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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.05.2021

Die liebe georgische Verwandtschaft

Laudatio auf eine kaukasische Kuh
1

Olga hat es fast geschafft: Nur noch wenige Prüfungen trennen sie vom Ende ihrer Arztausbildung und mit ihrem Verlobten verläuft auch alles geradlinig. Regelmäßig dazwischen funkt allerdings ihre georgische ...

Olga hat es fast geschafft: Nur noch wenige Prüfungen trennen sie vom Ende ihrer Arztausbildung und mit ihrem Verlobten verläuft auch alles geradlinig. Regelmäßig dazwischen funkt allerdings ihre georgische Familie, die so ganz andere Vorstellungen von Olgas Zukunft hat. Und dann lernt sie auch noch Jack kennen, der ihr so schön geordnetes Leben so richtig durcheinanderbringt.
Ein wenig hat mich diese Geschichte an diverse französische Familienkomödien erinnert, die ich furchtbar gerne schaue: Es gibt also jede Menge lustige (und anstrengende) Verwandtschaft, eine ordentliche Prise Chaos, viel zum Lachen und auf jeden Fall auch etwas fürs Herz.
Olga war mir von Anfang an sehr sympathisch. Ich mag ihre ehrliche und direkte Denkweise, wie sie vernünftig zu bleiben versucht, aber dann doch auch mal das Herz oder den Bauch entscheiden lässt. Sie fühlt sich in Deutschland zuhause, ihr familiärer Hintergrund ist ihr zu Beginn der Geschichte eher peinlich, aber sie durchlebt bis zum Ende des Buches eine ganz schöne Entwicklung, die ich ziemlich spannend fand.
Ihr Gegenpol in der Geschichte ist Jack, dessen Leben und Gedanken so ganz anders sind als die von Olga – und trotzdem kann keiner von beiden die Anziehungskraft zwischen ihnen leugnen. Jack ist definitiv speziell, und es gibt einige Situationen, in denen er, wenn man sie isoliert betrachtet, eindeutig Grenzen überschreitet, aber ich muss gestehen, dass ich ihn trotzdem als liebenswürdigen Charakter aufgefasst habe, ohne den mir die Geschichte nur halb so gut gefallen hätte.
Die Teile des Buches, die in Georgien spielen, fand ich besonders gut: Es hat viel Spaß gemacht, dieses mir doch recht unbekannte Land kennenzulernen und etwas über die Kultur, Geschichte und die Menschen dort zu erfahren.
Insgesamt habe ich die Geschichte von Olga sehr gerne gelesen. Ich kann mich an keinerlei Längen erinnern und fand auch den Schreibstil richtig gut. Daher werde ich dieses besondere Buch gerne weiterempfehlen.

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  • Chraktere
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Veröffentlicht am 11.05.2021

Klang- und Gedankenwelten

Der Klang der Wälder
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Gegen Ende der Schulzeit begegnet Tomura dem Klavierstimmer Itadori-san und ist so begeistert vom Klang des Klaviers, dass er daraufhin beschließt, nach seinem Abschluss selbst eine Ausbildung als Klavierstimmer ...

Gegen Ende der Schulzeit begegnet Tomura dem Klavierstimmer Itadori-san und ist so begeistert vom Klang des Klaviers, dass er daraufhin beschließt, nach seinem Abschluss selbst eine Ausbildung als Klavierstimmer zu absolvieren. Die Ausbildung ist jedoch erst der Anfang seines Bestrebens, ebenso gut wie sein großes Vorbild zu werden.
Die Geschichte um Tomura las sich überraschend leicht und schnell, obwohl sich ein Großteil des Buches ausschließlich um dessen Gedanken dreht. Häufig lassen sich die Gespräche und Gedanken rund um das Klavierstimmen im Speziellen und Musik im weiteren Sinne sicherlich auf andere Bereiche des Lebens übertragen. Allerdings stelle ich es mir sehr abstrakt vor, wenn man als Leser selbst gar keinen Bezug zum Klavier hat.
Der Schreibstil ist schlicht und wunderschön poetisch und konnte mich von Anfang an begeistern. Auch wenn die Gedankengänge von Tomura von Zeit zu Zeit abschweifen, empfand ich das immer als passend und nie zu ausschweifend. Die japanische Kultur schimmert natürlich an vielen Stellen durch, aber für mich lag das Hauptaugenmerk auf Tomuras persönliche Entwicklung, die ich sehr gelungen und, ganz ohne jede Action, richtig spannend fand.
Wer gerne einmal Pause von Drama und Action haben möchte und sich für Musik begeistern kann, der wird an dieser ruhigen, aber niemals langweiligen Geschichte viel Freude haben.

Veröffentlicht am 18.04.2021

Unbekannte Familie

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
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Die 27jährige Hannah ist nicht gerade glücklich mit ihrem Leben und hadert unter anderem mit ihrer Dissertation. Bei einem ihrer wöchentlichen Besuche bei ihrer Großmutter stößt sie auf einen Brief aus ...

