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Veröffentlicht am 04.02.2022

Der Absturz des Mr. Cave

Der fürsorgliche Mr. Cave
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„Michelangelos Botschaft an mich, als ich vor der Pietà stand, war klar: Es erwartet dich unsägliches Leid, wenn du deine Tochter in eine Welt der verlorenen Seelen entlässt. Du musst sie beschützen und ...

„Michelangelos Botschaft an mich, als ich vor der Pietà stand, war klar: Es erwartet dich unsägliches Leid, wenn du deine Tochter in eine Welt der verlorenen Seelen entlässt. Du musst sie beschützen und darfst sie niemals gehen lassen.“


Der Antiquitätenhändler Mr. Cave ist ein besonders fürsorglicher Familienvater; sein kleines Mädchen ist schließlich alles, was ihm geblieben ist, nachdem er seine Mutter, seine Frau und seinen Sohn nicht retten konnte. Von Schuldgefühlen und väterlichem Beschützerinstinkt besessen, spitzen sich die Auseinandersetzungen mit seiner adoleszenten Tochter immer weiter zu.

Mr. Cave fühlt sich getrieben, die Dinge nicht ihrem Schicksal zu überlassen. Seine kraftlose Seele befindet sich im freien Fall, wie Matt Haig es formuliert, zeitweise wie von Sinnen, lässt ihn sein Verstand im Stich und er verliert immer mehr ausgerechnet das, wovon er sich so viel Sicherheit versprochen hatte: die Kontrolle. „Es ist, als würde man mit Hitler zusammenleben.“ Diese Worte richtet die Tochter an ihren Vater, und gibt damit einen seltenen Einblick, in ihre Sichtweise. Der Roman ist nämlich aus der einseitigen Perspektive des Vater verfasst, der einen Bericht an seine Tochter schreibt. Das strickte Einhalten dieser Erzählspur löst vorwiegend die beklemmende und zuspitzende Atmosphäre aus. So erfolgversprechend diese Erzählweise sich auch darstellt, ich hätte andere Perspektiven als aufschlussreich empfunden. Denn die ausschweifenden Gedankensprünge und Rückblenden haben das Durchhalten beim Lesen erschwert und die Handlung selten bereichert. Wie meistens bei Romanen von Matt Haig verstecken sich aber auch in diesem Buch interessante Gedanken, Wissenswertes und nachklingende Sätze. Er findet die richtigen Worte, um Leiden greifbar zu machen und neue Einsichten zu gewinnen.

Fazit: Das absolute Gegenteil zu dem lebensbejahenden Roman „Die Mitternachtsbibliothek“. Ein beklemmendes psychologisches Drama, bei dem man nicht weiß, was dominiert, Liebe oder Wahnsinn. Ein schwermütiger Roman, der zwar faszinierend und sprachlich gelungen am Ende einen überraschenden Twist bereithält, aber zu keiner Zeit fesselt oder mitreißt - stattdessen war ich erleichtert, nachdem ich das Buch beendet hatte.

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Veröffentlicht am 12.09.2021

Motivation für die Morgenroutine

Power Hour
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Das Versprechen der „Power Hour“: investiere nur eine Stunde des Tages in dich selbst und du wirst Erstaunliches erreichen. Die Autorin Adrienne Herbert motiviert andere Menschen leidenschaftlich über ...

Das Versprechen der „Power Hour“: investiere nur eine Stunde des Tages in dich selbst und du wirst Erstaunliches erreichen. Die Autorin Adrienne Herbert motiviert andere Menschen leidenschaftlich über verschiedene Medien, sich selbst zu verwirklichen, und ihre Motivation ist auch in diesem Buch spürbar ansteckend. Sie zeigt unterschiedliche Herangehensweisen, um sich über die persönlichen Ziele klar zu werden und in die Umsetzung zu kommen. Themen wie Routine, Selbstvertrauen, Bewegung, Schlaf und Unterstützung spielen eine tragende Rolle und werden kapitelweise ausführlich behandelt. Die Themen Bewegung und Schlaf haben mir dabei am besten gefallen, weil hier mehr Veränderungspotenzial steckt, als man zuerst meinen mag und die Autorin das gut transportiert hat.
Beginnend mit den Worten „Werde die Person, die du schon immer sein wolltest“ wirkt der Klappentext klischeehaft und unerreichbar. Tatsächlich schreibt die Autorin aber so authentisch, motivierend, humorvoll und ansprechend, dass man merkt, sie ist wirklich davon überzeugt, diese Veränderung in ihren Leserinnen bewirken zu können. Ich verstehe dieses Buch allerdings vorwiegend als einer Sammlung von Informationen aus empfehlenswerten Publikationen und vieles davon war mir bereits bekannt. Außerdem nutzt die Autorin das Buch auch mehrfach für ihr eigenes Marketing, was mich irgendwann gestört hat, weil es oft wiederholt wird. Daher hätte ich mir anschaulichere Beispiele und mehr praktische Tipps gewünscht, die im letzen Kapitel einfach zu kurz kamen. Es werden vorwiegend prominente Beispiele herangezogen, was auch nachvollziehbar ist, aber eine Distanz schafft, bei der man sich von den Erfolgsgeschichten nicht wirklich angesprochen fühlte. Die Komplexität und Unplanbarkeit des vielschichtigen Lebens gerät dabei etwas in den Hintergrund.

