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Veröffentlicht am 30.07.2021

Ein guter Auftakt der Reihe mit Jonah Colley

Die Verlorenen
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Das Hörbuch erschien am 8.Juli 2021 im Argon Verlag. Es wurde von Johannes Steck gesprochen. Ein düsteres schwarzweiß Bild einer Lagerhalle auf der Schutzhülle lässt die Atmosphäre des Tatortes hervorragend ...

Das Hörbuch erschien am 8.Juli 2021 im Argon Verlag. Es wurde von Johannes Steck gesprochen. Ein düsteres schwarzweiß Bild einer Lagerhalle auf der Schutzhülle lässt die Atmosphäre des Tatortes hervorragend nachempfinden.

Auch der Sprecher des Buches vermittelt sehr gut die diversen Stimmungen des Hörbuches. Seine tiefe, ausdrucksstarke Stimme passt meines Erachtens, besonders zu den männlichen Protagonisten, wunderbar. Nicht so gut empfand ich sie bei den weiblichen Stimmen. Jedoch seine Art zu sprechen hat die Gefühle der Protagonisten und die Dramatik der Handlung eindrucksvoll wiedergegeben.

Das Hörbuch ist gekürzt, was ich persönlich, besonders bei Krimis und Thrillern, nicht mag. In solchen Fällen erscheint mir jedes Detail von Bedeutung zu sein. In dem Thriller jedoch bleiben zum Schluss einige Fragen offen, die wahrscheinlich bei der Fortsetzung der Reihe aufgeklärt werden.

Der gutmütige Protagonist Jonah Colley ist mir sehr sympathisch. Er zögert nicht, als sein Ex-Freund Gavin ihn unerwartet telefonisch um ein Treffen und um Hilfe bittet. Jonah fährt zum Treffpunkt und findet dort nur die Leiche seines Freundes und drei weitere in Plastikfolie eingewickelte Tote. Auch er selbst kommt nicht ungeschoren davon; wurde angegriffen und fast zu Tode geprügelt. Seitdem läuft er auf Krücken. Seine Behinderung hält ihn jedoch nicht davon ab, seinen Mitmenschen zu Hilfe zu eilen. Egal, ob es Gavins Witwe oder seine Ex-Frau ist.

Er kann immer noch nicht über den Verlust seines vierjährigen Sohnes Theo hinwegkommen. Theo ist vor zehn Jahren von einem Spielplatz spurlos verschwunden, der Fall wurde nie aufgeklärt. Jonah gibt sich selbst die Schuld dafür, weil er zu der Zeit auf Theo aufpassen sollte. Damals ist auch seine Ehe zu Bruche gegangen und die Freundschaft mit Gavin wurde abrupt beendet. Der Anruf von Gavin weckt in Jonah die Hoffnung auf neue Erkenntnisse im Theos Fall.

Am Anfang überschlagen sich die Ereignisse und der Spannungsbogen steigt enorm. Aber auch im weiteren Verlauf ist der Thriller sehr spannend und aufregend. Neue dramatische Ereignisse und Charaktere sorgen für einige Gänsehautmomente, einige falsch ausgelegte Spuren täuschen perfekt. Fast bis zum Schluss ist es unklar, was mit Theo damals wirklich passiert ist und warum Gavin gerade jetzt Jonah um Hilfe gebeten hat.

Das Hörbuch hat mir insgesamt gut gefallen. Ich fühlte mich an die Orte des Geschehens versetzt und hatte gute Unterhaltung.
Ich empfehle das Hörbuch allen, die lieber lauschen als lesen mögen

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2021

Ein guter Auftakt der Reihe mit Jonah Colley

Die Verlorenen
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Mit dem Buch „Die Verlorenen“ eröffnet Simon Beckett seine neue Thriller-Reihe mit Jonah Colley. Mit gemischten Gefühlen habe ich den Polizisten einer bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei in ...