Die 27jährige Hannah ist nicht gerade glücklich mit ihrem Leben und hadert unter anderem mit ihrer Dissertation. Bei einem ihrer wöchentlichen Besuche bei ihrer Großmutter stößt sie auf einen Brief aus Israel. Da ihre Großmutter Evelyn beharrlich schweigt, macht sie sich selbst auf die Suche, um mehr über die Vergangenheit ihrer Familie herauszufinden.
Die Geschichte spannt sich über knapp hundert Jahre, fast identisch mit der Lebenszeit von Evelyn. Erzählt wird sie aber aus den Perspektiven der Frauen der Familie, angefangen mit Hannahs Urgroßmutter, Evelyns Mutter, zu Beginn der zwanziger Jahre. Ich fand die unterschiedlichen Perspektiven wirklich toll geschrieben und hatte an keiner Stelle Probleme mit dem Wechsel, egal ob zeitlich oder zwischen den Figuren. Jede einzelne der Frauen habe ich gerne gelesen, wobei mir schon Hannah häufig am nächsten stand, da man ja gewissermaßen mit ihr zusammen die Familiengeschichte ergründet.
Ich fand die Geschichte sowohl spannend als auch bewegend. Vor allem hat mich beeindruckt, wie geschickt die Autorin die Beziehungen zwischen den Frauen der Familie schreibt, immer mit vielen Nuancen und Raum für Entwicklung – und kein Schwarzweiß, sondern viele Grautöne. Aber auch Hannahs Entwicklung insgesamt fand ich bis zum Schluss spannend, man hat das Gefühl, dass sie an den Recherchen zu ihrer Familie wächst.
An manchen Stellen gibt es Lücken in der Erzählung der Frauen, die zwar sicherlich absichtlich sind, aber da gab es einige Punkte in den Lebensläufen, zu denen ich mir doch mehr Details gewünscht hätte.
Ansonsten aber habe ich das Buch sehr gerne gelesen und werde es in jedem Fall – allein aufgrund der beeindruckend starken Frauen in dieser Familie – gerne weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 14.04.2021

Katzen und ihre Menschen

Das Geschenk eines Regentages
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Miyu, eine junge Frau, findet an einem verregneten Tag einen ausgesetzten Kater, den sie Chobi nennt. Über diese beiden spinnen die Autoren ein Netz aus Menschen und Katzen, die sich nach und nach begegnen ...

Miyu, eine junge Frau, findet an einem verregneten Tag einen ausgesetzten Kater, den sie Chobi nennt. Über diese beiden spinnen die Autoren ein Netz aus Menschen und Katzen, die sich nach und nach begegnen und miteinander verbunden sind.
Zunächst ist es etwas gewöhnungsbedürftig, eine Erzählung abwechselnd aus Sicht der Menschen und der Tiere zu lesen, aber nach den ersten Abschnitten habe ich schnell Gefallen daran gefunden. Ich mochte die Perspektiven der Katzen, wie sie über ihre jeweiligen Menschen denken und draußen eine Art zweites Leben führen. Die Stimmung ist durchweg leicht melancholisch, aber größtenteils ohne der Traurigkeit zu viel Schwere beizumessen.
Interessant fand ich außerdem die Einblicke in die japanische Kultur und Denkweise. Hier gibt es große Unterschiede zu der unsrigen, genau das macht es aber natürlich besonders interessant.
Etwas schade fand ich, dass man nicht lange bei den einzelnen Figuren verweilt. Zwar tauchen die meisten an späterer Stelle wieder auf, aber bei manchen wäre ich gerne etwas länger geblieben, wenn ich sie schließlich kennengelernt hatte.
Insgesamt hat mir das Buch und die besondere Erzählweise richtig gut gefallen und ich habe es gerne gelesen, wobei ich mir vorstellen kann, dass Katzenfreunde in jedem Fall mehr Freude daran haben werden als andere.

Veröffentlicht am 02.03.2021

Flaschenfee oje

Maxi von Phlip (1). Vorsicht, Wunschfee!
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Als Paula eines Nachmittags die kleine Fee Maxi von Phlip in einer Flasche entdeckt, ahnt sie noch nicht, was eine beurlaubte Wunschfee für ihren Alltag bedeutet. Leider müssen sie gemeinsam feststellen, ...

Als Paula eines Nachmittags die kleine Fee Maxi von Phlip in einer Flasche entdeckt, ahnt sie noch nicht, was eine beurlaubte Wunschfee für ihren Alltag bedeutet. Leider müssen sie gemeinsam feststellen, dass gut gemeinte Taten nicht immer zu guten Taten führen.
Das Buch von Anna Ruhe hat uns zunächst mit seinen außerordentlichen und wunderschönen Illustrationen begeistert. In diesen erkennt man auch gleich, dass Maxi eine etwas andere Fee ist, die doch ein kleines bisschen an den Pumuckl erinnert: Rote Haare, ganz schön wild, nur ein kleines bisschen frech und mit einem Hang zum Chaos. Nicht ohne Grund musste die kleine Fee ein paar Zauberkräfte einbüßen …
Die Abenteuer, die Paula und Maxi gemeinsam erleben, haben uns in jedem Fall gut unterhalten und die Missverständnisse zwischen Mensch und Fee haben für so einige Lacher gesorgt. Gegen Ende fiebert man außerdem ganz schön mit, ob Paula ihr Leben mit Fee überhaupt auf die Reihe kriegt.
Allerdings war es ein bisschen schade, dass sich die Geschichte am Ende nicht ganz so weit entwickelt, wie wir das erwartet hatten. Vermutlich wird sich diese über mehrere Bände ziehen, das hat den großen Spaß leider etwas getrübt – daher nur knappe 4 Sterne.