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Veröffentlicht am 07.06.2021

Frida Kahlo - eine wundervolle Inszenierung

Das Leben ist ein Fest
1

Frida Kahlo machte ihr nicht immer einfaches Leben zu einem Fest - zu ihrem Fest. Bildgewaltig kommt diese Romanbiographie daher, aktiv und dynamisch, energisch und temperamentvoll – so wie die große ...

Frida Kahlo machte ihr nicht immer einfaches Leben zu einem Fest - zu ihrem Fest. Bildgewaltig kommt diese Romanbiographie daher, aktiv und dynamisch, energisch und temperamentvoll – so wie die große mexikanische Künstlerin war.

Nicht chronologisch, aber und vielleicht gerade deswegen sehr lebendig zeichnet Claire Berest das Leben der Frida Kahlo in Auszügen nach. Die Kapitel sind in Farben überschrieben mit Auszügen aus Fridas gemaltem Tagebuch, ein wahrer Farbenrausch genau wie ihre Bilder, ja ihre ganze exotische Erscheinung. Die Autorin brilliert nicht nur in ihrer Erzählweise, sie beschreibt passend zum Text einige ihrer Bilder sehr ausdrucksstark. Jedes einzelne hier inszenierte Werk hatte ich direkt vor Augen.

Als 18jährige durchbohrte bei einem Busunglück eine Stahlstange ihr Becken. Infolge dessen musste sie zeitweise ein Gipskorsett tragen, war ans Bett gefesselt. In dieser Zeit entstand ihr erstes Selbstporträt. Aus ihrem großen Schmerz entstand Großartiges. Sie hat sich nicht geschont, im Gegenteil. Sie lebte, liebte, trank und litt. Hatte ein viel zu kurzes, aber dennoch ein mit allen Sinnen gelebtes Leben.

Frida Kahlo – eine Wahnsinnsfrau. Sie hat sich nicht geschert um Konventionen, hat ihr Leben gelebt. Ihr verwundeter, allzu geschundener Körper machte nicht immer mit, so manchen Rückschlag musste sie ertragen. Frida war ein wahres Kunstwerk genau so wie ihre Werke, ihre Bilder, die es in namhafte Galerien schafften. Claire Berest hat mich mit ihrem rauschenden Fest so richtig neugierig gemacht auf ganz viele weitere sehr interessante Details aus dem schillernden Leben der Frida Kahlo.

Diego Rivera überschritt so manche Grenze. „Wenn ich eine Frau liebe, tue ich ihr weh…“ so redete er sich heraus. In ihm hat sie ihre große Liebe gefunden, er förderte und zerquetschte sie gleichermaßen. Sie konnten nicht lange miteinander, aber auch nicht ohne einander.

Ein wundervolles Buch prall angefüllt mit Leben, facettenreich dargeboten. Vielschichtig wie ihr ganzes viel zu kurzes Dasein lässt die Autorin ihre Leser so manchen Blick hinter die Kulissen werfen, Höhen und Tiefen durchleben. Mit diesem “… Fest“ bin ich Frida Kahlo ein Stück näher gekommen, habe mit ihr gefeiert und getrauert. Alles zu seiner Zeit.

Liegen war ihr immer eine Qual. „Keine Sorge, Liebe meines Lebens, jetzt brauchst du nie mehr zu liegen“ – mit Diegos letzter Liebeserklärung endet dieses exzellente Werk.

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Veröffentlicht am 06.06.2021

Lesegenuss vom Feinsten

Sturmvögel
1

„Eine kleine Frau, ganz groß“ – das würde die Autorin sagen, wenn sie in zwei Sätzen ihren Roman „Sturmvögel“ umreißen müsste. Ihr genügt sogar dieser eine kurze Satz, der ganz viel aussagt.

Emmys Leben ...

„Eine kleine Frau, ganz groß“ – das würde die Autorin sagen, wenn sie in zwei Sätzen ihren Roman „Sturmvögel“ umreißen müsste. Ihr genügt sogar dieser eine kurze Satz, der ganz viel aussagt.

Emmys Leben zählt mittlerweile 86 Sommer. Hineingeboren in eine arme Familie wächst sie auf einer kleinen Nordseeinsel auf. Geprägt von Arbeit ist ihre Kindheit und mit vierzehn dann endgültig zu Ende, sie kommt als Dienstmädchen in die große Stadt – nach Berlin.

Manuela Golz ist eine sehr bewegende Familiengeschichte gelungen, kurzweilig zu lesen und sprühend vor Leben. In Emmy schuf sie einen ganz besonderen Charakter, dem wir mit vier Jahren zum ersten Mal begegnen (1911). Das Schicksal meint es nicht immer gut mit ihr, sie hat sich aber stets tapfer vorwärts gekämpft, sich nie entmutigen lassen.

