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Veröffentlicht am 23.05.2021

Liebesgeschichte voller Tragik

Wie der Wind und das Meer
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Nach dem mir „Mehr als tausend Worte“ vor zwei Jahren wahnsinnig gut gefallen hatte, war ich sehr gespannt darauf, ein weiteres Buch von Lilli Beck zu lesen. Mit „Wie der Wind und das Meer“ konnte mich ...

Nach dem mir „Mehr als tausend Worte“ vor zwei Jahren wahnsinnig gut gefallen hatte, war ich sehr gespannt darauf, ein weiteres Buch von Lilli Beck zu lesen. Mit „Wie der Wind und das Meer“ konnte mich die Autorin ein zweites Mal begeistern. Der Roman erzählt eine große, herzzerreißende Liebesgeschichte, die sowohl durch romantische Liebesschwüre als auch durch unfassbar tragische Umstände bewegt.
In den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs verliert der Teenager Paul seine Familie bei Bombardierungen. Als er auf das Mädchen Sarah trifft, die in dieser Nacht ebenfalls zur Waisen wurde und seiner Schwester Rosalie zum Verwechseln ähnlich sieht, fasst er neuen Mut. Die beiden geben sich als Geschwister aus und fühlen sich fortan weniger allein. Nach einer harten Zeit im Waisenhaus werden sie gemeinsam von einem liebevollen Ehepaar adoptiert. Sarah und Paul könnten nun glücklich als Geschwister leben, doch leider schlägt ihnen das Schicksal ein Schnippchen und die beiden verlieben sich unsterblich ineinander. Wie sollen sie ihre Lüge von einst korrigieren?
Es folgen Jahre voller Schmerz, Trennung und zwischendurch immer wieder Hoffnung. Wir begleiten Sarah und Paul von 1944 bis 1990, durch verschiedene Lebensphasen hindurch. Der Roman packt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite, ohne jemals langweilig zu sein. Manche Szenen sind grausam zum Beispiel die Zustände im Waisenhaus, aber wir treffen auch immer wieder auf Charaktere, die man einfach gerne haben muss und die voller Hilfsbereitschaft sind, wie zum Beispiel die Blumen-Oma oder die Adoptiveltern.
Insbesondere fand ich interessant, dass ein wichtiger Schauplatz, der Münchner Lebensmittel-Großmarkt ist. Mir war es nicht bewusst, wie früh Südfrüchte oder Sachen wie Mozzarella eine Rolle in Deutschland gespielt haben und ich habe gespannt von all den Leckereien gelesen die auf dem Markt und insbesondere in Emmas Feinkostgeschäft angeboten wurden.
Mir hat einerseits sehr gut gefallen, dass der Roman bis zum Schluss sehr dramatisch bleibt und es kein typisches Friede-Freude-Eierkuchen Ende gibt. Ich konnte auch die Gewissensbisse von Paul und Sarah gut nachvollziehen, trotzdem habe ich mich mehr als einmal gefragt, ob es nicht ab einem gewissen Alter die Möglichkeit gegeben hätte, die Wahrheit zu sagen. Die Liebe der beiden hat Jahre der Trennung überdauert, was für die Intensität der Gefühle spricht. Gerade deswegen machte es traurig zu zuschauen, wie viel gemeinsame Zeit verloren gegangen ist.
Für mich war „Wie der Wind und das Meer“ ein toller, zu Herzen gehender Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 15.05.2021

Die frühen Jahre der Maria Montessori

Lehrerin einer neuen Zeit
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Mein Wissen über Montessori Schulen beschränkte sich auf schöne Handarbeiten, die es bei Weihnachtsmärkten zu kaufen gibt. Gerne wollte ich mehr über die Person hinter den Schulen wissen und habe deswegen ...

