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Evy_Heart

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2025

Guter Überblick

Auf den Wassern des Lebens
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Ich bin über Klaus Mann zu Gustav Gründgens gekommen und fand es interessant, eine Biografie über ihn zu lesen. Aus meiner Sicht liegt der Schwerpunkt auf ihm, was die Schuldfrage in der NS-Zeit betrifft, ...

Ich bin über Klaus Mann zu Gustav Gründgens gekommen und fand es interessant, eine Biografie über ihn zu lesen. Aus meiner Sicht liegt der Schwerpunkt auf ihm, was die Schuldfrage in der NS-Zeit betrifft, der Text beleuchtet aber auch Hoppses Wirken nach dem zweiten Weltkrieg.

Worum geht es?

Das Buch schildert die Biografien beider, behandelt dabei aber meist die Arbeit. Der Blick auf beide wechselt, je weiter das Buch voranschreitet, desto länger werden die Abschnitte der beiden.

Außerdem gibt es Zeittafeln und weiterführende Literatur.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Ich fand's anstrengend, aber meist im positiven Sinne. Das Buch ist vollgepackt mit Informationen, sodass ich manchmal pausieren musste. Mindestens ein Drittel beschäftigt sich mit der Schuldfrage Gründgens. Auch wenn die Autorin versucht, sein Wirken einzuordnen und darzulegen, dass er versucht an, im NS-Staat Menschen zu helfen und sich politisch nicht vereinnahmen zu lassen, kann das nie endgültig geklärt werden. Über Marianne Hoppe weißt das Buch übrigens zu erzählen, dass sie durchaus Antipatien gegen Mitglieder der Politik hatte und diese deutlich machte. Letztlich blieb Gründgens ein Theatermacher, der sich für Politik wenig interessierte.

Gut fand ich, dass das Buch das Privatleben beider erwähnt, aber nicht ausschlachtet. Marianne Hoppe als jemand, der sich oft neu verliebte, Gründgens als ein Mann, der Halt suchte. Ich glaube, dass sich Hoppe gut an Veränderungen anpassen konnte, Gründgens dagegen für Erhalt gekämpft hat - das Theaters, aber auch seines äußeren Auftritts. Es tat weh zu sehen, wie sich dieser Mensch zugrunde gerichtet hat und immer Angst hatte, sich selbst zu sehen.

Interessanterweise wird die Frage, warum sich (vermeintlich) homosexuelle Männer auf (wahrscheinlich) heteroromantische Beziehungen einlassen, auch heute noch gestellt. Und damals wie heute ist eine Antort: Nähe, Geborgenheit, Gemeinschaft. Ich denke, dass Gründgens und Hoppe vor allem in der Arbeit nahe waren.

Die Unterteilung des Buches in Kapitel macht den Stoff gut verdaulich, der Schreibstil ist weder zu locker noch zu wissenschaftlich. Angenehm zu lesen.

Fazit

Wer beide Menschen kennenlernen will, ist mit diesem Buch gut beraten. Es bietet einen ausführlichen Überblick mit Schwerpunkt NS-Zeit, hält sich aber mit Privatem zurück.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Gut gelesen

Meine bessere Hälfte
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Als Nicht-Musikerin wollte ich schon lange wissen, welche Beziehung die Künstler:innen zu ihren Instrumenten haben. Daher habe ich es angefordert. Für mich eines der wenigen Bücher, die ich ganz klar empfehle. ...

Als Nicht-Musikerin wollte ich schon lange wissen, welche Beziehung die Künstler:innen zu ihren Instrumenten haben. Daher habe ich es angefordert. Für mich eines der wenigen Bücher, die ich ganz klar empfehle. Mit der Gestaltung habe ich aber meine Probleme.

Worum geht es?

Das Buch versammelt 23 Musiker:innen, die über ihre Instrumente sprechen. Als Instrument gilt aber auch die Stimme, der Sauerstoff und die Mitmusiker:innen. Die Bandbreite reicht von Klassik über Jazz bis Eletro. Das Buch beginnt mit klassischen (greifbaren) Instrumenten und arbeitet sich vor zu eher abstrakten Begriffen.

Wie hat mir das Buch gefallen?

Fasziniert hat mich, dass die Musiker relativ frei und ehrlich ihre Gedanken darlegen und nebenbei manches Vorurteil auflösen. Manche spielen gerne auf jahrhunderte alten Instrumenten, anderen ist das völlig egal. Ich hab das gern und flott gelesen.

