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Venatrix

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Veröffentlicht am 15.03.2021

Fesselnde Fortsetzung

Abels Auferstehung
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"Man sieht nur, was man weiß." Dieser Aphorismus von Johann Wolfgang von Goethe begleitet uns und Paul Stainer durch das Buch.

Der zweite Fall beginnt mit folgendem Prolog:
„...Nichts konnte sein Fallen ...

"Man sieht nur, was man weiß." Dieser Aphorismus von Johann Wolfgang von Goethe begleitet uns und Paul Stainer durch das Buch.

Der zweite Fall beginnt mit folgendem Prolog:
„...Nichts konnte sein Fallen mehr aufhalten, und er würde unweigerlich dort unten ins schäumende Brodeln eintauchen und versinken. Diese Einsicht löschte die Flamme der Panik aus, und von einem Augenblick auf den anderen erfüllte ihn eine überirdische Ruhe...“

Den Inhaber dieser Gedanken fischt man wenig später tot aus dem Rhein. Die Leipziger Journalistin Marlene Wagner sucht nach ihrem vermissten Bruder. Als sie von diesem Toten erfährt, der ein Zigarettenetui aus Leipzig bei sich hat, eilt sie nach Basel. Der unbekannte Soldat ist nicht ihr Bruder. Dennoch nimmt sie sich vor, dessen Identität zu lüften und ihm ein Denkmal zu setzen. Dass es ausgerechnet das Zigarettenetui ist, das ihr eigenes Leben in Gefahr bringt, weiß sie noch nicht.

Währenddessen schlägt sich Paul Stainer - im wahrsten Sinne des Wortes - mit den schlagenden Studentenverbindungen von Leipzig herum. Denn der jüdische Maler Fritz Sternberg, der erst kürzlich an einer Mensur teilgenommen hat, ist in seinem Hotelzimmer ermordet aufgefunden worden. Es ist übrigens jene Mensur, über die Marlene in der linken Zeitung berichtet hat und deren Artikel im konservativen und nationalen Lager hohe Wellen schlägt.

Meine Meinung:

Der zweite Teil „Abels Auferstehung“ schließt zeitlich unmittelbar an „der rote Judas“ an. Paul Stainer, Kriminalbeamter und Kriegsheimkehrer, ist nach wie vor traumatisiert. Doch nicht nur seine Erlebnisse im Großen Krieg, wie der Erste Weltkrieg damals genannt wurde, sondern auch der Doppelmord an seiner Frau Edith und deren Geliebten, machen ihm zu schaffen. Denn Stainer weiß, dass er eigentlich an der Seite seiner Frau sterben hätte sollen.

Thomas Ziebula ist es wieder bestens gelungen die aufgeheizte Stimmung in Deutschland um 1920 dazustellen. Die Linken agitieren gegen die Konservativen und man übersieht dabei, dass es ein drittes Lager gibt, das händereibend und zündelnd auf seinen großen Auftritt wartet.

Noch immer sind nicht alle deutschen Soldaten aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause gekommen. Und die, die es geschafft haben wie Paul Stainer sind an Körper und Seele verwundet. Manche machen einfach dort weiter, wo der Befehl der Generäle aufgehört hat:

„...Ich schreibe es nicht gern, doch das Töten fällt mir von Mal zu Mal leichter. Eine verstörende Erfahrung – doch habe ich sie nicht schon im Krieg gemacht?...“

Andere wie Paul Stainer entwickeln einen überlebenswichtigen Sarkasmus:
„...“Deine Frisur gefällt mir, Paul. Wer hat dir die Haare gefärbt?“ „Zwei Herren, die man mir gegen meinen Willen vorgestellt hat – der Krieg und der Tod.“

Die Männer müssen sich in der neuen Ordnung erst orientieren und fordern ihre alten Rechte wieder. Die Frauen, die zwischen 1914 und 1918 die eingerückten Männer in allen möglichen Belangen ersetzt haben, werden nun gekündigt und an den Herd zurückgedrängt. Ohne, dass sich auch nur irgendjemand über sie Gedanken machen würde. Wie die Kriegerwitwe Fine, die seit Jahren Straßenbahn fährt und die Arbeit zum Überleben für sich und ihre Kinder braucht.

