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Veröffentlicht am 09.03.2021

Für eine schmackhafte, gesunde Küche ohne großen Aufwand

Vegetarisch kochen mit 5 Zutaten
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Neue Rezepte ausprobieren macht Spaß und bringt Abwechslung auf den Tisch, wären da nicht manchmal die ellenlangen Zutatenlisten, wo man schon beim Lesen die Lust verliert, sich überhaupt noch näher mit ...

Neue Rezepte ausprobieren macht Spaß und bringt Abwechslung auf den Tisch, wären da nicht manchmal die ellenlangen Zutatenlisten, wo man schon beim Lesen die Lust verliert, sich überhaupt noch näher mit dem Rezept zu befassen. Manchmal sind es dann auch noch viele außergewöhnliche Zutaten, die man benötigt und die oft gar nicht so einfach zu bekommen sind. Stundenlang in der Küche zu stehen, ist dann auch nicht gerade mein Ding. Darum fand ich bei diesem kleinen Kochbuch schon den Titel interessant, denn schmackhaft und gesund kochen, ohne viel Zeit beim Einkaufen und nachher nochmal in der Küche zu verbringen, das ist genau nach meinem Geschmack, im wahrsten Sinn des Wortes.

Das Prinzip der Rezepte in diesem Buch basiert auf folgenden Punkten:
• bewusst einkaufen
• clever kombinieren
• geschickt verwerten
• gekonnt würzen

Es gibt vier Rezept-Kategorien: Kleine Gerichte, One-Pot-Meals, Aus dem Ofen und Süßes. Alle gezeigten Gerichte sind vegetarisch, können aber auch weitgehend vegan zubereitet werden, wenn man ein paar Zutaten durch eine pflanzliche Variante ersetzt (Käse, Joghurt, Milch, Ei).

Das ist momentan das Kochbuch, welches ich am häufigsten verwende, denn es hält, was es verspricht. Man benötigt wirklich jeweils nur fünf Zutaten für ein Gericht, und es kommen lediglich noch Pfeffer und Salz dazu. Andere Gewürze, Öle oder beispielsweise Gemüsebrühe sind wiederum bereits bei den fünf Zutaten eingerechnet. So einfach war Kochen noch nie! Vieles, was ich für die Gerichte benötige, habe ich sowieso im Vorrat und muss nur noch mit frischem Obst und Gemüse ergänzen. Dadurch ist die hier gezeigte Küche nicht nur schnell und einfach, sondern auch noch kostengünstig. Aber das Wichtigste ist natürlich der Geschmack, denn auch gesunde Küche soll ja schmecken. Hier war ich wirklich überrascht, mit welch einfachen Mitteln man richtig leckere Gerichte zaubern kann. Ob Fenchelsalat mit Orangen, Taboulé mit Granatapfel oder Kürbis-Quinoa-Eintopf, die geschickte Kombination der Zutaten bringt ein tolles Ergebnis, und man merkt den Gerichten nicht an, mit welch geringem Aufwand sie entstanden sind.

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Veröffentlicht am 27.02.2021

Eine kleine Geschichte, die der Seele gut tut

Ein Monat auf dem Land
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Im Sommer des Jahres 1920 kommt der Restaurator Tom Birkin am Bahnhof des kleinen Dörfchens Oxgody in Nordengland an. Der Londoner ist Kriegsveteran und leidet unter einem Trauma. Außerdem wurde er von ...

Im Sommer des Jahres 1920 kommt der Restaurator Tom Birkin am Bahnhof des kleinen Dörfchens Oxgody in Nordengland an. Der Londoner ist Kriegsveteran und leidet unter einem Trauma. Außerdem wurde er von seiner Frau verlassen. Nun möchte er in dem kleinen Ort zur Ruhe kommen. Er wurde engagiert, um ein mittelalterliches Gemälde in der Dorfkirche, das vor langer Zeit übertüncht wurde, freizulegen. Mit der Zeit lernt er die Menschen im Dorf näher kennen und schließt Kontakte. Bei seiner Arbeit, die ihn sehr befriedigt, findet er mehr und mehr zu sich selbst.
Die beschriebenen Charaktere sind alle auf ihre besondere Art liebenswert. Es sind hilfsbereite Menschen, die Birkin, nach einer ersten skeptischen Begutachtung, schnell ganz selbstverständlich in ihre Gemeinschaft aufnehmen. Nicht umsonst bezeichnet Birkin das kleine Dorf als Oase des Friedens. Hier findet er die so dringend benötigte Ruhe und letztendlich auch Heilung für seine Seele.

