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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2021

solider Krimi

Die Früchte, die man erntet
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Reichsmordkommission ermittelt wieder. Es ist der siebte Fall des Autorenduos Hjorth und Rosenfeldt. Wer die Reihe kennt wartet natürlich auf den Psychologen Sebastian Bergmann, der im Zentrum der Ermittlungen ...

Reichsmordkommission ermittelt wieder. Es ist der siebte Fall des Autorenduos Hjorth und Rosenfeldt. Wer die Reihe kennt wartet natürlich auf den Psychologen Sebastian Bergmann, der im Zentrum der Ermittlungen stand. Diesmal ist er aber nur am Rade involviert. Die Verfehlungen früherer Jahre haben ihn aus der Polizeihierachie katapultiert und er frönt nun mehr oder weniger seinem Privatleben. Dafür ist das zurückgebliebene Ermittlerteam nun im Mittelpunkt der Story. Und ich meine wirklich im Mittelpunkt, denn der Kriminalfall ist diesmal eher einfach gestrickt und irgendwie nicht die Hauptsache in diesem Krimi. Das ist auch mein größter Kritikpunkt, dass e mir zu wenig Crime und zu wenig Ermittlungen und Psychologie waren und zuviel Privates Gedöns und persönliche Entwicklungen. Nicht, dass ich die Figuren nicht schätze. Aber bei einem Krimi mag ich es schon, wenn der Fall das Wichtigste ist und das fehlte mir hier leider ein wenig.

Solide erzählt aber nicht der beste Band der Reihe, finde ich.

Veröffentlicht am 19.11.2021

erfreulich

Eifersucht
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Nesbo erzählt sieben Geschichten über die Eifersucht. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass er sie vielleicht in unterschiedlichen Phasen seines Schaffens geschrieben hat. Dass er die ein oder andere schon ...

Nesbo erzählt sieben Geschichten über die Eifersucht. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass er sie vielleicht in unterschiedlichen Phasen seines Schaffens geschrieben hat. Dass er die ein oder andere schon etwas länger in der Schublade hatte. Gefallen haben mir vor allem die, die etwas länger waren und die deshalb einen richtigen Spannungsbogen hatten.

Ich gebe zu, ich bin kein Fan von Kurzgeschichten. Ich kann einfach mein Herz nicht so schnell an die Protas hängen, empfinde oft die Charakterbeschreibungen zu dünn und oberflächlich. Nesbo schaffte es aber, mich durchaus positiv zu überraschen.

Fazit: Mir haben die Geschichten gefallen. Man konnte sie gut zwischendurch lesen und ein wenig drüber nachdenken. Zwei oder drei hätte ich mir sehr gut als richtige Romane vorstellen können.

Das Cover ist sehr schlicht aber schön. Und ein blauer Schnitt, tja, der ist der Burner.

Veröffentlicht am 15.08.2021

gutes Buch zum Film

Dreieinhalb Stunden
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Wir schreiben den 13.8.1961. Ein Zug fährt von der bayerischen Hauptstadt aus Richtung Grenze zur DDR. Irgendjemand streut das Gerücht, die Grenze würde noch heute Nacht dichtgemacht. Nun heißt es für ...

Wir schreiben den 13.8.1961. Ein Zug fährt von der bayerischen Hauptstadt aus Richtung Grenze zur DDR. Irgendjemand streut das Gerücht, die Grenze würde noch heute Nacht dichtgemacht. Nun heißt es für die Passagiere, sollen sie in 3 ½ Stunden in Ostberlin aus dem Zug steigen oder sollen sie vorher schon aussteigen und im Westen ihr Glück versuchen.

Aus der Sicht zahlreicher Menschen mit unterschiedlichstem familiärem und beruflichem Hintergrund und verschiedensten politischen Einstellungen wird diese Geschichte erzählt. Es heißt eine Entscheidung für den Augenblick aber auch für das ganze zukünftige Leben zu treffen. Keine leichte Entscheidung.

Der Schreibstil ist leicht lesbar. Manchmal fand ich ihn etwas zu hastig und plakativ. Ich habe mich gefragt, ob das Drehbuch zum Buch wurde, denn die Geschichte lief zeitgleich zum Erscheinungsdatum des Buches im Fernsehen. Alles in allem war das Buch unterhaltsam und auch informativ. Da ich in diesem Jahr aber bereits 4 Bücher über die Anfänge der DDR gelesen habe, war nichts wirklich Neues für mich dabei. Durch die häufigen Perspektivwechsel und die vielen Darsteller blieben meine Emotionen etwas oberflächlich.

