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Veröffentlicht am 31.03.2021

Federleicht ins Thema finden

Federleicht
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Das Buch von Melanie Pignitter ist ein Sachbuch, ein Ratgeber und ein erster Schritt in Richtung Loslassen. "Federleicht" habe ich mich nach der Lektüre nicht gefühlt, aber zumindest konnte ich ein paar ...

Das Buch von Melanie Pignitter ist ein Sachbuch, ein Ratgeber und ein erster Schritt in Richtung Loslassen. "Federleicht" habe ich mich nach der Lektüre nicht gefühlt, aber zumindest konnte ich ein paar Ideen und Anregungen für mich herausziehen. Das Buch ist schlicht gestaltet, was ich gut fand, da der Fokus nicht auf bunte Bilder und knallige Farben gelenkt wurde, sondern ganz klar auf den Inhalt. Einzig die gelbe Schrift fand ich schwer zu lesen, da hätte ich mir eine dunkle Farbe gewünscht.

Melanie Pignitter erzählt in diesem Buch auch immer wieder von sich selbst, wie es ihr erging und wie lange der Prozess bei ihr dauerte bzw. er noch immer nicht abgeschlossen ist. Das war, für mich als Leserin, gut, denn dann wurde der Druck genommen am Ende des Buches alles zu können.

In den einzelnen Kapiteln tauchen immer wieder auch bekannte Themen wie Minimalismus, Achtsamkeit und Dankbarkeit auf. Sie haben eben auch Einfluss auf das Loslassen. Die Texte fand ich durchaus interessant und anschaulich. Die Übungen dagegen empfand ich als sehr ambitioniert, d.h. wer sich zum ersten Mal mit diesem Thema beschäftigt oder schon in einer mentalen Krise steckt, wird wahrscheinlich mit den Übungen überfordert sein. So gut ich die Idee finde, aber ich glaube ohne professionelle Anleitung und Betreuung wird die Umsetzung der einzelnen Aufgaben schwierig und das Eregbnis ohne Besprechung mit und durch eine geschulte Person wenig hilfreich sein. Nun kommt das Gute zum Schluss. Die Autorin fordert die Leser:innen auf, mit ihr in den Kontakt zu treten. Wer Hilfe braucht, kann bei ihr auch die Begleitung buchen.

Für die kurzen Impulse kann ich den Blog von der Autorin empfehlen. Für mich sind es ideale Denkanstöße und Auffrischungen.

Veröffentlicht am 19.03.2021

Das hatte ich mir lustiger vorgestellt.

Das hatte ich mir grüner vorgestellt
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Das hatte ich mir lustiger vorgestellt.

Wenn Großstädter aufs Land ziehen oder sich einen Garten zulegen, dann gibt es in der Regel einiges zu Lachen. Ich mag solche Geschichten ganz gern, denn sie sind ...

Das hatte ich mir lustiger vorgestellt.

Wenn Großstädter aufs Land ziehen oder sich einen Garten zulegen, dann gibt es in der Regel einiges zu Lachen. Ich mag solche Geschichten ganz gern, denn sie sind unterhaltsam, kurzweilig und man kann sich ab und an wiedererkennen. Das hat diesmal leider nur teilweise funktioniert.

Der Autor erzählt von seinen Erfahrungen bei der Suche nach einem bezahlbaren Garten (irgendwann und irgendwo in MeckPomm). Gut drei Stunden Fahrt nehmen sie in Kauf, um eine marode Datscha und einen verwilderten Garten ihr eigen nennen zu können.