Schon das Cover des Buches ist besonders und schön in seiner Schlichtheit. Je nach Blickwinkel erschließt sich aus der glänzenden Abbildung ein Blatt oder ein Vogel.
Die relativ kurze Erzählung ist von Leichtigkeit und Tiefe zugleich geprägt. Man erlebt mit Tom Birkin einen wunderbaren Sommer in ländlicher Idylle. Hier kann er das Trauma der Vergangenheit abschütteln und bei seiner Arbeit etwas Neues entdecken bzw. erschaffen. Ihn dabei zu begleiten, ist faszinierend. Der Schreibstil ist ruhig und dabei sehr schön, gefühlvoll und erhaben. Immer wieder blitzt in der Geschichte ein feinsinniger Humor auf, der mich oft zum Schmunzeln brachte.
Das Buch ist wie ein kleiner Rettungsanker für schlechte Tage. Es zu lesen ist fast so wohltuend wie ein Spaziergang über eine blühende Sommerwiese.

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Veröffentlicht am 26.02.2021

Auch Serafinas sechster Fall entwickelt sich wieder sehr spannend

Die Wölfe vor den Toren
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Der sechste Band dieser historischen Krimireihe führt uns wieder ins mittelalterliche Freiburg. Es ist ein frostiger Februar im Jahr 1418. Die ehemalige Begine Serafina ist seit etwas mehr als einem Jahr ...

Der sechste Band dieser historischen Krimireihe führt uns wieder ins mittelalterliche Freiburg. Es ist ein frostiger Februar im Jahr 1418. Die ehemalige Begine Serafina ist seit etwas mehr als einem Jahr mit dem Stadtarzt Achaz verheiratet und betreibt die Freiburger Armenapotheke. Nach einer kalten, unheimlichen Nacht, in der Serafina von schaurigem Wolfsgeheul geweckt wurde, wird Achaz in das kleine Dörfchen Würi vor den Mauern der Stadt gerufen. Jörgelin, der kleine Sohn des Baders, wurde von Wölfen überfallen und getötet. Die Dorfgemeinschaft ist verstört, denn um die Wölfe ranken sich auch einige Schauergeschichten. Ein Wolf wird gefangen und zur Abschreckung am Dorfplatz aufgehängt. Ein weiterer Todesfall versetzt die Dorfbewohner in Angst und Schrecken und schürt die Wut auf die Wölfe, denn das Opfer, die junge Heilerin Mia, war bei allen beliebt. Serafina und Achaz haben jedoch ihre Zweifel, ob es sich auch hier wirklich um einen Überfall der Wölfe gehandelt hat. Gemeinsam überlegen sie, was dahinter stecken könnte. Auch wenn es Achaz eigentlich nicht recht ist, dass sich seine geliebte Serafina an den Ermittlungen beteiligt, so weiß er inzwischen, dass sie sich von nichts und niemandem davon abhalten lassen würde. Außerdem konnte sie in der Vergangenheit mit ihrem wachen Verstand schon oft zur Lösung eines Falls beitragen. Allerdings haben beide nicht mit der Verschlossenheit der Dorfgemeinschaft gerechnet, und letztendlich geraten sie wieder in so manche brenzlige Situation.

Dies ist nun bereits der sechste Band der Reihe um die kluge Serafina mit der bewegten Vergangenheit, und ich kann sagen, die Reihe hat bisher nichts von ihrer Faszination und Spannung verloren. Viele der Charaktere kennt man bereits, wenn man die Reihe von Anfang an verfolgt hat, aber es kommen auch viele neue hinzu. Ein ausführliches Personenregister gleich am Anfang des Buches macht es leicht, sich zurecht zu finden, denn zu allen aufgeführten Personen gibt es einen kleinen Hinweis bzw. eine hilfreiche Bemerkung. Überhaupt sind die Charaktere alle sehr gründlich beschrieben, und der Schreibstil ist so gefällig und kurzweilig, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Es wird wieder sehr spannend, und so manches, was so offensichtlich scheint, stellt sich als völlig anders heraus.

