Profilbild von Minijane

Minijane

Lesejury Star
offline

Minijane ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Minijane über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.07.2021

60 Jahre Mauerbau

Dreieinhalb Stunden
0

Die Worte des DDR Staats-und Parteichefs Walter Ulbricht: " Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen", entpuppen sich am 13. August 1961 als Lüge, als genau das passiert. Das historische Ereignis des ...

Die Worte des DDR Staats-und Parteichefs Walter Ulbricht: " Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen", entpuppen sich am 13. August 1961 als Lüge, als genau das passiert. Das historische Ereignis des Mauerbaus mitten durch Deutschland, jährt sich im August diesen Jahres zum 60.Mal. Das Buch " 3 1/2 Stunden" von Robert Krause erzählt von den letzten Stunden vor der Granzschließung und den Menschen , die eine Lebensentscheidung treffen mussten: Familie und Freunde oder die Freiheit in einer ungewissen Zukunft.

In der Geschichte begleiten wir ganz unterschiedliche Menschen in dem letzten Interzonenzug von München Richtung Ost-Berlin. Sie alle haben 3 1/2 Stunden Zeit als sich die Nachricht von der Grenzschließung in Windeseile in den Abteilen verbreitet. Die Hintergründe der Reisenden sind spannend zu lesen. Es sind aber zu viele unterschiedliche Personen, als dass der Autor allzu sehr in die Tiefe gehen könnte. Als Buch zum Film, der im August von der ARD ausgestrahlt wird, sind die Kapitel szenisch aufgebaut. Der Roman ist durchaus interessant geschrieben, und ich habe ihn auch gerne gelesen. Die Charaktere konnten mich allerdings in ihrer eher oberflächlichen Beschreibung nicht wirklich berühren. Allerdings hat die Vielzahl der Figuren den Vorteil, dass der Leser immer wieder eine andere Perspektive einnehmen kann. Ob es nun die Familie ist, die durch die Entscheidung Ost oder West auseinanderzubrechen droht, oder die Lokführerin, die sich Freiheit wünscht, aber gar nicht weiß, ob es im Westen weibliche Lokführer gibt, es ist spannend zu sehen, welchen inneren Konflikten jeder einzelne Reisende ausgesetzt war.

Ich mochte das Buch und bin gespannt auf den Film.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.07.2021

Mensch und Maschine

Der Zwillingscode
0

Margit Ruile hat sich in ihrem dystopischen Jugendroman "Der Zwillingscode" einem spannenden Thema gewidmet. Es geht darum, dass die künstliche Intelligenz immer mehr Einzug in unser Leben erhält und die ...

Margit Ruile hat sich in ihrem dystopischen Jugendroman "Der Zwillingscode" einem spannenden Thema gewidmet. Es geht darum, dass die künstliche Intelligenz immer mehr Einzug in unser Leben erhält und die Frage, ob sich der Prozess den der Mensch angestoßen hat vielleicht irgendwann verselbstständigt und der Mensch die Kontrolle verliert.

Mit den Protagonisten der Geschichte machen wir eine Zeitreise ins Jahr 2058. In einer ganz normalen Großstadt, hier München, begegnen wir dem 17jährigen Vincent, der eigentlich studieren könnte, hätte er nicht einen so schlechten Sozialpunktestatus, der das verhindert. Wie es zu dem miserablen Punktestand gekommen ist und wann und warum dieses System eingeführt wurde, erfährt der Leser nicht, aber es zwingt Vincent dazu mit kleinen Reparaturen an mechanischen Haustieren Geld zu verdienen.

Die Autorin entwickelt eine düstere Welt, in der die meisten Tiere ausgestorben sind und durch mechanische Pendants ersetzt wurden . Auch Roboter übernehmen viele Aufgaben der Menschen. Als Vincent und sein Vater auch noch von der Zwangsräumung bedroht sind, versucht er mehr herauszufinden über das System, seine verstorbene Mutter und warum sein Punktestand immer weiter absinkt. Die sympathischen Mitstreiter Delia, Quirin und Zarah stehen Vincent bei seiner Suche zur Seite

"Der Zwillingscode" liest sich flüssig und die Autorin hat auch jede Menge gute Ideen, um die Geschichte voranzutreiben. Dabei bleibt aber die Charakterzeichnung total auf der Strecke. Die Figuren sind leider sehr blass, und ich konnte überhaupt nicht mit ihnen mitfühlen. Das ist so schade, denn die Story ist bis zum Schluss spannend und einfallsreich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.05.2021

Hommage an Spiekeroog

Das Stranddistelhaus
0

Gerade in diesen Zeiten, wo Urlaub aufgrund der Pandemie erst ganz langsam wieder möglich wird, habe ich es sehr genossen mit einem Buch ein bisschen Inselfeeling einzuatmen. Die Dünen, das Meer und das ...

