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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.06.2021

Ein Wegbegleiter für Jahre

Khalil Gibrans kleines Buch der unvergänglichen Liebe
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Dieses kleine Büchlein besticht schon allein durch seine sorgfältige Gesamtgestaltung. Das Cover mit dem Motiv „The Peacock“ und dazu passend auf bordeauxfarbenem Untergrund Titel und Untertitel abgesetzt, ...

Dieses kleine Büchlein besticht schon allein durch seine sorgfältige Gesamtgestaltung. Das Cover mit dem Motiv „The Peacock“ und dazu passend auf bordeauxfarbenem Untergrund Titel und Untertitel abgesetzt, dazu ein Lesebändchen – alles wirkt fein und liebevoll. Ein Geschenkbändchen, in das man in stillen Momenten immer wieder hineinschauen kann.

Das Buch beleuchtet das unermessliche, unausschöpfbare Thema Liebe aus vielen verschiedenen Richtungen und Aspekten, in erzählender und in Versform. „Die Liebe hat vielerlei Gesichter, mannigfache Möglichkeiten, Verstecken zu spielen.“
Der Lyriker Jochen Winter hat die ausgewählten Worte von Khalil Gibran mehr als 80 Jahre nach dessen Tod neu übersetzt und für unser heutiges Sprachempfinden eingängiger gemacht. Ich bin literarisch und fremdsprachlich nicht bewandert genug, um die Qualität der Neuübersetzung beurteilen zu können. Mir bleibt nur der Ausdruck meines ganz persönlichen Empfindens. Man wird dem Buch sicher nicht gerecht, wenn man es durchlesen möchte wie einen Roman. Vielmehr glaube ich, dass es Aufmerksamkeit und Stille und Sorgfalt vom Leser fordert, um die Schätze, die sich in den Seiten verbergen, wirklich auffinden zu können. Es handelt sich um keine oberflächlichen Postkartenweisheiten, sondern um kleine wortfunkelnde Edelsteine, deren Wert sich nur dem erschließen mag, der poetische Sprache und ihre Bilder zu übersetzen versteht hinein ins persönliche Leben. Khalil Gibran verbindet in seinen Wortbildern, Parabeln und Geschichten auf unvergleichliche Weise Strömungen des Orient mit westlicher Philosophie, was den Anspruch, aber auch den Reichtum ausmacht.
Ich werde noch viele Jahre in diesem Buch lesen…

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Veröffentlicht am 09.06.2021

Deftig in jeder Hinsicht

FLEISCHESLUST IN UNTERFILZBACH
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Spaß hat das Lesen dieses Buches auf jeden Fall gemacht. Umso mehr, da ich selbst 10 Jahre in Niederbayern verbringen durfte und mich deshalb sehr hingezogen fühlte zu den Bewohnern von Unterfilzbach.

Wenn ...


Spaß hat das Lesen dieses Buches auf jeden Fall gemacht. Umso mehr, da ich selbst 10 Jahre in Niederbayern verbringen durfte und mich deshalb sehr hingezogen fühlte zu den Bewohnern von Unterfilzbach.

Wenn der beste Metzger des Ortes zum Vegetarier mutiert, als Kuhflüsterer der ortsansässigen Tierärztin das Geschäft vermiest und schließlich tot im Stall neben dem ebenfalls toten Eber gefunden wird und wenn der zuständige Kommissar offensichtlich die Dinge völlig falsch sieht, dann kann sich Hansi Scharnagel gar nicht mehr zurückhalten und muss seiner geheimen Leidenschaft, dem Ermitteln, nachgehen. Wobei die Liste der möglichen Täter immer länger wird und dem Hansi beim vielen Nachdenken der Magen knurrt…

Ja, gegessen wird viel im Buch, eigentlich fast ständig, und das von fast allen handelnden Personen, auch von den überzeugten Vegetariern. Und wenn nicht gegessen wird, dann wird getrunken. Und wenn nicht gegessen und nicht getrunken wird, wird zumindest über Essen diskutiert. Und deftig geht es nicht nur beim Essen und Trinken zu! Eva Adam hat sich allerlei einfallen lassen, um Niederbayern in seiner ureigensten Direktheit abzubilden. Sie spielt mit allen denkbaren Klischees und Verallgemeinerungen, die nur denkbar sind. Zu bewundern ist ihr Ideenreichtum, was Situationskomik und sinnig-unsinnige Dialoge betrifft. Und wenn die Fußpflegerin Hornhaut-Hanni heißt und der Schäferhund auf den Namen Paulaner hört, ist das einfach nur lustig.