Die Message von „Power Hour“ finde ich gut und es gibt viel Wissen, dass einen nachhaltigen Effekt erzielen kann, sollte man nach dem Lesen auch tatsächlich ins Tun kommen. Der Untertitel „Wenig ändern, alles erreichen“ ist allerdings zu schön, um wahr zu sein. Leider konnte mich letztlich die Umsetzung nicht ganz überzeugen, weil ich mir einfach neue Ideen, Lösungsvorschläge, mehr Individualität und Kreativität gewünscht hätte. Die „Power Hour“ ähnelt dem Prinzip von „Miracle Morning“, einem Ratgeber von Hal Elrod und bietet damit ein Pendant für die weibliche Leserschaft, vor allem als selbstverwirklichender Einstieg in die Selbsthilfeliteratur.

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Veröffentlicht am 17.06.2021

Künstlerische Grusel-Effekte

Die Nacht der Acht
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Der Prolog des Buches lässt einen bereits an den Zeilen kleben. Die Kapitel sind kurz, der Schreibstil hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf. Man fliegt nur so über die Seiten - von einem Cliffhanger ...

Der Prolog des Buches lässt einen bereits an den Zeilen kleben. Die Kapitel sind kurz, der Schreibstil hält sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf. Man fliegt nur so über die Seiten - von einem Cliffhanger zum nächsten. Es liest sich wie eine Hommage an eine Vielzahl von Filmen und Romanen des Horrorgenres: namenhafte Persönlichkeiten wie Stephen King und Tarantino und bekannte Gestalten finden Erwähnung - Fans des Ungewissen kommen durchaus auf ihre Kosten, wenn sie das Buch zur späten Stunden unter der Bettdecke verschlingen sollten. Dabei ist es eine Gratwanderung der Altersempfehlung für Jugendliche angemessen und realistisch zu bleiben, dabei Charakterentwicklung und Anspruch nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Hier hat die Geschichte leider erhebliche Schwächen.
Das Versprechen, eines „gruselig-spannenden Horrorthrillers, der bis zur letzten Seite atemlos macht“, wurde leider nicht gehalten. Die Geschichte verliert an Fahrt, die Auflösung zieht sich hin. Überraschende Wendungen verpuffen und das Spiel mit der Ungewissheit ist irgendwann ausgereizt. Die Erzählperspektive lässt wenig persönlichen Bezug zu. Auf das wesentliche fokussiert, werden die Jugendlichen vorgestellt, die sich zwar in Persönlichkeit und äußerer Erscheinung etwas unterscheiden, es aber beinahe unerheblich ist, ob man sich die Namen gemerkt hat, oder nicht. Sich als Leser in exzentrische Kunststudenten einzufühlen, stellt sich als Schwierigkeit heraus.

Philip Le Roy hat dieses Buch für junge Horrorfans geschrieben, wirkt aber zu bemüht darin, alles unterzubringen, was Rang und Namen hat: von Aliens bis paranormalen Phänomenen ist alles dabei. So bietet er aber vielleicht Einsteigern eine Möglichkeit auf dem Gebiet der Angst neue Erfahrungen zu machen.

Fazit: Jede Menge Klischees und Cliffhanger, in Anlehnung an Filme und Literatur des Horrorgenres - handwerklich hoch konstruierter Spannungselemente, fernab der bekannten Realität, für den Gänsehaut-Effekt und damit gruselige Genreliteratur für Kinder ab 14. Wer gern einfach gestrickte Horrorfilme mit jugendlichen Protagonisten guckt, die in erste Linie auf den Gruselfaktor abzielen, wird mit diesem Buch wohlmöglich Spaß haben und findet inspirierendes Material für schlaflose Nächte.

