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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.07.2021

Drei Zimmer; Küche, Diele, Bad

Familie ist, wenn man trotzdem lacht
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mitten in Hamburg: das kann für eine vierköpfige Familie ganz schön eng werden! Steffi sucht, von ihrem Mann Arno nur halbherzig unterstützt, schon seit Jahren eine größere und komfortablere Bleibe für ...

mitten in Hamburg: das kann für eine vierköpfige Familie ganz schön eng werden! Steffi sucht, von ihrem Mann Arno nur halbherzig unterstützt, schon seit Jahren eine größere und komfortablere Bleibe für ihre Familie.

Doch Hamburg ist komplett zu, was von Miethaien und anderem raffgierigem und wollüstigen Gesocks schamlos ausgenutzt wird, was die Finanzen, aber auch anderes angeht.

Dann vielleicht raus aufs Land? Steffi lernt rasch, dass es auch da ganz schön viele Minusse gibt, allem voran die tägliche ewig lange Anfahrt in die Stadt zum Arbeitsplatz. Bis Steffis Freundin Helen zufällig Flora Blum kennenlernt, eine alte Dame mit einem viel zu großen Haus....

Ein schönes und überaus aktuelles Thema, das aber leider sehr behäbig und vorhersehbar erzählt wird. Hier wäre ein Zweier-Team ideal gewesen: Wiebke Busch mit ihren Einfällen und Recherchen und mit jemandem an ihrer Seite, der einen deutlich flotteren Schreibstil pflegt.

So ist es ganz ok für zwischendurch - aber unbedingt gelesen haben muss man das nicht...

Veröffentlicht am 13.07.2021

Verlassen und vergessen

Die Sternenbucht
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Melissa hat viel zu viel Zeit - kein Wunder, denn sie ist im Urlaub. Den verbringt sie aber eigentlich mit ihrem neuen Freund Liam, den sie aber kaum sieht - er verbringt seine Zeit ausschließlich auf ...

Melissa hat viel zu viel Zeit - kein Wunder, denn sie ist im Urlaub. Den verbringt sie aber eigentlich mit ihrem neuen Freund Liam, den sie aber kaum sieht - er verbringt seine Zeit ausschließlich auf dem Surfbrett.

Daher macht sie den ein oder anderen Ausflug und gerät in das verlassene Dorf Tyneham - es wurde im Zweiten Weltkrieg geräumt und diente der Armee zur Vorbereitung des D-Day in der Normandie. Die Einwohner sollten nach dem Krieg zurückkehren können, was aber nie geschah. Nun wird aus den leerstehenden Häusern ein Museumsdorf - zur Einweihung ist auch Fernsehhistoriker Guy aus London eingereist, den Melissa zufällig etwas näher kennenlernt.

Diese Bekanntschaft vertieft sich in den nächsten Tagen noch, denn Melissa steht ohne Freund und ohne Unterkunft da - der gute Liam verbrachte seine Tage nämlich statt auf dem Surfbrett in den Armen einer anderen Frau. Dank Guy erhält Melissa eine Unterkunft für die Nacht und wird mehr und mehr von der Geschichte des Dorfes und vor allem des Herrenhauses Tyneham House, in dem das Paar Veronica und Albert lebten. Ihr Schicksal war eng mit dem Dorf und mit dem Krieg verbunden.

Guy und Melissa forschen nun gemeinsam und erfahren Unfassbares - doch wie hängt das alles zusammen?

Ein packender Roman auf zwei Zeitebenen, in dem die Gegenwart einen etwas zu großen Raum einnimmt. Spannend hingegen ist die Darstellung der historischen Gegebenheiten, dem verlassenen Dorf, Lebensumständen, die während des Zweiten Weltkriegs tatsächlich herrschten. Die ganze Atmosphäre der Kriegsjahre ist aus meiner Sicht eindringlich und nachvollziehbar dargestellt.

Dennoch bleibt das Buch eher an der Oberfläche und eignet sich somit gut bspw. als Ferienlektüre, nicht nur für Englandreisende!

Veröffentlicht am 03.07.2021

Allein auf weiter Flur

Die fremde Spionin
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So fühlt sich Ria, seit sie im Alter von zehn Jahren aus ihrer Familie gerissen und in die Obhut von Adoptiveltern gegeben wurde. Ihre Eltern galten als Regimegegner und "verschwanden" ohne jede Spur; ...

So fühlt sich Ria, seit sie im Alter von zehn Jahren aus ihrer Familie gerissen und in die Obhut von Adoptiveltern gegeben wurde. Ihre Eltern galten als Regimegegner und "verschwanden" ohne jede Spur; von ihrer kleinen Schwester wurde sie getrennt.

Ab dann führt sie ein DDR-konformes Leben, ganz und gar nicht nach Westen orientiertes Leben und startet nach Beendigung der Schule ihre berufliche Laufbahn im Ministerium für Außenhandel - als Sekretärin für niemand geringeres als Alexander Schalck-Golotkowski, der damals, zu Beginn des Jahres 1961, allerdings erst am Anfang seiner Karriere steht.

