Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.07.2021

Ein urkomisches, perfekt gelesenes Hörbuch

Ruslan aus Marzahn
0

Inhalt: Der Schauspieler Ruslan hat einen Entschluss gefasst. Er will ein geregeltes, ruhiges Leben führen, damit seine Ex-Frau ihm erlaubt, wieder mehr Zeit mit dem gemeinsamen Sohn zu verbringen. Gerade, ...

Inhalt: Der Schauspieler Ruslan hat einen Entschluss gefasst. Er will ein geregeltes, ruhiges Leben führen, damit seine Ex-Frau ihm erlaubt, wieder mehr Zeit mit dem gemeinsamen Sohn zu verbringen. Gerade, als er Alkoholexzessen, ausschweifenden Partys oder ähnlichen skandalträchtigen Momenten für immer entsagen will, klingelt es an der Tür: Tasho, sein jüngerer Bruder, mit dem er schon seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, steht vor ihm – mit einem Kampfhund, der ihm zugelaufen sein soll. Ein Besuch mit unkalkulierbaren Folgen…

Persönliche Meinung: „Ruslan aus Marzahn“ ist ein humoristisches Hörspiel von Sebastian Stuertz. Erzählt wird es aus Ich-Perspektive von Ruslan, gelesen von Shenja Lacher. Der Plot dreht sich um Ruslan, der sich vor einigen Jahren von seinem Bruder, seinen Eltern und auch seinen russischen Wurzeln losgesagt hat, nun aber, durch den unverhofften Besuch seines Bruders, diese Wurzeln wiederentdeckt. Eine Entdeckung, die nicht ganz konfliktfrei verlaufen wird. Vieles ist in „Ruslan aus Marzahn“ schräg und dadurch ungemein lustig. Sei es die Handlung, die immer wieder bewusst ins Aberwitzige driftet (was ich hier durchweg positiv meine), oder der Erzählstil von Ruslan. Immer wieder berichtet Ruslan über kleine, skurrile Episoden aus seinem Leben. Dabei erzählt er detailliert und schrittweise, steigert sich perfekt getimt weiter und weiter, sodass am Ende eine Pointe entsteht, die nicht witziger sein könnte. Zuletzt sind auch die Figuren schräg. Fast jede Figur besitzt ein augenfälliges Merkmal, wodurch sie aus dem Rahmen fällt. Das Skurril-aberwitzige ist im Hörspiel generell niemals albern, sondern mit Berechnung und dadurch urkomisch. Auch Shenja Lacher leistet eine hervorragende Arbeit. Einerseits steigert er den humoristischen Faktor des Hörspiels noch weiter, indem er die aberwitzigen Aufwärtsspiralen der Witze durch gekonnte Setzung von Kunstpausen und perfekte Betonung zusätzlich ausreizt und zur vollen Entfaltung bringt. Andererseits liest er sehr abwechslungsreich. Jede Figur erhält einen individuellen Sprech, einen Dialekt oder eine besondere Aussprache, der sie von den anderen Figuren abhebt und einmalig macht. Die Rolle des Ruslan ist Lacher auf den Leib geschneidert worden. Lachers Lesung und Stuertz' Text ergänzen sich perfekt. Insgesamt ist „Ruslan aus Marzahn“ ein pointenreiches, urkomisches Hörspiel, das von Shenja Lacher perfekt umgesetzt worden ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.07.2021

Ein toller Wissensschatz

Wieso? Weshalb? Warum? Erstleser, Band 1 - Dinosaurier
0

„Dinosaurier“ ist ein Kindersachbuch aus der Ravensburger-Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“ und richtet sich an Erstleser. Es beschäftigt sich mit vielen Fragen rund um das Thema „Dino“. Wann und wo haben ...