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Veröffentlicht am 23.02.2020

Kurze Texte über die Ansichten einer Katze

Kater Liam
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„Kater Liam - Ansichten eines Felltieres“ ist eine illustrierte Textsammlung von Jutta Bauer und erschien 2020 im Carl Hanser Verlag.

Das kleine Büchlein beinhaltet auf jeder Seite einen kurzen Text, ...

„Kater Liam - Ansichten eines Felltieres“ ist eine illustrierte Textsammlung von Jutta Bauer und erschien 2020 im Carl Hanser Verlag.

Das kleine Büchlein beinhaltet auf jeder Seite einen kurzen Text, der unter einem bestimmten Motto steht und mit passenden Illustrationen ergänzt wird. Die kurzen Texte sollen die Ansichten von Kater Liam zu bestimmten Themen repräsentieren.

Letztlich ist es ein Werk über das Verhalten einer Katze und der Versuch eines Menschen, dieses Verhalten zu interpretieren. Dabei verfolgt die Autorin nicht konsequent einen roten Faden. Während Liam die Worte „Zeitung“ und „Wasserhahn“ nicht geläufig sind, stellt er am Zaun wissenschaftliche Studien über das Verhalten der Menschen auf und wird nicht müde zu betonen, dass er sich viel mit Menschen im Allgemeinen beschäftigt.

Der Leser entwickelt aufgrund der Gestaltung und Kürze des Buches keinen emotionalen Bezug zu Liam, was der Grund sein könnte, warum das Buch auf mich wirkt, wie ein gedankliches Puzzlespiel aus belanglosen Textschnippseln.

Ich würde dieses Buch erwachsenen Fans der Autorin empfehlen, denn im Großen und Ganzen ist es eine besondere Widmung an Kater Liam, gespickt mit künstlerischen Werken, die für sich selbst stehen.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Enttäuschend wenig Spannung und viel Spice

To Cage a Wild Bird
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«To Cage a Wild Bird – Verlier dein Leben. Oder dein Herz.» ist das Dystopie-Romance-Debüt und Reihenauftakt der Booktokerin und Autorin Brooke Fast.
Es ist eine dystopische Welt, in der die Oberschicht ...

«To Cage a Wild Bird – Verlier dein Leben. Oder dein Herz.» ist das Dystopie-Romance-Debüt und Reihenauftakt der Booktokerin und Autorin Brooke Fast.
Es ist eine dystopische Welt, in der die Oberschicht im Wohlstand lebt, während im Unteren Sektor Armut und Hungersnot herrscht. Die 23-jährigen Kopfgeldjägerin Raven tut alles, um ihren kleiner Bruder zu beschützen, seit ihre Eltern gestorben sind. Als er in die Haftanstalt Endlock gesperrt wird, plant Raven einen Fluchtplan, um sein Leben zu retten – denn Gefängnisinsassen werden zum Vergnügen der Oberschicht und für Credits gejagt und getötet. Raven ist unglaublich tapfer und entschlossen, wenn es um ihren kleinen Bruder geht. Sie stellt auch unter Beweis, dass sie keine herzlose Kopfgeldjägerin ist, sondern heldenhaft und selbstlos agiert, wenn es darauf ankommt. Die Zeit in Endlock ist für Raven eine prägende Grenzerfahrung in Vertrauen, Freundschaft und Überlebenskampf, die ihr Leben auf den Kopf stellt.
Unter den harten Bedienungen und der Angst, jederzeit gejagt, entlarvt und getötet zu werden, wollte Brooke Fast wahrscheinlich intensive Spice-Szenen erzeugen, die in der zweiten Hälfte übermäßig zunehmen und explizit beschrieben werden. Leider wurde es dadurch nur noch anstrengend. Es kommt kaum noch Spannung auf, obwohl der Beginn noch vielversprechend war. Wachmann Vale verfolgt auch eigene Ziele, aber so überraschend und geheimnisvoll es für Raven ist, so enttäuschend und vorhersehbar für mich. Hier stimmte die Mischung und die Dynamik einfach gar nicht. Die Muster ähneln sich und es fühlt sich wie ein nicht gelungener Abklatsch an. Nicht vergleichbar mit «Die Tribute von Panem», wo man bei den Hungerspielen wirklich mitfiebern konnte.
Der Schreibstil jedoch ist flüssig, die Prämisse erstmal spannend, aber was daraus gemacht wurde, konnte mich nicht packen. Für mich war es leider eine oberflächliche Enttäuschung, abgesehen vielleicht vom Found Family-Trope, die den Fokus auf Spice legt.

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