Die typischen Anfängerfehler werden korrekt durchgezogen und diese brachten mich durchaus zum Schmunzeln, aber der Rest leider weniger. Die Ossi-Wessi-Geschichten bzw. Vorurteile sollten doch nun langsam auch mal vorbei sein, aber hier wurden sie noch einmal aufgewärmt und haben bei mir zu keinem Lachanfall geführt. Auch die Klischees gegenüber den Schrebergartenbesitzern (Feinripp, Hose & Co.) waren nicht liebevoll ironisch, sondern platt. Vorallem das Nachahmen (Hose zu heiß gewaschen, damit sie schön eng sitzt, Sandalen usw.) empfand ich als "Nichtlustig". Vielleicht funktioniert so eine Parodie (wenn es denn eine sein soll) auf der Bühne gut, aber in einem Buch wirkt es eher herablassend als witzig. Das seine eigenen Witze nicht zünden, haben ihn die Handwerker (die er benötigte, da er zwei linke Hände hat) deutlich gezeigt und ich konnte sie gut verstehen.

Ach, das hätte gut werden können. So war es leider, für mich, nur eine nette oberflächliche Geschichte mit wenig Humor. Schade.

Veröffentlicht am 10.03.2021

Ich hatte etwas mehr Trump-Zeit erwartet.

Nichts als die Wahrheit
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James Comey hat im Auge des Orkans gearbeitet. Im weißen Haus. Beim Präsidenten. Jedoch weniger mit dem Präsidenten, denn dieser war weniger an ehrlicher, konstruktiver Manöverkritik interessiert, was ...

James Comey hat im Auge des Orkans gearbeitet. Im weißen Haus. Beim Präsidenten. Jedoch weniger mit dem Präsidenten, denn dieser war weniger an ehrlicher, konstruktiver Manöverkritik interessiert, was dazu führte, dass James Comey die Koffer packen musste und ersetzt wurde. Ich hatte gehofft, dass genau über diese Zeit wesentlich mehr berichtet wird. Das es tiefe Einblicke in die Arbeit mit Donald Trump gibt. Aber leider waren die Kapitel mit Donald Trump nur wenige und recht dünn. Davor beschreibt James Comey seine Biografie und erzählt anhand von Justizfällen, wie die amerikanische Rechtssprechung funktioniert oder eben nicht.

Ich fühlte mich bei den Fällen an die Romane von John Grisham erinnert. Nach dem dritten Roman kannte man den Ablauf und die Spannung sank rapide. Dies war hier leider auch so. Die Fälle wurden sehr ausschweifend beschrieben und für Nichtjuristen waren sie zwar interessant, aber auch recht trocken. Die Unterwanderung des amerikanischen Justizsystem wurde nicht so richtig herausgearbeitet, denn vordergründig drehte sich das Buch um die Karriere von James Comey.

Was jedoch sehr deutlich wurde, waren die Befürchtungen vom Autor, dass die USA ihre Demokratie aufgrund der vielen Lügen, Hetzen und Täuschungen verlieren könnte. Er hat deutlich aufgezeigt, dass das Vertrauen in das System bei vielen Menschen verloren gegangen ist. Viele Amerikaner:innen fühlen sich allein gelassen und nicht verstanden. Die daraus resultierende Wut und Ohnmacht könnte für die amrikanische Demokratie gefährlich werden.

Veröffentlicht am 07.03.2021

Leider bekam die Buchhandlung keine Hauptrolle

Die Buchhandlung zum Glück
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Ich bin wieder Opfer der Buchhandlungsbücher geworden. Jedes Mal, wenn ich ein Buch sehe, was von einer Buchhandlung handeln soll, werde ich schwach. Und fast jedes Mal muss ich mir eingestehen, dass ...



Ich bin wieder Opfer der Buchhandlungsbücher geworden. Jedes Mal, wenn ich ein Buch sehe, was von einer Buchhandlung handeln soll, werde ich schwach. Und fast jedes Mal muss ich mir eingestehen, dass es eben nicht die große Geschichte über eine Buchhandlung war. Auch hier trifft das Cover meinen Nerv, aber der Inhalt lässt mich nicht so ganz überzeugt zurück.

