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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.06.2021

....Fire in the Sky....

Luftgitarrengott
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Die Chords hierzu konnten Bastian und Schwester Lisa von klein auf - zumindest auf der Luftgitarre. Dafür hatte der Vater gesorgt. Und alsbald bildeten sich eigene musikalische Interessen heraus, auch ...

Die Chords hierzu konnten Bastian und Schwester Lisa von klein auf - zumindest auf der Luftgitarre. Dafür hatte der Vater gesorgt. Und alsbald bildeten sich eigene musikalische Interessen heraus, auch solche kreativer Natur.

Genauer gesagt: Bastian war der Kopf, Lisa die Stimme des Sounds. Bis sie sich auf einmal alleine den Vertrag schnappte und nach den Sternen des Ruhms zu greifen begann: allerdings mit Bastians Sound. Auch wenn das zunächst niemand wusste.

Bastian blieb Tischler und Freizeitmusiker - für lange Zeit. Doch seinen Traum von der Bühne, den behielt er bei. Auch dann noch, als er seine Jugendliebe Susi geehelicht hatte und mit ihr zwei Kinder großzog.

Oh Bastian, ich konnte Deine Pein in Bezug auf die kleine Schwester sooo gut nachvollziehen. Auch wenn sie mir in Sachen Musikalität meilenweit voraus war, gab und gibt es genug Bereiche, wo das Ego hervorblitzen kann.

Der Stil war nicht immer ganz mein Fall, der Inhalt umso mehr. Auf jeden Fall ist dies ein sehr besonderes Buch mit einem ebenso besonderen Sound - ach was! Mit so einigen ganz speziellen Sounds. Eben für jeden etwas, wie es sich ein einer funktionierenden (naja, weitestgehend jedenfalls) Familie eben gehört!

Veröffentlicht am 25.05.2021

Alarm in Köln!

Stay away from Gretchen
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Hier beginnt für Nachrichtenmoderator Tim Monderath im Alter von 49 Jahren der Ernst des Lebens: seine Mutter Greta wird immer tüddeliger. Bisher hat sie noch allein in der ehemaligen Familienwohnung ...

Hier beginnt für Nachrichtenmoderator Tim Monderath im Alter von 49 Jahren der Ernst des Lebens: seine Mutter Greta wird immer tüddeliger. Bisher hat sie noch allein in der ehemaligen Familienwohnung in Köln-Porz, direkt am Rhein, gelebt und ist sogar noch Auto gefahren!

Doch nachdem sie sich mit ihrem Auto hunderte von Kilometern weit entfernt von Zuhause findet, ohne Benzin und völlig verwirrt, muss etwas geschehen. Auch wenn Nachbarin Helga sich kümmert und schon immer ein Auge auf Greta hatte.

Irgendwie entwickelt sich jedoch so einiges sehr, sehr merkwürdig: sie spricht über ihre Kindheit in Ostpreußen und über andere Dinge, die sie nie zuvor angesprochen hat. Das Gesagte lässt vermuten, dass sie es im und nach dem Krieg noch deutlich schwerer hatte als angenommen - und einige der Fäden weisen in eine komplett unerwartete Richtung!

Ein spannender Roman, der sich für meinen Geschmack manchmal etwas zu wild entwickelte, auch in der Entwicklung einiger Figuren schoss Autorin Susanne Abel aus meiner Sicht deutlich über das Ziel hinaus: so wurde Tom zunächst doch sehr einseitig als lebenslustiger Bonvivant dargestellt, zu dem die weiteren Entwicklungen gar nicht so recht passen wollten.

Doch einige der Punkte wie bspw. Rassismus in der unmittelbaren Nachkriegszeit trafen in ihrer Darstellung genau ins Schwarze und bewegten mich tief. Auf jeden Fall widmet sich dieser Roman auch einigen Aspekten, die im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen nicht ganz so häufig in der Literatur eine Rolle spielen! Wer sich gern mit diesem Thema beschäftigt, wird hier einige neue Impulse und Eindrücke gewinnen!

Veröffentlicht am 21.05.2021

Ein Priester bei den Ojibwe

Die Wunder von Little No Horse
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Es gibt Wunder in Little No Horse: unter anderem wird eine Frau zum Priester. Aber Louise Erdrich hat deutlich größere (Wunder)Werke erschaffen als dieses hier, das mich stellenweise sehr irritiert hat. ...

Es gibt Wunder in Little No Horse: unter anderem wird eine Frau zum Priester. Aber Louise Erdrich hat deutlich größere (Wunder)Werke erschaffen als dieses hier, das mich stellenweise sehr irritiert hat. Andererseits: es lohnt sich immer, einen Erdrich zu lesen.

Veröffentlicht am 01.05.2021

Reich schlägt arm

Die Frauen von Kopenhagen
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So ist das in der Zeit der Industrialisierung und auch den Nachfolgejahren: die tapfere Nelly kommt aus prekären Verhältnissen, Mutter und Bruder sind Trinker, der Vater hat sich schon zu Tode getrunken. ...