Ihre Kindheit hin zum Erwachsenenleben lernen wir immer besser kennen, die kleine Emmy habe ich ganz schnell ins Herz geschlossen. Und die 86jährige blickt auf ihr Leben zurück, will alles regeln, solange sie noch Zeit hat. Ihre drei erwachsenen Kinder Hilde, Otto und Tessa sowie Anni, ihre Ziehtochter kennt sie ganz genau, jeder hat so seine Eigenheiten. Und genau deshalb ist es ganz gut, dass Emmy nochmal das Zepter in die Hand nimmt. Auch wenn es mit ihrer Schulbildung nicht so weit her ist, macht ihr doch keiner was vor, sie lässt sich nie unterkriegen, ist eine ausgezeichnete Beobachterin und zuweilen sitzt ihr der Schalk gehörig im Nacken.

Mit viel Gespür, sehr feinsinnig und doch gewaltig dringt der Leser in deren Alltag vor. Der Wechsel vom Gestern ins Heute zieht sich durchs Buch, macht die ganze Geschichte dadurch noch spannender, das Gelesene wirkt sehr lebendig, gut fassbar und durchgehend lebensnah. Eine gewisse Leichtigkeit durchzieht das Geschehen und trotz der sehr harten Jahre ist doch viel Lebensfreude spürbar. Eine starke Frau, die beherzt und unerschrocken Rückgrat zeigt.

„Sturmvögel“ ist Lesegenuss pur. Einmal angefangen, ist es fast unmöglich, sich von Emmy und den ihren zu trennen. Ein wunderbares, sehr warmherziges Buch, das gelesen werden will.

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Veröffentlicht am 31.05.2021

Gelungener Politthriller

Die Akte Adenauer
1

Philipp Gerber, frisch ernannter Kriminalhauptkommissar beim BKA, hat die Aufgabe, den Mord an seinem Vorgänger aufzuklären. Wie der Ermordete ist Gerber zugleich Agent der Amerikaner. Mit Eva Herden, ...

Philipp Gerber, frisch ernannter Kriminalhauptkommissar beim BKA, hat die Aufgabe, den Mord an seinem Vorgänger aufzuklären. Wie der Ermordete ist Gerber zugleich Agent der Amerikaner. Mit Eva Herden, Journalistin bei einem kommunistischen Nachrichtenmagazin, gerät er zwischen die Fronten. Gemeinsam kommen sie dem Treiben der rechtsgerichteten „Wölfe Deutschlands“ auf die Spur. Diese wollen einen führenden linken Politiker töten. Wer unterstützt diese Organisation, ist gar einer in ihren Reihen in diese Maschinerie involviert?

Ein fesselnder Politthriller, der die fünfziger Jahre gut nachzeichnet. Der Krieg ist zu Ende, das BKA entsteht und so manchem ist Adenauer mit seiner westlich gewandten Politik ein Dorn im Auge. Ich fühle mich direkt zurückversetzt, lese ein Stück Zeitgeschichte mit viel Zigarettenqualm und wenigen Autos auf den Straßen, bin angekommen in der Lebensart einige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg. Wie nebenbei bekomme ich geschichtliches Wissen vermittelt, aber gar nicht trocken und spröde. Nein – die ganze „Akte Adenauer“ liest sich rasant, sehr fesselnd, ist äußerst spannungsgeladen. Diese knapp 400 Seiten konnte ich nicht weglegen, musste immer weiterlesen. Die politischen Fakten werden geschickt mit fiktiven Elementen verwoben, kurzum - ein rundum gelungenes Ganzes.

Der packende Start in eine historische Thriller-Serie, die ich unbedingt weiter verfolgen muss. Top!

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Veröffentlicht am 30.05.2021

Sizilien und die liebe Familie

Kaktusfeigen
1

Linda will endlich ihre sizilianischen Wurzeln ergründen. Warum nur sagt Mitzi, ihre Mutter, so gar nichts über ihren Vater? Als dann auch noch Lindas Tochter Hanna wissen will, warum denn ausgerechnet ...

Linda will endlich ihre sizilianischen Wurzeln ergründen. Warum nur sagt Mitzi, ihre Mutter, so gar nichts über ihren Vater? Als dann auch noch Lindas Tochter Hanna wissen will, warum denn ausgerechnet sie nicht zwei Opas hat wie alle anderen auch, bucht Linda kurzerhand einen Flug nach Sizilien. Sie will es jetzt wissen, auf eigene Faust nachforschen. Irgendwie wird es schon gehen, das wäre ja noch schöner!