Man muss sie schon mögen, die Gattung der Regionalliteratur, um Freude daran zu haben. Die gängige Definition ist „Literatur aus einer Provinz für Leser derselben Provinz, also mit Themen und einer Sprache, die diesen Lesern geläufig ist“. Was letztlich bedeutet, dass der Leser Spaß daran hat, seine eigene Heimat im Geschriebenen wiederzuerkennen, möglichst verpackt in ein spannendes oder lustiges Geschehen. Nach dieser Definition ist der vorliegende Krimi von Eva Adam in jeder Hinsicht perfekt geraten.

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Veröffentlicht am 01.05.2021

Unterhaltsam, kurzweilig, lesenswert

Hinterland
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Diesen Band 1 der Krimiserie um die Ermittlerin Bette Hansen habe ich sehr gerne gelesen. Denn err hat mich durchweg gut unterhalten. Außerdem weiß ich jetzt, was die Dove-Elbe ist (auch wenn ich als unwissende ...

Diesen Band 1 der Krimiserie um die Ermittlerin Bette Hansen habe ich sehr gerne gelesen. Denn err hat mich durchweg gut unterhalten. Außerdem weiß ich jetzt, was die Dove-Elbe ist (auch wenn ich als unwissende Süddeutsche beim Lesen irgendwie dauernd eine Assoziation mit „doofe Elbe“ hatte…), und wo Hamburg-Ochsenwerder liegt, einer ländlich-ruhigen Gegend, in der ich gerne wohnen würde, wenn ich Google glauben darf.

Worum geht es? Bette Hansen findet in ihrem Garten ein Holzscheit, auf dem eine Muschel mit Kreuz eingeritzt ist. Ein Fund, der Bette Hansen aufschreckt. Denn dieses Zeichen hatte sie auch in ihrem letzten unaufgeklärten Fall gefunden. Bette Hansen musste ihren Beruf als Kommissarin vorzeitig beenden, da sie an Narkolepsie erkrankt ist und durch die unkontrollierbaren Schlafattacken ihren Dienst nicht mehr ausüben kann. Doch der ungeklärte Mord, der von einem extrem wütenden Täter zeugte, lässt Bette nicht los. Sie beginnt zu ahnen, dass dieser Täter es nun auf sie abgesehen hat.

Nora Luttmer gelingt es sehr eindrücklich, das Lokalkolorit des ländlichen Hinterlandes nahe Hamburg atmosphärisch dicht und vorstellbar einzufangen. Sie erzählt in relativ kurzen Kapiteln und aus verschiedenen Perspektiven sehr kurzweilig über früheres und gegenwärtiges Geschehen. Der Spannungsbogen bleibt über das gesamte Buch hinweg mäßig gespannt. Erst im letzten Buchdrittel nimmt die Spannung erheblich zu, sodass sich das Buch zu guter Letzt noch zu einem wahren Pageturner entwickelt. Zunächst war ich etwas befremdet und irritiert, dass sich der Täter bereits zur Hälfte des Buches offenbart, aber genau dieser geschickte Coup bewirkt überraschenderweise die Zunahme der Spannung. Vielleicht sollte das enge Zeitraster, das sich aufgrund der krankheitsbedingt erforderlichen Ruhezeiten von Bette ergibt, zusätzlich die Spannung erhöhen. Bei mir jedoch hatte das im Laufe der Seiten einen gegenteiligen Effekt, denn es begann mich zunehmend mehr zu nerven. Ich bin mir deshalb unsicher, ob eine solche Erkrankung, die ständig präsent und handlungsbestimmend ist, in einem Kriminalroman wirklich gut platziert ist.

Dennoch bleibt mein Fazit: Ein lesenswerter, unterhaltsamer Kriminalroman mit vielschichtigen Figuren und bildhaft-eindrücklichem Lokalkolorit.

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Veröffentlicht am 02.09.2020

Sehr lustig, spannend und mit Sinn

Arthurs wildes Hundeleben
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Wie könnten Mensch und Tier besser lernen, einander zu verstehen? Heike Abidi zeigt es den Kindern auf fantasievolle Weise in diesem lustig-aufregenden Kinderbuch.
Arthur wünscht sich sehnlichst einen ...