Ria wird vom BND angeworben, von der Stasi, bzw. eigentlich von beiden Seiten beobachtet - es folgt ein buntes Hin und Her beider Geheimdienste mit Ria im Zentrum des Interesses, die acht geben muss, nicht zwischen den Mühlsteinen Ost und West zermahlen zu werden. Ich muss sagen, hier konnte ich der Handlung nicht immer so recht folgen, mir war das bunte Treiben etwas zu tollkühn - auch wenn ich nicht den geringsten Zweifel daran hege, dass auch real nicht immer alles in geordneten Bahnen verlief.

Ria ist noch sehr jung, als sie in das Blickfeld beider deutscher Geheimdienste gerät - zunächst als potentielle Mitarbeiterin, nicht als Opfer, aber obwohl dies ein unglaublich wichtiger und auch spannender Teil der deutschen Geschichte ist, wobei es auch immer wieder um ihr persönliches Leben, ja, auch um ihr persönliches Glück geht.

Da Rias Lebensgeschichte als Dreiteiler angelegt ist, verwundert es nicht, dass vieles (noch) offen bleibt - das soll sicher die Neugierde auf die weiteren Teile wecken, doch bin ich erst einmal etwas verwirrt.

Veröffentlicht am 29.06.2021

Zeit des Sammelns

Auszeit
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Henriette hat ein schlimmes Erlebnis zu verarbeiten. Doch weiß sie gar nicht, ob das die Krux ist oder aber der Umstand, dass sie generell nicht mit ihrem Leben zu Potte kommt.

Seit einer gefühlten Ewigkeit ...

Henriette hat ein schlimmes Erlebnis zu verarbeiten. Doch weiß sie gar nicht, ob das die Krux ist oder aber der Umstand, dass sie generell nicht mit ihrem Leben zu Potte kommt.

Seit einer gefühlten Ewigkeit schreibt sie eine Dissertation über Werwölfe. Warum eigentlich? Wenn sie das je gewußt hat, hat sie es längst vergessen - oder verdrängt.

Bis ihre Freundin Paula, die ihr seit Kindertagen zur Seite steht, sie nach Bayern in einen verschlafenen Ort zu einer Auszeit mitnimmt. Die starke Paula, die immer weiß, wo es langgeht. Vor allem für Henriette.

Aber kann es sein, dass sie auch nicht mehr so wissend ist wie es mal der Fall war?

Eine Zeitreise durch das Leben von Henriette und Paula, ein Rückblick, auch ein Blick in die Zukunft. Es ist ein stiller, zeitweise sehr trauriger Roman, an dessen Ende sich bestätigt, was Henriette schon immer vermutete: Paula kennt sie deutlich besser als sie sich selbst. Von je her.

Teilweise störte mich die Leere, die transportiert wird - andererseits ist selbst mir natürlich sonnenklar, dass das die Absicht der Autorin ist. Die Verlorenheit einer gewissen Generation aufzuzeigen. Und deren sich finden. Und zwar betrifft das ihre eigene Generation, die der in den 1980ern geborenen.

Nicht, dass es dieses Verlieren, das Finden in anderen Generationen nicht existiert. Doch darüber gibt es andere Romane. Oder es wird sie geben. Wenn Sie eine Art innere Entwicklung in schöner Sprache genießen möchten, wäre dies ein Roman für Sie.

Veröffentlicht am 15.06.2021

....Fire in the Sky....

Luftgitarrengott
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Die Chords hierzu konnten Bastian und Schwester Lisa von klein auf - zumindest auf der Luftgitarre. Dafür hatte der Vater gesorgt. Und alsbald bildeten sich eigene musikalische Interessen heraus, auch ...

Die Chords hierzu konnten Bastian und Schwester Lisa von klein auf - zumindest auf der Luftgitarre. Dafür hatte der Vater gesorgt. Und alsbald bildeten sich eigene musikalische Interessen heraus, auch solche kreativer Natur.

Genauer gesagt: Bastian war der Kopf, Lisa die Stimme des Sounds. Bis sie sich auf einmal alleine den Vertrag schnappte und nach den Sternen des Ruhms zu greifen begann: allerdings mit Bastians Sound. Auch wenn das zunächst niemand wusste.

Bastian blieb Tischler und Freizeitmusiker - für lange Zeit. Doch seinen Traum von der Bühne, den behielt er bei. Auch dann noch, als er seine Jugendliebe Susi geehelicht hatte und mit ihr zwei Kinder großzog.

Oh Bastian, ich konnte Deine Pein in Bezug auf die kleine Schwester sooo gut nachvollziehen. Auch wenn sie mir in Sachen Musikalität meilenweit voraus war, gab und gibt es genug Bereiche, wo das Ego hervorblitzen kann.

Der Stil war nicht immer ganz mein Fall, der Inhalt umso mehr. Auf jeden Fall ist dies ein sehr besonderes Buch mit einem ebenso besonderen Sound - ach was! Mit so einigen ganz speziellen Sounds. Eben für jeden etwas, wie es sich ein einer funktionierenden (naja, weitestgehend jedenfalls) Familie eben gehört!