Mit dem Buch „Die Verlorenen“ eröffnet Simon Beckett seine neue Thriller-Reihe mit Jonah Colley. Mit gemischten Gefühlen habe ich den Polizisten einer bewaffneten Spezialeinheit der Londoner Polizei in dem Roman begleitet. Denn Jonah ist kein Superbulle, der alle Hindernisse aus dem Weg räumt und das Verbrechen blitzschnell bekämpft. Im Gegenteil: er wurde oft selbst angegriffen und sogar von der Polizei als Verdächtiger ins Visier genommen.

Trotzdem ist der gutmütige Protagonist mir sehr sympathisch. Er zögert nicht, als sein Ex-Freund Gavin ihn unerwartet telefonisch um ein Treffen und um Hilfe bittet. Jonah fährt zum Treffpunkt und findet dort nur die Leiche seines Freundes und drei weitere in Plastikfolie eingewickelte Tote. Auch er selbst kommt nicht ungeschoren davon; wurde angegriffen und fast zu Tode geprügelt. Seitdem läuft er auf Krücken. Seine Behinderung hält ihn jedoch nicht davon ab, seinen Mitmenschen zu Hilfe zu eilen. Egal, ob es Gavins Witwe oder seine Ex-Frau ist.

Er kann immer noch nicht über den Verlust seines vierjährigen Sohnes Theo hinwegkommen. Theo ist vor zehn Jahren von einem Spielplatz spurlos verschwunden, der Fall wurde nie aufgeklärt. Jonah gibt sich selbst die Schuld dafür, weil er zu der Zeit auf Theo aufpassen sollte. Damals ist auch seine Ehe zu Bruche gegangen und die Freundschaft mit Gavin wurde abrupt beendet. Der Anruf von Gavin weckt in Jonah die Hoffnung auf neue Erkenntnisse im Theos Fall.

Am Anfang überschlagen sich die Ereignisse und der Spannungsbogen steigt enorm. Aber auch im weiteren Verlauf ist der Thriller sehr spannend und aufregend. Neue dramatische Ereignisse und Charaktere sorgen für einige Gänsehautmomente, einige falsch ausgelegte Spuren täuschen perfekt. Fast bis zum Schluss ist es unklar, was mit Theo damals wirklich passiert ist und warum Gavin gerade jetzt Jonah um Hilfe gebeten hat.
Ich habe den Thriller gerne gelesen und fühlte mich sehr gut unterhalten. Dazu hat auf jeden Fall der wunderbare Schreibstil des Autors beigetragen: dynamisch, flüssig, fesselnd.

Zum Schluss bleiben noch einige Fragen offen, deren Aufklärung offensichtlich im nächsten Band der Reihe erfolgen würde. Auf die Fortsetzung bin ich sehr gespannt.

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Veröffentlicht am 26.07.2021

Es tut dem Herzen gut

Nelkenblatt
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Elsa und Pina stehen beide am Wendepunkt ihres Lebens. Die betagte Elsa hat gerade eine Herzoperation hinter sich, die Ärzte geben ihr nicht mehr viel Zeit, sie will aber nicht in ein Pflegeheim. Deswegen ...

Elsa und Pina stehen beide am Wendepunkt ihres Lebens. Die betagte Elsa hat gerade eine Herzoperation hinter sich, die Ärzte geben ihr nicht mehr viel Zeit, sie will aber nicht in ein Pflegeheim. Deswegen übernimmt jetzt Pina ihre Rundumbetreuung und zieht in Elsas Haus ein.

Pina wurde von Luzia, Elsas Tochter, als die Betreuerin für ihre Mutter ausgesucht. Elsa ist sofort von der jungen Migrantin angetan, als diese auf ihre Frage: „Weiß Pina, wie zerbrechlich Nelkenblätter sind?“ – antwortet: „So zerbrechlich wie ein Herz.“ <(Seite 8)

Elsa weiß, dass sie am Ende ihres Lebensweges steht und will diese Zeit sinnvoll und so angenehm wie möglich nutzen. Sie viel mehr über Pina und ihre Familie erfahren. Sie will wissen, warum Pina ihre Heimat verlassen hat, und ob Pina bereits geliebt hat oder jetzt jemanden liebt. Auch Pina interessiert sich für Elsas Lebensgeschichte, ihre Familie, ihre Liebesbeziehungen und stellt viele Fragen. Die beiden Frauen vertrauen ihren Erinnerungen und Gedanken einander an und kommen sich sehr nah.

