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Veröffentlicht am 11.09.2021

Mylord Merridew nicht minder erfolgreich

Noch ein Mord, Mylord
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Mit diesen süffisanten Geschichten stellt Ralf Kramp einen zweiten Spürnasenkrimi vor. Einige Leser werden sich vielleicht an »Ihr Mord, Mylord« erinnern. Es ist ein Spürnasenkrimi im doppelten Sinne. ...

Mit diesen süffisanten Geschichten stellt Ralf Kramp einen zweiten Spürnasenkrimi vor. Einige Leser werden sich vielleicht an »Ihr Mord, Mylord« erinnern. Es ist ein Spürnasenkrimi im doppelten Sinne. Einerseits werden die Leser zur Spürnase und können versuchen, die verzwickten Fälle zu lösen, die Lord Merridew und Nigel Bates aufklären. Andererseits wandelt Ralgf Kramp auf den Spuren solch großer Spürnasen wie Sherlock Holmes, Miss Marple oder Hercule Poirot.

In dem vorliegenden 350 Seiten starken Buch wurden fünf Kriminalgeschichten, die in den 1950er und 1960er Jahren in England spielen, genüsslich dargeboten. Die Liebe zu den klassischen Ermittlern und dem britischen Lebensgefühl ist Ralf Kramp anhand dieser Geschichten anzumerken.

In den Geschichten werden Morde, Entführungen, Diebstähle und andere Verbrechen aufgeklärt. Wen wundert es, dass in einer sogar Marilyn Monroe während eines Drehaufenthaltes in England entführt wird. Und beim Verschwinden des Bombay Saphirs finden sich die Leser auf einem britischen Schloss wieder, welches eine gewisse Ähnlichkeit zu Downton Abbey nicht leugnen kann.

Aber Ralf Kramp lässt nicht nur die berühmte Diva auf der Bühne erscheinen. Die Leser werden auch den einen oder anderen Prominenten entdecken können, wenn sie selbst gerne in britischen Gefilden, sei es Roman, Kino oder TV-Serie, wandeln.

Ich habe jede dieser Geschichten genossen. Es sind knifflige Wohlfühlgeschichten, in die man bei einer Tasse Tee eintauchen und sich verirren kann. Am Ende ist man immer wieder baff, wie plausibel Mylord Merridew die Fälle löst. Sehr zu empfehlender Roman.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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Veröffentlicht am 26.05.2021

ein quirliges Durcheinander

Agatha Raisin und der tote Auftragskiller
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Als ich »Agatha Raisin und der tote Auftragskiller« von M.C. Beaton las, kam mir als Erstes in den Sinn, wie treffend die Fernsehmacher der britischen TV-Serie um die Protagonistin Agata Raisin den Romanen ...

Als ich »Agatha Raisin und der tote Auftragskiller« von M.C. Beaton las, kam mir als Erstes in den Sinn, wie treffend die Fernsehmacher der britischen TV-Serie um die Protagonistin Agata Raisin den Romanen nachempfunden haben.

Es ist alles ein quirliges Durcheinander in der beschaulichen, ländlichen Idylle der Cotswolds. Aufgedreht, überspitzt, humorvoll und dazu ausnahmslos exotische und extravagante Figuren. „Normalos“ sucht man vergeblich.
Doch worum geht es in diesem Krimi von M.C. Beaton?

Agatha hat in Frankreich den Entschluss gefasst, aus ihren bisherigen Amateurermittlungen eine richtige gewerbsmäßige Privatdetektei zu machen. Sofort bewirbt sich eine selbstbewusste Nachbarin, um eine Stelle in der Detektei. Agatha muss ihr den Job geben, denn ihren ersten Fall löste diese mit Bravour. Dabei ging es um eine vermisste Katze. Ein Anfang war gemacht. Es kamen weitere Aufträge hinzu, auch Personenschutz. Bei allem berkommt Agatha viel Hilfe von Freunden und Nachbarn, obwohl sie zunächst von vielen Dorfbewohnern nicht erwünscht ist, weil sie mit ihrem Büro das Verbrechen ist Dorf holt.

