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Veröffentlicht am 07.10.2021

Kleiner Einblick in eine fremde Welt

Der Sohn des Schamanen
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Über indigene Völker weiß ich wenig. Insofern hat mich dieses Buch angesprochen. Meine Erwartung war geprägt von der mehr oder minder wildromantischen Lage der Eingeborenen zu Zeiten der Missionare, wie ...

Über indigene Völker weiß ich wenig. Insofern hat mich dieses Buch angesprochen. Meine Erwartung war geprägt von der mehr oder minder wildromantischen Lage der Eingeborenen zu Zeiten der Missionare, wie sie in Spielfilmen transportiert wird und die nicht von Frieden geprägt war. Davon musste ich mich zunächst entfernen, denn wir haben 2021 und die Missionierung von indigenen Völkern liegt schon sehr lange zurück. Stattdessen gibt es eine neue Bedrohung durch industrielle Abholzung der Regenwälder. Was wiederum eine weitere Anpassung der Menschen fordert.

Dzuliferi Huhuteni ist heute 60 Jahre alt. Er ist mit den guten und schlechten Seiten der Zivilisation aufgewachsen und verfügt insofern über einen sehr großen Wissensschatz, auch als Wanderer zwischen den Welten.

Huhuteni erzählt seine Geschichte nicht uneigennützig. Er strebt an, ein guter Häuptling werden zu können, der durch schamanische Fähigkeiten für seine Familie Schutz und Heilung bieten kann. Darüber hinaus möchte er die Geschichten, Weisheiten und Fähigkeiten seiner Vorfahren zusammentragen, aufschreiben, als Buch veröffentlichen und dieses dann als Lehrmittel in den Schulen der Stämme genutzt wissen, damit das alte Wissen nicht verloren gehen möge.

Thomas Fischermann hat auf vielen Expeditionen unter zum Teil abenteuerlichen Bedingungen Land und Leute kennengelernt und darf in Begleitung von Dzuliferi auch abgelegene, weniger zivilisierte Stämme und entfernte Verwandte kennenlernen. Dzuliferi fungiert hier als Wegbereiter, zäher Verhandler und Übersetzer, wenn die Eingeborenen ihre Geschichten und Erfahrungen erzählen.

„Der Sohn des Schamanen“ habe ich gerne gelesen. Manchmal war es für mich etwas mühsam, mich in den Erzählungen über Erfahrungen / Ereignisse im Zusammenhang mit Bewusstseinsreisen und traditionellem Glauben zurechtzufinden. Die Bedrohung durch Schatzsucher, Landvermesser, Militär und die Holzindustrie war mir in diesem Umfang nicht bewusst. Der Klimawandel trägt sein Eigenes mit bei.

Ich habe die Männer gerne in diese Fremde begleitet und einen kleinen Einblick in das doch entbehrungsreiche, teilweise sehr schwere Leben indigener Völker und den Spagat zwischen Tradition und Moderne erhaschen können.

Dieses eBook habe ich im Rahmen des Angebots von PenguinRandomhouse-Testleser vorab lesen dürfen.


Thomas Fischermann / Dzuliferi Huhuteni, Der Sohn des Schamanen, Sachbuch, eBook, Heyne Verlag, 17,99 €, 304 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 13.09.2021

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Veröffentlicht am 18.09.2021

Verlockung des Wassers

In die Arme der Flut
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Stell Dir vor, Du erlebst einen Augenblick des absoluten Friedens. Du bist ganz bei Dir, es ist ruhig, Du bist frei von negativen Gefühlen, Du fühlst Dich wohl. Der Haken: Du bist gerade dabei zu ertrinken; ...

Stell Dir vor, Du erlebst einen Augenblick des absoluten Friedens. Du bist ganz bei Dir, es ist ruhig, Du bist frei von negativen Gefühlen, Du fühlst Dich wohl. Der Haken: Du bist gerade dabei zu ertrinken; Du wirst im letzten Augenblick gerettet.

Luke Roy hat diesen Augenblick in seiner Jugend erlebt. Inzwischen ist Luke ein erwachsener Mann. Heute will er dem jahrelangen, verführerischen Lockruf des Wassers folgen. Er steht auf der Brücke über dem heimtückischen Fluss. Plötzlich hört er Schreie. Ein Ausflugsboot ist auf dem See gekentert, etwas Rotes treibt zielstrebig dem tödlichen Strudel entgegen. Luke springt und rettet so dem 15jährigen Paul das Leben.