Der Autor hat penibel recherchiert und lässt dadurch diese Zeit lebendig erstehen. Sehr gut gelungen sind die Dialoge, die jeweils in der passenden Sprache, auch mit Dialektpassagen, erstellt sind. Der stetig steigende Antisemitismus macht auch vor den Polizisten nicht Halt.

Die Figuren sind lebendig und facettenreich dargestellt. Sie haben alle so ihre Ecken und Kanten. Siggi Junghans steht Stainer loyal zur Seite und darf sich in Fines Tochter Mona verlieben. Auch, die neuerdings wieder aufgetauchte Krankenakte Stainers, sorgt wieder für Bauchweh, denn eigentlich werden Kriegsneurotiker bei der Polizei nicht geduldet. Das und die verabscheuungswürdige Vorliebe des Dr. Kasimirs für kleine Mädchen bieten genug Stoff für einen dritten und vielleicht auch vierten Band.

Das Buch ist wie sein Vorgänger gediegen als Hardcover mit Lesebändchen erschienen. Als Vorsatzblatt ist ein Stadtplan von Leipzig abgedruckt.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, die den Vergleich mit ähnlichen Reihen wie die beiden Wiener Serien rund um Inspektor Emmerich (Alex Beer) oder Inspektor Bronstein (Andreas Pittler) oder die Berliner Reihe um Gereon Rath (Volker Kutscher) nicht zu scheuen braucht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne (mehr geht ja leider nicht) und warte mit Ungeduld auf den näc

Veröffentlicht am 13.03.2021

Hat mich bestens unterhalten

Der weiße Heilbutt
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In diesem seinen 9. Fall für Thies Detlefson und Nicole Stappenbeck findet Autor Krischan Koch wieder zur Leichtigkeit der ersten sieben Bände zurück, nachdem der achte ein wenig düster ausgefallen ist.

Worum ...

In diesem seinen 9. Fall für Thies Detlefson und Nicole Stappenbeck findet Autor Krischan Koch wieder zur Leichtigkeit der ersten sieben Bände zurück, nachdem der achte ein wenig düster ausgefallen ist.

Worum geht’s?
Halb Fredenbüll macht Urlaub auf Amrum. Mit dabei sind neben Thies und seinen Zwilligen (Ehefrau Heike streikt), die ganze Belegschaft der „Hidde Kist“ sowie Finn, Nicoles Sohn, der vor der Einschulung steht. Es sollen ein paar entspannte Sommertage werde. Das Wetter spielt mit, doch als eine weiße Flosse am Horizont auftaucht, der kleine Finn einen menschlichen Fuß aus dem Sand gräbt und wenig später eine weibliche Leiche am Strand gefunden wird, ist es mit der Ruhe und der Idylle vorbei. Thies nimmt in Badehose und T-Shirt die Ermittlungen auf.

Meine Meinung:

Autor Krischan Koch gelingt es wieder einen Krimi zu schreiben, der die Lachmuskel der Leserschaft aktiviert. Ein bisschen Gänsehaut darf auch nicht fehlen, aber im Großen und Ganzen gehört dieser Krimi wieder in die Kategorie „Wohlfühlkrimi“. Daneben nimmt er die aktuell überbordenden Kochwettbewerbe sowie die Seuche der Influencer aufs Korn. Herrlich auch die Beschreibung der Protestbewegung „Dienstag für Dorsche“, obwohl diese Fischart eigentlich Kabeljau heißt.

