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Veröffentlicht am 12.03.2021

Stainer ermittelt wieder

Abels Auferstehung
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Nachdem mir der erste Band "Der rote Judas" sehr gut gefallen und von mir 5 Sterne erhalten hat, war ich nun äußerst gespannt auf die Fortsetzung. Vorallem weil mich der historische Mittelalterroman, den ...

Nachdem mir der erste Band "Der rote Judas" sehr gut gefallen und von mir 5 Sterne erhalten hat, war ich nun äußerst gespannt auf die Fortsetzung. Vorallem weil mich der historische Mittelalterroman, den ich erst vor kurzem gelesen und den der Autor unter Pseudonym geschrieben hat, ziemlich enttäuscht hatte, waren meine Erwartungen an den Krimi umso höher. Ich kann euch aber schon vorab verraten, dass diese erfüllt wurden!

Paul Stainer kommt nicht zur Ruhe. Sein neuerster Fall führt ihn ins Hotel "Fürst Bismarck", wo der jüdische Maler und ehemalige Soldat Fritz Sternberg in seinem Hotelzimmer erstochen aufgefunden wurde. Nach dem Tod seiner Frau Edith vergräbt sich Stainer noch mehr in seine Arbeit, die ihn und Kollege Junghans, zu einer schlagenden Studentenverbindung führen. Kurz zuvor hat die Journalistin Marlene Wagner die Mensur zwischen den Ermordeten und einem jungen Studenten miterlebt. Den Artikel, den sie für die linke Leipziger Zeitung schreibt, schlägt nach der Veröffentlichung große Wellen. Doch Marlene hat keine Zeit sich damit auseianderzusetzen, denn sie wird nach Basel gerufen, als man eine männliche Leiche aus dem Rhein fischt. Der Tote hatte ein Zigarettenetui aus Leipzig bei sich. Ist der tote Soldat ihr vermisster Bruder? Während Marlene herauszufinden versucht, wer der tote Soldat ist, ermittelt Paul in Leipzig wegen des toten Malers und ahnt nicht, dass die beiden Toten in Verbindung stehen....

Sehr schnell war ich wieder in Leipzig und mit Paul Stainer und Siegfried Junghans unterwegs. Die Ermittlungen gestalten sich jedoch schwierig. Die Szenen werden sehr detailliert und komplex beschrieben. Ziebula gelingt es wieder vortrefflich die Atmosphäre der Zwanziger Jahre einzufangen. Man lebt förmlich mit seinen Protagonisten mit, mit denen der Autor auch diesmal nicht zimperlich umgeht. Zusätzlich setzt er sich mit den politischen und gesellschaftlichen Leben der jungen Weimarer Republik auseinander. Da ist zum Beispiel die Straßenbahnfahrerin Josefine, die wir schon aus dem ersten Teil kennen. Ihr droht nun der Verlust ihres Jobs, weil Frauen, die während des Krieges für Männer einsprangen, nun wieder zurück an den Herd sollen. Doch wovon soll die Kriegswitwe mit vier Kindern leben?
Auch der Antisemetismus beginnt bereits eine Rolle zu spielen. Die politischen und gesellschaftlichen Tendenzen zu dieser Zeit werden vom Autor gekonnt eingesetzt. Die Auswirkungen des ersten Weltkrieges sind noch spürbar und Stainer muss sich diesmal sehr in Acht nehmen...

Die Figuren sind lebendig und facettenreich. Stainer kämpft noch immer mit seiner Kriegsneurose und dem Tod von Edith. Junghans ist Stainer ein treuer Kollege, der eventuell zu meiner neuen Lieblingsfigur aufsteigen könnte. Aber auch Fine oder ihre Tochter Mona mag ich sehr. Auch Rosa Sonntag, die Clubbesitzerin, die wir aus dem ersten Band kennen ist wieder mit von der Partie und ihre Geschichte noch nicht auserzählt.

Thomas Ziebulas Schreibstil ist fesselnd, detailliert und sehr atmosphärisch. Ihm gelingt es hervorragend Stimmungen einzufangen. Überraschende Wendungen erhöhen die Spannung. Eine davon hat mich jedoch schockiert zurückgelassen. Miträtseln ist ebenso angesagt und der Autor hat mich gekonnt auf die falsche Fährte gelockt.

Gelegentlich kommt auch der Täter zu Wort. Seine Gedanken sind in kursiver Schrift abgedruckt. Eine Karte von Leipzig befindet sich auf der vorderen und hinteren Umschlagsseite.

