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Veröffentlicht am 23.04.2021

Magische & bizarre Ozean-Wesen

Wenn Haie leuchten
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Vor vielen Jahren hat sich die Meeresbiologin Dr. Julia Schnetzer verliebt – in die Ozeane und ihre geheimnisvollen Wesen. In ihrem lesenswerten Sachbuch „Wenn Haie leuchten“ nimmt sie uns mit auf eine ...

Vor vielen Jahren hat sich die Meeresbiologin Dr. Julia Schnetzer verliebt – in die Ozeane und ihre geheimnisvollen Wesen. In ihrem lesenswerten Sachbuch „Wenn Haie leuchten“ nimmt sie uns mit auf eine Entdeckungsreise voller kurioser, ernster und schöner Fakten rund um die Tiefseewelt, denn das Meer steckt trotz zahlreicher Entdeckungen immer noch voller Rätsel.

In übersichtlichen und mit einigen Zeichnungen angereicherten Kapiteln macht Schnetzer Wissenschaft verständlich und sogar lustig. Denn die kurios-humorvollen Fakten, dass Haie leuchten, manche Grönlandwale und Islandmuscheln mit bis zu 500 Jahren uralte Geschöpfe sind, es solarbetriebene Meeresschnecken gibt, Delfine sogar Selbstmord begehen können und sich Haie in Meeres-Cafés treffen, waren für mich alle neu. Bekannt und umso trauriger ist das riesige Plastikmüll-Problem in den Ozeanen. Diese Verschmutzung erläutert Schnetzer sehr ausführlich und bewegend, denn das Thema Plastik liegt ihr seit Jahren am Herzen. Daneben ist die marine Mikrobiologie Schnetzers Steckenpferd und so klärt sie auch über die immense Bakterien- und Virenvielfalt im Ökosystem der Meere auf. Insgesamt variieren die Themen sehr vielfältig und ausgewogen.

Der Autorin ist die Liebe zum Meer und zu ihrem Beruf leidenschaftlich anzumerken – und auch der Faible für Science Slams und andere Formate, denn literarisch wurden die wissenschaftliche Fakten klar, strukturiert und sehr flüssig in ein unterhaltsames Sachbuch umgesetzt. Gespickt mit den humorvollen Einlagen rund um fluoreszierende und andere skurrile Meeresbewohner, ist die maritime Entdeckungsreise sehr kurzweilig. Das sehr umfangreiche Quellenverzeichnis am Ende macht Schnetzers wissenschaftliche Herangehensweise sehr transparent und seriös. Eine beeindruckende Art, über die Geheimnisse der Ozeane zu erzählen und gleichzeitig für den Erhalt dieser einzigartigen Welt und Arten einzutreten – 50 Cent jedes verkauften Buches gehen an eine NGO. So sollte gelungene Wissenschaftskommunikation aussehen! Und für Schnetzer ist klar: Es gibt noch unheimlich viel in den Ozeanen zu entdecken.

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Veröffentlicht am 23.04.2021

Verschlungene Pfade der Liebe

Roman d’amour
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Die Schriftstellerin Charlotte Moire veröffentlicht in Sylvie Schenks „Roman d’amour“ einen Roman mit dem gleichen Titel und reist auf eine abgelegene Nordseeinsel, um dort den unbekannten und erstmals ...