Es sind hier viele Geschichten in einer vereint, da ist dieser immer wiederkehrende Traum von einer Zwillingsschwester, von Lucia. Und natürlich die Suche nach dem Vater, den sie noch nie gesehen hat, von dem sie so gar nichts Gutes weiß. Und überhaupt das ganze Sizilien, die ganze nach Mitzis Worten so gar nicht erstrebenswerte Insel.

Anna Castronovo hat mit viel Herzblut über ihr Sizilien geschrieben, hat wiederum einen zauberhaften Beweis geliefert, dass es doch sehr erstrebenswert ist, sich von nichts und niemandem stoppen zu lassen. Das grantelnde bayerische Element liefert hier Mitzi, die einmal meinte, in Gaetano ihren Traummann gefunden zu haben. Wenn da nicht die liebe Familie gewesen wäre. Herrlich überzeichnet (oder doch ganz und gar real? Wer weiß das schon so genau!) erleben wir eine sizilianische Hochzeit mit all ihren Vorbereitungen, den ganzen Aufregungen und der unbändigen Lebenslust der Insulaner. Mit Else und Sissi stöckeln wir nach oben…

Ich habe mich mit den „Kaktusfeigen“ gut unterhalten gefühlt, bin gerne nach Sizilien gereist, um die Familie mit all ihren sehr zugänglichen, aber auch schrulligen Charakteren kennenzulernen und habe über so manch witzige Szenen Tränen gelacht.

Ein erster Einblick, der erste Band dieser Familiengeschichte, dem ein zweiter hoffentlich bald folgen wird. Soviel ich schon weiß, wird uns die Autorin dann nach Palermo entführen. Sehr gerne wieder!

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Veröffentlicht am 26.05.2021

Die Nacht der Wahrheit

Blütenschatten
1

Mit Eve Laing durch die Nacht – bei diesem Nachtspaziergang durch London erinnert sie sich an ihr Leben, an ihre Arbeit als Künstlerin, ihre Weggefährten, ihre Männer, Ihre Familie. Sie schaut durch das ...

Mit Eve Laing durch die Nacht – bei diesem Nachtspaziergang durch London erinnert sie sich an ihr Leben, an ihre Arbeit als Künstlerin, ihre Weggefährten, ihre Männer, Ihre Familie. Sie schaut durch das erleuchtete Fenster, beobachtet Kristof von draußen und denkt zurück. Könnte sie mehr als drei Jahrzehnte zurückspulen, würde sie es tun? Es anders machen?

Sie ist im Hier und Jetzt, schweift ab, erzählt so, wie es ihr gerade einfällt. Bei dem berühmten Maler Florian Kis, dem sie in jungen Jahren Muse war, hat sie viel fürs Leben gelernt und sei es nur, dass es Treue so nicht gibt. Mit sechzig will Eve es noch einmal wissen, sie hat für Luka, ihren jungen Liebhaber, alles zurückgelassen – resolut, beinahe selbstzerstörerisch. Einzig ihr Atelier, in dem sie eine monumentale Retroperspektive vorbereitet, ist ihr geblieben. Ihr Künstlerherz gehört den Pflanzen, die sie genauestens studiert und seziert. Eine Komposition aus sieben Bildern der wunderschönen, aber sehr giftigen Blüten wird entstehen, ihr Meisterwerk – Poison Florilegium. Vervollständigt durch präparierte Pflanzenteile und zusätzlich filmisch festgehalten, wird dieses imposante Werk ihr endgültiger Durchbruch als Künstlerin sein.

Annalena McAfee lässt ihre Leser sehr nahe an Eve heran, stülpt ihr Innerstes nach außen. In dieser regnerischen Nacht drängt ihr wahrer Charakter unerbittlich an die Oberfläche, ihre Erinnerungen sind ungeschönt, ja gnadenlos ehrlich. Der Einblick in die Kunstszene mit ihren egozentrischen Typen, ihren Affären und Intrigen ist eine boshafte Mischung aus Rache und Zerstörungswut und stellt sinnbildlich den Bezug zu ihrer Arbeit mit der giftigen Botanik dar.

Die Nacht neigt sich dem Ende zu, „Blütenschatten“ ist auserzählt. Gerne bin ich mit Eve durch ihr Leben gewandelt. Ein Buch, das mich von Anfang an gewinnen konnte. Auch oder gerade weil die Protagonistin sich im Künstlermilieu bewegt, sich um nichts und niemanden schert, sich aufführt, als sei sie ein Mann. Ein konsequentes Ende, das zugleich beeindruckt und verstört. Ein Künstlerleben eben!

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