Die Geschichte „In die Arme der Flut“ passt genau in die heutige Zeit. Der ständige Kontakt mit (sozialen) Medien, die kurzen Wege, welche dramatische Ereignisse nur noch beschreiten müssen, um an die Öffentlichkeit zu treten. Bildmaterial von Hinz & Kunz taucht auf, Menschen nutzen positive Nachrichten schamlos für sich, „alles“ will nur den eigenen Vorteil sichern. Die Geilheit der Masse, der Voyeurismus, die Wankelmütigkeit. Dazwischen ein Mensch, der den Zug, welcher losgerast ist, nicht mehr stoppen kann; der von der Macht einer Flutwelle mitgerissen wird.

Jedes Ereignis hat mehrere Seiten, mehrere Interpretationsmöglichkeiten und auch Bilder können unterschiedlich gedeutet werden. So durchlebt Luke eine Achterbahn ihm entgegengebrachter Emotionen. Es ist insgesamt unter dem Strich ein schmutziges Spiel, dem er sich nicht zu erwehren mag.

Gerard Donovan hat ein Buch verfasst, welches sehr wendungsreich und berührend ist, bis zu seinem überraschenden Ende. Ein guter Plot, geschickt in Szene gesetzt und ausformuliert mit einem „Typen“ als Hauptdarsteller.
Das Cover ist eher schlicht gehalten, skizziert einen reißenden Fluss, der über Felsen dem Meer entgegenstrebt. Genau wie die Geschichte in diesem Buch, welches mich sehr gut unterhalten hat.

Dieses eBook habe ich im Rahmen des Angebots von PenguinRandomhouse-Testleser vorab lesen dürfen.


Gerard Donovan, In die Arme der Flut, Thriller, eBook, Luchterhand Literaturverlag, 15,99 €, 320 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 04.10.2021

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Veröffentlicht am 04.09.2021

Solider Kriminalroman vor schöner Kulisse

Bretonischer Stolz
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Als die Polizei am vermeintlichen Tatort eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Keine Spur. Nichts. Die Zeugin ist zudem eine ältere, als leicht verwirrt geltende, ehemalige Schauspielerin. Entsprechend ...

Als die Polizei am vermeintlichen Tatort eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Keine Spur. Nichts. Die Zeugin ist zudem eine ältere, als leicht verwirrt geltende, ehemalige Schauspielerin. Entsprechend voreingenommen begrüßen die Beamten vor Ort Kommissar Dupin. Dieser jedoch vertraut auf seine Erfahrung, seine Intuition und Menschenkenntnis, um seinen vierten Fall aufzuklären.

Dupin muss eine ganze Weile gegen die Vorurteile der Kollegen vor Ort anarbeiten, bis er den notwendigen Respekt erwiesen bekommt. Parallel ist einer seiner Mitarbeiter in eigener Mission unterwegs und gerät in Schwierigkeiten, so dass Dupin sich selbstverständlich vor seinen Mitarbeiter stellt. Leider wird vom Präsidium ein anderer Schluss aus der Summe der Vorkommnisse gezogen, so dass der Mordfall fast ungeklärt als abgeschlossen tituliert werden soll.

„Bretonischer Stolz“ ist wie eine schöne Urlaubsreise in die Bretagne. Ich war schon wiederholt dort und finde es schön, die verschiedenen Orte und Gegebenheiten aus erster Hand zu kennen. Okay, bei einer Urlaubsreise wären Leichen, Anschläge & Co. natürlich entbehrlich. In einem Krimi aus der Feder von Bannalec jedoch nicht. Solide Ermittlungsarbeit, ein „Typ“ als Kommissar, schrullige, verlässliche Mitarbeiter*Innen, angenehme Nebenschauplätze und menschliche Abgründe. Ein „rundes“ Buch.

Das Cover passt sich erwartungsgemäß in die Buch-Reihe um Kommissar Dupin ein.


