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Veröffentlicht am 03.04.2022

Es ist fünf vor Zwölf

Einmal kurz die Welt retten
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Die 24 Autorinnen und Autoren haben in dieser Anthologie ein spezielles Szenario geschaffen. Alle Geschichten spielen in der Mitte des 21. Jahrhunderts, eine relativ nahe Zukunft. Doch die Welt, wie wir ...

Die 24 Autorinnen und Autoren haben in dieser Anthologie ein spezielles Szenario geschaffen. Alle Geschichten spielen in der Mitte des 21. Jahrhunderts, eine relativ nahe Zukunft. Doch die Welt, wie wir sie kennen, wird dann nicht mehr existieren. In wirklich spannenden Geschichten sind diverse Umweltkatastrophen verpackt, aufgegliedert in verschiedenen Themenbereiche.
Was wäre wenn sämtliche Versorgungsmöglichkeiten zusammenbrechen würden? Man könnte keine – für viele Menschen lebensnotwendigen Medikamente, wie Insulin kaufen? Oder eine Fortpflanzung wäre nur mehr auf künstlichem Weg möglich und den Reichen vorbehalten? Wenn das Eis an den beiden Polen schmilzt und große Teile der Erde unter Wasser liegen? Wenn die Wasservorräte auf einmal nicht länger für jeden frei zugänglich wären? Wenn eine Pandemie die Erdbevölkerung nahezu auslöscht? Wenn die Nahrungsmittel knapp werden?
Welche Leute bestimmen über unsere Ressourcen, wenn es einfach nicht mehr für alle reicht? Eine horrormäßige Vorstellung und eine breite Bühne für Verbrecher und skrupellose Menschen. Ist dann sich wirklich jeder selbst der Nächste oder gibt es eine Chance für einen neuen Zusammenhalt?
Es sind eindrückliche Geschichten, die nach dem Lesen nachhallen. Mich haben sie auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht. Das Besondere an dieser Kurzgeschichtensammlung ist, dass sehr viele Bestseller-Autor/innen mitgemacht haben, denen der Umweltschutz am Herzen liegt. Das spürte ich in jeder einzelnen Geschichte, die alle ausnahmslos einen bildhaft gut zu lesenden Sprachstil aufweisen. Auch die Hintergrundinformationen nach jedem Kapitel waren außerordentlich interessant. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, nach dem Motto »eine geht noch«.
Es fällt mir daher außerordentlich leicht, die Sammlung weiterzuempfehlen, nicht nur denjenigen, die sich mit Umweltschutz beschäftigen. Auch alle anderen werden an den packenden Kurzgeschichten ihre Freude haben..



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Veröffentlicht am 20.07.2021

Ein ›rümliches‹ Vergnügen

Rum oder Ehre
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Martin Störtebäcker ein Lebenskünstler, ist in die Jahre gekommen. Der Tod seines Freundes Lasse wirft ihn aus der Bahn, vor allem auch, weil dieser ihm einen Brief und eine Aufgabe hinterlässt: Er soll ...

Martin Störtebäcker ein Lebenskünstler, ist in die Jahre gekommen. Der Tod seines Freundes Lasse wirft ihn aus der Bahn, vor allem auch, weil dieser ihm einen Brief und eine Aufgabe hinterlässt: Er soll nach Jamaika reisen und dort herausfinden, was es mit dem Verschwinden seines Bruders Christian, der vor zwanzig Jahren dorthin ausgewandert und verschollen ist, auf sich hat. Auf einem handgeschriebenen Zettel sind all die Orte vermerkt, von denen Lasse wusste, das Christian dort war. Martin fährt mit Widerwillen hin, er wird leicht seekrank und auch das Fliegen verträgt er nicht so gut. Dort angekommen nimmt ihn die junge Taxifahrerin Babe unter ihre Fittiche, die mit Martin etwas Besonderes verbindet. Gemeinsam suchen sie die Orte auf, die auf Lasses Papier stehen. Martin stellt bald fest, dass seine Nachfragen nicht willkommen sind. Ziggy, ein Rumhersteller, verstirbt, ehe er Nennenswertes hat erzählen können. Die ermittelnde Beamtin Jo’Anna steht unter Druck, einen Täter liefern zu müssen und wer wäre das geeigneter, als Martin, ein Fremder?

