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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2021

Meisterlich

Erhebung
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Scott ist nicht gerade ein Spargeltarzan und so könnte er erstmal erfreut sein, als bei ihm die Pfunde purzeln, allerdings ist da irgendwas komisch. Scott verliert zwar stetig an Gewicht, seine körperliche ...

Scott ist nicht gerade ein Spargeltarzan und so könnte er erstmal erfreut sein, als bei ihm die Pfunde purzeln, allerdings ist da irgendwas komisch. Scott verliert zwar stetig an Gewicht, seine körperliche Statur ändert sich dabei aber kein Stück. Gesundheitlich ist nichts auffälliges zu finden und Scott fühlt sich so gut und fit wie noch nie.

In den Grundzügen erinnert das nur etwas über 100 Seiten umfassende Buch ein wenig an "Thinner -Der Fluch", das King noch unter dem Pseudonym Richard Bachmann geschrieben hat. Der Tenor der Geschichte ist hier allerdings ein vollkommen anderer. Scott, beflügelt durch sein neues Lebensgefühl und mit der Möglichkeit konfrontiert, irgenwann mit seinem Gewicht bei null angekommen zu sein bekommt plötzlich eine ganz andere Sicht auf alltägliche Dinge, die in seinem Umfeld passieren.

Das Buch ist natürlich kein typischer King im Sinne von Grusel - Horror Schreckmomenten. Die Story ist eher sanft, nachdenklich, fast melancholisch mit einem tieferen Sinn. King nimmt wiedereinmal den Mikrokosmos seiner fiktiven Gemeinde Castle Rock und zeigt wie tief hier, stellvertretend für viele andere Orte auch, Vorurteile verwurzelt sind, und wie wichtig es ist Stellung zu beziehen um etwas zu bewirken. Er wählt hier ein Thema, das in der heutigen Zeit eigentlich keines mehr sein sollte Homophobie gepaart mit Sexismus.

Mit dieser berührenden, aussergewöhnlichen Novelle spannt King für mich den Bogen zu seinen literarischen Anfängen als Autor von Kurzgeschichten. Das Buch fällt etwas aus dem Rahmen, hat aber trotzdem auch seine mysteriösen, phantastischen Momente. Wenn man sich auf diese surreale Geschichte einlässt wird man eine angenehme Lesezeit haben.

Ein Muss für Fans, obwohl ich auch verstehen könnte, wenn diese vielleicht etwas enttäuscht wären. Ich für meinen Teil habe das Buch zelebriert und jeden Abend ein Kapitel vor dem Einschlafen gelesen.

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Veröffentlicht am 28.02.2021

Gutes Bauchgefühl

Essen gut, alles gut
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Essen müssen wir alle. Obwohl wir ohne Essen bis zu drei Wochen überleben können, bei Wasser sind es höchstens drei Tage, drehen sich bei vielen Menschen die Gedanken den ganzen Tag um dieses Thema. Da ...

Essen müssen wir alle. Obwohl wir ohne Essen bis zu drei Wochen überleben können, bei Wasser sind es höchstens drei Tage, drehen sich bei vielen Menschen die Gedanken den ganzen Tag um dieses Thema. Da geht es um Kalorien, Zucker, Fett, mit Fleisch, ohne Fleisch, oder sogar ganz ohne alles tierische, konventionell, oder Bio und auch neue Trends wie Low Carb und Intervallfasten spielen eine Rolle. Gerade zu Beginn des Jahres halten uns die Medien wieder vor Augen wie undiszipliniert wir sind, sonst hätten wir schließen die 10 Kilo in 5 Tagen locker geschafft. Wir beschäftigen uns so viel mit dem was wir wann in welcher Menge essen, dass wir verlernt haben wieder auf unser Bauchgefühl zu hören.

Was gut für unseren Bauch und damit für uns ist möchte dieses Buch uns vermitteln und das schafft es, wie ich nach mehreren Ernährungsratgebern in den letzten Wochen glaube, auch ganz gut. Woran liegt das?

Das Buch stellt keine neuen, total revolutionären Theorien auf, irgendwie haben wir vieles davon schonmal gehört. Nur ist gehört und auch verstanden eben nicht das Gleiche. Die Autorin, von Beruf Ernährungsberaterin, schreibt flüssig und verständlich, man glaubt ihr wovon sie redet. Es wird sehr detaiert auf die Wechselwirkungen der verschiedenen Bestandteile unseres Essens mit dem Körper eingegangen, dabei werden die Prozesse so leicht verständlich erklärt, dass plötzlich alles ganz logisch klingt. Ich würde mir wünschen, dass so mancher Lehrer seinen Stoff so rüber bringen würde. Die Autorin wirkt authentisch, streut eigene Esserfahrungen bei und gibt immer wieder Beispiele aus ihrer Praxis. Abgerundet wird das Buch durch erklärende Grafiken und einfache Rezepte.