Gerade in diesen Zeiten, wo Urlaub aufgrund der Pandemie erst ganz langsam wieder möglich wird, habe ich es sehr genossen mit einem Buch ein bisschen Inselfeeling einzuatmen. Die Dünen, das Meer und das mehrfach thematisierte Friederikenwäldchen ließen Urlaubsstimmung bei mir aufkommen und mich auf Spiekeroog neugierig werden lassen, eine Insel, die ich bisher noch gar nicht kenne.

Die Autorin, Lina Behrens, entführt ihre Leser in drei Zeitebenen, und wir lernen drei Frauen kennen, deren Verbindung einzig und allein ein Haus, nämlich das titelgebende Stranddistelhaus auf Spiekeroog ist. Erst ganz am Ende werden die Verknüpfungen zwischen den Protagonistinnen sichtbar. Bis dahin fühlt es sich beim Lesen an, wie 3 unabhängige Geschichten.

Da ist zum einen die Geschäftsfrau Rieke, die nach einem Hörsturz auf die Insel kommt, um zur Ruhe zu kommen und über ihre Ehe nachzudenken.

Dann gehen wir in der Zeit zurück ins Jahr 1962, wo wir Viola treffen, die sich um ihre kranke Mutter kümmert und eine Beziehung zu einem verheirateten Mann unterhält.

Im Jahr 1933 treffen wir Silvia und ihren Mann, einem Journalisten,der nach der Machtergreifung Hitler‘s Sorge hat, verhaftet zu werden. Das alles verbindende Element ist die kleine Nordseeinsel , die geruhsame Lebensweise und eine Dorfgemeinschaft, die sich umeinander kümmert. 1933 war diese eher kleine Gemeinschaft allerdings nicht unbedingt ein Vorteil wenn man verschwinden wollte, zumal die Nazis selbst in dieser Idylle ihre Anhängerschaft hatten.

Die locker, leichte Erzählsprache entspricht dem Genre, und die Protagonisten waren mir sympathisch, so dass man sich gut mit ihnen identifizieren konnte. Natürlich werden auch Klischees bedient. „ Das Stranddistelhaus“ ist ein schöner Wohlfühlroman, den man im Liegestuhl mit einer Tasse Ostfriesentee genießen kann, der zwar vorhersehbar ist, bei dem man sich aber auch wegträumen kann.



Bewertung 3,5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2021

Nachkriegsschweigen

Ada
0

Ada“ ist das 2.Buch des Schauspielers Christian Berkel, der sein hochgelobtes, von mir noch nicht gelesenes Debüt mit „Der Apfelbaum“ hatte, in dem er seine eigene Familiengeschichte verarbeitet hat. „Ada“ ...

Ada“ ist das 2.Buch des Schauspielers Christian Berkel, der sein hochgelobtes, von mir noch nicht gelesenes Debüt mit „Der Apfelbaum“ hatte, in dem er seine eigene Familiengeschichte verarbeitet hat. „Ada“ knüpft an den 1. Band an. Die Ich -Erzählerin ist allerdings die fiktive ältere Schwester des Autors, wächst als Kind einer jüdischen Mutter vaterlos in Buenos Aires im Exil auf, bevor sie 1955 nach Deutschland zurückkehrt.

Das spießige Nachkriegsdeutschland lässt keine Fragen nach der Vergangenheit zu und so gerät Ada in eine Identitätskrise. Ihr wird ein Vater präsentiert, von dem sie nicht sicher ist, ob es wirklich ihr Vater ist. Sie wächst katholisch auf, weiß nicht einmal, dass ihre Mutter eigentlich Jüdin ist und wird durch die Geburt des kleinen Bruders endgültig in die Außenseiterrolle gedrängt. Diese schweigende Generation, die Deutschland in Schutt und Asche gelegt hat und dann nicht mehr darüber sprechen wollte, sondern nur noch vergessen, hinterlässt Spuren. Jahre später arbeitet Ada ihre Geschichte mit Hilfe eines Psychologen auf. Da hat sie eine bewegte Jugend hinter sich, hat die Hippiebewegung und die Studentenproteste miterlebt, sich den Drogen hingegeben und endlich auch ein Stück ihrer Geschichte wieder ausgegraben.

Ich hatte das Buch als Hörbuch vorliegen, dass vom Autor selbst vorgelesen wird. Zunächst war es für mich etwas irritierend, dass Christian Berkel seine weibliche Protagonistin nicht mit einer weiblichen Sprecherin besetzt hat, aber er liest wirklich hervorragend und man gewöhnt sich an den Erzählton.

Auch der Sprachstil hat mir sehr gut gefallen. Der Autor ist nicht nur ein toller Schauspieler, er kann auch wirklich schreiben. Es gab ein paar Längen, und leider konnte ich Ada nicht wirklich nahe kommen. Trotzdem hat mir das Buch im Großen und Ganzen ganz gut gefallen, und man konnte auch ohne Kenntnis des 1.Teils gut hineinfinden.



Bewertung 3,5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.04.2021

Ganz nett

Und dann war es Liebe
2

Der Roman beginnt mit einer romantischen Reise nach Venedig, nun ja, eigentlich erst mit dem etwas chaotischen Ende. Hannah und Simon erwischen noch in letzter Minute ihren Zug nach Amsterdam, denn im ...

Der Roman beginnt mit einer romantischen Reise nach Venedig, nun ja, eigentlich erst mit dem etwas chaotischen Ende. Hannah und Simon erwischen noch in letzter Minute ihren Zug nach Amsterdam, denn im Anschluss an diesen Urlaub wollen sie noch zur Hochzeit von Simon's Schwester Sylvie nach Holland fahren. Das gebuchte Schlafwagenabteil ist auch noch doppelt belegt, und so wird es weniger gemütllich und romantisch für die beiden als von Simon geplant. Als dann Hannah noch das Abteil wechselt, um Simon nicht im Schlaf zu stören, dann selber einschläft und beim Aufwachen feststellt, dass der Zug in der Nacht geteilt wurde und sie sich im falschen Teil befindet, ist es sehr fraglich ob sie die Hochzeitsgesellschaft noch rechtzeitig erreichen kann. Jetzt ist sie jedenfalls erst einmal in Paris und mit ihr Leo, dem das gleiche Mißgeschick passiert ist.


Was folgt ist das Zusammenraufen von Hannah und ihrem miesepetrigen Mitreisenden, der ziemlich sauer ist, weil er einen wichtigen Geschäftstermin in Amsterdam verpasst hat. Ob aus Schuldgefühl , es ist wohl unbestritten Leo's Schuld, dass sich Hannah auch noch den Fuß verknackst, oder doch ein bisschen aus Sympathie, die beiden verbringen einen gemeinsamen Tag in Paris zusammen, und dieser Tag wirft einige Fragen auf.


Hannah's chaotische und unselbstständige Art war zwar sympathisch aber auch etwas gewöhnungsbedürftig. Offenbar hat sie in ihrer Beziehung zu Simon das Heft komplett aus der Hand gegeben. Entsprechend hilflos wirkt sie deshalb auch bei ihrer Aankunft in Paris und mit der Organisation ihrer Weiterreise. Leo ist zunächst einmal einfach schlecht drauf, arrogant und unsympathisch entpuppt sich dann aber doch als Sympathieträger. Bei Simon ist es genau umgekehrt. Ihn mochte ich im Verlauf der Geschichte immer weniger.


Ein Roadtrip durch Paris macht Lust auf diese tolle Stadt und deren kulinarische Köstlichkeiten, denn gegessen wird gefühlt an jeder Ecke. Die Geschichte ist locker flockig aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Hannah geschrieben. Es war eine leichte Liebesgeschichte ohne große Überraschungen, die man gut zwischendurch lesen kann. Positiv fand ich, dass Hannah eine Entwicklung durchmacht zu einer selbstbewussteren und auch selbstständigeren Persönlichkeit. Für eine romantische Liebesgeschichte kamen mir aber auch die Emotionen etwas zu kurz und ich konnte den "Funkenflug" nicht wirklich nachfühlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Handlung
  • Gefühl
  • Charaktere
  • Erzählstil