherer Zeiten - genau DER hatte seine Mutter darum gebeten, mal zum Thema Russland einzuladen. Weil er diesbezüglich Kontakte benötigte. Und hat sich dann selbst verdünnisiert.

Was eigentlich kein Problem war, denn Her Majesty the Queen hat sich königlich - wie denn auch anders - amüsiert. Grund dafür war ein begnadeter Pianist - Russe seines Zeichens, der sie nach musikalischen Genüssen auch noch weiteren zugeführt hat. Sie haben nämlich getanzt, als wenn es kein Morgen gäbe und dabei steht die Königin kurz vor ihrem Neunzigsten.

Ja, Sie haben richtig gelesen, doch setzen wir uns darüber mal flink hinweg, wir wollen die hochstehende Dame doch keinen Peinlichkeiten aussetzen!

Jedenfalls: dieser junge Prachtkerl wird am nächsten Tag unter überaus delikaten Umständen tot aufgefunden. My God, alles deutet darauf hin, das er keines natürlichen Todes gestorben sein könnte!

Da die "Offiziellen" in eine ganz andere Richtung ermitteln als es der Queen im Sinn steht, nimmt sie selbst Ermittlungen auf - nicht zum ersten Mal. Und zieht zur Unterstützung ihre Privatsekretärin Rozie heran, die noch ziemlich neu in diesem Amt ist und für die diese spezielle Neigung Ihrer Majestät, auf eigene Faust zu ermitteln, eine große Überraschung bedeutet. Doch sie leckt schnell Blut.

Und dann gibt es für die beiden Damen kein Halten mehr, für uns Rezipienten bedeutet das ein grandioses Lesevergnügen. Natürlich bleibt die Queen auch als Ermittlerin ganz die Alte - wer meint, dass sie Rozie auf Augenhöhe begegnet, hat sich schwer getäuscht! Aber das wäre ja auch utopisch und für mich als Leserin war es sehr erquicklich, mich zusammen mit Rozie Schritt für Schritt der Auflösung zu nähern, auch wenn die Zusammenhänge noch nicht ersichtlich waren.

Ich hatte meinen Spaß, habe diesen herrlichen, vergnüglichen Roman bzw. Krimi regelrecht gefressen und empfehle ihn jedem weiter, der ein bisschen royale Leichtigkeit, aber auch Logik in seinem Leben gebrauchen kann! Man sollte sich aber bereits im Vorfeld vor Augen halten, dass die Autorin Britin (wie es scheint, mit ganzem Herzen) ist und somit kein negatives Wort über Her Majesty fällt! Andere Länder, andere Sitten....