Die Spannung dieses Romans baut sich anhand der Verbrechen auf. Was mit einer Katze anfängt, über die Bedrohung eines Menschen bis hin zum Mord geht.

Humorvoll und chaotisch sind die Beziehungen aller Leute untereinander. Es gibt ständig Zoff. Immer ist jemand beleidigt. Aber es wird sich auch wieder vertragen. Ein ständiges hin und her, bei dem der Leser den Durchblick behalten muss, was natürlich zusätzlich für Spannung sorgt.

M.C. Beaton präsentiert einen lesenswerten, amüsanten und spannenden Krimi für Leser mit britischen Schwächen. Wer Cornwall, England oder Schottland in der Literatur und Unterhaltung mag, der sollte auf M.C. Beaton nicht verzichten!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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Veröffentlicht am 18.05.2021

Remy Eyssen und der siebte Fall für Leon Ritter

Verhängnisvolles Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 7)
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Dieser Roman ist ein weiterer Südfrankreich-Krimi von Remy Eyssen. Erneut ist in diesem Kriminalroman der deutsche Leon Ritter, seines Zeichens Gerichtsmediziner in Le Lavandou, die Hauptfigur und der ...

Dieser Roman ist ein weiterer Südfrankreich-Krimi von Remy Eyssen. Erneut ist in diesem Kriminalroman der deutsche Leon Ritter, seines Zeichens Gerichtsmediziner in Le Lavandou, die Hauptfigur und der Ermittler. Es ist mittlerweile der siebte Fall bzw. Band mit ihm.

Im unwegsamen Gelände wird nah am Wasser und im Schlamm die Leiche eines kleinen Jungen gefunden. Offensichtlich ist er nordafrikanischer Abstammung. Er war in einem Plastiksack eingeschnürt und trug Mädchenkleidung. Dr. Leon Ritter wurde an den Ort gerufen.

Das zweite Opfer ist ein Apotheker, der beim sportlichen Radfahren eine Felsabhang hinunter stürzt und dann erschlagen wird. Und schließlich gibt es noch den angehenden Bischof, der keine Skrupel hat, seine Kirche zu betrügen und sehr viel Geld zu veruntreuen.

Diese Verbrechen werden schnell kurz aufeinander präsentiert. Als Leser beginnen die Spekulationen in alle Richtung zu laufen, aber keine Sorge, denn für Spannung hat Remy Eyssen gesorgt.

Remy Eyssen sorgt auch an anderer Stelle für ein besonderes Wohlfühlklima, denn die Figuren werden passend beschrieben, die dafür benutzten Bilder und Vergleiche sind einprägsam und bleiben dem Leser im Kopf. Das erweckt beim Leser den Eindruck, als würde er die Figuren alle persönlich kennen und sei mit ihnen auf du und du.

Wie so viele andere deutsche Autorinnen und Autoren hat auch Remy Eyssen seine Handlung in eine französische Region verlegt. Allerdings schafft es kaum einer von ihnen – obwohl ihre Bücher durchaus in den Bestseller-Listen ranken – , eine solch süffisante, angenehm lesbare Athmosphäre zu schaffen, wie dieser Autor. Das lässt seine Bücher herausragen.

Dieser Roman immer eine starke Empfehlung wert!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 11.05.2021

eine Spur von der Vergangenheit in die Gegenwart

Kronsnest
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Dies ist ein Entwicklungsroman, der erneut zeigt, wie aktuell doch die Vergangenheit sein kann.

Die Handlung beginnt in den späten 1920er Jahren auf dem Lande in der Elbmarsch Norddeutschlands. Den Bauern ...

Dies ist ein Entwicklungsroman, der erneut zeigt, wie aktuell doch die Vergangenheit sein kann.

Die Handlung beginnt in den späten 1920er Jahren auf dem Lande in der Elbmarsch Norddeutschlands. Den Bauern geht es schlecht, weil die Politik kaum Anstalten machte, ihre Lage zu verbessern. Da agieren unterschiedliche Gruppen, um gegen die praktizierten Regeln vorzugehen. Unter anderem auch die aufkommenden braunen SA-Truppen. Als schützende Hand geben sie vor, sich für die Bauern einzusetzen.