Sehr gut gefällt mir an dieser Reihe, dass sie in Freiburg spielt, einiges an Lokal- und Zeitkolorit zu bieten hat und man immer wieder einen schönen Einblick in die damaligen Heilmethoden und Gepflogenheiten erhält. Diesmal geht es in der Hauptsache um die damaligen Auswirkungen eines langen, kalten Winters und um die Ängste der Menschen im Bezug auf die Wölfe. Vor allem die Bewohner von Würli sind in Panik, denn ihr Dorf liegt relativ ungeschützt vor den Stadtmauern, und sie fühlen sich von den Freiburgern im Stich gelassen. Da kommt schnell ein Werwolf ins Gespräch, und Achaz hat seine liebe Mühe, die Menschen zu überzeugen, dass Werwölfe in die Welt der Schauermärchen gehören.
Man kann diesen Roman jederzeit für sich allein lesen, aber wenn man die erschienenen Bände in der chronologischen Reihenfolge liest, erhöht das den Lesespaß enorm.

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Veröffentlicht am 23.02.2021

Lebens- und Liebesgeschichte von Irving Berlin und Ellin Mackay - wunderschön erzählt

White Christmas – Das Lied der weißen Weihnacht
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Dem Titel nach könnte der Eindruck entstehen, es würde sich hier um einen typischen Weihnachtsroman handeln, aber dem ist nicht so. Der Roman erzählt die Liebesgeschichte des berühmten und erfolgreichen ...

Dem Titel nach könnte der Eindruck entstehen, es würde sich hier um einen typischen Weihnachtsroman handeln, aber dem ist nicht so. Der Roman erzählt die Liebesgeschichte des berühmten und erfolgreichen Jazz-Komponisten Irving Berlin und der reichen Erbin Ellin Mackay. Da es im Roman um reale und bekannte Schicksale geht, habe ich in meinen folgenden Ausführungen doch ein wenig gespoilert. Wer noch nicht viel über Irving Berlin und sein Leben weiß und alles erst selbst erlesen möchte, dem rate ich, hier zu stoppen und vielleicht gleich zum Buch zu greifen, denn soviel vorab: es lohnt sich.

Im Prolog lernt man den zwölfjährigen Israel, genannt Izzy, kennen. Er ist das Kind jüdischer Auswanderer aus Weißrussland und verdient sich im Dezember 1900 etwas Geld als Zeitungsjunge. Schon damals träumte er von einer Zukunft als „singender Kellner“, denn auch wenn er keine Noten lesen konnte, so war er doch schon in jungen Jahren sehr musikalisch.

Im Dezember 1937 begegnen wir ihm in Kalifornien wieder. Inzwischen ist er sehr erfolgreich und unter dem Namen Irving Berlin bekannt. Zu seinem Leidwesen muss er das Weihnachtsfest getrennt von seiner Familie verbringen, da seine Anwesenheit für den ersten Tonfilm der Geschichte vonnöten ist, denn er hat die musikalischen Beiträge dafür komponiert. Aus der Einsamkeit dieses Weihnachtsfests entsteht eines der wohl bekanntesten Weihnachtslieder der Welt: White Christmas.
Im Verlauf dieser Rahmengeschichte nehmen die Rückblicke zu der Zeit, als er seine große Liebe kennenlernte, einen weiten Raum ein. Von seiner ersten Begegnung mit Ellin an begleitet man die Liebenden bei ihrem Kampf um das Glück, denn Ellins Vater ist gegen die Verbindung, und das bringt die junge Frau in einen Gewissenskonflikt zwischen der Loyalität ihrem Vater gegenüber und der Liebe zu Irvin. Da es sich quasi um eine wahre Geschichte handelt, war ich neugierig und habe, während ich den Roman gelesen habe, parallel dazu ein wenig recherchiert. Michelle Marly hält sich eng an die bekannten Tatsachen, aber durch ihre unterhaltsame und gefühlvolle Darstellung und Ergänzung mit fiktiven Elementen wird diese schöne Liebesgeschichte lebendig.
Ich mochte die Protagonisten, und ich konnte stark mit ihnen fühlen. Da sich der Roman über einen längeren Zeitraum hinzieht, ist es auch kein Buch, das man unbedingt nur zur Weihnachtszeit lesen könnte. Der Roman entführt in das Amerika der Dreißiger Jahre und fängt die Atmosphäre und den damaligen Lifestyle sehr gekonnt ein. Diese Liebesgeschichte zweier Menschen hat mich nachhaltig beeindruckt, denn mit Hartnäckigkeit und Treue haben es Irvin und Ellin geschafft, sich gegen den alten Mackay zu behaupten, und ich möchte sagen, dieser Kampf ums Glück hat sich gelohnt, denn das Paar führte bis ins hohe Alter eine glückliche Ehe.
Für mich hat bei diesem Roman alles gestimmt, so dass ich ihn mit begeisterten fünf Sternen bewerte.