Das Buch gibt natürlich eine bestimmte Richtung vor, bezogen auf den Anteil von Kohlenhydraten, Gemüse und Protein innerhalb einer Mahlzeit. Die Autorin nennt das den Gesunden Teller. Sie gibt umfassende Beispiele, wie man dieses Konzept in seinen Alltag einbauen kann. Besonders erfreulich finde ich, dass es dabei keine Verbote bestimmter Lebensmittel, oder Lebensmittelgruppen gibt. Das Beispiel mit der Packung Toffifee hat meinen Tag gerettet.

Ich habe mich in diesem Buch endlich einmal nicht bevormundet gefühlt, die gegebenen Impulse regen schon während der Lektüre zur Selbstreflexion an. Ich hatte nicht das Gefühl, es wird etwas Unmögliches von mir verlangt, das ich nicht in meinen Tagesablauf integrieren kann. Selten habe ich beim Lesen ständig nach Post it's gesucht, um mir eine bestimmte Stelle zu markieren. Mit Sicherheit werde ich immer mal wieder im Buch stöbern, die ersten Anregungen habe ich schon umgesetzt.

Bei diesem Buch habe ich ein sehr gutes Bauchgefühl.

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Veröffentlicht am 27.12.2020

Berührend

Das Haus in der Claremont Street
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Seine Eltern zu verlieren ist das Schlimmste, was einem Kind passieren kann. Die Umstände unter denen der kleine Tom seine Eltern verliert sind allerdings nicht nur schlimm, sie sind unvorstellbar. Tom ...

Seine Eltern zu verlieren ist das Schlimmste, was einem Kind passieren kann. Die Umstände unter denen der kleine Tom seine Eltern verliert sind allerdings nicht nur schlimm, sie sind unvorstellbar. Tom ist traumatisiert, spricht nicht mehr, macht wieder ins Bett, doch nicht nur er leidet unter dem Verlust. Auch die Familie seiner Mutter trauert, jeder auf seine persönliche Weise und mitten in dieser Trauer geht das Leben irgendwie weiter und eine wichtige Frage ist zu klären - was wird aus Tom.

Die Autorin beginnt ihr berührendes Buch mit einer grauenvollen Tragödie und baut die nachfolgende Geschichte darauf auf. Immer wieder kommen wir beim Lesen an diesen Punkt zurück, dadurch wird die Wucht dieses Ereignisses spürbar und die Präsenz, die es für immer im Leben der Hinterbliebenen haben wird. Sehr einfühlsam wird die kindliche Sicht von Tom beschrieben, sein Umgang mit der Tragödie, dem gegenüber gestellt dann die Erwachsenen, die Geschwister seiner Mutter und deren Mechanismen zur Verarbeitung. Das Buch zeigt gut, wie verschieden Menschen mit Trauer und Verlust umgehen und wie sie sich dadurch oft selbst belügen und das Leben schwer machen.

Der Stil der Autorin ist sehr gefühlvoll und nimmt den Leser mit in die Geschichte. Sie schafft es, dass der Leser eine Verbindung zu ihren Figuren aufbaut, eine emotionale Bindung, man beginnt zu hinterfragen, wie man wohl selbst reagieren würde. Das Buch ist emotional, man durchlebt beim Lesen ein ähnliches Gefühlschaos wie die Figuren, Trauer, Entsetzen, Wut, Unverständnis, aber auch Freude. Ein paar mal hatte ich Tränen in den Augen.

Die Geschichte ist vom Grund her nicht neu, aber die Autorin hat mich mit ihrer Version angesprochen, sie hat mich berührt, ohne rührselig zu werden. Ihre Figuren sind authentisch und glaubwürdig, nicht perfekt, so wie Familien eben sind. Sie lieben und sie streiten sich, haben Fehler und Macken, aber gerade deswegen liebenswert. Was mich am meisten angesprochen hat, war das Fehlen einer Patentlösung. Die Autorin gibt nicht vor, wie der Trauerprozess abzulaufen hat, sondern sie liefert eine individuelle, auf ihre Figuren abgestimmte Version.

Natürlich folgt das Buch einem gewissen Schema, hin auf das erwünschte Ziel, mir war es eine Freude dieses Ziel zu erreichen.

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Veröffentlicht am 24.11.2020

Jahreshighlight

Tiger
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Direkt zu Beginn des Buches findet sich der Leser inmitten der atemberaubenden Kulisse der tief verschneiten Taiga wieder und hat zusammen mit einem Wildere eine Begegnung mit dem majestätischen Tier, ...

Direkt zu Beginn des Buches findet sich der Leser inmitten der atemberaubenden Kulisse der tief verschneiten Taiga wieder und hat zusammen mit einem Wildere eine Begegnung mit dem majestätischen Tier, das dem Buch seinen Namen gegeben hat. Kurz darauf ist man plötzlich in England und begleitet die Primatenforscherin Frieda bei ihrere Arbeit mit einer Gruppe Bonobos. Frieda geht auf in ihrer Arbeit, muss ihr Leben aber nach einem schweren Schicksalsschlag neu ordnen, was ihr eine zentrale Rolle in der Geschichte einbringt.