Mein Wissen über Montessori Schulen beschränkte sich auf schöne Handarbeiten, die es bei Weihnachtsmärkten zu kaufen gibt. Gerne wollte ich mehr über die Person hinter den Schulen wissen und habe deswegen gespannt zu dem Roman „Lehrerin einer neuen Zeit“ gegriffen. Laura Baldini schildert anschaulich und detailliert die frühen Jahre der Ärztin und Reformpädagogin, beginnend 1895. Als erste Frau in Italien beginnt Maria Montessori ein Medizinstudium. Die Bedingungen machen aus heutiger Sicht absolut fassungslos. Maria wurde täglich von ihren männlichen Kommilitonen und Professoren schikaniert. Erst, wenn alle Männer einen Sitzplatz gefunden hatten, durfte sie den Hörsaal betreten und sich in die letzte Reihe setzen. Sezieren musste sie sich quasi alleine beibringen, da es als obszön galt, wenn eine Frau gemeinsam mit Männern eine nackte Leiche betrachtet hätte. Maria versteht schnell, dass sie doppelt so hart arbeiten muss, wie ihre männlichen Kollegen und genau dieser Ehrgeiz zahlt sich aus. Sie wird zu einer erfolgreichen Ärztin, die weit über die Grenzen Italiens bekannt ist und auch ins Ausland zu Vorträgen eingeladen wird – zur damaligen Zeit eine Sensation.
Trotz ihres teilweise fast übertriebenen Selbstbewusstseins kommt Maria Montessori in dieser Romanbiographie sehr sympathisch rüber, vermutlich sogar sympathischer als die tatsächliche Person. Im Nachwort findet man noch einige Informationen, die ich weniger nett finde (zum Beispiel, dass sie fremde Ideen als ihre eigenen ausgegeben hat).
Manche Entscheidungen, die die junge Frau getroffen hat, wirken auf den Leser zunächst sehr hart und schwer nachvollziehbar. Jedoch muss man berücksichtigen, welche Bedingungen damals für Frauen herrschten. Maria hatte nur die Wahl zwischen Karriere und Familie zu wählen, denn als Ehefrau hätte sie nicht mehr arbeiten dürfen. Aus heutiger Sicht eine erschreckende Vorstellung. Ebenso erschreckend ist, dass Maria sich schon damals dafür eingesetzt hat, dass Frauen und Männer gleich entlohnt werden. Und hier stehen wir, im Jahr 2021 und haben noch immer dieses Problem.
Der Roman umfasst leider nicht das komplette Leben von Maria Montessori sondern nur ihre ersten Jahre als Ärztin. Er endet mit ihrem Entschluss, Pädagogik zu studieren. Wie dieses Studium verlief und wie es zur Gründung ihrer Schulen kam erfahren wir als knappe Zusammenfassung im Nachwort. Ich finde es bedauerlich, dass der Roman so abrupt geendet hat, entnehme allerdings den Worten der Autorin, dass es wohl schwierig war, persönliche Informationen zu finden, da diese nur sehr lückenhaft existieren.
Ich habe diesen Roman (der übrigens aufgrund vieler Leerseiten um einiges kürzer ist, als erwartet) gerne gelesen. Er ist sehr angenehm und unterhaltsam geschrieben und informiert den Leser über eine Person, die bis heute bekannt ist. Sehr erschütternd empfand ich auch die Szenen in der Kinderpsychiatrie. Für diese jungen Patienten war Maria ein wahres Geschenk, denn es war wirklich grausam, unter welchen Bedingungen die Kinder dort leben mussten.

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Veröffentlicht am 12.05.2021

Einblick in die Geschichte Amerikas

Die Glasperlenmädchen
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Im Mittelpunkt von Lisa Wingates neuem Roman „Die Glasperlenmädchen“ stehen zwei Frauen.
Im Jahr 1875 ist Hannie ein junges Mädchen, welches auch nach Ende der Sklaverei bei ihren ehemaligen Besitzern ...

