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Veröffentlicht am 10.03.2021

Eine Truhe, gefüllt mit Erinnerungen

Das Flüstern der Bienen
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Sofia Segovia berichtet in ihrem zweiten Roman von den Erinnerungen der Romanfigur Francisco Morales.
In kurzen, prägnanten Kapiteln schreibt sie die bewegende Geschichte einer mexikanischen ...

Sofia Segovia berichtet in ihrem zweiten Roman von den Erinnerungen der Romanfigur Francisco Morales.
In kurzen, prägnanten Kapiteln schreibt sie die bewegende Geschichte einer mexikanischen Großgrundbesitzer-Familie nieder und gibt auch dem gealterten Francisco eine Stimme.
Man schreibt das Jahr 1910 auf der Hacienda der Familie Morales in Linares, Mexiko.
Die alte Amme Reja sitzt Tag für Tag in ihrem knarzigen Schaukelstuhl, redet schon lange nicht mehr viel und verdöst ihre Tage in der Sonne. Bis sie eines Tages plötzlich verschwunden ist und alle das Schlimmste befürchten. Sie wird gesucht und auch gefunden, aber die Überraschung ist groß. Denn sie hat zwei Bündel bei sich, in einem liegt ein blaugefrorenes Baby, über und über mit Bienen bedeckt, entstellt und deswegen ausgesetzt., im zweiten Bündel die Behausung der Bienen.
Das Kind überlebt dank der Bienen und ihres Honigs, der Milch einer Ziege und Nana Rejas Geduld beim Füttern des Kindes.
Aber nicht alle sehen es als Wunder, sondern manche glauben, dass der Teufel das Kind gezeichnet hat und es Unglück bringen soll.
Das Kind wird auf den Namen Simonopio getauft und von der Familie wie ein eigenes Kind aufgenommen und behandelt. Und die Bienen weichen ihm nicht von der Seite.
Der spätgeborene Sohn von Beatriz und Francisco Morales, Francisco jun. hat ein ganz besonders enges Verhältnis zu Simonopio und ist der einzige der Familie, der seine Sprache versteht und spricht.
Dank Simonopios Gespür für die Natur und Gefahren übersteht die Familie die mexikanische Revolution und die spanische Grippe, die beide viele Menschenleben fordern.
Der Roman beschreibt das Leben und die Menschen auf dem Land im Mexiko dieser Zeiten, wie man sich gegenseitig half, welche Probleme die Menschen hatten und wie sie einander begegneten und miteinander umgingen.
Zeit, Orte und Bürgerkrieg, sowie die Pandemie der spanischen Grippe sind real, die Menschen im Roman sind Fiktion, aber es könnte durchaus so gewesen sein……….
Das Cover mit seinen Orangen, Blättern, Orangenblüten und den Bienen macht das Buch auch optisch zu einem Hingucker. Man riecht es förmlich.

Ein wunderbares Leseerlebnis für Leser, die langsame, leise Romane schätzen.

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Veröffentlicht am 05.03.2021

Die Giftschlange

Mord vor Publikum
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In Luc Wingers neuestem Saint- Tropez- Krimi geht es um Gift.

Seine schon aus mehreren Büchern der Reihe bekannte Commissaire Lucie Girard muß sich diesmal mit Gift als Mordwaffe herumplagen. Sie tut ...

In Luc Wingers neuestem Saint- Tropez- Krimi geht es um Gift.

Seine schon aus mehreren Büchern der Reihe bekannte Commissaire Lucie Girard muß sich diesmal mit Gift als Mordwaffe herumplagen. Sie tut dies aber ganz professionell und wickelt dabei auch noch nebenbei einen Kollegen um den Finger, mit dem sie bisher nicht gut zurecht kam.

Der bekannte Schriftsteller Gaston Perroux stirbt während einer Lesung seines neuesten Romanes an genau den selben Symptomen, ohne daß man ihn retten konnte.

Tags darauf trifft es eine junge Kollegin in ihrem Hotel. Auch sie stirbt qualvoll an Schlangengift.

Nun ist Commissaire Lucie Girard gefragt. Sie ermittelt mit Hochdruck und findet so manches Detail heraus.

Sehr gut gefällt mir immer wieder, daß jedes Buch der Reihe für sich abgeschlossen ist, man muß nicht die gesamte Reihe gelesen haben. Alles Hintergrundwissen wird in kleinen Dosen so vermittelt, daß man alles versteht.

Von mir eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 27.02.2021

Der Duft nach Rosmarin und frischem Klee

Der Zirkus von Girifalco
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Der Autor Domenico Dara hat ein weiteres Buch über das suditalienische Dorf Girifalco geschrieben. Schon sein „ Postbote von Girifalco“ war eines meiner Lieblingsbücher. Nun habe ich ein neues.
Wieder ...

