Mobbing aus zwei Blickwinkeln
Nachklang der HoffnungNachklang der Hoffnung erzählt die Geschichte von zwei Jugendlichen Marlon und Alenia, die jeder auf seine Art zu kämpfen haben. Kapitelweise abwechselnd wird die Geschichte von Marlon und Alenia erzählt, ...
Nachklang der Hoffnung erzählt die Geschichte von zwei Jugendlichen Marlon und Alenia, die jeder auf seine Art zu kämpfen haben. Kapitelweise abwechselnd wird die Geschichte von Marlon und Alenia erzählt, wobei die zwei Handlungsstränge unabhängig voneinander sind und die zwei Personen bis auf ein paar kurze Kontakte in einem Chat nichts miteinander zu tun haben.
Alenia ist eine nette, zuverlässige Person, die sich für ihre Familie aufreibt und sich für Alles und Jeden verantwortlich fühlt. Da ihre Familie arm ist, wird sie in der Schule auf üble Weise gemobbt. Zuflucht findet sie nur bei ihrer Trompete, die sie über alles liebt. Sie geht in ihrem Hobby auf und setzt alles daran, erfolgreich zu sein. Schön fand ich Alenias Entwicklung in dem Roman. Sie lernt für sich und ihre Träume einzustehen und wächst über sich selbst hinaus. Dabei bleibt sie immer empathisch und zielstrebig.
Marlon hingegen hat mich unheimlich aufgeregt. Er ist das verwöhnte Einzelkind einer reichen, aber immer viel arbeitenden Mutter. Im elitären Musikinternat ist er als Externer ein Außenseiter, der sich aber auch nicht wirklich bemüht, auf Andere zuzugehen. Er ist immer der Meinung, die Anderen sind an seiner Misere schuld und die Anderen müssten doch auf ihn zukommen und seine Probleme lösen. Auf mich wirkte er unheimlich egoistisch, naiv und unreif. Seine Gedanken waren so sehr von Neid und Missgunst geprägt, dass er mir am Ende auch nicht wirklich Leid tun konnte. Gar nicht gefallen haben mir die vielen sexuellen Anspielungen und Passagen, die ich für Marlons Alter sehr unpassend empfand.
Da sowohl Alenia als auch Marlon ein Blasinstrument spielen, wurden viele musikalische Feinheiten und Begriffe im Roman verwendet, die von nicht (Blas-)Musikern eher schwer nachzuvollziehen sind. Das hätte es für die Geschichte nicht gebraucht.
Der Farbschnitt des Romans hat mir gut gefallen, da man je nachdem wie man das Buch hält, eine Klarinette oder eine Trompete erkennen kann. Eine schöne Idee!
Leider konnte mich das Buch aber nicht wirklich überzeugen. Alenias Geschichte fand ich wesentlich ansprechender und überzeugender, als Marlons. Etwas schade war, dass die beiden Geschichten unabhängig voneinander, nebeneinander herlaufen und eigentlich nichts miteinander zu tun haben.