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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2021

Gepflegter Schreibstil allein reicht nicht

Enriettas Vermächtnis
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Ein Buch, das ich irgendwie gerne gelesen habe, aber im Nachhinein nicht weiß, was ich mit dem Inhalt anfangen soll. Die Autorin hat Psychologie studiert. Also ging ich davon aus, dass sie die psychischen ...


Ein Buch, das ich irgendwie gerne gelesen habe, aber im Nachhinein nicht weiß, was ich mit dem Inhalt anfangen soll. Die Autorin hat Psychologie studiert. Also ging ich davon aus, dass sie die psychischen Verstricktheiten unter Menschen analysieren kann. Und doch ließ mich das Buch ratlos zurück.

Zum Inhalt: Die erfolgreiche Schriftstellerin Enrietta da Silva hinterlässt ein immenses Vermögen, das sie je zur Hälfte dem betuchten plastischen Chirurgen Emilio aus Argentinien und der durch einen Unfall gehandicapten Schauspielerin Jana aus Salzburg hinterlässt. Die beiden nähern sich an. Als überraschend der totgeschwiegene und zeitlebens ungeliebte leibliche Sohn Armando auftaucht und ebenfalls sein Erbe beansprucht, ändern sich schlagartig die Verhältnisse unter allen Hauptpersonen…

Was an diesem Buch besticht, ist die außerordentlich schöne, sorgfältige Sprache. Es ist ein Genuss, diesem gepflegten Schreibstil zu folgen, der sehr gut zu der distanzierten Darstellung der einzelnen Personen passt. Diese werden zwar sehr detailliert beschrieben, bleiben aber dem Leser emotional fern. Ich hatte das Gefühl, ich würde aus einer gewissen Entfernung die Personen wie auf einer Bühne beobachten. Das in Aussicht gestellte Erbe veranlasst sie zu einem Spiel zu dritt. Sie kreisen umeinander, sie kreisen um Vergangenes und Gegenwärtiges. Sie nähern sich an und stoßen sich wieder ab. Aber mit welchem Ergebnis? Der Sinn des gesamten nüchtern-sachlichen Kammerspiels erschließt sich mir leider nicht.

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Veröffentlicht am 19.03.2021

Ein uninspirierter Roman mit unsympathischen Protagonisten

Die Königin von Berlin
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Manche Bücher rutschen auf dem Stapel der noch zu lesenden Titel immer wieder nach unten, insbesondere die, die zu lesen man neugierig begann, um sie dann aus verschiedenen Gründen wieder zur Seite zu ...


Manche Bücher rutschen auf dem Stapel der noch zu lesenden Titel immer wieder nach unten, insbesondere die, die zu lesen man neugierig begann, um sie dann aus verschiedenen Gründen wieder zur Seite zu legen. So wie dieses. Ein Buch, mit dem ich mich mehrfach herumquälte.
Eigentlich ein interessantes Thema, die romanhafte Darstellung realer Figuren, in einer sehr aufregenden Zeit, nämlich im Berlin der Weimarer Republik. Es geht um Carola Neher, eine erfolgsverwöhnte Schauspielerin, eine femme fatale, die in rauschhaften Nächten den Männern den Kopf verdreht. Dies änderte sich für eine Weile, als sie den scheuen Dichter Klabund kennen lernt und ihn heiratet. Doch das wilde Künstlerleben Berlins bleibt weiterhin eine ständige Verlockung für Carola Neher. Die Begegnung mit Bertolt Brecht wird schicksalhaft für sie.
Was hätte man aus diesem Romansujet machen können! Prall voll, rauschhaft, bildgewaltig hätte man das historische Ambiente schildern können. Psychologisch feinfühlig hätte man die Künstlerseelen darstellen können. Doch nichts davon ist in diesem Roman zu finden. Im Gegenteil: Beim Leser werden nur ablehnende Gefühle, tiefe Antipathie, Abneigung bis hin zum Ekel und Unverständnis erzeugt. Ist es wirklich das, was die Autorin wollte? War Klabund zum Beispiel wirklich solch ein armseliger Wicht? Wo bleibt da der Respekt einem Künstler gegenüber? Und wird die Ansammlung von Bettgeschichten und egozentrischen Aktionen Carola Neher oder Bert Brecht wirklich gerecht? Am schlimmsten jedoch empfand ich, dass das Buch insgesamt unerträglich langweilig ist. Ein uninspirierter Roman, der daher kommt, als sei er als ungeliebtes Auftragswerk „absolviert“ worden.