Wie könnten Mensch und Tier besser lernen, einander zu verstehen? Heike Abidi zeigt es den Kindern auf fantasievolle Weise in diesem lustig-aufregenden Kinderbuch.
Arthur wünscht sich sehnlichst einen Hund, doch die Eltern sagen immer und immer wieder Nein. Als ein Arbeitskollege von Papa kommt und Arthur bittet, für eine Woche auf Lucky, den schwarz-weiß gefleckten Wuschelhund, aufzupassen, ist Arthur selig! Doch da passiert etwas ganz Unglaubliches: Am Morgen liegt Arthur im Hundekörbchen und Lucky in Arthurs Bett. Beim Drehwurmspiel muss es passiert sein, ihre Körper haben sich vertauscht. Und nun muss Arthur lernen, wie man auf vier Pfoten läuft, und Lucky muss am Tisch mit Besteck essen lernen. Natürlich wollen beide den Tausch wieder rückgängig machen, aber wie? Ob das letztlich gelingt, müsst Ihr unbedingt selber lesen.
Die Autorin erzählt sehr geschickt aus zwei Perspektiven: Arthur lernt im Hundekörper ganz schnell, wie schlimm es ist, geknuddelt zu werden, wenn man es gerade nicht möchte. Oder wenn die Menschen seine Sprache nicht verstehen wollen, obwohl er doch ganz deutlich mit Schwanz und Ohren anzeigt, was Sache ist. Und Lucky lernt, wie anstrengend ein Menschenleben ist. Auf dem Stuhl sitzen zum Beispiel oder Zähneputzen oder in die Schule gehen. Mit ganz viel Humor und Spannung lesen wir von Arthur (Lucky) und Lucky (Arthur), die in allerlei irritierende Situationen und Missverständnisse geraten. Zum turbulenten Geschehen und der durchaus liebevollen Erzählweise passen die ausdrucksstarken fröhlichen Zeichnungen von Barbara Fisinger. Allerdings würde ich das Lesealter deutlich herabsetzen auf 6 Jahre, da mir die Gesamtgestaltung einschließlich Schriftgröße und Sprache sowie der fantasievolle Inhalt durchaus bereits für 6-Jährige, zumindest zum Vorlesen, geeignet erscheint.

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Veröffentlicht am 21.08.2020

Musik macht Freude

Hör mal, kennst du Beethoven?
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In welchem Elternhaus bekommen Kinder von klein auf bereits Zugang zu klassischer Musik? Vermutlich dürfte das eher selten geschehen. Insofern war ich sehr gespannt auf das Hör-Bilderbuch aus dem Coppenrath ...


In welchem Elternhaus bekommen Kinder von klein auf bereits Zugang zu klassischer Musik? Vermutlich dürfte das eher selten geschehen. Insofern war ich sehr gespannt auf das Hör-Bilderbuch aus dem Coppenrath Verlag, denn auch die Kleinsten nehmen Musik bereits intensiv wahr, wobei Rhythmus zum Bewegen und Melodien zum Mitsingen animieren. Insofern habe ich Zweifel, ob man einem 1 ½-jährigen Kind mit Beethovens Musik eine Freude macht. Leider habe ich keine Möglichkeit, das Bilderbuch mit ganz kleinen Kindern gemeinsam anzuschauen. Die Beschäftigung mit den gestellten Fragen wie zum Beispiel „Welche Instrumente erkennst du“ oder „Was stellst du dir zu diesem Lied vor“ erfordert genaues Hinhören. Und dieses Maß an Konzentration würde ich doch eher etwas älteren Kindern, ab 3 vielleicht, zutrauen.
Schön gemacht ist das Bilderbuch, bunt, fröhlich, mit vielen liebevollen Details gezeichnet. Und gerade die Zeichnungen vermitteln ganz unmittelbar die Botschaft, dass Musik Freude macht. Es sind 5 verschiedene Musikstücke von Beethoven in wenige Sekunden dauernden Ausschnitten durch einfaches Drücken anzuhören, in relativ guter Wiedergabetechnik, allerdings für meine Begriffe zu laut. Im Bilderbuch gibt es auf einzelnen dicken Hochglanzseiten stimmungsvoll gezeichnete Szenen. In kurzen Texten wird dazu erläutert, wieso die jeweilige Komposition besonders passend ist für die in der Zeichnung dargestellte Situation. So „Für Elise“ als in Musik übersetztes Verliebt-Sein oder „Die Mondscheinsonate“ als Bootsfahrt bei Vollmond. Mit etwas größeren Kindern kann man sicher weitere individuelle kleine Fantasiereisen anhand der Musik unternehmen.
Ein großes Fragezeichen allerdings bleibt für mich die zeichnerische Darstellung eines jugendlichen, permanent Fröhlichkeit ausstrahlenden Beethoven. Ein bisschen viel heile Welt ist das. Kann man Kindern, auch kleineren, nicht zumuten, dass Beethoven ein Griesgram war?
Fazit: Eine richtig schöne Idee, durch ein Hör-Bilderbuch Kinderohren für klassische Musik zu öffnen. Gut durchdacht, sorgfältig in der Ausführung und vor allen Dingen Freude an Musik ausstrahlend.


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