Fazit:
Wer die historischen Wien Krimis von Alex Beer liebt, der sollte auch zu Ziebulas Leipzig Krimis greifen. Von mir gibt es wieder eine fette Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 04.03.2021

Gelungener Trilogie-Abschluss

Die Rache des Lombarden
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Nachdem ich die letzten historischen Romane, die im Mittelater spielten, alle eher mittelmäßig bis schlecht bewertet habe, hatte ich schon die Befürchtung, dass ich keinen Gefallen mehr an dieser Epoche ...

Nachdem ich die letzten historischen Romane, die im Mittelater spielten, alle eher mittelmäßig bis schlecht bewertet habe, hatte ich schon die Befürchtung, dass ich keinen Gefallen mehr an dieser Epoche finden kann. Petra Schier hat mich vom Gegenteil überzeugt, denn ihr dritter Band der Lombarden Reihe konnte mich wieder genauso fesseln, wie schon Band 1 und 2.
Wer vor hat "Die Rache des Lombarden" alleinstehend zu lesen, dem empfehle ich unbedingt die Reihenfolge einzuhalten, da die Geschichten aufeinander aufbauen.

Bereits der Prolog hat es in sich. Waffenknechte dringen in Aleydis Haus ein und entführen die Schwestern Ursel und Marlein. Ein Alptraum für die gutherzige Witwe, die ihre Mündel wie eigene Kinder liebt. Dahinter steckt Hartmut de Piacenza, der das Testament seines Onkels nicht anerkennen will. Aleydis kämpft mit Hilfe des Gewaltrichters Vinzenz van Cleve gegen dieses Unrecht. Aber vorallem bringen sie diesmal die ehemals undurchsichtigen Machenschaften ihres verstorbenen Mannes in arge Bedrängnis.

Dies ist der Ausgangspunkt des leider letzten Bandes dieser Trilogie. Wie von der Autorin gewohnt, bereitet sie uns Leser wieder äußerst spannende Lesestunden. Die knapp über 400 Seiten lesen sich weg wie nichts.
Die Figuren sind lebendig und facettenreich beschrieben. Man begegnet vielen alten Bekannten aus den Vorgängerbänden, die einem das Gefühl geben auf "Familienmitglieder" zu treffen. Zu Beginn des Buches findet man außerdem ein Personenregister.

Die damalige Zeit wurde von Petra Schier perfekt eingefangen. Man wandert durch die Gassen des mittelalterlichen Köln. Die zu Beginn gedruckte Karte der Stadt im 15. Jahrhundert ist dabei noch eine zusätzliche Hilfe.
Die Sprache ist der Zeit angepasst. Die Autorin verwendet oftmals Worte, die vielleicht Leser, die Einsteiger in historische Romane sind, nicht so sehr bekannt sind. Hier wäre vielleicht ein Glossar hilfreich. Die Dialoge zwischen Aleydis und Vinzenz sind wieder ein richtiger Genuss zu lesen. Ob die beiden sich im Abschlussband endlich näher kommen oder nicht, verrate ich euch nicht. Das müsst ihr schon selber lesen.

Die Autorin lässt zum Ende eine Frage offen, die zum Rätseln einlädt. Im Nachwort erzählt sie mehr darüber und ich fand diese Idee äußert gut gelöst.

Fazit:
Ein gelungenes Finale der Trilogie, die mich vom ersten Band weg begeistern konnte. Gerne hätte ich Aleydis noch bei weiteren Abenteuern begleitet. Von mir gibt es eine Leseempfahlung für die gesamte Reihe für Leser, die gerne spannende Mittelalterromane lesen.

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Veröffentlicht am 12.02.2021

Erinnerungen sind trübe

Das Geburtstagsfest
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Bereits im Spätherbst 2019 war ich bei der Lesung von Judith W.Taschler, als sie ihren Roman "Das Geburtstagsfest" in St. Pölten vorstellte, zu Gast. Hier könnt ihr darüber nachlesen. Es war sehr interessant, ...

Bereits im Spätherbst 2019 war ich bei der Lesung von Judith W.Taschler, als sie ihren Roman "Das Geburtstagsfest" in St. Pölten vorstellte, zu Gast. Hier könnt ihr darüber nachlesen. Es war sehr interessant, vorallem weil die Autorin selbst mit einer kambodschanischen Flüchtlingsfamilie im Haus aufgewachsen ist.