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Veröffentlicht am 16.03.2021

Ein Roman ohne Tiefe

Uns gehört der Himmel. Die Flight Girls
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Eigentlich hatte sich die Autorin ein spannendes Thema ausgesucht, und zwar die Jahre von 1940 bis in die Achtziger hinein als historischer Hintergrund mit Blickwinkel auf die Geschichte der Woman Air ...

Eigentlich hatte sich die Autorin ein spannendes Thema ausgesucht, und zwar die Jahre von 1940 bis in die Achtziger hinein als historischer Hintergrund mit Blickwinkel auf die Geschichte der Woman Air Force Service Pilots, mit dem Fokus auf der Hauptperson Audrey Coltrane als leidenschaftlicher Pilotin. Doch leider konnte mich dieses Erstlingswerk nicht wirklich überzeugen.

Was ich persönlich interessant fand, waren die offensichtlich einigermaßen gut recherchierten historisch überlieferten Fakten. Nichts anfangen konnte ich dagegen mit den vielen Fachbegriffen aus der Fliegerei, die auch an keiner Stelle näher erläutert werden. Man hätte also immer wieder googeln müssen, um dem Kopfkino auf die Sprünge zu helfen. Das fand ich enttäuschend. Ein kleines Glossar wäre deshalb durchaus hilfreich gewesen. Wesentlicher jedoch ist meine Kritik am Schreibstil und an der Darstellung der Protagonisten. Die Autorin verherrlicht die Pilotinnen, sie schert die Frauen über einen Kamm. Alle sind gut und tüchtig und mutig und schön und unglaublich fähig. Und natürlich kommt die Liebe über sie, was auch sonst. Trotz diverser Schicksalsschläge findet man schließlich zum Glück. Das ist für mich ein Griff zu viel in die Kitschkiste, tut mir leid. Auffällig auch, dass selbst die schrecklichsten Szenen so platt und emotionsarm geschildert werden, dass sie den Leser völlig kalt lassen.

Zwar ließ sich das Buch insgesamt gesehen kurzweilig und unterhaltsam lesen, aber es packte mich an keiner einzigen Stelle, es berührte mich nicht. Ein Roman ohne Tiefe, ohne Ehrlichkeit, ohne Inspiration. Schade.

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Veröffentlicht am 15.03.2021

Wenig Spannung und recht unrealistisch

Schneenacht
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Mit diesem Buch ging alles schief: Die Sendung des Verlages verschwand im Niemandsland, ein zweites versprochenes Exemplar wurde offenbar gar nicht erst verschickt. Da ich jedoch von den Verfilmungen ...


Mit diesem Buch ging alles schief: Die Sendung des Verlages verschwand im Niemandsland, ein zweites versprochenes Exemplar wurde offenbar gar nicht erst verschickt. Da ich jedoch von den Verfilmungen rund um Irene Huss stets sehr angetan war und unbedingt nun mein erstes Buch von Helene Tursten lesen wollte, kaufte ich das Buch entgegen meiner Gepflogenheiten von einem großen Versender.