Die Schriftstellerin Charlotte Moire veröffentlicht in Sylvie Schenks „Roman d’amour“ einen Roman mit dem gleichen Titel und reist auf eine abgelegene Nordseeinsel, um dort den unbekannten und erstmals verliehenen Literaturpreis „Kaskade“ in Empfang zu nehmen. Der Roman handelt über eine lange zurückliegenden Affäre mit einem verheirateten Mann. Davor soll sie der Journalistin Frau Sittich ein Interview für einen Radiobeitrag zum Roman geben. Die zwei Damen nehmen Platz und ein raffiniert inszeniertes, fesselndes Kammerspiel sowie präzise aufgezeichnetes Wort-Duell nimmt seinen Lauf: Angespornt durch Frau Sittichs verqueren Fragen. Sie löchert Charlotte nicht nur zu ihrem literarischen Können, sondern sehr detailliert über die Protagonisten und auch über philosophische und allgemeingültige Liebes- und Lebensfragen. Des öfteren spricht sie Charlotte mit Klara – der Protagonistin von Charlottes Roman – an und seziert Handlung, Motive und Moralvorstellungen der Romancharaktere, als wären sie wahre Menschen. Und für Charlotte verschwimmen die Grenzen zu ihrer tatsächlich stattgefundenen Affäre mit einem verheirateten Mann, einer Amour fou, und den Figuren ihres Romans – die Fragen von Frau Sittich lassen sie tief in ihre eigenen Erinnerungen eintauchen, an einen lange vergangenen Irland-Urlaub und die Gefühlskapriolen als Geliebte. Fiktion und real Erlebtes verwaschen kontinuierlich, Charlotte erlebt und sinniert alles aufs Neue. Ein überraschendes Aufwachen gibt es für Charlotte erst beim fulminanten Showdown am Strand – und ihr wird klar, warum der „Kaskade“-Preis an Autoren für biografisch angehauchte Romane vergeben wird, die der Gefahr laufen, sich der Lächerlichkeit preizugeben.

„Im Schreiben könnte ich mich festhalten, meine Gefühle, die Texte hinterließen konkrete Spuren, verflossen nicht wie Küsse und Umarmungen, sie ermöglichten das Zurückschauen, Zurückstreicheln, Zurückküssen.“ S. 56

Sylvie Schenk ist mit „Roman d’Amour“ ein literarisches Kunststück gelungen, das auf mehreren Ebenen brillant ist. Neben der wunderschönen, poetischen Prosa mit klugen Sprachbildern, französischen Einwürfen und intelligenten Sätzen besticht besonders ein weiterer Ansatz des Romans: Neben der feinfühlig, subtil melancholisch und auch leicht humorvoll erzählten doppelten Liebesgeschichte entrollt er auch ein spannendes Leporello über die Literaturgenres Liebesroman sowie Autofiktion und nimmt dabei noch versiert so manchen Literaturkritiker beim Interpretieren und nach der Frage nach Autobiografisches auf die Schippe. Dabei entstanden ist ein geistreicher und sehr lesenswerter Roman im Roman, der mit einem fulminanten und überraschenden Ende aufwartet. Ein dünnes, hintersinniges Buch, in dem so viel drinnen steckt, dass es sich lohnt, nochmal zu lesen und gedanklich weiterzuphilosophieren – über die Liebe, das Leben, narrative Möglichkeiten und die Literatur.

„Wenn ich mich nicht zu sehr outen wollte, dann wegen der verschlungenen Gedanken, die in dem Thema herumschwammen, weil es schwieriger ist, eine gefühlte Wahrheit mit Sätzen einzufangen als eine Forelle in den Niagarafällen.“ (S. 18)

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Veröffentlicht am 12.04.2021

Die Kälte überstehen

Vom Aufstehen
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Dieser fragile Moment beim Aufwachen, der manchmal entscheidet, wie man in den Tag startet: noch halb im Traum, halb in Gedanken, noch ruhevoll – mit so einem Moment startet und endet der berührende, atmosphärische ...

Dieser fragile Moment beim Aufwachen, der manchmal entscheidet, wie man in den Tag startet: noch halb im Traum, halb in Gedanken, noch ruhevoll – mit so einem Moment startet und endet der berührende, atmosphärische und lebenskluge Episoden-Roman von Helga Schubert. Anfangs an dem idealen Ort, einer Erinnerung, bei der fürsorglichen Großmutter im Garten unter dem Apfelbaum. Am Ende mit 80 Jahren beim Aufwachen zuhause, Reflektionen über das vergangene Leben, über die Gegenwart mit einem geliebten, pflegebedürftigen Ehemann, den liebgewonnenen Ritualen und einer verstorbenen Mutter, der die Autorin und Bachmannpreis-Trägerin Helga Schubert verziehen hat. Dazwischen liegt ein bewegtes Leben, dass Schubert assoziativ in 29 unterschiedlich langen, literarisch dichten Schlaglichtern der Erinnerung poetisch, weise, aus vielen Blickwinkeln und mit einer präzisen, klaren und sinnlichen Sprache festgehalten hat.