Der Autor Domenico Dara hat ein weiteres Buch über das suditalienische Dorf Girifalco geschrieben. Schon sein „ Postbote von Girifalco“ war eines meiner Lieblingsbücher. Nun habe ich ein neues.
Wieder geht es um einige Einwohner von Girifalco. Sehr hilfreich ist ein Verzeichnis eben dieser beschriebenen Personen am Ende des Buches.
Da ist Archidemu, dem sein kleiner Bruder abhanden gekommen ist, oder Cuncettina, die sich so sehnlich ein Kind wünscht, Caracantulu, der beim Arbeiten in „Doicland" einen Unfall erlitt und nun fehlen ihm zwei Finger, da ist Don Venanziu, wohl die schillerndste Figur des Buches, aber auch die arme Taliana, uneheliche Mutter von Angeliaddu, der ein weisses Haarbüschel am Kopf hat, und Lulu, der in der Nervenheilanstalt des Dorfes lebt und auf seine Mama wartet……
Die Bosheit, der Hass, die Liebe, das Mitleid, die Gleichgültigkeit, alle leben nebeneinander in diesem kalabrischen Dorf.
Es geht hier um das große Ganze, mit einigen Abzweigungen in das Kleine.
Man meint, in ein Dorf in den 50er Jahren zu kommen, das stimmt aber nicht, es ist eigentlich ein modernes Dorf, geprägt aber vom Glauben und vom Aberglauben seiner Bewohner.
Das Kirchenjahr und der Dorfheilige San Rocco spielt ebenfalls eine besondere Rolle, mitsamt Umzügen und Reliquien aus Pappmaschee.

Und natürlich der Zirkus, der sich irgendwie nach Girifalco verirrt hat und nun dort Station macht. Dieser Zirkus bringt das Leben der Dorfgemeinschaft kräftig durcheinander und trägt nicht ganz ohne Grund den Namen Engelmann.
Die Magie des Zirkus läßt bei so manchem Dorfbewohner Hoffnungen und Wünsche aufkommen.
Ein leises, langsames Buch, das zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 19.02.2021

Die Statue und das tote Mädchen am Nationalfeiertag der Franzosen

Mord am 14. Juli
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Luc Winger ist Frankreich-Fan. Das steht fest.

Seine Commissaire Lucie Girard ist mit einem neuen Fall beschäftigt. Da geht es ganz schön rund.

Genau am französischen Nationalfeiertag soll in Saint ...

Luc Winger ist Frankreich-Fan. Das steht fest.

Seine Commissaire Lucie Girard ist mit einem neuen Fall beschäftigt. Da geht es ganz schön rund.

Genau am französischen Nationalfeiertag soll in Saint Tropez eine Statue eingeweiht werden. Natürlich ist alles da, was Rang und Namen hat. Aber die Aufregung ist groß, die Statue wurde mit Parolen gegen den Bürgermeister beschmiert.

Und am Tag danach die nächste schlechte Nachricht: auf der Statue liegt ein totes nacktes Mädchen

Nun muß Lucie mit allen Mitteln herausfinden, ob und wie das alles zusammenhängt. Es gibt wieder jede Menge Verdächtige und so manches pikante Detail wird von der Presse veröffentlicht. Lucie Girard gerät unter gewaltigen Druck, nicht nur zeitlich, auch ihr Vorgesetzter hat so seine Ängste, daß der Skandal bis in höchste Kreise reicht.

Ein absolut lesens- und genießenswerter Krimi aus der Saint Tropez Krimi-Reihe von Luc Winger.

Das Cover zeigt, wie am 14.Juli in Saint Tropez gefeiert wird.

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Veröffentlicht am 06.02.2021

Familie ist allse

Ihr Königreich
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So packend, wie der Autor Jo Nesbo in seinem Roman über die Geschehnisse des kleinen Gebirgsortes in Norwegen schreibt, ist das Schicksal zweier Brüder.
Roy, der ältere der beiden, er erlernt den Beruf ...

So packend, wie der Autor Jo Nesbo in seinem Roman über die Geschehnisse des kleinen Gebirgsortes in Norwegen schreibt, ist das Schicksal zweier Brüder.
Roy, der ältere der beiden, er erlernt den Beruf des Automechanikers, und Carl, der sogar nach Amerika geht, um sein Studium zu vollenden.
Als Carl nach Jahren mit seiner Frau Allyson auf den hoch in den Bergen gelegenen elterlichen Hof zurückkehrt und dort ein Hotel bauen will, überschlagen sich sowohl Carls Erinnerungen an den Unfall der Eltern als auch die aktuellen Ereignisse.
Bald ist nichts mehr wie es einmal war und keiner ist mehr wirklich zufrieden.
Roy träumt schon lange davon, eine eigene Tankstelle zu besitzen, Carl träumt von dem Spa-Hotel und Allyson würde gerne ein Kind bekommen.
Der Ortspolizist glaubt immer noch nicht an die Versionen zum Tod der Eltern der Brüder und auch des eigenen Vaters, und der örtliche Gebrauchtwarenhändler zittert um seinen Umsatz.
Nesbo läßt den älteren Bruder Carl die Geschichte in Ich-Form erzählen.
Viel Grausames. aber auch die Liebe füllen so ein Buch mit 592 Seiten.
Und es endet, wie immer, völlig anders als erwartet.
Das Cover zeigt symbolisch wohl das titelgebende Königreich, um das es im Buch geht.

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