Der „Nelkenblatt“ von Yusuf Yeşilöz ist ein kurzer aber sehr intensiver Roman. Der letzte Weg einer todkranken Frau und der Neuanfang in der Fremde wurden hier lebhaft thematisiert. In den Gesprächen der Frauen wurden ihre tiefsten Gedanken und Gefühle offenbart, die sonst keiner von ihren Angehörigen kennt.

Elsas Entscheidung, die ihr verbliebene Zeit in der gewöhnten Umgebung und mit ihren Vertrauten zu verbringen, ist verständlich und überzeugend. Die offenen Gespräche mit Pina geben ihr Kraft und Ruhe, tun ihrem kranken Herzen gut.

Auch Pina, die um ihre verstorbene Mutter trauert, schöpft Kraft aus dieser Begegnung. Die Gespräche mit Elsa erleichtern ihr die Verarbeitung ihrer schmerzhaften Erlebnisse.

Sehr behutsam geht Yusuf Yeşilöz mit der Geschichte von Elsa und Pina um. Seine Erzählung ist ruhig und umsichtig, die Atmosphäre des nahliegenden Abschieds und anstehenden Veränderungen greifbar nah.

Die Geschichte hat mich berührt und nachdenklich gemacht. Sie wird noch lange in meiner Erinnerung bleiben.

Das Buch bekommt von mir 4 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.07.2021

Begegnungen, die das Schicksal beeinflussen

Schicksal
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Das Hörbuch „Schicksal“ erschien am 31.05.21 im OSTERWOLDaudio Verlag. Der Roman von Zeruya Shalev wurde von Maria Schrader und Eva Meckbach gelesen. Die Sprecherinnen sprechen für Rachel und Atara, die ...

Das Hörbuch „Schicksal“ erschien am 31.05.21 im OSTERWOLDaudio Verlag. Der Roman von Zeruya Shalev wurde von Maria Schrader und Eva Meckbach gelesen. Die Sprecherinnen sprechen für Rachel und Atara, die beiden Hauptprotagonistinnen des Buches.

Die neunzigjährige Rachel taucht in die Erinnerungen an ihre Jugend und an den Kampf in der Untergrundmiliz gegen die britische Besatzungsmacht ein. Die fünfzigjährige Atara erzählt über ihre zwei Ehen, über ihre inzwischen erwachsenen Kinder und die daraus resultierenden Probleme.

Rachel und Atara verbindet miteinander die Beziehung zu Meno, dem ersten Mann von Rachel und dem Vater von Atara. Auch die Geheimnisse und Lügen aus der Vergangenheit beeinflussen das Leben der beiden Frauen, denn beide wurden in Ungewissheit gelassen.

Ich konnte die Stimmen der beiden Frauen gut unterscheiden, denn die betagte Rachel spricht meistens ruhig über ihre gemeinsame Zeit mit Meno, ihre Jugendliebe und den Mitkämpfer bei Lechi, über die gemeinsame Ideale und Ziele. Rachel ist enttäuscht, weil Meno - ohne ihr ein Wort zu sagen - sie verlassen hat und weil ihre Träume und Visionen über den freien Staat Israel sind zerplatzt.

Die meistens unzufriedene, genervte Atara schimpft in Gedanken mit ihrem Mann Alex, führt nervenaufreibende Gespräche mit ihren Kindern, ist ständig in Sorgen und dementsprechend ist ihre Stimme oft aufgeregt und schrill.

Die Sprecherinnen des Hörbuches können diese unterschiedlichen Stimmungen und Empfindungen der Protagonistinnen wiedergeben; ich hatte oft das Gefühl Rachel und Atara direkt zuzuhören. Gekonnt vermitteln die beiden Sprecherinnen auch die Atmosphäre des jeweiligen Schauplatzes des Romans. Es hat mir großen Spaß gemacht dem Verlauf der Geschichte zu lauschen.

