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Veröffentlicht am 13.05.2021

Beste Freundin

Letzte Ehre
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Die 16jährige Finja ist verschwunden. Ist sie abgehauen, ist ein Unglück geschehen oder ist sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Die Lage ist unklar. Ihr Verschwinden wurde nicht gleich gemeldet. Vielleicht ...

Die 16jährige Finja ist verschwunden. Ist sie abgehauen, ist ein Unglück geschehen oder ist sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Die Lage ist unklar. Ihr Verschwinden wurde nicht gleich gemeldet. Vielleicht ist sie auch zu ihrem leiblichen Vater unterwegs. Kommissarin Fariza Nasri vernimmt die Mutter, den Stiefvater, die Freunde. Können sich die Ereignisse so abgespielt haben, wie sie erzählt werden? Die Polizistin wird misstrauisch und bohrt weiter nach. Irgendwie findet sie nicht die Geschichte, nach der sie gesucht hat, sondern eine ganz andere. Doch diese andere ist schlimmer.

Nachdem Kommissarin Nasri in die Provinz versetzt wurde, hat sie eine zweite Chance bekommen. Sie ermittelt wieder bei der Kriminalpolizei. Immer noch ist es ihr erstes Anliegen, den Opfern zu ihrem Recht zu verhelfen. Selbst wenn diese verstorben sind soll ihnen Gerechtigkeit widerfahren. Dabei geht die Beamtin äußerst einfühlsam und aufmerksam vor. Sie nimmt auf, was die Menschen ihr anvertrauen, sie wiegt sie, sie wägt ab. Und irgendwann kommt der zündende Gedanke. Doch manchmal kann sich Fariza nicht bremsen. Und dann gerät ihre Rückversetzung in Gefahr, denn im Kommissariat sind ihr nicht alle wohlgesonnen. Kann sie gleichzeitig sich selbst treu bleiben und ihre Stelle behalten?

Dieser sehr düstere Kriminalroman lockt einen in einen Irrgarten aus dunklen Machenschaften, unausgesprochenen Gedanken und unterschwelligen Gefühlen. War Fariza Nasri ihr Weg vorbestimmt? Eine melancholische Frau, die immerhin zwei enge Freundinnen hat, von denen eine ihre Beste ist. Ihr untrügliches Einfühlungsvermögen führt sie häufiger zum Täter, macht sie aber seltsamerweise nicht beliebt bei ihren Kollegen. Fast schon widerwillig wird ihre Leistung anerkannt. Es schein, als werde lieber jede Gelegenheit genutzt, sie zu diskreditieren. Zwar wünscht man sich manchmal etwas Gradlinigkeit. Allerdings versteht es der Autor dennoch einen in den Bann zu ziehen, indem er den Ereignissen einfach ihren Lauf lässt. Ein düsterer Mahlstrom, dem man unweigerlich ausgeliefert ist.

Veröffentlicht am 02.05.2021

Tödliche Nacht

Tod in stiller Nacht
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Die Journalistin Jeanette Thiels wird am zweiten Weihnachtstag im Garten des Hotels, in dem sie sich einquartiert hatte, tot aufgefunden. Kommissar Thomas Andreasson, der gerade mit seiner Familie auf ...

Die Journalistin Jeanette Thiels wird am zweiten Weihnachtstag im Garten des Hotels, in dem sie sich einquartiert hatte, tot aufgefunden. Kommissar Thomas Andreasson, der gerade mit seiner Familie auf den Inseln weilt, fährt mit dem Taxiboot nach Sandhamn, um festzustellen, ob es sich um einen Unfall oder Schlimmeres gehandelt haben könnte. Die Tote sieht zwar sehr friedlich aus, aber ihr Zimmer scheint durchsucht worden zu sein. Also entscheidet Thomas, dass die Sache genauer untersucht werden sollte. Bald stellt sich heraus, dass sich die Journalistin sowohl durch ihre Arbeit als auch im Privaten Feinde gemacht hatte.

In seinem sechsten Fall geht es Thomas Andreasson, Frau und Tochter angesichts eines Schicksalsschlags, den sie erlitten hatten, recht gut. Vielleicht macht gerade sein privates Glück Thomas empfänglicher für das Leid anderer oder die Ungerechtigkeit in der Welt. Jedenfalls bereitet ihm schon der Fundort der Leiche Unbehagen. Und dies verschlimmert sich beim Anblick des durchwühlten Zimmers. Dennoch erscheint es zunächst kaum vorstellbar, dass diese unbescholtene Frau einen Anlass gegeben haben könnte, sie umzubringen. Natürlich stellt sich im Laufe der Untersuchung heraus, dass Jeanette Thiels einen vielschichtigen Charakter hatte, mit dem sie aneckte und für den sie gemocht wurde.