Der amüsant flüssige Schreibstil des Autors fesselte mich von Anfang an. Seine Figuren sind lebensnah, mit Ecken, Kanten liebenswert ausgestattet, sodass sie mir richtiggehende nahe kamen. Mit gefiel besonders die Reifung des Protas Martin, der durch den Tod von Lasse endlich seinen Hintern hochkriegt und dem Verschwinden seines Bruders auf die Spur kommen möchte. Die zahlreichen Nebenfiguren, wie Babe, Jo’Anna und Isaak passen großartig ins Bild. Die Krimihandlung ist geheimnisvoll und spannend aufgebaut, sodass ich nur so durch die Kapitel flog.
Die Taschenbuchausgabe ist auch wunderschön aufgemacht, mit einem tollen Cover. Dazwischen ist allerlei Wissenswertes über Jamaika Rum, das mir so nicht bekannt war und ich aufmerksam gelesen habe. Auch die Rumrezepte rundeten für mich die Story in angenehmer Weise ab. Wen das nicht interessiert, lässt die Seiten einfach weg.
Daher kann ich das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 01.06.2021

»Na servas.« – Mord in der Kaiserzeit

Der Offizier der Kaiserin
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Der Polizeiinspektor Pospischil hat’s nicht leicht. Er wird zu einem Mordfall nach Schloss Hof gerufen. Tomas Andic, ein schneidiger Offizier, liegt erschossen im Wald. Und es passierte ausgerechnet dann, ...

Der Polizeiinspektor Pospischil hat’s nicht leicht. Er wird zu einem Mordfall nach Schloss Hof gerufen. Tomas Andic, ein schneidiger Offizier, liegt erschossen im Wald. Und es passierte ausgerechnet dann, als Kaiserin Sisi und Graf Andrassy im Schloß nächtigten. Sein Chef sitzt ihm im Nacken, hätte den Fall lieber heute als morgen geklärt. Pospischil stehen im neunzehnten Jahrhundert nur begrenzt kriminaltechnische Mittel zur Verfügung. Zudem versteht sich von selbst, dass man Hochwohlgeborene nicht so einfach zu einem Mordfall befragen darf. Und freilich darf der Schuldige kein Adeliger sein, geht gar nicht. Obwohl Andic eine Liebschaft mit einer Gräfin hatte und der Ehemann derselben über kein Alibi verfügt.

