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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2021

Fesselnd bis zur letzten Seite

Finstere Havel
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Krimiautor Tim Pieper lässt seinen KHK Toni Sanftleben nun zum 5. Mal ermitteln. Gemeinsam mit seinem Team, dem u.a. Phong und Gesa angehören, muss er den unklaren Todesfall einer jungen Frau aufklären, ...

Krimiautor Tim Pieper lässt seinen KHK Toni Sanftleben nun zum 5. Mal ermitteln. Gemeinsam mit seinem Team, dem u.a. Phong und Gesa angehören, muss er den unklaren Todesfall einer jungen Frau aufklären, die in ihrem Auto sitzend aus der Havel geborgen wird. Unfall, Suizid oder doch Mord?

Bei den Recherchen zu Melanie fallen gleich ein paar Ungereimtheiten auf. Der Ex-Ehemann, der nicht kapieren will, dass die gemeinsame Zeit vorbei ist und sich mit Melanie einen Rosenkrieg um die Tochter liefert, der übergriffige Chef und der gewalttätige Nachbar, der Melanie mit Hasspostings eindeckt. Hinzu kommt, dass Melanie durch ihre Hypersensibilität ein wenig verschroben wirkt und ähnlich wie Autisten, Menschen eher meidet.

Zwischen dem polizeilichen Alltag erhalten wir im Rückblick Einblicke in Melanies Leben. Erst nach und nach enthüllt sich die gesamte Tragödie um die junge Frau.

Meine Meinung:

Tim Pieper ist wieder ein großartiger Krimi gelungen, der nicht nur durch den komplexen Plot und die authentisch beschriebenen Charaktere besticht, sondern auch durch die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen. So konnte ich mich wieder an meinen Ausflug auf den Potsdamer Telegrafenberg erinnern, den ich 2019 besucht habe, und habe mich gleich wieder zwischen Einstein- und Helmert-Turm zurechtgefunden. Für Nicht-Ortskundige ist das Renaturierungsprojekt der Havel ein interessantes Thema, das nachgelesen werden sollte. Es birgt jede Menge Konflikte, die vermutlich für mehrere Krimis reichen würden.

Der Krimi ist niemals langweilig. Tim Pieper nimmt uns auf eine polizeiliche Ermittlung mit, bei der anfangs nicht klar, was ihn (und die Leser) erwartet. Für gewiefte Krimileser ist Selbstmord oder Unfall natürlich keine Option. Nur, wer war’s? Gemeinsam mit Toni Sanftleben und seinem Team begeben wir uns auf Spurensuche und müssen die eine oder andere Sackgasse hinnehmen. Dabei müssen wir erkennen, das hinter mancher biederer Fassade der Wolf im Schafspelz steckt.

Fazit:

Wer einen penibel recherchierten, sprachlich und stilistisch gut geschriebenen Krimi lesen will, der durch seinen komplexen Plot fesselt, ist hier richtig. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.04.2021

Regt zum Nachdenken an

Wir
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„Das WIR gibt es nicht“ - mit diesen provokanten Worten beginnt Judith Kohlenbergers Buch.

Dieses Pronomen führt uns vor Augen, wie schnell es abgrenzt. Das WIR im Gegensatz zu den anderen. Das WIR als ...

„Das WIR gibt es nicht“ - mit diesen provokanten Worten beginnt Judith Kohlenbergers Buch.

Dieses Pronomen führt uns vor Augen, wie schnell es abgrenzt. Das WIR im Gegensatz zu den anderen. Das WIR als eingeschworene Gemeinschaft, die keine Durchlässigkeit duldet. Daher muss das WIR immer im Kontext betrachtet werden.

Sprachlich ausgefeilt und mitreißend zeigt Kohlenberger die Herausforderungen, Probleme und Chancen, die sich aus dem WIR ergeben.

Fazit:

Dieser Essay "Wir" ist eine inspirierende Lektüre, die, ohne belehrenden Finger, zum Nachdenken anregt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.04.2021

Ein gelungenes Porträt einer außergewöhnlichen Frau

Die Queen
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Rechtzeitig zu ihrem 95. Geburtstag am 21. April ist diese Biografie von Paola Calvetti erschienen.

Das Buch liest sich leicht und flüssig. Bemerkenswert sind einige bislang unbekannten Fotos, die wie ...

Rechtzeitig zu ihrem 95. Geburtstag am 21. April ist diese Biografie von Paola Calvetti erschienen.

Das Buch liest sich leicht und flüssig. Bemerkenswert sind einige bislang unbekannten Fotos, die wie Schnappschüsse wirken. Allerdings weiß man, dass die Queen nichts, aber auch gar nichts, dem Zufall überlässt.

Schmunzeln musste ich über die Information, dass Prinz Charles als kleines Kind mit der Krone gespielt hat, die dabei zu Boden gefallen ist. Ob das ein böses Omen für seine eigene Zukunft als König sein könnte? Man wird sehen, was passiert, wenn der Code „London Bridge ist down“ verkündet wird.