Wenn man eine Weile mit der Lektüre dieser Reihe pausiert hat, freut man sich zunächst alte Bekannte wieder zu treffen. Es ist schön zu lesen, wie sich Thomas und Pernilla eingerichtet haben. Schnell kommt man zum Fall einer verängstigten Frau, die sich auf Sandhamn sicher glaubte. Gefesselt taucht man in die Geschichte einer Frau ein, die trotz ihrer großen journalistischen Leistungen, in der Familie nicht so gut zurechtkam und beruflich einigen mit unbequemen Fragen auf die Füße getreten ist. Spannend auch wie Thomas Andreasson und seine Kollegen an den Fall herangehen und immer neue mögliche Zusammenhänge ausgraben. Diese Reihe liest man gerne und die Pause bis zum nächsten Band wird wesentlich kürzer ausfallen.

Veröffentlicht am 01.05.2021

Der Einsame

Der Winter des Propheten
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Vor Jahren hat der Student Elias seine Mutter verloren und nun muss er die Nachricht verkraften, dass sein Vater bei einem Anschlag ums Leben gekommen ist. Auch die zweite Frau von Anders ist am Boden ...

Vor Jahren hat der Student Elias seine Mutter verloren und nun muss er die Nachricht verkraften, dass sein Vater bei einem Anschlag ums Leben gekommen ist. Auch die zweite Frau von Anders ist am Boden zerstört. Eine enge Kollegin des Vaters Ylva Grey kommt war bei dem Anschlag in der Nähe, sie musste Anders identifizieren. Ylva trifft sich mit Elias und Marie-Louise, um ihnen ein paar persönliche Sachen zu bringen. Sowohl Ylva als auch Elias haben den Eindruck, dass mit dem ganzen Szenario irgendetwas nicht stimmt. Zunächst noch getrennt und später gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wie es zu diesem Anschlag kommen konnte.

Bei diesem Thriller handelt es sich um den ersten Band einer dreiteiligen Reihe um Elias Krantz, der in seiner Jugend der „Prophet“ genannt wurde. Ein Spitzname, den er nicht mal mochte. Elias kämpft nicht nur mit seiner Trauer um den Vater, er hat auch noch ein anderes Problem, mit dem er sich niemandem anvertrauen kann. Das macht den Verlust des Vaters noch größer. Und die Situation ist überhaupt sehr unheimlich, denn Anders Unterlagen sind von seinem Arbeitsplatz verschwunden und wurden auch von daheim abgeholt. Was soll da geheim gehalten werden und wer hat ein Interesse an der Geheimhaltung?

Elias wirkt ein wenig wie der einsame Wolf, seine Eltern sind nicht mehr. Doch bevor sich Elias lösen kann, will er unbedingt wissen, an was sein Vater gearbeitet hat und wieso er sterben musste. Wie kommt Elias in dieser absoluten Ausnahmesituation zurecht, findet er Hilfe und Unterstützung? Und Ylva? Auch sie muss den Tod von Anders verarbeiten und gleichzeitig weiter ihre Frau stehen. Man fühlt mit den Protagonisten, die durch die Trauer gezeichnet sind und sich durch die Umstände bedingt schneller anpassen müssen und kaum Abschied nehmen können. Über allem liegt die kühle Stimmung der dunklen Jahreszeit. Auch wenn es in diesem Roman zu ein paar Todesfällen kommt, die von außen betrachtet nicht hätten sein müssen, so ist dieses Buch doch ausgesprochen fesselnd. Man kann einfach nicht erraten, wer da wie und wieso verstrickt ist. Man muss eben weiterlesen.

Veröffentlicht am 25.04.2021

Papierflieger

Schwarzwälder Morde
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Das Wetter ist schön und die Bürger von Wildbad haben etwas Besseres zu tun als ihre Polizei zu beschäftigen. So kommt es, dass ein Papierflieger durch das Fenster der Wache entflieht. Zum Glück können ...

Das Wetter ist schön und die Bürger von Wildbad haben etwas Besseres zu tun als ihre Polizei zu beschäftigen. So kommt es, dass ein Papierflieger durch das Fenster der Wache entflieht. Zum Glück können die Kommissare ihre Anzeige retten. Bald wird die Ruhe gestört, denn einem Böblinger Anwalt sind die Reifen seines Sport SUV zerstochen worden. Es ist bekannt, dass Streitigkeiten zwischen ihm und dem örtlichen Schnapsbrenner bestehen. Kein Wunder, dass die ersten Ermittlungen zur Brennerei mit den neuen Verkostungsräumen führen. Willi Hauck streitet jedoch jede Beteiligung an der Tat ab, die für ihn kaum mehr als ein Bubenstreich ist.

