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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.06.2021

Habe etwas anderes erwartet

In 80 Zügen um die Welt
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In diesem Buch schreibt die Journalistin Monisha Rajesh über ihre Weltreise mit ihrem Verlobten Jem. Sie bereisen die Welt nur mit Zügen, genauer gesagt 79 unterschiedlichen Zügen. Ihr Reisebericht setzt ...

In diesem Buch schreibt die Journalistin Monisha Rajesh über ihre Weltreise mit ihrem Verlobten Jem. Sie bereisen die Welt nur mit Zügen, genauer gesagt 79 unterschiedlichen Zügen. Ihr Reisebericht setzt sich aus Gesprächen mit ihren neuen Bekanntschaften, Kultur und Geschichte der Orte zusammen.

Meinung:

Ich hatte mich über die Erfahrungen in Europa sehr gefreut. Leider wurden die besuchten Länder in Europa nur sehr kurz und oberflächlich angesprochen. Außerdem ist mir direkt am Anfang aufgefallen, dass man nicht weiß, wie lange und wann genau sie an einem Ort gewesen sind. Mir hat es an Struktur gefehlt, die gerade hier wichtig gewesen wäre, wo so viele Orte so schnell hintereinander abgehandelt werden. Sehr ausführlich wurden die Orte in Asien beschrieben. Da hat man auch viel über die Kultur und Geschichte der einzelnen Länder erfahren. Sehr interessant fand ich die Informationen zu Nordkorea, da ich wenig über dieses weniger beliebte Reiseziel wusste. Was mir auch gefallen hat, waren die negativen Erfahrungen der beiden auf ihrer Reise. Reisen ist nicht immer toll, sondern ist auch mit Abzocke, Angst und Ärger verbunden. Das hat das Buch gut veranschaulicht.

Über Amerika hat man mehr als über Europa erfahren. Dennoch hätte ich mir da einen detaillierteren Bericht über Kanada gewünscht.

Die Autorin war mir leider sehr unsympathisch. Sie hat sehr negativ über die anderen Touristen gesprochen und diese oft kritisiert. Sie kam leider ein wenig arrogant rüber. Ich hätte mir generell mehr Infos zu den besuchten Orten gewünscht als über die geführten Gespräche mit ihrem Verlobten und anderen Personen etc..

Fazit:

Ich habe mir einen etwas anderen Reisebericht erhofft, der die besuchten Orte detaillierter beschreibt. Leider hat es mir auch an Struktur gefehlt, da oft und sehr schnell zum nächsten Ort gesprungen wurde. Aber man hat sehr viele interessante Informationen zu Zügen und unbekannteren Reisezielen kennengelernt, was schön ist.

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Veröffentlicht am 05.05.2021

Ein Leben voller Gewalt

Mado
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Inhalt:

Die Protagonistin Mado Kaaris ist nach Paris gezogen, um in Freiheit und vor allem ohne Gewalt zu leben. Doch dort lernt sie einen ehemaligen Boxer kennen, der sie einsperrt. Mado sucht eine Möglichkeit, ...

Inhalt:

Die Protagonistin Mado Kaaris ist nach Paris gezogen, um in Freiheit und vor allem ohne Gewalt zu leben. Doch dort lernt sie einen ehemaligen Boxer kennen, der sie einsperrt. Mado sucht eine Möglichkeit, sich zu befreien, und erschlägt ihn letztendlich. Sie kehrt wieder zu ihrer Großmutter und ihrer Mutter in die Bretagne zurück, wo alles leider beim Alten ist. Die Mutter arbeitet in einer Kneipe, wo die Männer Frauen belästigen. Sie geht eine Beziehung mit Thierry ein, der sich in seiner Heimat auch unwohl fühlt. Ihre Großmutter ist die einzige, der schon immer ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben wichtig war. Und nur sie hat eine guten Draht zu Mado.



Meinung:

Der Roman behandelt einen harten Stoff, der mich beim Lesen bedrückt hat. Er zeigt die tiefen Abgründe einer jungen Frau auf, die inmitten von Gewalt und sexuellen Belästigungen aufgewachsen ist. Man erlebt mit, wie Mado auf eine immer schiefere Bahn gerät. Ihre Erfahrungen sind schockierend und ich musste beim Lesen Pausen einlegen. Dafür haben sich die kurzen Kapitel sehr gut geeignet. In diesen werden kurz und knapp, aber sehr intensiv die Schattenseiten der Menschen aufgezeigt. Die Erzählweise sorgte mit den kurzen Kapiteln für ein eindrückliches Leseerlebnis. Die verschiedenen Perspektiven haben mir ebenfalls gut gefallen.