Im Mittelpunkt von Lisa Wingates neuem Roman „Die Glasperlenmädchen“ stehen zwei Frauen.
Im Jahr 1875 ist Hannie ein junges Mädchen, welches auch nach Ende der Sklaverei bei ihren ehemaligen Besitzern geblieben ist. Ihr Ziel ist es, ein eigenes Stück Land zu besitzen, wovon sie nur noch ein Jahr entfernt ist. Doch dann verschwindet William Gossett, der Eigentümer der Farm und sie hat Angst, dass seine Frau sich nicht an die Abmachung halten wird. Durch Zufall erfährt sie, dass sich seine Töchter auf die Suche nach ihrem Vater machen und sie schließt sich heimlich den beiden an. Es beginnt eine Odyssee, in der sich die drei jungen Frauen mehr als einmal in Lebensgefahr befinden.
Der zweite Erzählstrang spielt 100 Jahre später. Benedetta Silva, genannt Benny, ist eine junge Lehrerin, die ihre erste Stelle antritt. Sie ist voller Motivation und Hoffnungen, doch die Schüler entpuppen sich als wilde Rasselbande, die ihre Bemühungen boykottieren. Erst, als sie ein Projekt ins Leben ruft, bei dem es darum geht, mehr über die Vergangenheit des Ortes und die damaligen Bewohner zu erfahren, sind die Kinder plötzlich Feuer und Flamme. Sehr zum Ärger mancher Einwohner, denn nicht jeder möchte, dass dunkle Familiengeheimnisse ans Tageslicht gezerrt werden.

Nach dem ich vor zwei Jahren „Die Libellenschwestern“ förmlich verschlungen hatte, habe ich mich wahnsinnig gefreut, als ich gesehen habe, dass Lisa Wingate einen neuen Roman veröffentlicht hat. Mit großer Vorfreude griff ich zu diesem Buch um leider festzustellen, dass
dies keine zweiten „Libellenschwestern“ sind. Bis zum Ende ist es mir nie richtig gelungen, in die Geschichte einzutauchen. Wenn ich erst einmal mit dem Lesen begonnen hatte, dann fand ich ich die Handlung interessant genug, um dabeizubleiben, aber ich hatte nie das Gefühl, unbedingt weiterlesen zu müssen. Die Charaktere waren für mich nicht wirklich greifbar. Am ehesten spürte ich noch eine Verbindung zu Benny, die mit ihrer großen Liebe für Bücher und ihrem Engagement für ihre Schüler ein Mensch ist, den man einfach mögen muss.
Mit Hannie hatte ich großes Mitgefühl. Sie steht stellvertretend für so viele Schicksale und es ist einfach schrecklich, dass Menschen versklavt wurden, dass sie kein Geld verdient haben, geschlagen und missbraucht wurden und dies alles als völlig akzeptabel galt. In dem Buch sind immer wieder Anzeigen abgedruckt von ehemaligen Sklaven, die ihre Familienangehörigen suchen. Diese Annoncen beruhen auf wahren Gegebenheiten. Jedes Mal, wenn ich Formulierungen wie „mein Besitzer“, „wir wurden gehalten“ oder ähnliches las, lief es mir eiskalt den Rücken herunter, so schrecklich finde ich diese Vorstellung. Hannies Erzählstrang hatte für mich so viel Potenzial. Leider entwickelte er sich in eine völlig andere Richtung, als ich erwartet hatte. Ich dachte, es ginge mehr darum, wie sich das Leben nach der Befreiung der Sklaven gewandelt hat. Tatsächlich handelt es sich hier allerdings eher um eine Art Abenteuerroman. Bei ihrer Suche nach William Gossett geraten die drei jungen Frauen immer wieder an Verbrecher, müssen sich verstecken und um ihr Leben kämpfen. Irgendwie hatte ich mir vorgestellt, dass die drei Freundinnen werden, so richtig ist dies allerdings nicht der Fall. Die beiden Schwestern Juneau Jane und Lavinia blieben für mich immer blass und eindimensional. Ich hatte den Eindruck, auch die Autorin wusste mit Lavinia nicht wirklich viel anzufangen, denn es wurde ein Weg gefunden, sie quasi den kompletten Roman über an den Rand zu schieben.
Am interessantesten fand ich die bereits erwähnten Zeitungsanzeigen.