Kim und Tevi sind vierzehn und zwölf Jahre alt, als sie in den frühen Achziger Jahren als Flüchtlinge über Thailand nach Österreich kommen. Sie finden bei Monika und ihrer Tochter Ines ein neues Zuhause. Während Tevi das Land später wieder verlässt, bleibt Kim in Österreich, wird Architekt und heiratet Ines. Zum 50. Geburtstag möchte ihm sein jüngster Sohn Jonas eine ganz besondere Überraschung schenken. Er sucht nach Tevi und lädt sie zum Geburtstagsfest zu sich nach Hause ein. In all den Jahren wurde den Kindern erzählt, dass ihr Vater damals dem Mädchen das Leben gerettet hat. Kim selbst mag allerdings über seine Vergangenheit nicht sprechen. Jonas hofft mit seiner Einladung seinen Vater endlich aus der Reserve zu locken und endlich mehr über seine Kindheit zu erfahren.
Damit beginnt eine grandiose Geschichte, die den Leser an die Seiten fesselt. Die gut gemeinte Einladung der "Flüchtlingsschwester" Tevi lassen bei Kim alte Wunden aufbrechen. Die furchtbaren Gräueltaten der Roten Khmer, die beide gerade noch überlebt, aber nicht vergessen haben, kommen wieder hoch und das Fest wird zur Katastrophe....

Ich muss zugeben, dass ich zwar mit den Namen Pol Pot und Rote Khmer etwas anfangen konnte, aber das war es dann auch schon wieder. Ich bin genauso alt wie Kim im Roman und habe als Kind gar nichts davon mitbekommen, was sich in Kambodscha Schreckliches abgespielt hat, dabei wurden damals rund zwei Millionen Menschen umgebracht.Während Tevi ihre Kindheit immer und immer wieder heraufbeschwört, setzt Kim auf totale Verdrängung. Bis alles zusammenbricht.

Die Geschichte spielt auf meherern Zeitebenen. 2016 feiert Kim Mey seinen 50. Geburtsag. In Rückblenden, die sich immer mit dem Gegenwartstrang abwechseln, erfahren wir mehr über seine ärmliche Kindheit, aber auch über die Familie Tevis, die der oberen Schicht angehörte. Als es in den späten 70iger Jahren unter der Schreckensherrschaft von Pol Pot und den Roten Khmer in Kambodscha zu einem regelrechten Abschlachten der höher gebildeten Menschen kommt, finden viele Kinder Unterschlupf und werden als Kindersoldaten ausgebildet. Im dritten Strang sind Kim und Tevi als Flüchtlingskinder in Österreich gelandet und finden bei Monika und Iris eine Pflegefamilie. Die krassen Gegensätze haben mich sehr nachdenklich gemacht.

Die Autorin hält sich mit grausamen Beschreibungen durch die Roten Khmer nicht wirklich zurück. Oftmals muss man Pausen einlegen - auf der anderen Seite fesselt die Geschichte jedoch so extrem, dass man einfach immer weiterlesen möchte.
Die Autorin schafft es berührend zu schreiben, ohne rührselig zu werden. Sie zeigt auf, wie unterschiedlich sich die beiden Hauptcharaktere auf die Zeit in kambodschanischen Bürgerkrieg zurückerinnern. Man stellt sich die Frage, wer der Wahrheit näher kommt: Kim oder Tevi? Die seelischen Wunden, die beide als Kinder erfahren haben, sind auch in der Gegenwart spürbar.

Für ihre fiktive und vielschichtige Geschichte hat die Autorin nicht nur eine Reise durch Kambodscha gemacht, sondern sie wuchs selbst in ihrem Elternhaus mit einer kambodschanische Füchtlingsfamilie auf. Die Menschen dieses Landes stehen ihr sehr nahe und das merkt man in jeder Zeile ihres Romans.

Ein vielschichtiges Drama über Schuld, Lebenslügen und Verdrängung. Die unterschiedlichen Blickwinkel ergeben langsam ein Ganzes...doch nicht immer sind die Dinge wie sie scheinen, denn die eigenen Erinnerungen können täuschen.....

Fazit:
Eine intensive Geschichte über die Herrschaft der Roten Khmer in Kambodscha in den 1970iger Jahren. In ihrem Roman stellt die Autorin die Erlebnisse zweier mittlerweile erwachsener Menschen, die in Österreich bzw. den USA eine neue Heimat gefunden haben, ins Rampenlicht - stellvertretend für viele andere Flüchtlinge. Ein Buch, das noch lange nachhallt und das ich gerne weiterempfehle!

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Veröffentlicht am 02.02.2021

Roadtrip ins wahre Leben

Hannos Reise
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Dies ist mein zweiter Roman des Autors und wie auch "Für dich bricht meine Welt zusammen" fand ich die Geschichte glaubwürdig und wunderbar erzählt.
"Hannos Reise" wird unter Young Adult gelistet, ist ...

Dies ist mein zweiter Roman des Autors und wie auch "Für dich bricht meine Welt zusammen" fand ich die Geschichte glaubwürdig und wunderbar erzählt.
"Hannos Reise" wird unter Young Adult gelistet, ist es aber meiner Meinung nach nicht. Es ist viel mehr ein Road-Trip und ein Selbstfindungsroman. Es gibt hier keinen Bad Boy und auch keine ausgiebigen Sexszenen, sondern einen ganz normalen siebzehnjährigen Jungen, der auf der Suche nach sich selbst ist.
Hanno ist schüchtern und wird in der Schule gemobbt. Er ist keiner der großen Macker, sondern ein introvertierter Junge mit wenig Selbstbewusstsein. Am liebsten spielt er Onlinegames, wo er in Silentfox14 eine verwandte Seele gefunden hat. Doch am Ende des Schuljahres schickt ihn sein Vater auf eine Interrail-Tour, um endlich etwas mehr Selbstbewusstsein zu gewinnen. Hanno ist entsetzt. Doch schon am ersten Tag bekommt er Hilfe von der hübschen, drei Jahre älteren Sarah, als er im Zug blöd angemacht wird. Hanno klebt fortan an ihrer Seite, was Sarah gar nicht recht ist. Doch dann hilft ihr Hanno in München aus der Patsche und Sarah und er beschließen nun doch gemeinsam weiterzureisen. Sarah hütet jedoch ein Geheimnis...sie ist nicht diejenige, als die sie sich ausgibt....

Was für ein toller Jugendroman und gleichzeitig ein Roadtrip quer durch Europa. Kai Bischof/Kai Everstein hat es wieder geschafft, mich völlig in seiner Geschichte abtauchen zu lassen.
Die Protaginisten sind authentisch und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Hanno ist ein sehr sympathischer Junge. Ich konnte viele seiner Unsicherheiten und Selbstzweifel verstehen - auch mir ging es in seinem Alter sehr ähnlich. Er ist ein feinfühliger und empathischer junger Mann, der jedoch durch die ständige Mobberei durch seine Klassenkameraden immer weniger Selbstvertrauen aufbringt. Nur in seiner Spielewelt fühlt er sich wohl.
Sarah spielt bei Hannos Selbstfindung eine große Rolle. Die ältere und selbstbewusste junge Frau, die früh auf eigenen Beinen stehen musste, nimmt Hanno so, wie er ist. Sarah lernt Hanno in einem anderen Umfeld kennen und erkennt sehr schnell, welche Herzenswärme er besitzt. Sie versucht ihm zu vermitteln, dass er liebenswert ist. Das dauert jedoch eine Weile, was sehr authentisch dargestellt wird. Sarah hat ihre eigenen Probleme und erfährt durch Hanno etwas Normalität in ihrem Leben.
Zwar dreht sich die Geschichte auch um Liebe, aber es gibt keine aufgesetzte Romanze, sondern es geht um Freundschaft, Empathie und Hilfsbereitschaft.

Zusätzlich haben mir die Reisen in die Schweiz, nach Spanien, Italien und Schweden sehr gut gefallen. Die Landschaftsbeschreibungen sind lebendig und bildhaft. Außerdem war ich selbst vor 2 Jahren in Andalusien und freute mich buchtechnisch nochmals in diese Gegend reisen zu können.

Die Geschichte ist wunderbar authentisch. Kai Bischof erklärt ohne erhobenen Daumen, wie wichtig Individualität ist und man sich nicht dem Gruppenzwang beugen soll. Nur ganz am Ende fand ich zwei Dinge ein bisschen zu viel gewollt.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Kai Bischof ist einfühlsam, aber auch locker mit einer Prise Humor. Der Autor lässt tief in die Gefühlswelt seines Protagonisten blicken.

Fazit:
Ein wundervoller Roman für jung und alt mit einem sehr sympathischen Protagonisten. Eine Geschichte, die jungen Menschen aufzeigt nicht der oberflächlichen Masse nachzueifern, sondern sich selbst und seine eigenen Stärken zu finden. Den älteren Semestern - wie ich - erlaubt es einen Blick zurück in ihre Jugend und erinnert an die Selbstzweifel, die man damals hatte. Wie schon Kai Bischofs letzter Jugendroman sticht auch "Hannos Reise" aus dem Einerlei dieses Genres heraus. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 30.12.2020

Eine fette Leseempfehlung!