Die Großmutter fand ich am interessantesten. Sie hat in ihrem Leben viel erlebt und hat selbst eine kriminelle Vergangenheit. Ihre Erfahrungen und ihr Umgang mit ihrer Enkelin haben mir am besten gefallen. Man hat das Gefühl, dass Mado in ein tiefes Loch gefallen ist, keinen Sinn in ihrem Leben findet. Der Autor wollte hier Cancel Culture und Me Too vereinen. Cancel Culture war wegen des Sexismus und des Gesellschaftsrandes vorhanden, bei Me Too habe ich nicht viele Verbindungen bemerken können.

Aber man kann hier einen Blick auf Gruppen werfen, die sich am Rand der Gesellschaft befinden. Man kann nicht wegsehen und wird mit den dort existierenden Lebensverhältnissen konfrontiert. Das Buch öffnet einem die Augen und führt zu Entsetzen. Das Lesen war aber sehr beklemmend, sodass ich es nicht mit einem großen Vergnügen gelesen habe.

Am Ende wurden mir die Augen geöffnet. Dennoch konnte ich nicht viel mitnehmen und ich hätte mir gewünscht, dass Me Too und Cancel Culture mehr im Vordergrund gestanden hätten.



Fazit:

Dieser Roman behandelt ernste Themen und erzählt über das düstere Leben einer jungen Frau, die am Rand der Gesellschaft lebt und in ein tiefes Loch fällt. Man erfährt viel Schreckliches und Brutales, sodass das Lesen bedrückend ist, aber einem auch die Augen öffnet.

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Veröffentlicht am 12.04.2021

Witzig und spritzig!

Das Windsor-Komplott
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Als ein Pianist auf einer Feier auf Schloss Windsor tot aufgefunden wird, wird die Queen hellhörig. Sie wird das Gefühl nicht los, dass ihr etwas über den Fall verschwiegen wird, und fragt ihren Privatsekretär. ...

Als ein Pianist auf einer Feier auf Schloss Windsor tot aufgefunden wird, wird die Queen hellhörig. Sie wird das Gefühl nicht los, dass ihr etwas über den Fall verschwiegen wird, und fragt ihren Privatsekretär. Dabei erfährt sie einiges über den peinlichen Zustand, in dem man den Toten in seinem Zimmer gefunden hat. Die MI5 glaubt, dass Wladimir Putin etwas mit dem Mord zu tun hat.
Die Queen macht sich mit ihrer Privatsekretärin Rozie auf die Suche nach dem Mörder, bevor die M15 die politische Lage komplett durcheinanderbringt.

Meinung:
Selten habe ich bei einem Krimi so sehr gelacht wie bei diesem hier! Die Queen ist einfach super drauf und ich finde ihre Nachfragen so amüsant. EIn Beispiel:
"»Er war nackt, Ma’am. Als er gefunden wurde.«
»Ja?« Die Queen sah ihn an. Sie stellte sich einen gesunden jungen Mann vor, der nackt unter seiner Decke lag. ...

Die Gedankengänge der Queen haben mir sehr viel Spaß bereitet. Ein Krimi ist es nicht wirklich, aber Spannung ist hier definitiv vorhanden.
Man lernt das Leben der Royals besser kennen, auch wenn einiges im wahren Leben wahrscheinlich anders läuft.

Der Schreibstil ist locker flockig und passt zur Queen und zu dem Buch allgemein. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall, bei dem ich die Queen begleiten darf.

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Veröffentlicht am 12.04.2021

Polarisierend und verstörend.

Hingabe
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Tomás ist ein wohlhabender Bauer in Galicien, der eines Tages erfährt, dass er Krebs hat. Er kann das nicht akzeptieren und lässt seine Wut raus, indem er seine Männlichkeit mit Gewalt beweisen will. Eines ...

