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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.02.2021

Eine vermutlich unfaire Rezension

Das achte Kind
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Was mache ich mit einem Buch, das mich als Leser so sehr bedrückt, dass ich es eigentlich gar nicht weiter lesen mag? Das mich herunterzieht? Das meine depressiven Gefühle schürt? Und weil ich mit der ...



Was mache ich mit einem Buch, das mich als Leser so sehr bedrückt, dass ich es eigentlich gar nicht weiter lesen mag? Das mich herunterzieht? Das meine depressiven Gefühle schürt? Und weil ich mit der Rezension nicht bis zum Frühling warten darf, fällt sie vielleicht schlechter aus als es das Buch eigentlich verdient hätte. Wobei durchaus erstaunlich ist, dass der Roman diese Wirkung auf mich hatte, denn geschrieben ist er so, als wollte er auf keinen Fall berühren.

Der Autor schildert sein Leben als Gastarbeiterkind. Da gibt es viel Entsetzlichkeit. Entsetzliche Armut zum Beispiel. Und entsetzliche Gewalt. Und entsetzliche emotionale Kälte. Ein Nazi in der Pflegefamilie. Ein brutaler Säufer der Stiefvater. Dass aus dem Kind trotz all der Entsetzlichkeiten ein Autor wurde, ist bewundernswert. Was jedoch auffällt, ist die Schreibweise des Autors. Sie ist nüchtern, so nüchtern wie ein Sachbericht, wie eine nüchterne Auflistung von Fakten, von Geschehnissen, von Erfahrungen, schlicht und gradlinig. Es fehlen jegliche Empfindungen. Es fehlen Reflexionen. Es fehlt Tiefgang. Es fehlen Wertungen. Nichts, woran sich der Leser festhalten könnte, um Verbindung aufzunehmen.

Nein, dieses Buch habe ich nicht gern gelesen. Ich habe mich durch die Seiten gequält. Ob tatsächlich der Roman daran schuld ist oder meine eigene Winterbefindlichkeit? Ich weiß es nicht.

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Veröffentlicht am 07.02.2021

Nein, nein, nein!

Big Sky Country
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„Ein begnadeter Autor“ schreibt der Verlag. Überhaupt findet er gewaltige Worte für das Buch: „Ein Bildungsroman von atemberaubender Schönheit und Klarheit“ und „ein neues Meisterwerk“. Wow! Da fühle ...


„Ein begnadeter Autor“ schreibt der Verlag. Überhaupt findet er gewaltige Worte für das Buch: „Ein Bildungsroman von atemberaubender Schönheit und Klarheit“ und „ein neues Meisterwerk“. Wow! Da fühle ich mich als sofort Leserin gedemütigt, weil ich offensichtlich zu dumm bin, um das Meisterwerk als solches zu erkennen.

August liebt die Arbeit auf der Farm, egal wie schwer sie ist. Als sich seine Eltern trennen und er mit seiner Mutter nach Montana zieht, fällt es ihm sehr schwer, sich in der neuen Umgebung einzugewöhnen. Falsche Freunde und Alkohol lassen ihn durch die Zeit treiben.

Nein sage ich zu der Bezeichnung „Meisterwerk“. Denn ich halte es mit Reich-Ranicki: Ein Buch darf nicht langweilen. Dieses Buch zu lesen war für mich langweilig, quälend langweilig auf der einen Seite, und auf der anderen Seite mehr als abstoßend, anwidernd, wenn Katzenschlachten und die Vergewaltigung betrunkener Mädchen als normale Vorkommnisse eines Farmeralltags dargestellt werden oder menschenverachtende „Weisheiten“ verkündet werden. Das Aneinanderreihen von einzelnen Szenen, ohne dass sie wirklich zu etwas führen, was einen Roman rechtfertigt, führt zu gähnender Langeweile. Wobei schon der vom Verlag gewählte Begriff „Bildungsroman“ für mich einen öden Text impliziert – vielleicht ein Schultrauma. Aber wenn schon Bildungsroman, dann aber bitte auch richtig. Leider konnte ich nicht wirklich im Verlauf der 380 Seiten eine Entwicklung von geistiger und charakterlicher Bildung bei August feststellen. Er wird halt älter. Ansonsten war ich hauptsächlich als Leser damit beschäftigt, August mehr oder eher weniger interessiert bei der Farmarbeit in allen seinen Facetten zu beobachten. Wenn wenigstens die Sprache als solche etwas an sich hätte, das den Leser anspricht. Aber leider konnte ich nichts Erfreuliches finden. Die Sprache ist klar und einfach zu lesen. Mehr nicht. Deprimierend und öde war für mich dieses Buch, deshalb nicht empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 06.02.2021