Fast jede Geschichte (dieser Bücher) fängt mit einem schweren Schicksal an. Diesmal erwischt es Natalie, die ihren Freund und ihre Mutter durch einen Unfall verliert. Sie muss sich nun um den demenzkranken Großvater kümmern und dazu eine völlig verschuldete Buchhandlung retten. Und so kommt es, wie es immer kommt...alle halten zusammen und werkeln und trommeln, um das Erbe der Mutter und das Haus des Großvaters zu erhalten. Dazu gibt es noch eine gute Portion Liebe, natürlich mit charakterlich recht unterschiedlichen Männern, die um die Protagonistin werben. Und Opa hat auch noch ein paar Überraschungen parat oder besser, im Haus stecken noch ein paar Überraschungen.

Der Tod und das schwierige Verhältnis von Mutter und Tochter wurde sehr ausschweifend behandelt. Die Rückblicke waren an sich ganz gut, aber viel zu langatmig und teilweise wiederholend. Die eigentliche Geschichte kam nicht voran und wurde immer vorhersehbarer. Leider schwankte auch Natalie immer wieder. Sie wußte nicht, was sie so wirklich wollte und strapazierte damit die Nerven der Leserin.

Ich fühlte mich außen vor und nicht mitgenommen. Eigentlich wollte ich am Ende nur noch, dass das Haus fertig renoviert und der Großvater versorgt wird. Die Liebesgeschichte wurde leider am Ende immer rosaroter und unrealistischer. Warum gibt es bei solchen Büchern keine realistischeren Enden?

Was ich wirklich schade fand, war die vergessene Buchhandlung. Jedes Mal hoffe ich, dass es in Buchhandlungsgeschichten auch um Bücher geht. Das ich unbekannte Bücher und Autor:innen kennenlerne und die Buchhandlung mit ihren Büchern (und nein nicht mit dem Kaffee und Kuchen) im Mittelpunkt steht.

So, war es nun wieder eine Familiengeschichte mit zu vielen oberflächlichen Themen und zu viel Liebeskitsch und zu wenig Buchhandlung.

Veröffentlicht am 26.02.2021

Eine schöne und teilweise traurige Familiengeschichte mit starken Frauen, die sich auf einer Insel durchgesetzt haben

Die vier Gezeiten
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Anne Prettin hat eine große Familiengeschichte geschrieben. Sie spannt den Bogen über mehrere Jahrzehnte und geht dabei auf das Leben mehrerer Personen (besonders auf das Leben der Frauen in der Familie) ...

Anne Prettin hat eine große Familiengeschichte geschrieben. Sie spannt den Bogen über mehrere Jahrzehnte und geht dabei auf das Leben mehrerer Personen (besonders auf das Leben der Frauen in der Familie) ein. Um den Faden nicht zu verlieren oder mit den Personen durcheinander zu geraten, wird die Geschichte in kurze Kapitel mit Vermerk von Jahr und Person eingeteilt. Ich fand dies recht hilfreich, da die Geschichte schon sehr verzweigt und teilweise verworren war.

Die Autorin hat einen schönen und gut zu lesenden Schreibstil. Die Idee der Familiengeschichte mit vielen kleinen Geheimnissen, die während dieser Geschichte gelüftet werden und somit noch mehr Steine ins Rollen bringen, hat mir gut gefallen. Es gab viele traurige und schwermütige Passagen, die dem Lesenden, die teilweise verfahrene Situation der Charaktere noch viel näher brachten.

Jedoch muss ich gestehen, ging mir ab und an die Puste aus. Es gab ein paar kleinere Durststrecken, zu lange Beschreibungen und teilweise dann doch Wiederholungen, die mich ermüdeten. Aber trotzdem wollte ich wissen, wie es ausgeht, was für die Geschichte spricht, denn Anne Prettin schaffte es immer eine kleine Richtungsänderung einzubauen, so dass man das Familienkonstrukt im Kopf wieder neu anordnen musste.

Eine schöne und teilweise traurige Familiengeschichte mit starken Frauen, die sich auf einer Insel durchgesetzt haben. Nur war manchmal der Preis dafür recht hoch.