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Veröffentlicht am 09.02.2021

Sehr humorvoll aber ganz und gar nicht oberflächlich

Klugscheißer Royale
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Anfangs war ich skeptisch, denn das Buch wird mit den Romanen von Tommy Jaud verglichen, und damit kann ich so gar nichts anfangen, ebenso wenig wie mit „Fack ju Göthe“, was auch gerne als Vergleich herangezogen ...

Anfangs war ich skeptisch, denn das Buch wird mit den Romanen von Tommy Jaud verglichen, und damit kann ich so gar nichts anfangen, ebenso wenig wie mit „Fack ju Göthe“, was auch gerne als Vergleich herangezogen wird. Aber schon die kurze Leseprobe zeigte mir, dass dieser Roman anders ist. Timo Seidel, der 28-jährige Ich-Erzähler (und chronischer Klugscheißer), verliert seinen Job bei einem Call-Center. Er sieht das anfangs noch recht gelassen, denn er ist der Meinung, da könne ihm seine Freundin Cleo ja sicher verstärkt unterstützen. Leider erfüllt sich diese Hoffnung nicht, denn als Timo nach Hause kommt, ist Cleo gerade dabei, ihn und die gemeinsame Wohnung zu verlassen. Von jetzt auf gleich ist Timo auf sich gestellt und merkt jetzt erst, wie einfach das Leben an der Seite der sehr gut verdienenden Cleo war.

Im ersten Moment hält man Timo für einen hoffnungslosen und arroganten Egoisten, aber der Schein trügt, und sehr schnell kommt der „wahre Timo“ zum Vorschein, und der hat durchaus seinen Stolz. Mit ungeahnter Energie macht er sich daran, sein Leben umzukrempeln und allein auf die Reihe zu kriegen. Das unverhoffte Angebot, als Aushilfslehrer an einer Abendschule zu arbeiten, kommt wie gerufen. Nach und nach gewinnt Timo neue Sympathien und Erkenntnisse. Mit viel gutem Willen, Empathie, Toleranz und Ehrlichkeit bringt er sein Leben auf die Reihe, und was ich anfangs nicht für möglich gehalten habe: Timo wurde mir mehr und mehr sympathisch, und ich habe ihn gerne bei seinen Unternehmungen begleitet. Es kreuzen auch Menschen seinen Weg, deren Bemerkungen und Verhaltensweisen ihm gegenüber demotivierend und ungerecht sind, aber das steckt Timo relativ gelassen weg. Natürlich kann er das Klugscheißen nicht lassen, aber in einigen Situationen kann ich das durchaus nachvollziehen, denn er hat nicht selten Recht.

Das alles ist locker, kurzweilig und humorvoll erzählt. Und gerade in Sachen Humor konnte die Geschichte bei mir punkten, denn er ist nicht aufgesetzt, plump oder übertrieben, sondern realistisch und manchmal auch ganz schön hintergründig. Daneben gibt es auch einige ernste Situationen, in denen sich Timo durchschlagen muss, und größtenteils hatte er hier mein volles Verständnis.

Sehr amüsant fand ich die Wortkreationen oder -auslegungen, deren Erklärung der Autor in Wörterbuch-Manier immer mal wieder in die Handlung einstreut, die aber ihren Witz eher im textlichen Zusammenhang offenbaren. Da gibt es Begriffe wie der oder die „Gesichtsälteste“, was für eine Person steht, deren Gesicht am ältesten aussieht, ungeachtet des biologischen Alters oder „Fußbodenpeeling“ = das Abschürfen der oberen Hautschicht durch Stürzen oder Fallen und Entlanggleiten auf dem Boden.

Das Buch ist in sich abgeschlossen und hat ein für mich zufriedenstellendes Ende, jedoch mit Aussicht auf einen Folgeband, der inzwischen erschienen ist. Man hat also die gute Möglichkeit, sich auf weitere literarische „Begegnungen“ und „Erlebnisse“ mit Timo einzulassen und zu erfahren, wie sich sein Leben weiterhin entwickelt.

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