Besonders Anne Sophie Mutter, die über ihre Geige spricht, Yuriy Gurzhy, der seine Plattensammlung zeigt, und Masha Qrella, deren Instrumentensammlung mehr über ihre Beziehung zum Musikmachen aussagt, als über ein einzelnes Stück.

Es gibt aber auch Texte, die für mich weniger gut zugänglich waren. Jochen Distelmeyer spricht mehr über sein politisches Engagement als über seine Gitarre. Und Sebastian Krämers "Die Klaviatur" musste ich nach einer halben Seiten abbrechen. Seine Sätze sind lang, metaphernreich und kunstvoll, aber ich habe sie nicht verstanden.

23 Musiker:innen bedeuten auch 23 verschiedene Schreibstile, Köpfe, die man guckt. Das ist ein Abenteuer, mit dem man klarkommen muss.

Von Vorteil ist aber, wenn man die Künstler:innen bereits kennt. Denn das Buch stellt die Instrumente in den Vordergrund, daher sind am Anfang eines jeden Kapitels Bilder der Instrumente zu finden. Am Ende gibt es kurze Biografien der Musiker:innen, allerdings in alphabetischer Reihenfolge, nicht nach der Chronologie es Buches. Das hat mich ziemlich durcheinander gebracht, weil ich gern wissen wollte, welche Musik die Menschen machen. Dann hätte ich ihre Texte noch besser einordnen können.

Immerhin arbeitet das Buch mit Fußnoten, die als kleines Fenster geöffnet werden, man springt nicht im Buch.

Cover und Titel finde ich leider nicht gelungen. Der Titel ist knackig, könnte aber auf viele Dinge zutreffen. Ich verstehe, dass das die beste Beschreibung für ein Instrument ist. Aber ich würde das nicht mit einem Sachbuch assoziieren. Genauso wie das Cover. Es ist zu fröhlich, zu verspielt, die Instrumente auf einem kleinen Bild im Reader nicht zu erkennen. Ich dachte immer, dass es sich um einen Selbstfindungs-Roman über eine Twentysomething handelt.

Fazit

Wenn man im Buchladen steht und sich frag, ob man das Buch kaufen soll - ja, sollte man. Es bietet Einblicke in interessante Persönlichkeiten und Arten, Musik zu betrachten. Keine Zeitverschwendung :)

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Veröffentlicht am 09.08.2021

Mehr als eine Frau

Das Damengambit
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Ich hatte schon vieles über die Serie gehört, habe sie aber bisher nicht gesehen. Trotzdem freute ich mich, dass das Buch bei Netgalley als Rezensionsexemplar verfügbar war. Ich wollte wissen, was hinter ...

Ich hatte schon vieles über die Serie gehört, habe sie aber bisher nicht gesehen. Trotzdem freute ich mich, dass das Buch bei Netgalley als Rezensionsexemplar verfügbar war. Ich wollte wissen, was hinter dem "Hype" steckt. Für mich war es ein Buch, durch das ich flott durchgekommen bin, es war ein dramaturgisch gut gestalteter Schmöker. So aufregend, wie er in den Medien dargestellt wurde, fand ich den Text aber nicht.

Rezi enthält Spoiler.

Worum geht es?

Beht verliert bei einem Autounfall ihre Mutter und kommt ins Waisenhaus. Sie knüpft Kontakt zum Schwarzen Mädchen Jolene - eine zwiespältige Beziehung. Einerseits kommen die beiden gut aus und respektieren sich. Dieses Vertrauen spielt später eine wichtige Rolle. Andererseits übertritt Jolene Grenzen und kritisiert sie. Einen Ausweg aus dem streng durchgetakteten, öden Alltag, in dem die Kinder mit Beruhigungsmitteln betäubt werden, bietet sich Beth, als sie den Hausmeister beim Schachspielen beobachtet. Und dadurch entfacht eine Leidenschaft, die ihrem Leben eine Richtung gibt.

Meine Meinung

Mich hat fasziniert, dass Beth ein Wunderkind, aber bodenständig ist. Während Schachspieler, reale und fiktive, in den Medien oft als Sonderlinge dargestellt werden, die außer Schach wenig andere Themen kennen und/oder unter psychischen Krankheiten leiden, verleiht der Autor seiner Figur menschliche Züge. Beth hat ihre Periode, sie verliebt sich und hat ein gutes Verhältnis zu ihrer Adoptivmutter Alma. Diese symbolisierte für mich auch Kritik am Frauenbild der 60er Jahre, in der die Hausfrau von ihrem Mann erst ignoriert, dann verlassen wird und die schließlich an einem gebrochenen Herzen (oder anderen Krankheiten) stirbt, weil sie sich nicht aufraffen konnte, ihre Wünsche zu erfüllen. Alma nutzt Beths Talent, um beider Leben zu finanzieren, aber sie ist nicht herrisch, sondern resigniert. Beth muss arbeiten, muss Partien studieren und wird auf manche Tuniere sogar von ihren Schachfreunden vorbereitet.