Was für eine ungewöhnliche Geschichte! Die Autorin ließ mich tief in das Ende des neunzehnten Jahrhunderts eintauchen. Ins österreichische Kaiserreich, als die Spanne zwischen arm und reich unendlich weit auseinanderklaffte und sich die Obrigkeit sehr viele Freiheiten herausnehmen durfte. Gemächlich wird die Story aufgebaut, da ist die Irmi, die sich Hals über Kopf in den Offizier Andic verliebt und sich zu einem Schäferstündchen überreden lässt. Und Rosi, ihre beste Freundin, Tochter der Wirtsleute, deren Vater plötzlich der Kaplan sein soll und nicht der Wirt? Jede der Nebenfiguren hatte ihren Platz und wurde mit Liebe ausgearbeitet, sie erstanden vor meinen Augen in einer Lebendigkeit, dass sie fast aus dem Buch herauskrabbelten.
Die Dorfbewohner werden aus ihrer Ruhe gerissen, als Kaiserin Elisabeth sich zu Besuch auf Schloss Hof ansagt. Zusätzliche Dienstkräfte werden benötigt und zur Arbeit angetrieben. Ich fühlte mich mittendrin im Geschehen, die Autorin verstand es, die Atmosphäre so hautnah zu schildern, dass ich Angst hatte, man würde auch mir einen Putzkübel in die Hand drücken. Der Mord an Offizier Andic soll ohne großes Aufsehen aufgeklärt werden. Doch als sich herausstellt, dass das Opfer adoptiert worden war und der leibliche Vater ein ungarischer Aufständischer ist, sinken sein Ansehen und das Interesse an der Wahrheit rapide. Die wenigen Beweisstücke verschwinden auf geheimnisvolle Weise und die Türen der ›Hochwohlgeborenen‹ schließen sich vor dem Polizeiinspektor.
Mit Inspektor Pospischil schuf die Autorin eine faszinierende Figur. Er will nicht so schnell aufgeben, resigniert letztlich aber doch - die österreichische Mentalität von damals. Auch der spezielle österreichische Charme und der kleine feine Tic von Humor fehlen in dieser Story nicht. Beispielsweise wenn Pospischil das herzhafte Essen seiner Schwester Gerti genießt und hofft, dass sie keinen ›Bettgänger‹ aufnehmen müssen, sollte das Geld zu knapp werden. Oder wenn er sich bei der Übernachtung auf Schloss Hof mit einer trächtigen Ratte anfreundet, die er Luna tauft. Oder wenn ihn ausgerechnet während der Audienz beim Kaiser die Blase drückt. Köstlich.
Berührend gelingt es der Autorin auch, die Missstände aufzuzeigen, wenn sich beispielsweise die Ehefrau eines Internisten (!) mit Wissen ihres Gatten (der sie regelmäßig untersucht) ein Zubrot mit Gefälligkeiten verdienen muss. Wie wenig wert die arbeitende Bevölkerung zu dieser Zeit war, egal welchen Beruf sie ausübten!
Die Sprache ist dem vorletzten Jahrhundert angepasst, für spezielle Ausdrücke gibt es ein Glossar. Dennoch war die Geschichte flüssig zu lesen.
Es hat Spaß gemacht in die Geschichte einzutauchen und ich bin so richtig von Herzen froh, dass ich heute lebe und nicht vor 150 Jahren. Eine klare Leseempfehlung für alle, die gerne gut recherchierte historische Krimis lesen.

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Veröffentlicht am 06.05.2021

Nichts ist, wie es scheint

Die zweite Schwester
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Als ihre jüngere Schwester Siu-Man sich mit fünfzehn Jahren aus dem Fenster stürzt, weil sie die Mobbing-Attacken in ihrer Schule nicht mehr aushält, verlangt Nga-Yee eine Aufklärung der Hintergründe. ...

Als ihre jüngere Schwester Siu-Man sich mit fünfzehn Jahren aus dem Fenster stürzt, weil sie die Mobbing-Attacken in ihrer Schule nicht mehr aushält, verlangt Nga-Yee eine Aufklärung der Hintergründe. Doch die Polizei hat keine Ressourcen frei, daher gibt der Onkel einer Arbeitskollegin Nga-Yee den Tipp sich an den geheimnisvollen N zu wenden. Der soll herausfinden, wer hinter den Attacken steckt. Zuerst möchte er Nga-Yees Auftrag nicht annehmen, schließlich verlangt er ihr gesamtes Vermögen, das sie ihm, ohne mit der Wimper zu zucken, überschreibt. Doch seine Nachforschungen bringen Dinge zutage, die Nga-Yee nie für möglich gehalten hätte und sie selbst vor einige Gewissensfragen stellen …