Obwohl ich die Protagonistin Benny sehr mochte, empfand ich ihren Handlungsstrang als sehr konstruiert, um einen Aufhänger zu haben, um an die Vergangenheit zu erinnern. Am Ende fügt sich alles sehr glatt zusammen.
Den deutschen Titel „Die Glasperlenmädchen“ finde ich nicht optimal gewählt. Hannie trägt zwar eine Kette mit Glasperlen aber die anderen Mädchen (und Jungs) mit den Perlenketten treten nicht wirklich in Erscheinung.

Als Fazit kann ich sagen, dass ich dieses Buch in Ordnung fand. Von der Storyline her war es auf jeden Fall mal etwas komplett anderes, als ich sonst so lese. Leider bin ich mit zu hohen Erwartungen an den Roman herangegangen, so dass ich etwas enttäuscht am Ende angekommen bin.

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Veröffentlicht am 30.04.2021

Brutaler Thriller, teilweise langatmig

Der Kastanienmann
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Um den Thriller „Der Kastanienmann“ bin ich lange herumgeschlichen. Was mich zögern ließ, war der etwas einschüchternde Umfang von 600 Seiten. Da die Geschichte nun verfilmt wird, habe ich dem Buch endlich ...

Um den Thriller „Der Kastanienmann“ bin ich lange herumgeschlichen. Was mich zögern ließ, war der etwas einschüchternde Umfang von 600 Seiten. Da die Geschichte nun verfilmt wird, habe ich dem Buch endlich eine Chance gegeben und es hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen.
Soren Sveistrup liefert solide Spannung, die mich zwar nicht von den Socken gehauen hat aber stark genug war, um mich auch bei teilweise langatmigen Stellen bei der Stange zu halten. Die Kapitel sind sehr kurz, tatsächlich gibt es 130 Stück, was dazu animiert, dass man immer noch schnell ein paar Seiten liest, obwohl man eigentlich bereits keine Zeit mehr hat.
Der Kriminalfall ist nichts für zartbesaitete Leser. In Kopenhagen werden nacheinander mehrere Frauenleichen gefunden, denen Hände bzw. Füße bei lebendigem Leib abgetrennt wurden. Als Vorlage für diese Verstümmelungen dienen Kastanienmännchen. Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass die Kinder der Frauen Verwahrlosungen bzw. Missbrauch ausgesetzt waren.
In seiner Brutalität ist der Fall definitiv nicht ohne und die Detailliertheit stößt an manchen Stellen ab. Alles passiert innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne, trotzdem kam es mir teilweise so vor, als wenn die Ermittlungen ewig dauern. Das leitende Team besteht aus Nalia Thulin, die den Wechsel in eine andere Abteilung anstrebt und Marc Hess, der genauso wenig an diesem Ort sein möchte, sondern seine Rückkehr zu Europol kaum erwarten kann. Dennoch entwickelt er nach kurzer Zeit eine Besessenheit mit dem Kastanienmann und einem vermeintlich abgeschlossenen Fall um eine verschwundene Politikertochter. Hätte Hess sich nicht so verbissen, wäre dieser Fall vermutlich nie aufgeklärt worden, denn alle anderen Ermittler sind eher halbherzig bei der Sache und nur an einem schnellen Abschluss interessiert.
Der Täter selbst bleibt lange im Dunkeln, es gibt auch keine Kapitel, die aus seiner Sicht geschrieben sind. Ich konnte mir tatsächlich lange nicht vorstellen, wer der Mörder ist und hatte erst im letzten Drittel eine Vermutung, die sich allerdings als falsch herausgestellt. Mir hat sehr gefallen, dass es dem Autor gelungen ist, mich so lange rätseln zu lassen.
Auf den letzten 150 Seiten gewinnt die Handlung ordentlich an Fahrt und wird so spannend, wie ich es mir für das komplette Buch gewünscht hätte.
Es ist nun zwei Jahre her, dass „Der Kastanienmann“ erschienen ist. Ich weiß nicht, ob eine Fortsetzung geplant ist, fände es allerdings schön, wenn Thulin und Hess eine weiteres Mal aufeinander treffen würden.