Das Einzige, womit sie nicht umgehen kann: dem Verlust. Im Schach und der Realität.

Die Sucht ist im Buch ein Teil der Figur, aber sie dominiert sie nur phasenweise. Beth hat, besonders bei Alkohol, eine hohe Toleranz - wenn sie konsumiert, dann benötigt sie viel, um vergessen zu können. Aber sie weiß auch, dass die Nachwirkungen der Tabletten ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und nimmt sie mit Bedacht. Einen Absturz erlebt Beth nach dem Tod Almas, weil sie traurig und überfordert ist. Sie kämpft sich aber aus diesem Tief heraus.

Beth hat wenig eigene Meinung, sie isst gern gut und weiß den Luxus, der ihr als Kind verwehrt blieb, zu schätzen. Aber sie interessiert sich nur wenig für Politik und Gesellschaft. Das Thema Feminismus wird nur erwähnt, als eine Reporterin mit ihr über Mode und Männer sprechen möchte und als Beth später erklärt, es solle keine Rolle spielen, dass sie eine Frau ist.

Letztlich zeichnet "Queen's Gambit" auch ein Portrait des Amerika der 50er und 60er Jahre - mit Fertiggerichten, Kaltem Krieg und einer beginnenden Bürgerrechtsbewegung. Und Frauen.

Auch die Spannung funktioniert im Buch: Wir verfolgen den Aufstieg unserer Heldin mit all den Spolpersteinen, sehen sie später fallen und wieder aufstehen. Bis zum versöhnlichen Ende. Das war sehr gekonnt.

Die Schachnotationen im Buch habe ich übersprungen, weil ich kein Schach spielen kann. Ich habe die Handlung trotzdem verstanden und konnte gut mitfühlen. Für mich waren sie ein Bonus-Level, denn zwischen den Zügen transportiert der Text Gefühle - sie sind mehr als eine Sachinformation, sondern stimmig eingebunden.

Fazit

"Das Damengambit" war für mich ein kleiner Glanzpunkt, weil es mit wenigen Klischees auskommt und nicht übertrieben dramatisch ist. Es zeichnet eine Frau, der ich mich gut annähern konnte, weil sie ein Genie, aber nicht "abgehoben" ist. Beth ist eine Heldin, die den Umgang mit Gefühlen lernen muss, aber sie weiß, was sie will. Ob Schach jedoch der Ausweg aus der Sucht oder das stärkere Suchtmittel ist, darüber kann man gut nachdenken.

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Veröffentlicht am 20.07.2021

Ein bisschen vage.

Schlafzimmerblick
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Ich kannte die Kolumnen aus der ZEIT und fand es passend, nach vielen Liebesromanen einen Text zu lesen, der sich mit realen Problemen beschäftigt.

Inhalt

Der Text vereint die Ratgeber-Kolumnen der ...


Ich kannte die Kolumnen aus der ZEIT und fand es passend, nach vielen Liebesromanen einen Text zu lesen, der sich mit realen Problemen beschäftigt.

Inhalt

Der Text vereint die Ratgeber-Kolumnen der Autorin, die teilweise auch frei zugänglich sind. Überarbeitet wurden die Texte, so scheint es mir, nicht. Das Thema sind (sexuelle) Beziehungen zu sich und zu anderen.

Wie fand ich den Inhalt?

Die Fragen und Antworten wirken abwechslungsreich. Von Fragen der eigenen Sexualität (Berührungen, Partnersuche, Trennungen) bis zu partnerschaftlichen Problemen (Fetische, unterschiedliche Orgasmen, Beziehungsprobleme) ist vieles dabei. Trotzdem hatte ich irgendwann das Gefühl, dass sich die Fragen ähneln. Ein paar Fragen weniger wären auch ok gewesen. Und mir fehlte die Vielfalt. Es gibt einige, simple Fragen, die mir gefehlt haben.

Die Fragesteller sind manchmal queer (haben aber eher Partnerinnen), was ich gut fand.