Dass Antje dann noch den Kochwettbewerb gewinnt, darf als Tüpfelchen auf dem i verstanden werden. Krabbenbrötchen oder Schaschlik nach Art der Hidde Kist statt Wachtelei mit Seetang.

Wir dürfen Thies und Nicole bei ihren Ermittlungen über die Schulter schauen und die gewohnt launigen Dialoge lesen. So ganz nebenbei wird noch einem Immobilienhai, der gefährlichen Abfall in der Nordsee entsorgen lässt, das Handwerk gelegt.

Die Leser werden durch mehrere Handlungsstränge ein wenig in die Irre geführt.

Fazit:

Ein unterhaltsamer, spannender Insel-Krimi, der mich von der ersten bis zur letzten Seite bestens unterhalten hat. Gerne gebe ich hier wieder 5 Sterne und freue mich auf den nächsten Krimi, der hoffentlich wieder in Fredenbüll spielen wird.

Veröffentlicht am 13.03.2021

Wien - wild und kulinarisch

Wildes Wien
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Wien gilt als lebens- und liebenswerteste Stadt der Welt. Vor allem ihre grüne Seite lockt zahlreiche Menschen hierher. Große Parks, Gärten, der Prater, die Lobau und der Wienerwald sorgen für angenehmes ...

Wien gilt als lebens- und liebenswerteste Stadt der Welt. Vor allem ihre grüne Seite lockt zahlreiche Menschen hierher. Große Parks, Gärten, der Prater, die Lobau und der Wienerwald sorgen für angenehmes Leben in der Stadt. Grund genug für Autorin Alexandra Rath den kleinen, verborgenen Schätzen der Kulinarik nachzugehen.

Die Autorin sammelt für mehr als 40 verschiedene Rezepte Wildkräuter, die in der Stadt wachsen und gedeihen, um sie abseits von Schnitzel und Tafelspitz zu köstlichen Mahlzeiten zu verarbeiten. Einige Rezepte sind, wie die kandierten Veilchen, das Veilcheparfait oder die gebackenen Hollerblüten wohl bekannt. Anderen muss man sich erst annähern.

Neben den Wildkräutern erfahren wir Wissenswertes und Anekdoten aus der Hauptstadt Österreichs. Zahlreiche Fotos, nicht nur von den Gerichten, sondern auch von Gebäuden und/oder liebenswerten Ecken, ergänzen das gediegen ausgestattete Buch. So lässt sich das Lebensgefühl meiner Heimatstadt erahnen.

Fazit:

Ein tolles Geschenk für Einheimische, Gäste und für WienerInnen, die im Ausland leben (müssen). Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 13.03.2021

Köstliche Rezepte

Das österreichische Lamm-Kochbuch
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In seinem vierten österreichischen Kochbuch stellt Taliman Sluga ein etwas in Vergessenheit geratenes Fleisch vor: das Lamm.
Früher, vor allem am Land, zu Ostern häufig zubereitet fristet es in Österreichs ...

In seinem vierten österreichischen Kochbuch stellt Taliman Sluga ein etwas in Vergessenheit geratenes Fleisch vor: das Lamm.
Früher, vor allem am Land, zu Ostern häufig zubereitet fristet es in Österreichs Küchen nun ein wenig ein Schattendasein.

Doch warum eigentlich?
Wer sich noch nicht traut, aus Lammfleisch köstliche Gerichte zu kochen, wird auf den Seiten 20- 30 mit Einkaufstipps versorgt und erhält praktischen Unterricht in der „Lammteilkunde“.

Lammfleisch und Schafmilchprodukte tragen zu einer gesünderen Ernährung bei. Von der Suppe über verschiedene Hauptspeisen bis hin zum köstlichen Dessert reichen die Rezepte.

Die angegebenen Rezepte machen Lust auf eine der zahlreichen Spezialitäten.
Vielleicht kann dieses interessante Buch aus dem Anton-Pustet-Verlag zu einem vermehrten Verzehr heimischen Lamms führen.

Veröffentlicht am 13.03.2021

Ein gelungenes Porträt einer außergewöhnlichen Frau

Elisabeth Petznek
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Michaela Lindinger nimmt sich in ihren Büchern der Biografien interessanter Frauen an. Für die Reihe aus dem Verlag Molden hat sie zunächst ein Buch über Hedy Lamarr und nun eine über Elisabeth etznek ...

Michaela Lindinger nimmt sich in ihren Büchern der Biografien interessanter Frauen an. Für die Reihe aus dem Verlag Molden hat sie zunächst ein Buch über Hedy Lamarr und nun eine über Elisabeth etznek geschrieben.

Viele werden sich fragen: Elisabeth Petznek? Wer zur Hölle ist diese Frau? Nie gehört!
Nun, dieses Rätsel kann gelöst werden: Elisabeth Petznek wurde am 2. September 1883 als Elisabeth Marie Henriette Stephanie Gisela von Österreich, also als Erzherzogin von Österreich geboren. Sie war das einzige Kind von Kronprinz Rudolf und der belgischen Prinzessin Stepanie.
„Erzsi“, wie sie in der Familie genannt wurde, war fünf Jahre alt, als ihr Vater Rudolf seine Geliebte Mary Vetsera und anschließend sich selbst tötete. Als Tochter des Kronprinzen war sie in der Thronfolge die nächste und wurde ursprünglich als Nachfolgerin von Franz Joseph vorgesehen. Doch als sie sich mit knapp 17 Jahren in den nicht ebenbürtigen Otto von Windisch-Graetz verliebt und auf eine Heirat besteht, muss sie aus dem Haus Habsburg-Lothringen
ausscheiden und auf die Thronfolge sowie alle Ansprüche verzichten.

Der weitere Lebensweg gleicht einer Hochschaubahnfahrt. Die Ehe mit Otto, aus der vier Kinder hervorgehen, scheitert spätestens während der Ersten Weltkriegs. Das Paar liefert sich einen Rosenkrieg. Eine Scheidung ist erst 1924 möglich. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg kommt sie mit der Sozialdemokratie in Berührung, öffnet ihren Schlossgarten in Schönau für die Kinder der Arbeiterinnen und unterstützt die Menschen in ihrer Umgebung. Nun wird sie, manchmal despektierlich, manchmal respektvoll die „rote Erzherzogin“ genannt.

Sie wird Leopold Petznek, einen sozialdemokratischen Politiker heiraten, nach Wien ziehen, den Ständestaat, die NS-Diktatur und die Delogierung aus ihrem Anwesen am Wolfersberg durch die französischen Besatzer überstehen. Erst mit dem Staatsvertrag von 1955 erhält sie die Villa wieder zurück. Leopold Petznek stirbt 1956, Elisabeth 1963. Auf eigenen Wunsch wird die Grabstätte keinen Namen tragen. Sie verfügt also eine „damnatio memoria“ über sich. Wahrscheinlich hätte sie sich auch gegen die Benennung der „Elisabeth-Petznek-Gasse“ gewehrt. 1963 hat sie einen großen Teil ihres Anwesen an die Stadt Wien verkauft und verfügt, dass dort Sozialwohnungen errichtet werden.

Diese ungewöhnliche Frau hat zu guter Letzt ihren Kindern und anderen Verwandten, die sie der Habgier bezichtigt, einen Strich durch die Erwartungen zum Erbe gemacht: Sie hat Folgendes verfügt: „Kaiserlicher Besitz soll nicht Ausländern zukommen und darf nicht in Auktionen versteigert werden.“

Fazit:

Ein gelungenes Porträt einer interessanten Frau. Wer noch mehr über die 1,90 große Erzherzogin lesen möchte, dem empfehle ich Friedrich Weissensteiners Biografie „Die rote Erzherzogin“ und den biografischen Roman von Martin Prinz „Die letzte Prinzessin“.