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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.10.2021

Schwere Kost

Wie schön wir waren
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Nachdem ich „Das geträumte Land“ der Autorin gelesen hatte, freute ich mich sehr auf ihren neuen Roman, vor allem auch, da er diesmal direkt in Afrika spielt. Schauplatz ist ein westafrikanisches Dorf ...

Nachdem ich „Das geträumte Land“ der Autorin gelesen hatte, freute ich mich sehr auf ihren neuen Roman, vor allem auch, da er diesmal direkt in Afrika spielt. Schauplatz ist ein westafrikanisches Dorf mit Namen Kosawa. Ein Dorf, das langsam stirbt. Nicht durch Wegzug und Überalterung, sondern die Menschen, auch Kinder sterben. Schuld daran hat ein Ölkonzern, der in der Nähe Öl fördert und damit Boden und Wasser verseucht. Der Roman beginnt mit einer Dorfversammlung, die regelmäßig stattfindet und wo auch Mitarbeiter des Konzerns dabei sind und versuchen die Bevölkerung zu beschwichtigen. Diese Versammlung geht aber anders aus, als die vorherigen.
Im Roman wechseln immer wieder die Perspektiven und die Zeiten, was es mir erst einmal sehr schwierig machte, überhaupt eine lineare Handlung zu verfolgen. Dazu kommt, dass der Erzählstil der Autorin für mich ungewöhnlich ist. Die Charaktere trotz ihres unsagbar furchtbaren Schicksals blieben mir fremd. Ich konnte mich einfach wenig in sie hineinfühlen, sie hielten mich auf Abstand.
Ich muss zugeben, ich quälte mich durch das Buch. Immer wenn ich ein wenig in der Geschichte drin war und es voranging, gab es wieder einen Sprung und ich war draußen. Für mich gab es keinen wirklichen Lesefluss. Es gab auch immer wieder Wiederholungen und die Geschichte ging nur schleppend voran.
Das ist wirklich schade, denn der Inhalt des Buches ist so wichtig und mir gefiel gut, dass diese Machenschaften anhand eines kleinen Dorfes, welches noch sehr traditionell aufgebaut ist, beschrieben werden. Die Erklärungen zur Glaubenswelt und zum täglichen Leben in dem Dorf gefiel mir sehr gut. Aber dennoch konnte mich der Roman nicht überzeugen. Ein Roman muss nicht nur inhaltlich interessant sein, sondern mich auch packen. Aber weder die Charaktere, noch die Umsetzung der Handlung in eine gut lesbare Geschichte haben mich überzeugt.

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Veröffentlicht am 22.07.2021

Es bleibt oberflächlich

Das Land der Anderen
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Die Aufmachung des Romans hat mich neugierig gemacht. Das Cover ist sehr gelungen mit einem Foto, was realistisch wirkt und viel zu erzählen hat. Dazu der reale Hintergrund, dass die Autorin eigene familiäre ...

Die Aufmachung des Romans hat mich neugierig gemacht. Das Cover ist sehr gelungen mit einem Foto, was realistisch wirkt und viel zu erzählen hat. Dazu der reale Hintergrund, dass die Autorin eigene familiäre Geschichte in ihren Roman einfließen lässt. Mit einer Geschichte von einer ungewöhnlichen Liebe in einer anderen Zeit. Dies klang für mich nach einer interessanten und spannenden Mischung.
Der Roman beginnt sehr vielversprechend. Mathilde geht mit ihrem Mann Amine nach dem Zweiten Weltkrieg in sein Heimatland Marokko. Für Mathilde, die im Elsass aufgewachsen ist, ist Marokko ein Kulturschock. Zum einen, weil sie nun die Rolle als Ehefrau hat mit eigenem Haushalt und einen Mann, den sie kaum kennt. Zum anderen, weil natürlich das Leben in Marokko ein wenig anders ist als in Deutschland. Zuerst wohnen sie noch in der Stadt bei ihrer Schwiegermutter. Nach anfänglichen Problemen lebt sich Mathilde gut ein, dann zieht Amine mit ihr aber auf eine Farm ins Nirgendwo.
Ich habe unter anderem auf eine starke Charakterstudie über Mathilde gehofft und wie sie sich ihr Leben in der Fremde einrichtet. Aber trotz gewählter persönlicher Ich-Perspektive blieb mir Mathilde und auch die anderen Charaktere fremd. Bis zum Ende konnte ich mir weder Mathilde, noch ihr Zuhause oder auch nur das Land in der Zeit, in der sie lebt wirklich vorstellen. Am besten wurde noch Amine beschrieben, seine Hilflosigkeit und sein Jähzorn. Seine Handlungsweisen konnte ich ein wenig nachvollziehen. Mathildes Entscheidungen verstand ich nicht.
Es gibt viele interessante Entwicklungen, aber selten wurden sie zu Ende geführt. Vieles wird angedeutet, aber es wird nicht aufgelöst. Am Ende blieben eigentlich nur Fragen. Insgesamt konnte mich der Roman nicht überzeugen. Mir gefiel die Geschichte und Idee des Buches. Der Schreibstil war gut zu lesen, auch wenn ich oft das Gefühl hatte, die Autorin wollte besonders literarisch Schreiben, so wirkte es oft übertrieben. Mir gefiel, dass immer wieder die Perspektive zwischen den Protagonisten wechselte, aber dies hat eben nicht gereicht die Personen im Roman wirklich kennenzulernen. Vielleicht war es zu viel, so dass alles nur oberflächlich bleiben konnte. Menschen, geprägt zum Teil zerstört durch den Krieg, Kulturschock für Mathilde, aber auch Amine, ein Land inmitten des Unabhängigkeitskampf, Feminismus, sexualisierte Gewalt etc. Bei dieser Vielzahl an Themen schafft es die Autorin alles nur am Rande anzusprechen, es fehlte mir die tiefere Auseinandersetzung mit allem.