„Dinosaurier“ ist ein Kindersachbuch aus der Ravensburger-Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“ und richtet sich an Erstleser. Es beschäftigt sich mit vielen Fragen rund um das Thema „Dino“. Wann und wo haben die Dinos gelebt? Warum gibt es heutzutage keine mehr? Wie sah ihr Leben aus? Welche besonderen Dinosaurier gibt es? Und woher wissen wir überhaupt so viel über Dinosaurier, obwohl niemand je einen lebenden Saurier gesehen hat? Man erkennt schon: Das „Dinosaurier“-Buch ist ein toller Informationsschatz. Die Fragen werden dabei in kurzen, prägnanten Sätzen kindgerecht beantwortet und sind fachlich fundiert. Aufgelockert wird der Text durch zahlreiche, farbige Abbildungen, die das Aussehen der unterschiedlichen Saurier veranschaulichen. Sehr schön ist auch, dass immer mal wieder Leserätsel eingebaut werden (Buchstabenschlange, Kreuzworträtsel, Bilderzuordnungen, Aufkleben von Stickern usw.). So werden die Kinder aktiv in den Leseprozess eingebunden und stärker motiviert, gründlich zu lesen. Insgesamt ist „Dinosaurier“ ein sehr schönes, informatives Kindersachbuch, das sich toll an der Zielgruppe orientiert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.07.2021

Eine gelungene und spannende Fortsetzung

Bloom
0

Achtung: „Bloom – Sie schlüpfen auch in deiner Stadt“ ist der zweite Band der „Bloom“-Trilogie. Die Rezension beinhaltet deswegen Spoiler zum ersten Band „Bloom – Die Apokalypse beginnt in deinem Garten“. ...

Achtung: „Bloom – Sie schlüpfen auch in deiner Stadt“ ist der zweite Band der „Bloom“-Trilogie. Die Rezension beinhaltet deswegen Spoiler zum ersten Band „Bloom – Die Apokalypse beginnt in deinem Garten“.

Inhalt: Mithilfe von Anaya, Petra und Seth sind die außerirdischen Pflanzen, die die Welt bevölkern, unter Kontrolle. Die Gefahr ist gebannt – so scheint es. Doch gerade, als sich die Lage etwas entspannt, fällt ein neuer Regen auf die Erde, gefüllt mit extraterrestrischen Eiern, aus denen gefährliche Insekten schlüpfen. Wer es da genau auf die Erde abgesehen hat, ist immer noch unklar – bis ein außerirdisches Wesen plötzlich Kontakt zu Anaya aufnimmt.

Persönliche Meinung: „Bloom – Sie schlüpfen auch in deiner Stadt“ ist eine Sci-Fi-Jugendthriller von Kenneth Oppel. Der zweite Band schließt direkt an die Handlung des ersten Bandes an. Erzählt wird er wechselweise aus den Perspektiven von Anaya, Petra und Seth. Stärker noch als im ersten Band wird auf die Gefühle der drei Protagonisten eingegangen, was authentisch und anschaulich beschrieben wird und die Figuren nahbarer macht. Die drei haben gerade erst erfahren, dass sie kryptogene DNA in sich tragen; nun werden sie aus ihrem gewohnten Umfeld entrissen und ihre Körper und Fähigkeiten verändern sich weiter, sodass sie verunsichert und verwirrt in die Zukunft blicken. Sind sie noch Menschen – oder doch schon Kryptogene? Was wollen sie überhaupt sein? Zusätzlich dazu ist ihnen (und damit den Leser*innen) lange Zeit unklar, welchen Personen sie vertrauen können und welchen nicht, sodass ein spannender und überraschender Handlungsbogen entsteht, der von Misstrauen geprägt ist. Diese inneren Konflikte, die Anaya, Petra und Seth mit sich ausfechten, sind stark und glaubwürdig beschrieben. „Bloom – Sie schlüpfen auch in deiner Stadt“ entwickelt darüber hinaus noch weitere Handlungsstränge weiter, die bereits in Band 1 aufgeworfen worden sind. So lernen wir etwas mehr über das Leben der Kryptogenen kennen, die die Welt kolonisieren wollen und einzelne Konflikte spitzen sich zu. Außerdem folgt der ersten Kolonisationswelle (die außerirdischen Pflanzen) nun eine zweite (die außerirdischen Tiere), wobei es sich bei den Tieren, die nun die Erde bevölkern, um alptraumhafte Wesen handelt, die detailliert beschrieben werden. Zuletzt wird auch die Welt, in der „Bloom“ spielt, durch den Pflanzen- und Tierbefall immer dystopischer und feindseliger. Der Erzählstil ist anschaulich und lässt sich flüssig lesen. Insgesamt ist „Bloom – Sie schlüpfen auch in deiner Stadt“ eine gelungene, spannende Fortsetzung, die die im ersten Band aufgeworfenen Handlungsstränge konsequent weiterentwickelt und gekonnt innovative Sci-Fi-Elemente mit einer Thrillerhandlung verwebt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.07.2021