In seinem zweiten Fall ermittelt der Schwarzwaldbulle Justin Schmälzle, dessen leibliche Mutter aus Haiti stammt, gekonnt. Mit dem Dialekt der Ortsansässigen tut er sich noch schwer, aber manchmal kann er seinen Kollegen und Postenleiter Scholz mit seinen Sprachkenntnissen überraschen. Ja, Schmälzle wird sich einleben. Schließlich muss auch noch der erworbene Bungalow renoviert um nicht zu sagen saniert werden. Eine Aufgabe, die sich gut aufschieben lässt, die Arbeit geht schließlich vor. Wie allerdings sind die beiden Kontrahenten aneinander geraten? Sowohl die geplante Ferienanlage als auch der neue Brennereianbau könnten zur Touristenattraktion werden. Wären da nur nicht die Grundstücksgrenzen, die sich nicht an die Vorstellungen der Eigentümer halten.

Auf spannende Weise werden hier Vergangenheit und Gegenwart verwoben. Schmälzle setzt seinen Ehrgeiz daran eine alte Sache aufzuklären, ohne zu ahnen wie sehr das in den neuen Fall hineinspielt. Als Leser ist man gepackt und neugierig auf die Entdeckungen, die einem bevorstehen. Wenn die Charaktere der Ermittler noch etwas klarer herausgearbeitet sein könnten, so erfährt man doch genug, dass einem beide Kommissare auf andere Art sympathisch werden. Auch wird durch einige Andeutungen das Interesse an einem möglichen nächsten Fall geweckt. Doch zunächst bleibt man gefesselt von dieser Handlung und genießt das Drumherum des Schwarzwalds, welches sicher mal zu einer Reise einladen könnte.

Veröffentlicht am 24.04.2021

Dsa Geschenk

Mord frei Haus
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Daphne und ihr Mann Francis wollen den Morgen bei einem Sonnenaufgang an Land’s End genießen. Doch die Freude und Ruhe währen nicht lange. Zunächst stößt der Vogelbeobachter Eddie zu ihnen, der sich an ...

Daphne und ihr Mann Francis wollen den Morgen bei einem Sonnenaufgang an Land’s End genießen. Doch die Freude und Ruhe währen nicht lange. Zunächst stößt der Vogelbeobachter Eddie zu ihnen, der sich an dem Picknick gütlich tut. Und dann ruft Daphnes Cousine Annabelle an. Vor ihrer Haustür liegt die Leiche des ungeliebten Nachbarn, der Annabelle und nicht nur ihr das Leben schon seit längerem schwer gemacht hat. Selbstverständlich eilt Daphne sofort zurück nach Fowey, um ihrer Cousine beizustehen. Francis nimmt wieder daheim einen Termin bei Lady Wickelton, um mit ihr über das Hafenmuseum zu sprechen, das möglicherweise in ihrem Landsitz errichtet werden soll.

Bereits zum dritten Mal trägt Daphne Primrose, die ihren Namen der zu Lebzeiten in der Nähe ansässigen Daphne du Maurier verdankt, nicht nur Post aus. Diesmal ist es ihre Cousine Annabelle, die zwar unverschuldet, aber doch logischerweise unter Verdacht gerät und vor der Verhaftung bewahrt werden muss. Und das obwohl DCI Vincent ihr verbietet rumzuschnüffeln. Als ob Daphne eine Aufforderung gebraucht hätte. Selbstverständlich wird sie herausfinden, wie der Tote in Annabelles Garten gelandet ist und das noch als Geschenk verschnürt. Leider hätte Annabelle, die von dem Nachbarn wirklich drangsaliert wurde, damit ein Motiv gehabt.

Die Cornwall-Krimi Reihe von Thomas Chatwin lädt immer zu unterhaltsamen Lesestunden ein. Natürlich hat man die Bilder vor Augen, die man aus TV-Filmen kennt und vielleicht ist man im Geiste auch schon dabei, die Rollen zu besetzen. Schlägt man das Buch auf, ist es schon ein wenig wie nach hause kommen. Daphne ist eine gewitzte Detektivin, die sich als Postbotin natürlich bestens in Fowey auskennt. Im Gegensatz dazu liegt DCI Vincent mit seinen Einschätzungen manchmal oder auch häufiger mal falsch. Diesmal ist der Fall für Daphne nicht so ganz einfach, weil es sie doch auch persönlich betrifft. Jedenfalls ist es regelmäßig ein Vergnügen Daphne und ihren Freunden literarisch zu begegnen, mehr über Cornwall zu erfahren und wenigstens gedanklich in die Ferne zu schweifen.