Viel Gutes, aber auch viel Kritikwürdiges

Elchtage
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Wenn man 15 Jahre alt ist, beginnt sich die Welt zu verändern und man ist gezwungen, sich neu zu orientieren. Eine Zeit der Verwirrung, aber auch der Entdeckungen neuer und spannender Möglichkeiten. Malin ...


Wenn man 15 Jahre alt ist, beginnt sich die Welt zu verändern und man ist gezwungen, sich neu zu orientieren. Eine Zeit der Verwirrung, aber auch der Entdeckungen neuer und spannender Möglichkeiten. Malin Klingenberg hat versucht, im Buch „Elchtage“ dieser besonderen Lebenszeit eine Stimme zu geben.

Im neuen Schuljahr erlebt Johanna, wie ihre beste Freundin Sandra plötzlich lieber mit den beliebtesten und reichlich oberflächlichen Mädchen der Klasse zusammen ist als mit ihr. So zieht sich Johanna mehr und mehr in ihre Hütte im Wald zurück, ein Ort, in dem sie ungestört die Natur und die Tiere beobachten kann. Sie gewinnt mit viel Geduld das Zutrauen eines Elches und träumt davon, eines Tages auf diesem stattlichen Tier reiten zu können. Doch gefährliche Elchjäger, sehr merkwürdige Tierschützer und ein seltsamer Junge sind Teil eines spannenden Abenteuers, in das Johanna mehr und mehr hineingerät…

Eine schöne Geschichte erzählt da Malin Klingenberg. Sehr lebensnah und glaubwürdig sind die Themen Freundschaft, erste Liebe, Familie, Schule, Naturschutz und Jagd in die Geschichte hineingewoben. Johanna in ihrer stillen beobachtenden Art wirkt sympathisch. Die fein beobachteten Szenen in der Natur und im Umgang mit den Tieren sind die stärksten und beeindruckendsten im Buch. Und doch lässt das Buch den Leser mit einem Gefühl von Ratlosigkeit zurück. Ratlos deshalb, weil die vielen Themen, die vielen verschiedenen Fäden nicht zu Ende gesponnen werden und so die Geschichte nicht rund wird. Nicht nur wegen des plötzlichen Endes, sondern weil mir letztlich der eigentliche Zusammenhang, die Sinnhaftigkeit, der Tiefgang des Erzählten fehlt. Besonders fragwürdig finde ich im Übrigen, dass im Buch völlig unkritisch Elche als zähmbare Reittiere dargestellt werden. Hier fehlt mir eindeutig das Bewusstsein für den richtigen Umgang mit Wildtieren.

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Veröffentlicht am 04.02.2021

Zu viel Gerede und zu wenig Handlung

Der Malik
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Wenn ein Philosoph einen Kriminalroman schreibt, kann man etwas Besonderes erwarten. Und so ist dieses Buch tatsächlich ungewöhnlich. Dass es mich dennoch nicht überzeugte, liegt an mir und meinem Anspruch ...