Das Hörbuch „Schicksal“ dauert 576 Minuten, die Ausgabe ist gekürzt. Ich bewerte das Hörbuch mit 4 Sternen und empfehle es allen, die gerne den Geschichten lauschen

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Veröffentlicht am 21.07.2021

Schicksalhafte Entscheidungen

Schicksal
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Zwei unterschiedliche Protagonistinnen spielen in dem Roman von Zeruya Shalev entscheidende Rolle. Die eine von ihnen ist die betagte Rachel, die in den Erinnerungen an ihre Jugend und an den Kampf in ...

Zwei unterschiedliche Protagonistinnen spielen in dem Roman von Zeruya Shalev entscheidende Rolle. Die eine von ihnen ist die betagte Rachel, die in den Erinnerungen an ihre Jugend und an den Kampf in der Untergrundmiliz gegen die britische Besatzungsmacht versinkt. Die andere ist Atara, die Tochter von Meno, der zusammen mit Rachel bei Lechi war.

Rachel und Meno lebten für ihre Idee, sie träumten von einem freien Staat Israel, in dem Juden und Araber friedlich zusammenleben könnten. Sie liebten einander und haben spontan geheiratet. Eines Tages hat Meno ohne ein Wort zu sagen seine geliebte Rachel verlassen. Nach der Scheidung haben sie sich aus den Augen verloren.

Atara ist Menos Tochter aus seiner zweiten Ehe. Aus unerklärlichen Gründen hat Meno sie immer wieder schikaniert und misshandelt. Erst kurz vor seinem Tod hat sie über Rachel erfahren und jetzt will sie diese Frau unbedingt kennenlernen.

In einem aber sind die beiden Frauen gleich: beide hadern sie mit ihrem Schicksal, beide sind mit ihrem Leben unzufrieden, beide suchen nach Antworten über die Geheimnisse und Lügen aus der Vergangenheit. Und beide hoffen, dass sie einander helfen können.

Rachel und Atara erzählen ihre Geschichten, geben offen ihre Gedanken und Gefühle preis. Zeruya Salev kann die Erzählungen der beiden Frauen meisterhaft darstellen. Ich hatte oft das Gefühl selbst den beiden Frauen zuzuhören; der aufgeregten, in ihrer Ehe unzufriedenen Atara, die in Gedanken mit ihrem Mann Alex schimpfte oder wenn sie sich unnötig Sorgen um ihre erwachsenen Kinder machte. Und auch der enttäuschten Rachel hörte ich aufmerksam zu, der Frau, die von ihrem geliebten Meno so sehr verletzt wurde, und die über den „Verlust der Vision, für die sie gekämpft hatten“ (64) nicht hinwegkommen konnte.

Ich bin in der Gedankenwelt der beiden Frauen versunken und viele von ihren Meinungen konnte ich bedingungslos teilen. Manchmal staunte ich auch über ihre Handlungen, trotzdem empfand ich sie als authentisch und nachvollziehbar. Mit großem Interesse habe ich über den Kampf von Lechi oder israelischen Bräuche und Traditionen gelesen; davon hätte ich gerne mehr in diesem Buch lesen wollen. Auch die Gespräche mit Achami, dem jüngsten Sohn von Rachel, fand ich sehr interessant.

Der lebendige Sprachstil der Autorin hat mich überzeugt; je nach dem um welches Ereignis und die erzählende Person es sich gerade handelt, ist er intensiv, dynamisch oder auch poetisch:
„ihr gemeinsames Leben erscheint ihr plötzlich wie Zwangsarbeit in einem Bergwerk: stickig, die meiste Zeit dunkel, und doch blitzen manchmal wunderschöne Diamanten auf.“ (153)

„Schicksal“ von Zeruya Shalev ist, wie der Titel des Buches selbst verrät, ein Roman über das Schicksal, das oft erbarmungslos zuschlägt und gleichzeitig neue Wege öffnet, neue Chancen offenbart. Und über die Menschen, die mit den kompromisslosen Schicksalsschlägen fertig werden müssen, die neuen Wege erforschen und sich bietenden Chancen ergreifen. Über die Menschen, die ihr Leben leben, die Entscheidungen treffen und Konsequenzen ihres Handels tragen müssen.

Ich kann den Roman allen Liebhaber*innen der anspruchsvollen Literatur empfehlen.

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