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Veröffentlicht am 25.04.2021

Gesellschaftskritik

Drei Kameradinnen
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„Drei Kameradinnen“ ist geschrieben wie ein langer Brief. Ohne Unterteilungen in Kapitel berichtet die Ich-Erzählerin Kasih dem Leser von ihrer langen und intensiven Freundschaft mit Hani und Saya und ...

„Drei Kameradinnen“ ist geschrieben wie ein langer Brief. Ohne Unterteilungen in Kapitel berichtet die Ich-Erzählerin Kasih dem Leser von ihrer langen und intensiven Freundschaft mit Hani und Saya und all den Steinen, die den drei jungen Frauen immer wieder in den Weg geworfen werden.
Dabei springt die Geschichte zwischen Gegenwart, später Kindheit und Teenagerzeit hin und her, ohne sich an eine chronologische Reihenfolge zu halten. Verschiedenste Erinnerungsfetzen sprudeln aus Kasih heraus und sie teilt alles ungefiltert mit. Dabei spricht sie den Leser immer wieder direkt an. Ich empfand den Erzählstil als sehr bildhaft und lebendig und dass, obwohl die Autorin viele Details, die man in einem Roman erwartet, auslässt. Zum Beispiel erfährt man nie, aus welchem Land die Protagonistinnen stammen (es wird nur vom „anderen Land“ gesprochen), in welchem Ort das Ganze spielt und auch die Jahreszahlen kann man nur an Hand der beschriebenen Szenarien grob schätzen. Dies ist eine sehr eigenwillige Art des Erzählens. Auch spielt die Autorin mit den Grenzen von Fantasie und Wahrheit. Man kann sich nie ganz sicher sein, was tatsächlich Kasihs Erinnerungen entspringt und was sie sich gerade ausgedacht hat. Ich verstehe es so, dass es hier nicht um Kasih, Hani und Saya im Speziellen geht, sondern dass diese fiktiven jungen Frauen stellvertretend stehen für all die Menschen, die in Deutschland ein neues Zuhause suchen und täglich mit Rassismus, Ausgrenzungen und Vorurteilen wegen ihrer Herkunft konfrontiert sind.
„Drei Kameradinnen“ macht nachdenklich. Hier werden Personen beschrieben, denen Chancen genommen bzw. gar nicht erst gegeben werden, weil sie pauschal abgestempelt und in Schubladen geschoben werden. Diese Ungerechtigkeit ist unglaublich traurig.
Mir fällt es verhältnismäßig schwer, diesen Roman zu rezensieren, da ich mir wünschte, ich könnte mich genauso intelligent ausdrücken wie Shida Bazyar.
Das zentrale Thema sind Vorurteile aufgrund der eigenen Herkunft. Interessant ist hier, dass die Ich-Erzählerin Kasih sich im Grunde genauso verhält, wie sie es ihr ganzes Leben lang erfahren hat. Denn während sie ihr Schicksal beschreibt, steckt sie ebenfalls alle Deutsche und alle Migranten in eine Schublade. Rassismus ist ein großes Problem unserer Gesellschaft. Dennoch bin ich überzeugt, dass nicht alle Deutschen Rassisten sind sowie es auch Migranten gibt, die in Deutschland oder anderen Ländern beruflich erfolgreich sind. Ansonsten wäre die Welt ein Ort ohne Hoffnung.
Für mich ist „Drei Kameradinnen“ eine Form von Kunst, die mit kraftvoller, intelligenter Sprache provoziert und durch eine überspitzte Zeichnung auf die oft verleugneten Schattenseiten unserer Gesellschaft hinweist.

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