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Veröffentlicht am 20.05.2021

Nichts neues

Neuschnee
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Nachdem ich das Hörbuch „Sommernacht“ der Autorin mit Spannung, aber auch etwas Kritik gehört habe, war ich neugierig auf ihren Vorgängerband. Die Geschichte klang ähnlich. Neun Freunde treffen sich in ...

Nachdem ich das Hörbuch „Sommernacht“ der Autorin mit Spannung, aber auch etwas Kritik gehört habe, war ich neugierig auf ihren Vorgängerband. Die Geschichte klang ähnlich. Neun Freunde treffen sich in den einsamen schottischen Bergen in einer luxuriösen Waldhütte, um zusammen Silvester zu feiern. Dann gibt es einen Toten und die Frage wer es war treibt die Geschichte voran. Kein neuer Plot, aber immer wieder spannend, wenn man rausfinden möchte, wer von den sogenannten Freunden ein Mörder sein könnte.
Die Umsetzung ist ganz gut gelungen. Es gibt immer wieder Zeitsprünge, die die Vergangenheit der Protagonisten beleuchten und einen immer wieder auf falsche Fährten locken. Es gibt immer wieder Wechsel der Erzählperspektive, also die Geschichte wird aus unterschiedlicher Sicht erzählt. Im Hörbuch sehr gut gelöst mit unterschiedlichen Sprecher:innen.
Aber die Geschichte ähnelt fast 1 zu 1 dem anderen Roman der Autorin. Es ist wieder eine Gruppe von Freunden, wo ich mich fragte, warum sind sie befreundet. Ehrlich bei solchen Freunden, braucht man keine Feinde. Einfach nur bösartig und intrigant. Die Charaktere sind insgesamt sehr einseitig und einfach sehr klischeehaft. wie bei einem Highschoolroman, wo es für jeden Typ den passenden Charakter gibt: die Schüchterne und Hilfsbereite, die intrigante Tussi, der einsame geheimnisvolle Wolf und so weiter.
Der Thriller unterhält, aber besonders den Charakteren fehlt es an Tiefe. Am Ende war ziemlich egal wer der/die Tote ist, sie waren mir alle nicht ans Herz gewachsen. Das Hörbuch ist gut und professionell gemacht. Auch der Aufbau des Romans mit dem gekonnten Wechsel zwischen den Protagonisten und Zeiten sorgt für Spannung. Aber die Charaktere und die zum sehr konstruierte Geschichte sorgen dafür, dass ich auch diesen Thriller der Autorin eher Mittelmaß gebe. Dazu möchte ich jeden empfehlen nur einen der beiden Romane zu lesen, denn sie ähneln sich wirklich sehr. Beide sind ähnlich gut oder schlecht. Vielleicht sollte man danach entscheiden, ob man lieber die raue Küste mag wie in „Sommernacht“ oder lieber in die Berge möchte wie bei „Neuschnee“. Denn die Handlungsorte sind gut gewählt und auch sehr einnehmend beschrieben.

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Veröffentlicht am 30.03.2021

Der Schein trügt

Sommernacht
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Dies ist mein erster Roman der Autorin. Ich mag Krimis und Thriller, wo der Täter unter einer kleinen Gruppe zu finden, die sich vermeintlich gut kennen. Handlungsort ist eine kleine Insel an der rauen ...