Veröffentlicht am 13.07.2021

lesenswert

In diesen Sommern
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„In diesen Sommern“ ist ein Familienroman, der durch die Augen der Tochter erzählt wird. Ungewöhnlich ist dabei vor allem der Erzählstil. In kurzen Abschnitten werden hier Erinnerungsstücke aneinandergereiht. ...

„In diesen Sommern“ ist ein Familienroman, der durch die Augen der Tochter erzählt wird. Ungewöhnlich ist dabei vor allem der Erzählstil. In kurzen Abschnitten werden hier Erinnerungsstücke aneinandergereiht. Wie durch die neutrale Linse eines Fotografen währt jeder Augenblick nicht viel länger als die Zeitspanne in der man ein paar Fotos mit dem Blitzlicht beleuchtet. Alltagsszenen, Szenen einer vierköpfigen Familie, eines Vaters der erst durch Dominanz auffällt, bald aber auch durch seine Alkoholsucht, die die Kinder erschreckt und der die Frau sich ausgesetzt sieht. Das Gesamtbild entsteht durch die vielen kleinen Einblicke. Die Gefühle der Darsteller erschließen sich dem Leser durch ihre Handlungen. Da die Sicht immer von Teresa ausgeht, erfährt man wenig über die Gründe für die Alkoholexzesse und einiges bleibt vage. Es ist die Sicht des Kindes auf die Eltern und die Familie, die kein vollständiges Bild ergeben kann. Dennoch spürt man deutlich die Abgründe, die Sehnsüchte und Ängste der Personen. Das zerbrechen der Familie aber auch den Zusammenhalt der Mutter und der Kinder. Der Vater wird nicht als Monster geschildert. Teresa hat schöne und warme Erinnerungen, die sie ebenso beschreibt wie die dramatischen, traurigen, düsteren.

Ein Buch, welches einen denkenden Leser braucht, einen, der gerne nachspürt und eigene Rückschlüsse zieht, einen der sich einfangen lässt von einem kühlen und reduzierten Schreibstil, der Geschehnisse auf den Punkt bringt und die Anatomie einer Familie sehr kleinteilig und nahbar erzählt. Lesenswert.

Und ja, die Sommergefühle, die Cover und Titel versprechen, kann man durchaus in einigen Szenen spüren.

Veröffentlicht am 11.07.2021

unterhaltsam

Fräulein Mozart und der Klang der Liebe (Ikonen ihrer Zeit 4)
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Ich habe von Beate Maly bereits mehrere Romane gelesen und wusste also, worauf ich mich einlasse. Die Autorin hat die Schwester von Wolfgang Amadeus Mozart zum Zentrum ihrer Geschichte auserkoren. Nannerl ...

Ich habe von Beate Maly bereits mehrere Romane gelesen und wusste also, worauf ich mich einlasse. Die Autorin hat die Schwester von Wolfgang Amadeus Mozart zum Zentrum ihrer Geschichte auserkoren. Nannerl war mir namentlich bereits ein Begriff aber viel mehr auch nicht. Umso neugieriger war ich mehr zu erfahren.

Mit gewohnt leichter Hand erzählte Beate Maly die Geschichte einer jungen Frau, die ähnlich begabt wie ihr jüngerer Bruder ist, aber von der damaligen Gesellschaft in die Rolle einer unwichtigen Frau gedrängt wurde. Sowohl beruflich als auch privat führte Nannerl ein Leben, welches eher in der zweiten Reihe ablief und meiner Meinung nach immer etwas unerfüllt blieb.

Die Reihe über berühmte Frauen finde ich qualitativ sehr unterschiedlich. Mich störte an diesem Roman, dass die Fakten etwas oberflächlich waren und durch die fiktive Liebesgeschichte ein Bild der Hauptdarstellerin gezeichnet wurde, welches der Realität nur bedingt entspricht.

Unterhaltsame Lektüre, die gerne noch etwas intensiver dran an der Historie (und der wahren Geschichte) hätte sein dürfen.