„Ich bin ein Kriegskind, ein Flüchtlingskind, ein Kind der deutschen Teilung.“ S. 25

Auf diesen drei zerbrechlichen Pfeilern steht das Leben von Helga Schubert. Ihre Mutter ist traumatisiert vom Krieg und der Flucht vor der Roten Armee – das hat sie nicht nur gefühlskalt werden lassen: Von ihrer Tochter verlangt sie dafür, dass sie sie bei der Flucht nicht vergiftet oder vorher abgetrieben hat, lebenslange Dankbarkeit und Heldenverehrung. Es fallen auch Sätze wie „Wenn du doch damals bei der Flucht gestorben wärst“. Mutter und Tochter werden sich nie mehr annähern und erst nach dem Tod der Mutter beginnt Schubert darüber zu schreiben. Ein weiteres Trauma ist der Verlust des Vaters, den Schubert nie kennengelernt hat. Sehr jung hat ihn eine Granate an der Ostfront getötet. Die Erfahrungen der Autorin mit Glaube und der Arbeit als klinische Psychotherapeutin fließen subtil in das autobiografisch-autofiktional Erzählte mitein. In der Erzählung „Eine Wahlverwandtschaft“ kommen die Traumata, Sprachlosigkeit und tief liegenden Wunden zwischen Mutter und Tochter deutlich heraus, die Schubert literarisch mit einer kunstvollen Perspektive verdeutlicht: „Die Tochter meiner Mutter“.

Zudem ist Helga Schubert eine pointierte Chronistin über ihr Leben unter dem DDR-Regime. Lakonisch und doch nachdenklich fängt sie zeithistorische Episoden deutsch-deutscher Geschichte ein, schildert beispielsweise ihre schriftstellerische Tätigkeit unter Repressalien wie das Ausreise-Verbot im Jahr 1980, um am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb teilzunehmen. Aber auch absurde DDR-Situationen wie das Vorstellungsgespräch mit ihrem Sohn zu einer Förster-Ausbildung verweben sich in die Erinnerungen.

Im Leben von Helga Schubert war nicht immer „alles gut“ – mehrmals musste sie immer wieder nach schwierigen Situationen Aufstehen, aber ihr Schlusssatz in der letzten, prämierten Titel-Geschichte „Vom Aufstehen“ wird dies reflektieren: „ Es stimmte: Ich hatte von allem genug.“ Sie hat vergeben, ist bei sich angekommen, kann sich Geborgenheit schenken – fast scheinen alle vorherigen Erzählungen auf diese finale Erinnerung, die nochmal alle Lebensthemen zusammenführt, zuzulaufen.

Die ruhevolle Auslotung eines schmerzhaften Mutter-Tochter-Verhältnisses, fein arrangierte Alltagsbeobachtungen vom Alt-Sein, Schreiben, Heimatgefühl und von der Freiheit, umwoben mit deutsch-deutscher Geschichte sowie Traumata und alles eingepackt in einer wunderschönen Sprache, die ohne Groll oder Larmoyanz, sondern mit viel Dankbarkeit, Ruhe und Authentizität auskommt – das alles macht „Vom Aufstehen“ zu einem wunderbaren Kleinod. Nicht jede Geschichte ist gleich stark – aber die Starken sind gewaltig und von einer intimen, persönlichen Schönheit und Weisheit, die lange nachhallen und universell auf unser Leben übertragbar sind.