Im Buch dreht sich alles um den König der Taiga, nicht nur in einem Schutzgebiet in Sibirien, sondern eben auch in einem englischen Zoo. Die Tiere und ihre Lebensumstände werden aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und so bekommt der Roman ein breites Sprektrum an Themen. Es wird der Artenschutz behandelt, Wilderei, die Verflechtung der Tiere in die Traditionen der sibirischen Urbevölkerung und hier auch deren Leben unter dem Einfluss der früheren und der heutigen Regierung. Die verschiedenen Themen werden über verschiedene Figuren erzählt, die erstmal jede für sich ihre Kapitel im Buch bekommen, deren Geschichten aber auf wunderbar leichte Weise miteinander verbunden werden und so das Gesamtbild des Romans bilden.

Die Autorin schreibt unglaublich bildhaft und packend, die Seiten des Buches fliegen dahin, atemberaubend, die klirrende Kälte, die Stille, die Einsamkeit der Taiga fast körperlich spürbar. Ich war fasziniert und begeistert von der Geschichte, der Tiefe, der Vielschichtigkeit. Fast spielerisch schlägt die Autorin einen Bogen vom Anfang des Buches zur letzten Seite und Verbindet Figuren und Geschichten, alles ist miteinander verflochten.

Ein Buch wie ein Erlebnis, unbedingte Leseempfehlung. Mein Highlight des Jahres.

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Veröffentlicht am 20.09.2020

Abenteuer

Let's go Himalaya!
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Eine Auszeit hat sich jeder von uns schon mal dringen nötig gehabt. Irgendwann kommt jeder mal an den Punkt, an dem einem einfach Alles zu viel wird und man raus muss aus dem Hamsterrad, zu dem sich der ...

Eine Auszeit hat sich jeder von uns schon mal dringen nötig gehabt. Irgendwann kommt jeder mal an den Punkt, an dem einem einfach Alles zu viel wird und man raus muss aus dem Hamsterrad, zu dem sich der Alltag manchmal unbemerkt entwickelt. Oft wird eine solche Auszeit genutzt für einen Kurzurlaub verbunden mit ein wenig Wellness, vielleicht Yoga, Ayurveda, oder auch Fasten. Sehr beliebt in den letzten Jahren ist pilgern geworden, selbst für nicht gläubige Menschen. Ich persönlich finde viele dieser Wege zur Ruhe zu kommen und zu sich selbst zu finden interessant, bin aber wohl am ehesten der Typ All Inklusive Wellnessoase. Eine schöne lange Reise wäre auch denkbar, aber ob ich da nun unbedingt an den Himalaya gedacht hätte? Wohl eher nicht. Ganz anders die Autorin dieses Buches, die Suche nach ihrem persönlichen Shangri - La führt sie nach Tibet und sie nimmt den Leser mit auf eine abenteuerliche und atemberaubende Reise.

Auf dem Rücken des Buches findet sich ein Zitat des Dalai Lama, dem wir im Buch öfter begegnen werden - "Besuche einmal im Jahr einen Ort, den du noch nicht kennst". Nun, Tibet kenne ich tatsächlich noch nicht und ich denke das habe ich mit vielen Lesern des Buches gemein. Es gibt einige Dinge, die einem zwar aus dem Geographieunterricht bekannt sind, man kennt verschiedenen Fakten aus den Medien und vielleicht hat man auch schon eine Dokumentation, oder auch einen Spielfilm über das Land, die Kultur, die Religion gesehen. Als Reiseziel ist das Land wohl eher bei Extremsportlern und Bergsteigern bekannt, um so mutiger finde ich die Entscheidung der Autorin das Land zusammen mit ihrer damals elfjährigen Tochter zu bereisen.

Katja Linke hat ein ganz besonderes Reisetagebuch geschrieben, wie sie selbst sagt, ein erzählendes Sachbuch. Sachbuch sicher wegen der vielen Informationen, die in das Buch eingebettet sind. Informationen über die verschiedenen Orte, die Religion, die Menschen, aber auch die politischen Hintergründe und eben auch den Dalai Lama. Diese Informationen sind im Nachhinein gut recherchiert und stimmig in die Reiseerzählung integriert. Der Leser bekommt ein sehr realistisches Bild des Landes, der Bewohner und der gegenwärtig herrschenden Umstände. Die Autorin schafft es mit einfachen Worten Atmosphäre zu erzeugen, schreibt ungekünstelt, echt, direkt, humorvoll und auch selbstironisch. Stellenweise kommt ihre Tochter zu Wort, in dem Auszüge aus ihrem Reisetagebuch eingefügt sind. Es ist sehr interessant die kindliche Sicht auf die Reise zu sehen.

Das Buch beschreibt ein wahrhaftiges Mutter-Tochter Abenteuer, eine Reise, die den Beiden einiges abverlangte, sie an ihre Grenzen gebracht hat und damit näher zueinander. Jeder hat wohl sein eigenes Shangri - La, seinen eigenen Sehnsuchtsort, Katja Linke hatte den Mut ihren zu suchen und wurde belohnt mit einzigartigen Eindrücken, an denen sie uns mit diesem Buch teilhaben lässt.

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