Die Antworten sind oft hilfreich, aber allgemein. Konkrete Handlungsempfehlungen oder Sätze gibt es nicht. Die Probleme werden vielseitig und oft aus Sicht des Paares, nicht der einzelnen Person, betrachtet. Das fand ich gut. Ich habe im Laufe des Buches ein gutes Gefühl dafür bekommen, wie die andere Seite eines Problems aussehen kann. Oder zu ergründen, was das Problem, das man mit seinem Partner hat, für einen selbst bedeutet.

Allerdings gibt die Autorin manchmal "dem Patriachat" die Schuld, teilweise ganze Absätze lang. Das fand ich nicht konstruktiv.

Fazit

Ich weiß nicht, ob es der beste Ratgeber zum Thema ist, aber ich habe etwas mitgenommen. Trotzdem war es mir an manchen Stellen zu vage, zu un-praktisch.

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Veröffentlicht am 28.03.2021

Gut gestaltet, aber oberflächlich

One Last Dance
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Ich mag Tanzen und starke Frauen - daher hatte ich das Buch angefordert. Letztlich war es eine runde Geschichte, die viele Dinge richtig macht und daher irgendwie unauffällig war.

Der Reihe nach.

Rezi ...


Ich mag Tanzen und starke Frauen - daher hatte ich das Buch angefordert. Letztlich war es eine runde Geschichte, die viele Dinge richtig macht und daher irgendwie unauffällig war.

Der Reihe nach.

Rezi enthält Spoiler.

Worum geht es?

Unsere Hauptfigur ist Anfang 20 und steckt in einer Krise: Ihr dominanter Vater muss die Leitung der Tanz- und Schauspiel-Schule wegen einer Krebserkrankung abgeben und sie ist damit überfordert. Außerdem hat sie infolge eines Schicksalsschlags die Freude am Tanzen verloren. Als sie auf Straßentänzer Jaz trifft, prallen Welten aufeinander. Fast.

Meine Meinung

Ich fand das Buch überwiegend interessant und ohne Längen. Die Frauenfigur hat mit gut gefallen, weil sie ihr Leben in die Hand nimmt und auch in den wenigen Erotikszenen selbstbewusst auftritt.

Allerdings wirkten ihre Probleme manchmal zuviel - vielleicht ist das so, wenn man eine Tanzschule führt, aber ich fühlte mich manchmal überwältigt, eher gestresst. Außerdem mochte ich nicht, dass sie den Mann, mit dem sie gelegentlich schläft, nicht über die Beziehung zu Jaz informiert - ich denke, dass das besser für die Beziehung der beiden gewesen wäre, wenn sie offen darüber reden.

Schwierig fand ich, dass der Konflikt um Jaz Herkunft eher von anderen ausgelöst wird - das Umfeld findet es nicht gut. Dass auch die Lebenseinstellungen und Interessen unterschiedlich sind, dass man Probleme anders löst, wenn man auf der Straße lebt oder beim verwitweten Vater aufwächst, das wird gar nicht angesprochen. Ich fand das Thema daher etwas oberflächlich.

Der Mann als freundlicher Ruhepol war ein guter Kontrast zur weiblichen Hauptfigur.

Die Nebencharaktere haben das gut ergänzt, besonders die Clique um Jaz brachte interessante Aspekte in den Roman. Weniger gut fand ich, dass unsere Heldin nicht bemerkt, dass ihr Assistent in sie verliebt ist ...

Positiv aufgefallen ist mir, dass die Figuren aus den anderen Romanen erwähnt werden, aber nicht zu deutlich sind. Ich hatte nicht das Gefühl, den Anschluss verpasst zu haben. Auch wenn sich andeutet, dass jede Figur ihren Deckel findet. Das war etwas altmodisch.

Das Tanzen als Kernthema ist bei mir wenig angekommen, weil ich es nicht nachfühlen konnte. Kunst, die eher haptisch ist, mit Worten wiederzugeben, das ist schwer. Und hier ist das nicht gelungen. Das liegt vor allem daran, dass Tanzen für mich mit Bewegungen und Emotionen verknüpft ist. Die Szenen im Buch werden eher technisch geschildert, mit einigen Fachbegriffen, die ich nicht kannte. Und der Höhepunkt, an dem die Hauptfigur das Tanzen wieder findet, das war für mich überladen mit Emotionen - ein bisschen zu kitschig.

Fazit

Wenn man einen guten Liebesroman möchte, dann ist dieser Text eine gute Wahl. Er zeichnet ein relativ modernes Frauenbild, hat Spannung und trotz einiger Klischees trieft er nicht vor Zuckerguss. Trotzdem sind die Probleme oberflächlich behandelt und der Roman hat mich weder thematisch noch handwerklich länger beschäftigt.

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