„Am gedeckten Kaffeetisch. Bis zum Ende des Sommers. So konnte ich alle Kälte überleben. Jeden Tag. Bis heute.“ S. 10

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Veröffentlicht am 12.04.2021

All die schönen, dunklen Dinge

Weiter Himmel
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Die Küste von Yorkshire scheint eine pure Idylle zu sein, doch es passieren perfide, kriminelle Dinge hinter einer scheinbar perfekten Fassade, wie sie sich auch die Männer- und Golffreunde Tommy, Andy ...

Die Küste von Yorkshire scheint eine pure Idylle zu sein, doch es passieren perfide, kriminelle Dinge hinter einer scheinbar perfekten Fassade, wie sie sich auch die Männer- und Golffreunde Tommy, Andy und Steve aufgebaut haben. Alles gerät ins Wanken, als die Bekannte Wendy tot aufgefunden wird und immer mehr geheimnisvolle Fäden und Verbindungen zusammenlaufen. Neben dem schlagfertigen Ermittlerduo Reggie Chase und Ronnie Dibicki, die die zahlreichen Verflechtungen aufdecken wollen, kommt hier auch der melancholische Privatermittler Jackson Brodie ins Spiel, der noch von einer On-/Off-Beziehung und den Launen seines pubertierenden Sohnes angeschlagen ist. Es ist sein fünfter Fall, aber „Weiter Himmel“ lässt sich auch wunderbar lesen, wenn die Vorgänger nicht bekannt sind.

Ganz langsam und fein lässt Kate Atkinson ihren Kriminalroman mit einer mystisch-düsteren Atmosphäre anfangen: Sie lotet Milieus, menschliche Charaktere samt Bio-Vegan-Spleen und gesellschaftliche Schichten aus – manchmal braucht sie dafür nur zwei treffsichere Sätze. Mehrere Perspektiven (auch die Eitelkeiten und Familienverhältnisse der Übeltäter) und schnell wechselnde Szenen werden opulent und mit sprachlicher Finesse und vielen Details geschildert – Atkinson liebt es, diverse Gedankengänge weiterzuspinnen und der Leser sollte sich gut konzentrieren und die wunderbare Prosa genießen, bevor die spannende Handlung rund um den widerwärtigen und gewalttätigen Mädchenhandel und dem perfiden „Magischen Kreis“ beginnt und die Vorstadt-Idylle mächtig ins Wanken kommt.

Voller scharfem und schwarzem Humor nimmt Atkinson nicht nur die Protagonisten, Eigenarten oder gesellschaftliche Themen treffend und versiert auf die Schippe – sogar das Krimigenre an sich wird an manchen Stellen witzig und klug besprochen. Besonders lakonisch und schlagkräftig sind die Galgenhumor-Dialoge zwischen dem Ermittlerduo Reggie und Ronnie gelungen, aber auch Brodies zurückhaltender Charakter, der über tote Familienangehörige sinniert, Country-Musik liebt und auf gewisse Weise ein trauriger Schelm ist, ist wunderbar eingefangen.

Kate Atkinson gelingt es bravourös, in „Weiter Himmel“ neben dem widerwärtigen Eliten-Pädophilenring auch alltägliche Absurditäten ironisch und nonchalant auszuhebeln – gekonnt spielt sie mit vielen Zufällen, Situationskomik und alten Geheimnissen und eröffnet ein Panoptikum an plastischen Charakteren mit ein paar mutigen Außenseitern. Und hinter all den schönen Dingen steckt ganz schön viel Böswilliges, Dunkles und Abgründiges. Dass einer Autorin eine so klug-trockene Lakonie und eine unbeschwerte Sprache trotz des ernsten und aktuellen Themas fulminant gelingt, ist große und eher seltene Erzählkunst.

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Veröffentlicht am 07.04.2021

Transformation von Leiden

Gefangen und frei
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Seit über 30 Jahren ist Jarvis Jay Masters kein freier Mann mehr, sondern ein Gefangener in San Quentin, der teils in langer Isolationshaft sowie im Todestrakt auf die Vollstreckung seiner Todesstrafe ...