Fazit:

Eine humorvolle Biografie der englischen Königin, die sich auch sehr gut als Geschenk eignet. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.04.2021

Regt zum Nachdenken an

Schäm dich, Europa!
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"Denkt daran, was ihr verlieren könnt und was zu gewinnen wäre, wenn wir uns auf unser Menschsein besinnen würden und die, die das nicht wollen, isolieren könnten."
Diese Worte stehen mahnend gleich auf ...

"Denkt daran, was ihr verlieren könnt und was zu gewinnen wäre, wenn wir uns auf unser Menschsein besinnen würden und die, die das nicht wollen, isolieren könnten."
Diese Worte stehen mahnend gleich auf der Titelseite dieses, als von der Autorin als "Streitschrift" deklarierten Essays.
Wie viele von uns wird auch Susanne Scholl, Journalistin und Auslandskorrespondentin, im Jahr 2020 auf sich selbst zurückgeworfen.
Sie nützt die Zeit des Lockdowns dazu, sich eingehend mit der aktuellen Lage zu beschäftigen, und beginnt den zahlreichen historischen Lügen, auf denen das moderne Europa aufgebaut ist, zu enttarnen.
Besonders die österreichische Geschichtslüge, das erste Opfer Hitlers gewesen zu sein und wenig Jahre später, nämlich 1945, die "Stunde Null" zu proklamieren, haben es ihr angetan.
Hier hätte ich mir mehr Zahlen, Daten und Fakten gewünscht. Doch das würde den Rahmen dieser Streitschrift mit nur 70 Seiten sprengen. Trotzdem ist dieser Essay wichtig.
Warum? Nur wer die Vergangenheit kennt, ist für die Zukunft bereit!

Veröffentlicht am 03.04.2021

Eine gelungene Fortsetzung

Tod zwischen den Meeren
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Um KHK Marlene Louven nach ihrem langen Krankenstand den Wiedereinstieg mit verminderten Wochenstunden leichter zu machen, verfügt ihr Chef Bruno Bischoff, dass sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Simon Fährmann ...

Um KHK Marlene Louven nach ihrem langen Krankenstand den Wiedereinstieg mit verminderten Wochenstunden leichter zu machen, verfügt ihr Chef Bruno Bischoff, dass sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Simon Fährmann sich alten, ungelösten Kriminalfällen widmet. Aus dem Stapel der Akten fischt sie den Vermisstenfall „Birthe Andresen“. Birthe ist 2015 von Amrum verschwunden. Verdächtig, wie üblich, war damals der Ehemann, der auch bei den neuerlichen Befragungen undurchsichtig erscheint. Was hat er zu verbergen?

Die Recherchen scheinen nicht allzu vielversprechend zu sein, doch dann fischt man einen Toten aus der Schlei, der den Stein ins Rollen bringt.

Meine Meinung:

Dieser zweite Band mit KHK Marlen Louven, die nach einer schweren Erkrankung ihr Gehör verloren hat und nun auf ihre CIs, wie sie die Cochlea Implantate nennt, angewiesen ist, ist fesselnd geschrieben. Zum einen beschreibt Autorin Ilka Dieck die mühevolle Polizeiarbeit abseits von TV-Serien wie „Tatort“ oder „CSI“ und zum anderen erfahren wir einiges aus der Welt der Gehörlosen. Marlene ist darauf angewiesen, dass das Gegenüber langsam spricht und deutlich artikuliert. Zwar hat sie jede Menge technische Hilfsmittel, die ihr den Alltag erleichtern, doch bei hohem Lärmpegel und mehreren Gesprächspartnern sind die Geräusche auch von den Hilfen schlecht zu sortieren. Es bedarf einer erhöhten Aufmerksamkeit, die besonders anstrengend für Marlene ist. Dazu kommt, dass Marlene die CIs noch nicht ganz als „Bestandteil ihres Lebens“ akzeptiert hat, was aber durchaus verständlich ist. Erst im Showdown, als sie ohne zu zögern in die finstere Havel springt, vergisst sie auf ihre Einschränkung. Dass die Implantate das Bad in der Havel nicht überstehen, ist naheliegend.

Gekonnt führt uns Ilka Dick mehrmals in die Irre. Die Leser erfahren die Lösung des Kriminalfalles ein wenig früher als die Polizei, da immer wieder auch aus der Sicht des Täters bzw. von Birthe eingeblendet wird. Die Autorin versteht es, die Leser zu fesseln.

Die Charaktere haben alle so ihre Ecken und Kanten. Sie sind lebensecht dargestellt und so darf auch ein ekelhafter Kollege nicht fehlen, der unangebrachte Kommentare abgibt. Bei ihren Recherchen begegnen sie ebenfalls verschiedenen Menschen, die ganz natürlich wirken. Hier ist der Amrumer Polizist Bendix zu nennen, der unbewusst aufseiten der Einwohner Amrums steht und bei den Befragungen durch Marlene und Simon mehrmals ungebeten dazwischenfunkt.

Der Krimi lässt sich ohne Vorkenntnisse lesen, da es einen kurzen Rückblick aus Marlenes Vergangenheit gibt. Dennoch empfehle ich den ersten Band „Der stille Koog“ zu lesen.

Fazit:

Mir hat dieser zweite Fall, der sich flüssig und fesselnd liest, sehr gut gefallen, weswegen ich hier gerne 5 Sterne gebe.