Tomás ist ein wohlhabender Bauer in Galicien, der eines Tages erfährt, dass er Krebs hat. Er kann das nicht akzeptieren und lässt seine Wut raus, indem er seine Männlichkeit mit Gewalt beweisen will. Eines Tages erscheint die schöne Suiza im Dorf, von der sich alle Männer angezogen fühlen. Tomás ist verrückt nach ihr und nimmt sich von ihr gewaltsam die Liebe, die er will. Er nimmt sie mit auf seinen Hof. Suiza hingegen lässt ihn gewähren und tut alles für ihn, damit er sie nicht wieder wegschickt. Sie ist sehr zerbrechlich, redet nicht, da sie die Sprache nicht kann und wirkt zurückgeblieben. Sie macht sich von Tomás abhängig, was für sie ganz normal ist, da sie in ihrer Kindheit und Jugend nichts anderes als Gewalt erlebt hat.

Meinung:

Mir fällt es schwer, eine Rezension zu diesem Buch zu verfassen, weil es sehr polarisierend ist und viele verschiedene Interpretationen und Meinungen möglich macht. Aber eines kann ich sagen. Der Roman geht in eine ganz andere Richtung, als Cover und Klappentext vermuten lassen. Ich habe eine eher sanfte Geschichte erwartet, obwohl im Klappentext auch schon von Gewalt die Rede ist.

Tomás ist animalisch, besitzergreifend und vertritt noch das typische Frauenbild der Männer, die Frauen nur als Objekt sehen und sie besitzen wollen. Generell habe ich mich beim Lesen in das Frauenbild aus dem 19./20. Jahrhundert katapultiert gefühlt, da so gut wie jeder in diesem Dorf auf diese Weise dachte, selbst die Frauen. Und das, obwohl der Roman in der Gegenwart spielt.

Tomás ist mir sehr unsympathisch gewesen, obwohl die Autorin es irgendwie schafft, den Roman seinetwegen nicht abbrechen zu müssen. Er nimmt sich alles mit Gewalt und will Suiza ganz für sich allein. Er nimmt sich von ihr, was er will und schenkt ihr ansonsten keine Aufmerksamkeit. Er sieht seine Krankheit als Grund an, nun seine Männlichkeit mit Macht über eine Frau zu beweisen, bevor es zu spät ist. Einige Szenen im Buch beschreiben schonungslos gewaltvolle Szenen, die nichts mit Liebe zu tun haben. Man merkt an seinen Gedanken und seinem Handeln sofort, dass er psychisch gestört ist. Er bessert sich im Verlauf des Romans ein wenig, indem er Liebe wieder zulässt und sich wirklich für Suiza interessiert, aber ändern tut er sich nicht.

Suiza hingegen redet so gut wie gar nicht. Wir erfahren nur manchmal etwas aus ihrer Sicht, aber zu wenig, um sie als Person kennenzulernen. Das passt natürlich sehr gut zum Roman und verstärkt den Eindruck, dass sie aufgrund ihrer Schönheit und Zerbrechlichkeit nur als Objekt gesehen wird. Ihre Hingabe zu Tomás und umgekehrt wird sehr gut deutlich. Doch handelt es sich hier wirklich um Liebe? Es ist, wenn überhaupt, eine ungesunde, verstörende Liebe, die von Abhängigkeit und Besitzergreifen dominiert wird. Beide sind psychisch nicht gesund und haben in ihrem Leben Leid erfahren und sehen darin ihre Verbindung zueinander.

Der Roman ist sehr dynamisch und zeichnet die Figuren Suiza und Tomás sehr authentisch. Es kommen auch andere Figuren vor, die mich sehr berührt haben, andere wiederum haben mich wütend gemacht. Man kann die Entwicklung der beiden Hauptfiguren sehr gut mitverfolgen, was eine der Stärken dieses Romans ist. Der Roman bleibt dadurch auch spannend, weil man wissen möchte, wie sich die Figuren weiterentwickeln. Der Roman schafft es, viele Emotionen in mir auszulösen, gerade auch Wut über den Protagonisten

Ich finde, der Roman behandelt ein sehr sensibles und wichtiges Thema, nämlich das Abhängigkeitsverhältnis in einer Beziehung. Man sieht sehr deutlich, welch dramatischen Folgen eine Abhängigkeit vom Partner haben kann. Außerdem zeigt es, was Leid in der Kindheit im Extremfall mit den Menschen zu machen vermag. Allerdings kann ich dem nicht ganz zustimmen, was der Roman eigentlich zeigen soll, nämlich dass aus sexueller Begierde hingebungsvolle Liebe wird. Es lässt sich darüber streiten, ob es hier Liebe ist oder nicht, aber es fängt nicht nur mit sexueller Begierde an, sondern mit gewaltsamer Begierde. Daher konnte ich hier keine Liebe entdecken, sondern lediglich eine verstörende Hingabe.