Seit über 30 Jahren ist Jarvis Jay Masters kein freier Mann mehr, sondern ein Gefangener in San Quentin, der teils in langer Isolationshaft sowie im Todestrakt auf die Vollstreckung seiner Todesstrafe wartet – zu Unrecht am Tod eines Gefängniswärters verurteilt. Knallharter Gefängnisalltag, Traumata aus seiner dramatischen Kindheit, immer wieder verlorene Gerichtstermine und die Aussicht, nie mehr frei zu sein, quälen sein Innerstes: Zorn, Wut, Verzweiflung, Panikattacken und Depressionen scheinen ihn aufzufressen.

Doch er lernt die richtigen Leute kennen, die auf seiner Seite stehen und ihn zur Meditation und Achtsamkeit animieren. Erst entsetzt, was diese für Gefühlskapriolen und Ängste bei ihm freisetzen, trainiert er Meditation bald jeden Tag und erfährt durch die tiefe Freundschaft mit der bekannten buddhistischen Nonne Pema Chödrön noch stärkere Einblicke in die buddhistischen Lehren und Meditationserfahrungen. Auch durch den berühmten tibetischen Lama Rinpoche wird er eine Transformation zum Bodhisattva durchlaufen – ein Krieger, der an einem Ort des Leidens für die Überwindung des Leidens sorgt. Masters hilft seinen gepeinigten Mitgefangenen, gibt Unterricht, schreibt Bücher und Briefe und hilft Menschen, ihre Seelenqualen weitestgehend zu überstehen. Auf eine Berufung seines Urteils wird er trotz mehreren Verhandlungen vergeblich warten – doch er hat gelernt, sich trotz aller Gefangenheit und Widrigkeiten, im Inneren wie ein freier Mensch zu fühlen.

David Sheff zeichnet Masters’ Leben und Transformation ohne Kitsch nach, sondern setzt das Mosaik seines Lebens recht nüchtern, aber sehr bewegend zusammen. Zahlreiche Treffen und Veröffentlichungen haben ihn dazu veranlasst, Masters mutigen und hoffnungsvollen Weg aufzuzeigen, der jedem Leser etwas für das eigene Leben mitgeben kann. Die Überwindung von Leid ist kapitelweise durch die Vier Edlen Wahrheiten untergliedert, was präzise auf Masters Weg zugeschnitten ist: Immer wieder gibt es Passagen über seine schwere Kindheit, dann wiederum der gewaltvolle Gefängnisalltag, desillusionierende Gerichtstermine und das wiederholte Aufrappeln durch Meditation nach Rückschlägen, damit das Leiden Masters nicht auffrisst.

Besonders die Gespräche mit Pema Chödrön sind tiefberührend und augenöffnend, wie wir generell mit starken Gefühlen und schwierigen Situationen umgehen – von ihr möchte ich auf jeden Fall noch mehr lesen, aber es finden sich noch weitere Anknüpfungspunkte im Buch, die ein Leben auch außerhalb eines Gefängnisses bereichern können. Denn häufig sind es innere Gittern, hinter die wir uns selbst legen. „Gefangen und frei“ ist eine universelle Geschichte über die Chance, mit starken Widrigkeiten umzugehen.

Fazit: Trotz kleineren Logik-Unstimmigkeiten ein sinnstiftendes, hoffnungsvolles und bewegendes Buch, das nicht in Kitsch abrutscht oder Meditation in den Himmel lobt, sondern authentisch und kraftvoll aufzeigt, wie man Leiden mit viel Mut und Stärke transformieren kann – Rückschläge mitinbegriffen.

„Doch genau das war der Buddha, den er töten musste: die Illusion, dass die Rettung irgendwo außerhalb von ihm selbst zu finden sei. Ihm wurde klar, dass der Buddha dazu nicht in der Lage war, genauso wenig wie Jesus oder Allah. Nur wir selbst können uns aus unserem eigenen Leiden befreien.“
S. 128

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