Dies ist mein erster Roman der Autorin. Ich mag Krimis und Thriller, wo der Täter unter einer kleinen Gruppe zu finden, die sich vermeintlich gut kennen. Handlungsort ist eine kleine Insel an der rauen Westküste Irlands. Die Insel ist bis auf ein zugezogenes Ehepaar unbewohnt. Eva und ihr Mann leben auf der einsamen Insel und wollen ihr Geld mit der Ausrichtung von Feiern auf der Insel verdienen. Die Hochzeit von Julia und Will ist ihre erste.
Der Roman beginnt mit einer panischen Kellnerin, die schreit und Blut an sich hat. Danach wird in verschiedenen Rückblenden erzählt was die Tage und Stunden vor dem Ereignis passiert. Nach und nach wird der strahlende Schein der beiden glücklichen Eheleute zerpflückt. Die dunklen Geheimnisse der Hochzeitsgesellschaft treten nach und nach zu Tage.
In der ersten Hälfte des Romans geschieht das sehr langsam. Lange wirkt der Roman wie ein Beziehungsroman und ich fragte mich, wo der Thrillerteil kommt. Erst zum letzten Drittel wurde es richtig spannend. Das Ende war an sich nachvollziehbar, aber für mich waren die Zufälle zu konstruiert.
Die Charaktere wirkten auf mich zum Teil zu klischeehaft die junge Naive, der selbstverliebte Sunnyboy, die jungenhaften bekifften Männer. Sie überraschten wenig.
Mich hat das Hörbuch in großen Teilen gut unterhalten, aber eine wirkliche Spannung, wie ich es von Thrillern gewöhnt bin, gab es kaum. Auch aus dem Handlungsort und seine mystischen Erzählungen hat man wenig gemacht. Eigentlich schade, denn der Plot der Geschichte hat mir gut gefallen. Gut gemacht war, dass die verschiedenen Charaktere von verschiedenen Sprecher:innen gesprochen wurde, dadurch haben sie schon durch die Sprachmelodie einen eigenen Persönlichkeit erhalten.

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Veröffentlicht am 23.11.2020

Authentisch, aber auch sehr langatmig

Westwind
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Ein historischer Roman, der im 15 Jh. in einem kleinen Walisischen Dorf spielt, wird sehr ungewöhnlich erzählt. Denn der Roman wird rückwärts erzählt. Einer der reichsten Bürger des Dorfes wird getötet. ...

Ein historischer Roman, der im 15 Jh. in einem kleinen Walisischen Dorf spielt, wird sehr ungewöhnlich erzählt. Denn der Roman wird rückwärts erzählt. Einer der reichsten Bürger des Dorfes wird getötet. Es beginnt mit dem Auffinden der Leiche und nach und nach erfährt man aus der Sicht des ortsansässigen Pfarrers was die 4 Tage davor passiert ist.
Ich brauchte sehr lange in einen Lesefluss zu kommen. Das lag zum einen an der ungewöhnlichen Erzählweise und zum anderen, dass es oft langatmig war. Es passierte einfach sehr wenig. Gelungen sind die Beschreibungen des damaligen Lebens in so einem kleinen Dorf. Es wirkt oft trostlos mit wenigen Highlights im Leben. Die ganze Atmosphäre des Buches wirkt sehr oft düster.
Der Protagonist John Reve war mir wenig sympathisch. Er ist sehr zurückhaltend und seine Gedankengänge waren für mich nicht ganz nachvollziehbar. Im Laufe der Geschichte klärte sich das aber. Er tut nicht viel, um den Tod aufzuklären. Ich würde deswegen nicht sagen, dass es sich um einen Kriminalroman handelt. Dafür steht der Mord zu wenig im Vordergrund. Viel geht es um das Leben im Dorf. Die anderen Bewohner lernt man nur aus Sicht von John kennen und ihren Beichten bei ihm. Das fand ich etwas einseitig.
Dennoch der Roman ist sehr authentisch, die Beschreibungen des Dorflebens aus Sicht des Geistlichen empfand ich als sehr realistisch. Mir hätte es gefallen, wenn der Mord mehr in den Fokus gekommen wäre. Auch durch die etwas einseitige Erzählung von Seiten des Geistlichen hätte etwas abwechslungsreicher gestaltet sein können. Die anderen Bewohner bleiben etwas blass. Insgesamt ein atmosphärisch realitätsnaher historischer Roman, der eine Seite Englands aus dem 15. Jh. beschreibt, über die ich bis jetzt wenig kannte.

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