Ein spannender Krimi und toller Reihenauftakt

Zwölf Sünden
0

Inhalt: Würzburg. Ein Familienvater springt während des Stadtlaufs „Würzburg läuft“ von der Alten Mainbrücke. Auf den ersten Blick deutet alles auf einen Selbstmord hin, doch mit der Zeit kommen Oberkommissarin ...

Inhalt: Würzburg. Ein Familienvater springt während des Stadtlaufs „Würzburg läuft“ von der Alten Mainbrücke. Auf den ersten Blick deutet alles auf einen Selbstmord hin, doch mit der Zeit kommen Oberkommissarin Victoria Stahl und ihrem Partner Daniel Freund Zweifel. Kurze Zeit später ereignet sich ein neuer Todesfall: Ein Pharmavertreter wird vergiftet aufgefunden – in der Nähe der Alten Mainbrücke. Gleichzeitig bekommt Susanne Riehl, Journalistin und Freundin von Daniel, seltsame Nachrichten einer Gruppe, die sich selbst „Die Wächter“ nennt. Haben Victoria und Daniel es mit Serienmördern zu tun?

Persönliche Meinung: „Zwölf Sünden“ ist der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe von Kirsten Nähle. Erzählt wird der Roman wechselweise aus den Perspektiven von Victoria, Daniel und Susanne. Zwischendurch werden immer wieder kürzere Szenen eingestreut, die aus der Sichtweise der „Wächter“ geschrieben sind und deren Vergangenheit erzählen. Was mir in Bezug auf Victoria, Daniel und Susanne besonders gefallen hat, ist, dass sie nahbar sind: Neben ihrer Arbeit werden sie auch von privaten Problemen und Alltagssorgen eingenommen wie bspw. die Alzheimererkrankung der Mutter oder das Eingewöhnen in eine neue Arbeitsstelle. Dadurch besitzen die drei Figuren eine schöne Tiefe und Dreidimensionalität, was sie authentischer, menschlicher und letztlich auch sympathisch macht. Darüber hinaus trumpft „Zwölf Sünden“ mit einer durchweg spannenden Handlung und einem durchdacht konstruierten Fall auf, der zudem ein überraschendes Ende besitzt. Durch die häufigen Perspektivwechsel und die kurzen Kapitel ist das Erzähltempo vergleichsweise hoch, sodass im Roman keine Passagen zu finden sind, in denen die Luft raus ist. Außerdem ist Würzburg, der Handlungsort des Krimis, nicht nur bloße Kulisse, vor der die Figuren agieren, sondern entscheidend für die Fallkonstruktion: Aus einem bestimmten Grund, der im Handlungsverlauf offenbart wird, ist ein Würzburger Bauwerk immens wichtig für die Taten der „Wächter“. Mir hat daran besonders gefallen, wie durchdacht und eng dieses Bauwerk in die Handlung eingeflochten ist (mehr kann ich ohne Spoiler nicht verraten). Daneben wird die Stadt am Main lebendig beschrieben, sodass man dem Roman auch ohne Ortskenntnis sehr gut folgen kann. Der Schreibstil von Kirsten Nähle lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen. Insgesamt ist „Zwölf Sünden“ ein spannender Kriminalroman mit schön ausgestalteten, sympathischen Figuren, der auch Leser*innen fesseln wird, die noch nie in Würzburg waren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.07.2021

Ein spannender Krimi mit einer interessanten Erzählweise

Tannöd
0

Inhalt: Tannöd. Auf einem abgelegenen Hof hat sich eine schreckliche Tat ereignet. Die gesamte Familie Danner, die den Hof bewirtschaftete, ist ermordet worden. Die Dorfgemeinschaft steht vor einem Rätsel. ...