Wenn ein Philosoph einen Kriminalroman schreibt, kann man etwas Besonderes erwarten. Und so ist dieses Buch tatsächlich ungewöhnlich. Dass es mich dennoch nicht überzeugte, liegt an mir und meinem Anspruch an das Genre Kriminalroman.
Die beiden Kommissare Michael Lenhart und Sabine Preiss sind auch privat ein Team. Als ein Mitarbeiter des österreichischen Finanzministeriums auf Malta verschwindet, wird eine Sonderkommission gebildet mit Lenhart und Preiss. Ausgangspunkt der Ermittlungen ist der einzige Hinweis, nämlich ein Zettel mit den Worten „der Malik“. Der Leser wird detailreich hineingezogen in ein raffiniertes und völlig undurchsichtiges Konstrukt an Firmen, Stiftungen und Beteiligungen in verschiedenen Ländern, an die äußerst geschickten Schachzüge und die Skrupellosigkeit eines verbrecherischen Kartells, das alle politischen Register zieht.
Spaß macht das Buch an den Stellen, an denen österreichischer Dialekt und österreichische Lebensart lebendig werden. So werden zum Beispiel im Kommissariat regelmäßige Pausen mit gepflegter Nahrungsaufnahme zelebriert. Spaß macht das Lesen auch durchaus, weil nicht mit Muskeln gefochten wird, sondern mit Geist und Verstand. Die eingestreuten philosophischen Anmerkungen des Michael Lenhart würzen das Buch. Aber alles, was zu viel ist, führt zum Überdruss. Zu viel selbstgefälliges Philosophieren von Lenhart, zu viel überflüssiges Wissen (Codex Hammurapi), zu viele ausufernde Details, was zum Beispiel die EU-Förderungspolitik und deren mögliche Korruption betrifft – die Liste der „Zu viel von“ ließe sich noch fortsetzen. So hatte ich einerseits Spaß an diesem unkonventionellen und durchaus intelligenten Kriminalroman, andererseits hat er mich auch seitenweise gelangweilt bis hin zum Gefühl des Überdrusses. Kurzum: Zu viel Gerede und zu wenig Handlung.

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Veröffentlicht am 28.01.2021

Nicht Fisch und nicht Fleisch

Nordstern – Der Ruf der freien Pferde
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Mit diesem Jugendbuch habe ich einige Probleme. Welchen jugendlichen Lesern sollte ich es empfehlen? Den Liebhabern von Fantasy-Büchern? Oder von historischen Romanen? Oder von Liebesgeschichten? Oder ...

Mit diesem Jugendbuch habe ich einige Probleme. Welchen jugendlichen Lesern sollte ich es empfehlen? Den Liebhabern von Fantasy-Büchern? Oder von historischen Romanen? Oder von Liebesgeschichten? Oder von Abenteuerbüchern? Oder von Fortsetzungsromanen? Oder Pferdeliebhabern? Das vorliegende Buch hat von allem ein bisschen und dadurch nichts richtig, und genau das gefällt mir nicht.

Wir schreiben das Jahr 1949, der Weltkrieg ist noch nicht lang vorbei. Die 14-jährige Erla wandert mit ihrer Mutter nach Island aus, weil dort händeringend Arbeitskräfte gesucht werden. Erla wird von ihrer Mutter getrennt und muss auf einem armseligen Bauernhof hart arbeiten. Sie versteht die Sprache nicht und wird von den Bauersleuten schlecht behandelt. Einziger Trost für Erla ist die Schimmelstute Drifa. Erla hat die Gabe, Dinge zu sehen, die für andere Menschen unsichtbar sind. Und in Island, diesem magischen Land, kommen ihr Die Verborgenen sehr nahe…

Mit dem Schreibstil musste ich mich erst anfreunden. Die kurzen, abgehackten Sätze wirken nüchtern und hart und wecken kaum Emotionen beim Leser. Schön und bildhaft dagegen sind die detaillierten Beschreibungen der spröden Natur und der Wettergewalten. Erzählt wird in zwei Ebenen, und zwar sowohl die Geschehnisse in der realen Welt als auch das, was parallel dazu in der Welt der Verborgenen erlebt wird. Dass die Autorin ihre Geschichte mit ihrer Fantasy-Seite in Island ansiedelt, kann ich nachvollziehen, denn in keinem Land sonst leben bis heute die reale und die Geisterwelt so eng beieinander. Dennoch fehlt es der erzählten Fantasy-Story an Substanz und Spannung. Und warum musste es das Jahr 1949 sein? Denn an historischen Bezügen, die es durchaus gegeben hätte, fehlt es im Buch völlig. Zerschlissene Kleidung allein reicht da wirklich nicht. Also doch ein Pferdebuch? Nein, auch hier fehlt die Substanz. Denn Island-Pferde haben mehr als kuscheliges Fell und können viel mehr als nur Tölt. Für Erla, die Heldin des Buches, kann ich wenig Sympathie empfinden. Sie wird als kindlich, ungeschickt und ohne Eigeninitiative geschildert. Nur wenn sie Kontakt zur Welt der Verborgenen hat, lebt sie auf. Tja, und der fiese Cliffhanger zum Schluss, der es mit dem Holzhammer darauf anlegt, dass man auch Band 2 kaufen soll, gibt dem Buch dann noch den Rest.

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