Der Buchspazierer
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Wer nach einem Roman zum Verschenken für Buchliebhaber sucht, hat mit "Der Buchspazierer" das richtige Buch in der Hand. Was für eine bezaubernde und zu Herzen gehende Geschichte sich hinter diesem liebevollen ...

Wer nach einem Roman zum Verschenken für Buchliebhaber sucht, hat mit "Der Buchspazierer" das richtige Buch in der Hand. Was für eine bezaubernde und zu Herzen gehende Geschichte sich hinter diesem liebevollen Cover versteckt, davon möchte ich euch erzählen.

Carl Christian Kollhoff's Leben ist das geschriebene Wort. Der 72jährige Mann hat sein Leben lang in der Buchhandlung gearbeitet, für die er noch heute nach Ladenschluss, Bestellungen ausliefert. Seine Stammkunden warten fast täglich auf sein Erscheinen, denn Carl ist für sie die wichtigste Verbindung zur Außenwelt. Ihnen hat er im Geheimen die Namen berühmter Protagonisten aus Klassikern gegeben. Einzig die Tochter seines ehemaligen Chefs und Freundes wäre froh ihn endlich los zu sein. Für sie zählt nicht der persönliche Kontakt zu den Kunden, sondern alleine die Zahlen, die am Ende des Monats übrig bleiben sollen. Doch eines Tages bekommt Carl ungewollt Begleitung. Die neunjährige Schascha beschließt ihn auf seinen Runden zu begleiten. Sie lässt sich nicht abwimmeln und bald ist sie für den Buchspazierer genauso wichtig wie für seine Kunden. Als jedoch der ehemalige Inhaber der Buchhandlung stirbt, wirft seine Tochter Carl hinaus. Das Lieferservice wird eingestellt und keine Kunden mehr beliefert. Carl gibt jedoch nicht so schnell auf, kommt aber bald an einem Punkt, wo er keine Reserven mehr hat. Und dann verlässt dem Buchspazierer das Glück vollkommen....

Carsten Henn erzählt in seinem Roman über Herzenswärme und Nächstenliebe. Die Geschichte hat mich völlig verzaubert. Schon länger suchte ich ein Wohlfühlbuch über Bücher und wurde bisher fast immer enttäuscht. Mit "Der Buchspazierer" ist nun endlich ein Buch hier eingezogen, das genau diese Attribute erfüllt.
Carl ist ein einsamer Mann, dessen Liebe den Büchern gehört und dem sein Spaziergang zu seinen Stammkunden sein Lebbenselixir ist. Die kleine Schascha ist ein richtig intelligentes und aufgewecktes Mädchen, das sehr schnell erkennt, wie einsam der Buchspazierer ist. Schascha hat sofort mein Leserherz erobert, knackt aber auch Carls Panzer. Sie bemerkt relativ schnell, dass auch die Kunden von Carl einsame Seelen sind und eigentlich ganz andere Geschichten bräuchten, als die, die sie sich bestellen. War Carl bisher nur der Auslieferer, der täglich einige Worte mit seinen Kunden wechselt, aber nicht wirklich hinter die Kulissen blickt, erkennt Schascha sehr schnell, was die Leser wirklich brauchen. Durch sie macht sich Carl Gedanken über Dinge, die ihm früher nicht wichtig genug waren. Er lernt seine Nase nicht nur in Bücher zu stecken, sondern auch hinter das Offensichtliche zu blicken.

»Das geschriebene Wort wird immer bleiben, weil es Dinge gibt, die auf keine Art besser ausgedrückt werden können.«

Carsten Henn hat mit diesem Roman eine kleine Buchperle erschaffen, die zwar ruhig ist, aber die auf jeder Seite ihren eigenen Zauber versprüht. Ein Buch, das nachhallt und in Erinnerung bleibt und einen besonderen Platz in meinem Regal bekommt.

Fazit:
Es geht um Bücher und ihre magische Kraft, um Freundschaft, Nächstenliebe und dem Finden zu sich selbst. Carsten Henn hat mit "Der Buchspazierer" eine zauberhafte und zu Herzen gehenden Geschichte erfunden, die etwas märchenhaftes hat, aber trotzdem aus dem wirklichen Leben erzählt. Von mir gibt es eine fette Leseempfehlung!

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