Inhalt: Tannöd. Auf einem abgelegenen Hof hat sich eine schreckliche Tat ereignet. Die gesamte Familie Danner, die den Hof bewirtschaftete, ist ermordet worden. Die Dorfgemeinschaft steht vor einem Rätsel. Was hat sich auf dem Hof zugetragen? Eine Spurensuche beginnt.

Persönliche Meinung: Der Kriminalroman „Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel ist eine literarische Verarbeitung des bis heute ungeklärten Hinterkaifeck-Sechsfachmordes (Im Jahr 1922 wurden die sechs Bewohner des Einödhofes Hinterkaifeck von einem Unbekannten mit einer Hacke getötet. Im Vorfeld und im Nachgang des Mordes kam es zu einzelnen seltsamen Begebenheiten, die bis heute nicht aufgeklärt werden konnten). Dementsprechend finden sich in „Tannöd“ Versatzstücke des realen Mordfalles. Auch die Handlung orientiert sich an dessen Chronologie. Der Krimi ist allerdings keine Dokumentation und kein Sachbuch, weshalb er sich literarische Freiheiten nimmt. So spielt die Handlung nicht 1922, sondern im Deutschland der Nachkriegszeit. Auch bleibt der Fall nicht ungelöst; zuletzt wird ein Täter präsentiert. In diesem Kontext besonders interessant ist die Erzählweise von „Tannöd“, da sie vergleichsweise komplex und fast schon experimentell ist. Erzählt wird die Handlung von unterschiedlichen Erzählinstanzen. Angestoßen wird das Ganze von einem unbekannten Ich-Erzähler, der als Kind seine Ferien in Tannöd verbracht hat, und nun als Erwachsener zurückkehrt, um von den Einheimischen zu erfahren, was auf dem Hof der Danners geschehen ist. Im Folgenden tritt der Ich-Erzähler aber völlig zurück und taucht nicht mehr auf. Zu Wort kommen andere Figuren: die einzelnen Dorfbewohner – und zwar in Form von Zeugenaussagen (Ich-Form). Interessant ist dabei, dass die Figuren jeweils andere Vermutungen haben, was sich auf dem Hof zugetragen haben könnte, sodass sie sich auch widersprechen. Während die Meinung der Krämerin bspw. von dem dörflichen Klatsch und Tratsch beeinflusst ist, sieht der Priester den Fall aus einer religiös geprägten Perspektive. Die Zeugenaussagen unterscheiden sich außerdem sprachlich: Jede Figur schlägt einen individuellen Ton ein, der sich in Wortwahl, Satzbau und Erzählduktus niederschlägt. Dadurch ist „Tannöd“ gewissermaßen – unabhängig von der Krimihandlung – ein Sittengemälde bzw. eine kleine Charakterstudie des dörflichen Mikrokosmos. Doch zurück zur Erzählweise: Im Wechsel mit den Zeugenaussagen finden sich Sequenzen, die in der Mordnacht spielen. Hier nimmt ein personaler Erzähler nach und nach die Perspektiven der Mitglieder der Danner-Familie ein und erzählt ihre letzten Stunden. Durch dieses diskontinuierliche Erzählen bricht „Tannöd“ bewusst immer wieder mit dem Handlungsfluss, wodurch es leicht experimentelle Züge erhält. Auch wird die Handlung nicht linear erzählt. Die Zeugenaussagen und die Sequenzen, die in der Mordnacht spielen, entfalten sich nicht chronologisch, sondern von hinten nach vorne. Wie die tatsächliche chronologische Reihenfolge der Sequenzen ist, offenbart sich er nach und nach. „Tannöd“ ist also kein Detektivroman, in der wir einer Ermittlerfigur in einem mehr oder weniger linearen Handlungsstrang folgen und mit ihr rätseln. Er ist allerdings dennoch sehr gut durchdacht und komponiert. Die Sequenzen sind kleine Steinchen, die Stück für Stück ein Mosaikbild entstehen lassen. Nicht immer weiß man direkt, welches Steinchen auf welchen Platz gehört, aber am Ende entsteht ein stimmiges und vollständiges Bild. Insgesamt ist „Tannöd“ eine interessante literarische Bearbeitung des Hinterkaifeck-Mordfalles, die durch eine spannende Erzählweise, bei der jede Figur ihre eigene Stimme erhält, besticht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere