Guter Überblick
Auf den Wassern des LebensIch bin über Klaus Mann zu Gustav Gründgens gekommen und fand es interessant, eine Biografie über ihn zu lesen. Aus meiner Sicht liegt der Schwerpunkt auf ihm, was die Schuldfrage in der NS-Zeit betrifft, ...
Ich bin über Klaus Mann zu Gustav Gründgens gekommen und fand es interessant, eine Biografie über ihn zu lesen. Aus meiner Sicht liegt der Schwerpunkt auf ihm, was die Schuldfrage in der NS-Zeit betrifft, der Text beleuchtet aber auch Hoppses Wirken nach dem zweiten Weltkrieg.
Worum geht es?
Das Buch schildert die Biografien beider, behandelt dabei aber meist die Arbeit. Der Blick auf beide wechselt, je weiter das Buch voranschreitet, desto länger werden die Abschnitte der beiden.
Außerdem gibt es Zeittafeln und weiterführende Literatur.
Wie hat mir das Buch gefallen?
Ich fand's anstrengend, aber meist im positiven Sinne. Das Buch ist vollgepackt mit Informationen, sodass ich manchmal pausieren musste. Mindestens ein Drittel beschäftigt sich mit der Schuldfrage Gründgens. Auch wenn die Autorin versucht, sein Wirken einzuordnen und darzulegen, dass er versucht an, im NS-Staat Menschen zu helfen und sich politisch nicht vereinnahmen zu lassen, kann das nie endgültig geklärt werden. Über Marianne Hoppe weißt das Buch übrigens zu erzählen, dass sie durchaus Antipatien gegen Mitglieder der Politik hatte und diese deutlich machte. Letztlich blieb Gründgens ein Theatermacher, der sich für Politik wenig interessierte.
Gut fand ich, dass das Buch das Privatleben beider erwähnt, aber nicht ausschlachtet. Marianne Hoppe als jemand, der sich oft neu verliebte, Gründgens als ein Mann, der Halt suchte. Ich glaube, dass sich Hoppe gut an Veränderungen anpassen konnte, Gründgens dagegen für Erhalt gekämpft hat - das Theaters, aber auch seines äußeren Auftritts. Es tat weh zu sehen, wie sich dieser Mensch zugrunde gerichtet hat und immer Angst hatte, sich selbst zu sehen.
Interessanterweise wird die Frage, warum sich (vermeintlich) homosexuelle Männer auf (wahrscheinlich) heteroromantische Beziehungen einlassen, auch heute noch gestellt. Und damals wie heute ist eine Antort: Nähe, Geborgenheit, Gemeinschaft. Ich denke, dass Gründgens und Hoppe vor allem in der Arbeit nahe waren.
Die Unterteilung des Buches in Kapitel macht den Stoff gut verdaulich, der Schreibstil ist weder zu locker noch zu wissenschaftlich. Angenehm zu lesen.
Fazit
Wer beide Menschen kennenlernen will, ist mit diesem Buch gut beraten. Es bietet einen ausführlichen Überblick mit Schwerpunkt NS-Zeit, hält sich aber mit Privatem zurück.