So ist das in der Zeit der Industrialisierung und auch den Nachfolgejahren: die tapfere Nelly kommt aus prekären Verhältnissen, Mutter und Bruder sind Trinker, der Vater hat sich schon zu Tode getrunken. Sie und ihre Schwägerin Marie müssen das Geld für die gesamte Familie verdienen und zwar unter schwersten Bedingungen: in einer Weberei, die bereits Akkordarbeit in Fabrikmanier fordert - an zwei Webstühlen gleichzeitig. Die übermüdete Marie, die gleichzeitig mehrere Kinder versorgen muss, erleidet einen schweren Unfall und stirbt ein paar Tage später. Nelly setzt sich ein für sie und kämpft ohne Ende, dabei muss sie erkennen, dass Groß immer Klein schlägt!

Aber ein bisschen Zuversicht hat sie noch, denn genau in dieser Zeit lernt sie Johannes kennen, der was taugt und mitkämpfen will. Und er mag sie und sie ihn auch! Doch es bleibt ihnen nicht viel Zeit.

Wird Johannes' Schwester Anna, die neu vom Lande in die Stadt gekommen ist, für die beiden Gerechtigkeit erlangen können?

Ein spannendes Thema, es geht sowohl um den Beginn des Arbeitskampfes, der Solidarisierung der Arbeiterschaft als auch um die Emanzipation der Frau, beides Themen, die mir sehr nahe stehen. Ich habe mich sehr auf den Roman gefreut, fand auch viel Spannendes darin, dennoch blieb ich etwas enttäuscht zurück: zunächst, weil der Erzählstrang von Nelly auf Anna übergeht - irgendwie, so mein Eindruck, wird die dänische Autorin Gertrud Tinning keiner von beiden gerecht. Aus meiner Sicht gibt es immer wieder Stränge, die recht kurzatmig erzählt werden, einiges an Erklärungen fehlt und das ist gerade bei dieser sehr eindringlichen Thematik doch sehr schade.

Ich kann mir vorstellen, dass der Roman deutlich tiefer hätte dringen können, wenn die Autorin ihr Personal etwas eingeschränkt hätte - aus meiner Sicht gibt es so einige Szenen, in denen man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Immer wieder habe ich mich gefragt, wer das denn nun schon wieder ist und musste zurückblättern, um mich auf den Stand zu bringen. Schade - es ist kein schlechter Roman, doch es wäre soviel mehr drin gewesen!

Veröffentlicht am 27.04.2021

Romy, die Romantikerin

Mit fünfzig erwartest du Meer
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Romy wird doch tatsächlich schon in den nächsten Tagen fünfzig - wie konnte das Leben so schnell vergehen? Mit der Arbeit als Problemberaterin bei einer Frauenzeitschrift, dem Großziehen von Sohn und ...

Romy wird doch tatsächlich schon in den nächsten Tagen fünfzig - wie konnte das Leben so schnell vergehen? Mit der Arbeit als Problemberaterin bei einer Frauenzeitschrift, dem Großziehen von Sohn und Tochter und Familienreisen an langweilige historische Ausgrabungsstätten, dem Tätigkeitsgebiet des Gatten: Sie kann sich gar nicht vorstellen, dass trotz derart nüchterner Tätigkeiten die Jahre so schnell verflogen sind und ihr Mann Werner sie tatsächlich noch zu überraschen vermag. Mit einem sehr romantischen Geschenk, nämlich einer Reise nach Bella Italia zum Konzert ihres Lieblingssängers.

Zu schön, um wahr zu sein! Das wird Romy nur zu bald klar, als sie eine Rechnung über ein Hotelzimmer mit Doppelbett findet, wo Werner doch dienstlich unterwegs war. Ebenso wie seine knusprige junge Assistentin, die Romy schon eine ganz Weile ein Dorn im Auge ist.

Sie drückt noch mal ein Auge zu - nur, um sich zusammen mit Werner auf einer Butterfahrt wiederzufinden, wo alle naselang angehalten wird, um Pfannen und andere Herrlichkeiten sowohl an Mann als auch an Frau zu bringen.

Romy reichts! Mit Lilo, einer lebenslustigen Reisebekanntschaft setzt sie sich kurzerhand ab - und verpasst doch tatsächlich den Bus. Nun steht sie da ohne Geld, ohne Tasche und ihr Handy ist fast leer. Irgendwie jedoch kommen sie weiter - und Romy lernt neue Leute kennen. Und alte Vertraute von einer neuen Seite!

Doch der Roman hat auch ein paar Längen und es kommen recht viele Klischees drin vor - dennoch habe ich ihn gern zur Entspannung gelesen, empfehle ihn aber nur mit Einschränkungen weiter. Wer beim Lesen abschalten möchte, für den ist dies die richtige Lektüre!