Das stimmungsvoll düstere Cover stimmt gekonnt ein auf große Kälte im schwedischen Winter. Leicht und angenehm lesbar ist die gewählte Schriftgröße. Die Inhaltsangabe des Verlages muss hier nicht wiederholt werden, weil sie alle wesentlichen Angaben enthält.
Generell handelt es sich um einen Kriminalroman, der leider nicht unbedingt fesselt. Die Geschichte kommt relativ ruhig daher. Erst im letzten Viertel nimmt sie Fahrt auf. Es wird sehr detailreich erzählt, viele Namen tauchen auf und verschwinden wieder. Überhaupt schreibt Helene Tursten sehr sachlich und emotionsarm. Sie beschreibt hauptsächlich „sehend“, Gehör-, Tast- und Geruchssinn scheinen in den Schilderungen weitgehend ausgeblendet, das macht den Text irgendwie flach, einseitig und nüchtern, sodass der Leser sogar zu der Hauptperson Embla leider keinerlei Bindung aufnimmt. Angenehme Unterbrechung sind die häufigen Dialoge, wobei auch diese relativ sachlich und unrealistisch daherkommen. Sehr konstruiert und unwirklich ist letztlich leider auch der üppige Gebrauch von Handgranaten und Scharfschützengewehren. Wirklich lebendig wirkt Helene Tursten’s Schreibstil eigentlich nur beim Beschreiben der Landschaften und Örtlichkeiten und wenn ihr sehr gutes Gespür für Hunde in die Handlung einfließt.

Fazit: Ein im klassischen Sinn aufgebauter nüchterner Kriminalroman mit wenig Spannung und teilweise recht unrealistischen Szenen.

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Veröffentlicht am 24.02.2021

Mein erster und mein letzter Krimi mit Commissario Grauner

Das dunkle Dorf
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Mein erster Krimi aus der Feder von Lenz Koppelstätter war das. Und es wird wohl auch mein letzter sein. Leider.

Im 6. Fall für Commissario Grauner geht es um die Mafia. Wir befinden uns Mitte Januar ...


Mein erster Krimi aus der Feder von Lenz Koppelstätter war das. Und es wird wohl auch mein letzter sein. Leider.

Im 6. Fall für Commissario Grauner geht es um die Mafia. Wir befinden uns Mitte Januar im Grödnertal, immer wieder gehen Lawinen ab. Doch Commissario Grauner interessiert die Natur nicht. Ihn interessiert irgendwie auch nicht, dass ein Toter in einer schäbigen Villa gefunden wird. Ihn interessiert nur noch seine Tochter Sara, die seit Tagen verschwunden ist. Sein neapolitanischer Kollege Saltapepe befindet sich ebenfalls im Grödnertal und muss überraschend untertauchen, weil er glaubt, den legendären Mafiaboss gesehen zu haben, den er einst ins Gefängnis gebracht hatte. Grauner ahnt, dass die Vorfälle zusammenhängen und beginnt den Kampf gegen Italiens gefährlichste Verbrecher.

Das klingt eigentlich nach einem spannenden Plot. Aber nach der Spannung habe ich weitgehend vergeblich gesucht. Gemächlich muss man sich umschauen in der grandiosen Landschaft und muss sich mit viel Geduld einlesen in den ausschweifenden Schreibstil, der lange Zeit irgendwie nicht von der Stelle kommt. Zudem muss man sich mit vielen Namen vertraut machen. Befremdlich empfand ich dabei, dass die Personen hauptsächlich nur per Nachnamen auftreten. Warum so unpersönlich? Und ich gestehe, mich nerven grundsätzlich Kommissare, die sich mit vielen eigenen Problemen herumschlagen müssen. Die sprunghaften Wechsel der Perspektiven machen das Lesen verwirrend, es zerhackt das Geschehen und damit den Lesefluss. Dass so ziemlich alle Mafiaklischees bedient werden, die ich kenne, hat für mich die Lektüre auch nicht erfreulicher gemacht. Und Cliffhänger, die am Ende des Buches zum Kauf des Folgebandes animieren wollen, finde ich absolut ärgerlich. Der gelegentlich durchblitzende Humor und die Kürze der Kapitel waren dagegen positive Aspekte. Insgesamt gesehen werde ich mich jedoch mit Commissario Grauner nicht mehr befassen wollen.

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