Der Aufbau des Romans hat mir am Roman am besten gefallen. Mit dem Ende hätte ich nicht gerechnet, es hat mich überrascht, unerwartet getroffen und ich musste noch lange daran denken. Das Ende passt zum Roman und trifft eine klare Aussage.

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Veröffentlicht am 12.04.2021

Ruhig und persönlich

Vati
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Monika Helfer nimmt uns in ihrem neuen Buch mit in ihre Vergangenheit. Sie erinnert sich an ihre Kindheit und Jugend, an ihre Zeit mit Vati und auch mit Mutti.

Ihr Vater Josef war der Leiter eines Kriegserholungsheims ...

Monika Helfer nimmt uns in ihrem neuen Buch mit in ihre Vergangenheit. Sie erinnert sich an ihre Kindheit und Jugend, an ihre Zeit mit Vati und auch mit Mutti.

Ihr Vater Josef war der Leiter eines Kriegserholungsheims auf dem Berg Tschengla in Österreich. Dort lebte er mit seiner Familie, sodass Monika dort aufgewachsen ist und viele Erinnerungen an das Leben auf dem Tschengla hat. Der Vater liebte Bücher über alles und war, wenn es um Bücher ging, auch sehr rücksichtslos, was andere angeht. Er war ein sehr ruhiger und schweigsamer Mensch.

Ich habe den Vorgängerroman "Die Bagage" nicht gelesen, was aber nicht schlimm ist. Die Autorin fasst das im Vorgängerroman Geschehene sehr gut zusammen und setzt diesen dann auch gelungen fort. Wir erfahren sehr viel über die Familie ihrer Mutter. Ihre Geschwister nehmen einen großen Teil in der Geschichte ein. Daher habe ich mehr über die Mutter und ihre Familie als über den Vater im Roman erfahren, obwohl das Buch nach ihm benannt ist. Trotzdem hat auch der Vater viel mit der Familie seiner Ehefrau zu tun, sodass es nicht widersprüchlich ist.

Der Roman war angenehm zu lesen. Es herrschte eine sehr ruhige und persönliche Atmosphäre, da die Autorin ihre eigene Geschichte im Buch verarbeitet hat und ihre Erinnerungen sehr authentisch wirken. Das Buch ist aus Monikas Helfers Sicht geschrieben. Sie beschreibt, wie sie ihre Eltern und Geschwister, ihre Tanten und Onkeln, wahrgenommen hat. Sie schreibt sehr liebevoll über ihren Vater. Es gab Momente, in denen sie ihm ganz nahe war und Momente, in denen er abwesend und distanziert gewesen ist.

Monika denkt zurück an diese Zeit und ganz einfache Dinge wie ein Vogelbeerbaum erinnern sie an bestimmte Momente in ihrer Vergangenheit. Diese Momente waren sehr rührend. Auch hat mich das Schicksal von Ferdinand sehr berührt, der ein Invalider im Kriegserholungsheim war.

Die Protagonistin konnte ihre Mutter und ihren Vater nicht wirklich durchschauen, aber sie ist sich sicher, dass sie in Wahrheit nichts über Vati wusste.

"Wenn man einen Menschen ein Leben lang kennt, und erst spät erfährt man, was er im Grunde ist, dann kann man das vielleicht schwer ertragen."

Der Roman zeigt, das Erinnerungen Freude bereiten können, schmerzhaft sein können, oder auch nicht ganz wahrheitsgetreu.

Mir war es stellenweise doch leider zu langatmig. Der Schreibstil hat dies leider nicht besser gemacht, da er meinen Lesefluss abgebremst hat. Das ist bei einem Erinnerungsbuch aber nicht schlimm, da das Erinnern etwas ruhiges und angenehmes ist, wofür man sich Zeit nehmen muss. Die Figuren sind mir, außer Monika und Gretel, distanziert geblieben. Ich konnte keine wirkliche Nähe zu ihnen aufbauen.

Allem in allem finde ich es sehr mutig und authentisch, dass Monika Helfer ein so persönliches Buch geschrieben hat, das von verletzlichen Erinnerungen geprägt ist. Wegen der Langatmigkeit und Distanz ziehe ich zwei Sterne ab. Trotzdem ist es ein sehr angenehmes Buch.

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