Ich kam nicht ganz leicht in die Geschichte hinein. Der Autor verrät die Lebensgeschichte von Ngy-Yee, die nach dem Verlust ihrer Eltern nun auch ihre kleine Schwester verliert. Die für mich fremdklingenden Namen, zudem noch mit ähnlichen Buchstaben, erschwerten mir den Einstieg. Doch mit zunehmenden Lesen gelang es mir, in die andersartige Welt einzutauchen. Eine Welt, in der beispielsweise eine Wohnung weggenommen werden kann, weil man als Einzelperson keinen Anspruch auf großen Wohnraum hat. Es war interessant, wie der Autor seine Figuren mit der Handlung reifen lässt. Wie eine Zwiebel, die geschält wird, erfährt man immer mehr und mehrfach drehte sich das Bild, die Mosaiksteinchen vervollständigen sich erst ganz zum Schluss zum gesamten Bildnis. Ich wurde oft in die Irre geführt und flog nur so durch die 590 Seiten des Buches.
Die formvollendete Sprache beeindruckte mich genauso, wie die Geschichte selbst, dem Autor gelang es, den Spannungsbogen hochzuhalten. Man erfährt bereits nach zwei Drittel der Handlung, wer hinter dem Cyber-Mobbing steckt. Doch das »Warum« hielt mich noch mehr in Atem. Nga-Yee steht auf einmal vor schwierigen Entscheidungen und ich fragte mich unwillkürlich, was ich selbst an ihrer Stelle getan hätte.
Ein atemberaubend spannender Thriller in einem fremdländischen Lebensbereich, hochinteressant und für alle Internet-Freaks sehr zu empfehlen. Aber auch andere, die nicht wirklich viel von der digitalen Welt verstehen (wie ich), werden an dem Buch ihre Freude haben. Absolut empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 24.03.2021

Was geschah am Weinberg?

Bewährungsprobe. Lorenz Lovis ermittelt
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Eigentlich soll Lorenz Lovis ermitteln, wer die Pferde auf dem Perwanger-Hof vergiftet hat. Doch dann entschließt sich Jasmin Oberegger, ihr Pferd lieber auf dem Hof von Lorenz Lovis unterzustellen, kurze ...

Eigentlich soll Lorenz Lovis ermitteln, wer die Pferde auf dem Perwanger-Hof vergiftet hat. Doch dann entschließt sich Jasmin Oberegger, ihr Pferd lieber auf dem Hof von Lorenz Lovis unterzustellen, kurze Zeit später folgt Schönling Liam. Er ist der Ex von Angelika, Lorenz’ Angebeteter, die ihm auf dem Hof aushilft. Lorenz muss zusehen, wie der ›Hollywood-Verschnitt‹ um Angelika herumscharwenzelt, aber von Jasmin scheint er ebenfalls etwas zu wollen. Kurze Zeit später wird Jasmin erschlagen in Lorenz Lovis’ Weinberg aufgefunden und sowohl er selbst, als auch Knecht Paul geraten in Verdacht. Zu diesem Zeitpunkt logiert zusätzlich eine deutsche Urlaubsfamilie am Hof, und in Mutter Hanne erwachen kriminalistische Neigungen. Tatsächlich findet sie einige Dinge heraus …

Ich war gleich wie beim ersten Band wieder mittendrin in den Südtiroler Weinbergen. Die Autorin schafft es, dass sämtliche Figuren im Kopf lebendig werden, ihre spritzigen Dialoge und amüsanten Fettnäpfchen, in die Lorenz Lovis immer wieder tritt, sind köstlich. Der Schreibstil ist locker und leicht, ich las das Buch in einem Rutsch durch.
Viele Verdächtige sind es am Anfang. Und Lovis vergisst schnell die vergifteten Pferde, denn er hat natürlich einen ganz triftigen Grund, hier mitzumischen: Sein Knecht Paul wird eingesperrt und er möchte ihn zurückhaben, allein kann er den Hof nicht bewirtschaften. Hilfe erhält er wieder von vielen Seiten, die drei cleveren Mittelschüler mischen erneut mit, die sind so erfrischend, die muss man einfach ins Herz schließen. Auch als Babysitter haben sie sich bewährt. In Urlauberin Hanne, die ihm zuerst nur lästig fällt, deren überraschend zielsichere Aktionen ihn später jedoch beeindrucken, weil sie wirklich Dinge zutage fördert, konnte ich mich gut hineinversetzen.
Angelika und Lorenz, ein Endlosspiel. Er traute sich, nichts zu sagen und ich fragte mich schon, werden die jemals zueinanderfinden oder – eben nicht?
Die Auflösung war für mich überraschend und ist gut gelungen.
Humor, spritzige Dialoge, authentische Figuren, das Südtiroler Setting und eine Hauptfigur, die alles andere als perfekt ist, machen die Story zu einem hinreißenden Lesevergnügen, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann und muss.

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