Doch Hannes, der Protagonist in »Kronsnest«, mag in dieser Situation nicht einfach nur zwischen Schwarz und Weiß unterscheiden. Er ist der Meinung, dass man sich nicht bedingungslos jeder neuen Strömung anschließen sollte.

»Kronsnest« ist ein Entwicklungsroman, weil wir Hannes dabei zusehen, wie er groß, stark und erwachsen wird. Er braucht viel Kraft, um sich gegen seinen Vater durchzusetzen, der den Freund von Hannes bevorzugt. Die Mutter möchte ihren Sohn zwar unterstützen, jedoch ist sie zu schwach gegenüber ihrem Mann. Der Mann bricht nicht nur dem Hund die Knochen, auch Hannes muss sehr unter ihm leiden .

Florian Knöppler hat einen beeindruckenden Roman geschrieben, der aufgrund der wirtschaftlichen Lage zur damaligen Zeit zwar düster ist, aber immer wieder helle Momente hat. Und weil zum Erwachsenwerden auch die aufkeimende Liebe zum anderen Geschlecht gehört, gibt es auch einige romantische Szenen in diesem Roman.

Die Dorfgemeinschaft in der Elbmarsch wird mikroskopisch auseinandergenommen. Die Figuren mit ihren Eigenschaften bilden den Mittelpunkt. Dabei bleibt es nicht nur bei Hannes und seiner Familie. Die Leser lernen sehr viele andere Leute kennen. Detailreich werden deren Einstellungen und Handlungsweisen begründet, so dass man die scheußlichsten Handlungen zwar nicht gutheißen, aber doch verstehen kann.

Der empfehlenswerte Roman »Kronsnest« von Florian Knöppler zeigt einen Spiegel der heutigen Gesellschaft anhand einer Handlung, die vor fast einhundert Jahren spielt. Ein Roman, der zum Innehalten und Nachdenken anregt.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

Veröffentlicht am 05.05.2021

immer für eine Überraschung gut

Betty
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Dieser Roman von Georges Simenon entführt in das Paris, welches abseits der großen Boulevards in den kleinen Gassen und Straßen stattfindet.

Wir lernen in diesem Roman von George Simenon Elisabeth kennen. ...

Dieser Roman von Georges Simenon entführt in das Paris, welches abseits der großen Boulevards in den kleinen Gassen und Straßen stattfindet.

Wir lernen in diesem Roman von George Simenon Elisabeth kennen. Elisabeth hat in eine snobistische Familie eingeheiratet. Damals lebte das Oberhaupt, der General, noch. Wir treffen Elisabeth, die gerne als Betty von sich spricht, in einem kleinen Restaurant. John, der englische Doktor, spricht sie an und lädt sie zu einem Getränk ein. Betty lässt sich verführen. Sie schlägt keinen Drink aus. Im Gegenteil: Sie scheint mehr als der Engländer zu trinken. Sie blamiert sich im Lokal, weil sie sternhagelvoll ist. Eine Frau, ebenfalls Gast hier, nimmt sie mit in ihr Hotel und unter ihre Fittische.

Aus dieser Begegnung entwickelt sich die Geschichte von Betty, die vor zwei Tagen ihre Familie verlassen hat und auf der Suche nach einem eigenen Leben ist.

Der Roman wurde 1960 veröffentlicht. Dennoch hat er nichts von seiner Aktualität verloren. Wenn von Telefon gesprochen wird, kann der Leser blitzartig auch das Bild eines Smartphones vor Augen haben. Es war wohl vielleicht mein Wissen um diesen Roman, wenn mir die Geschichte ein Gefühl der 1950er Jahre verlieh. Wie sollte es anders sein, als würde der Pariser Charme einer Zeit von Simon Signoret oder Serge Gainsbourg aus ihm sprechen.

Auch wenn es kein Kriminalroman mit Maigret ist, sollte sich kein Leser täuschen lassen und am Anfang schon glauben er wisse, worauf das alles hin ausliefe.

Georges Simenon ist immer für eine Überraschung gut. Deswegen und vor allem wegen des ruhigen Stils ist der Roman sehr gut zu empfehlen, nicht nur für Paris-Liebhaber.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2021

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