Typisch amerikanische Lovestory
Fox Crossing - Mein wildes Herz
Ich ärgere mich ein bisschen. Am liebsten würde ich einmal kurz aufjaulen wie die Füchsin in diesem Buch… Es hätte so schön werden können! Die Geschichte von der lebensweisen, Glück bringenden Füchsin, ...
Ich ärgere mich ein bisschen. Am liebsten würde ich einmal kurz aufjaulen wie die Füchsin in diesem Buch… Es hätte so schön werden können! Die Geschichte von der lebensweisen, Glück bringenden Füchsin, die in dem kleinen Städtchen Fox Crossing Paare zusammenbringt und Menschen auf den rechten Weg (zurück-)führt, ist eine so wunderbare Idee für eine Buchreihe. Und so hatte ich mich unheimlich auf diese tolle Geschichte gefreut.
Man muss ja auch zugeben, dieses Buch hat vieles, was eine wirklich schöne Lovestory ausmacht. Ein idyllisches, virgin-river-artiges Setting in Maine, am Fuße des Fernwanderwegs Appalachian Trail. Eine sagenumwobene, gewitzte Füchsin, die Spürsinn für Zweibeiner beweist und dazu zwei alleinstehende, liebesbedürftige Protagonisten.
Doch die Idylle im Wander-Städtchen hielt leider nicht lange an für mich, denn die Erzählweise kam für mich typisch amerikanisch rüber (und das ist aus meinem Mund leider kein Kompliment). Von allem irgendwie zu viel. Die Frauen zu aufgedreht, die Witze zu gewollt (und für deutsche Leser wohl auch das eine oder andere Mal nicht ganz einfach zu verstehen, weil sie z. B. sehr stark auf US-amerikanische Fernsehsendungen Bezug nehmen, die hier mitunter kaum bekannt sind) und die Anziehung zwischen den Protagonisten wird den Lesern förmlich aufgedrängt. Guido-Maria Kretschmar würde sagen: „Holla die Waldfee, hier ist aber viel los!“.
Am sympathischsten war mir die männliche Hauptfigur Nick. Einfach, weil er mir am normalsten erschien. Er war einfach ein netter Kerl, und das war wohltuend in dieser Geschichte, in der ansonsten gefühlt jede Figur irgendwie mit etwas herausstechen wollte. Da passierte genau das Gegenteil: Nick fiel auf, weil er einfach nur ein stinknormaler Kerl war.
Mit Annie, der weiblichen Hauptfigur, bin ich irgendwie nicht warmgeworden. Schon ab ihrer ersten Szene war sie völlig überzogen belehrend, sie wusste immer alles (vor allem besser, ha ha) und natürlich unterläuft ihr nie ein Fehler! Sie kennt jeden Stein auf dem Appalachian Trail und ist quasi DIE Koryphäe auf dem Wanderweg. Den sie natürlich schon mehrfach gegangen ist. Die ganzen 2000 km. Mehrfach. UND sie hat schon fast 30 Leuten auf dem Trail das Leben gerettet. Was sonst.
Ach mensch, hätte Annie nicht einfach eine etwas schüchterne, sympathische junge Frau sein können? Eine, der man es von Herzen gönnt, den Mann fürs Leben kennenzulernen? Ganz ehrlich, so wie sie Nick in ihrer ersten Szene abgekanzelt hat – an seiner Stelle wäre ich rückwärts auf Nimmerwiedersehen rausgerannt aus dem Shop. Oft hätte ich ihr einfach zurufen wollen „Meine Güte, Mädel, jetzt halt mal den Ball flach!“ Aber – dieses „Sichdarstellen“ ist für meine Begriffe typisch amerikanisch und daher wurde ich mit den Figuren und der Geschichte einfach nicht warm.
Wie oft habe ich mir beim Lesen gewünscht, dass dieser Stoff einer Autorin wie Miriam Covi angeboten worden wäre – ich wette, sie hätte daraus ein Meisterwerk gemacht! Gut, ich muss zugeben – hier spricht die deutsche Leserin, wahrscheinlich hat Melinda Metz in ihrer Heimat viele Fans und trifft mit ihrer Erzählweise genau den dortigen Lesergeschmack. Aber ich fürchte, deutsche Leser*innen werden nicht ganz so begeistert sein, da sie doch eine etwas andere Erzählweise bevorzugen. Zumindest diejenigen, die wie ich schon jenseits der 35 sind. Ich könnte mir aber vorstellen, dass junge Frauen zwischen 20 und 35 Freude an diesem Buch haben. Also – wenn ihr zu dieser Zielgruppe gehört, probiert es gern aus!
Mein Gesamturteil:
Wunderschönes Setting und tolle Grundidee, für mich im Erzählstil aber zu überdreht-amerikanisch. Ich könnte mir vorstellen, dass die Story junge Frauen zwischen 20 und 35 anspricht.