Jean-Luc Bannalec, Bretonischer Stolz – Kommissar Dupins vierter Fall, Kriminalroman, broschierte Ausgabe, Kiepenheuer & Witsch, 14,99 €, 384 Seiten, Erscheinungstermin 13.10.2016

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Veröffentlicht am 19.08.2021

Mehr Krimi denn Thriller

Narbenherz
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Ich denke, es kann kaum etwas Schlimmeres für Eltern geben, als dass das einzige Kind spurlos verschwindet! In dieser Situation befinden sich Jens und Anne Sophie Bjerre; ihr 10jähriger Sohn Lukas ist ...

Ich denke, es kann kaum etwas Schlimmeres für Eltern geben, als dass das einzige Kind spurlos verschwindet! In dieser Situation befinden sich Jens und Anne Sophie Bjerre; ihr 10jähriger Sohn Lukas ist nicht auffindbar. Die Suche beginnt in der Nyholm-Schule, wo Lukas zuletzt gesehen wurde.

Neben den Einsatzkräften sind der Lehrerstab sowie besorgte Eltern mit ihren Kindern auf dem Schulhof, als der leitende Kommissar Erik Schäfer eintrifft. Dort trifft er auf seine gute Freundin, Heloise Kaldan, Journalistin, welche zufällig und privat vor Ort ist.

Nach einem irritierenden, beängstigenden Prolog entwickeln sich mehrere Handlungsstränge, welche sich nur gelegentlich überschneiden, so dass Heloise und Erik nicht gemeinsam ermitteln, was ich eigentlich angenommen hatte. Allerdings erhält Kaldan in der Redaktion aufgrund ihrer Verbundenheit zum Kommissar den Auftrag, ihre aktuelle Recherche ruhen zu lassen und im „Fall Lukas“ für Berichte und infolgedessen steigende Quoten zu sorgen.

„Narbenherz“ hat mich direkt an die Hand und mit nach Dänemark genommen. Der Autorin gelingt es, die ProtagonistInnen sowie die Handlungsstränge interessant auszugestalten, dass ich immer weiter voran strebe, um den Täter „zuerst zu finden“. Geschickt werden Spuren gelegt, Personen rücken in den Fokus oder auch in den Hintergrund und ich bekomme die Lösung nicht zu fassen. Hancock verschleiert die Lösung so gut, dass ich im Finale völlig überrascht bin, wie sich das Blatt wendet.

Dieses Buch hat mich sehr gut unterhalten. Es ist jedoch für mich eher ein Kriminalroman denn ein Thriller, da es zwar solide Ermittlungsarbeit, sowohl auf Seiten der Polizei als auch der Presse gibt, aber so richtige Spannung für mich nicht aufkommt. Die Nebenschauplätze, auch im Privatleben der Hauptakteure, bereichern die Handlung und wirken schlüssig.

Dies ist der zweite Fall aus der Feder von Anne Mette Hancock, in dem Heloise und Erik aufeinandertreffen. Dass ich den ersten Band nicht gelesen habe, bereitete mir für das Verständnis evtl. Zusammenhänge keinerlei Schwierigkeiten.
Das Cover gefällt mir sehr gut; hat jedoch für mich keine direkte Verbindung zum Inhalt des Buches.

Lese-Empfehlung für Hobby-Ermittler*Innen in nordischen Gefilden!


Anne Mette Hancock, Narbenherz, Thriller, flexibler Einband, Fischer-Scherz Verlag, 15,0 €, 384 Seiten, Erscheinungstermin 28.07.2021

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Veröffentlicht am 26.07.2021

Das Meer wahrt Geheimnisse

Die Leuchtturmwärter
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Am 26.12.1900 verschwanden die drei diensthabenden Leuchtturmwärter spurlos vom schottischen Leuchtturm Eilean Mór. Dieses, bis heute ungeklärte Geschehen, bildet die Basis für „Die Leuchtturmwärter“. ...

Am 26.12.1900 verschwanden die drei diensthabenden Leuchtturmwärter spurlos vom schottischen Leuchtturm Eilean Mór. Dieses, bis heute ungeklärte Geschehen, bildet die Basis für „Die Leuchtturmwärter“. Davon abgesehen ist die Handlung erdacht, die Ereignisse im Buch reine Fiktion.

In der Silversternacht 1975 verschwindet die Besatzung des Maiden Rock spurlos. Das Versorgungsschiff, welches zuerst dort eintrifft, findet einen sorgsam verschlossenen Leuchtturm vor, allerdings ohne ein Lebenszeichen der drei dort tätigen Männer. Die Ermittlungen stoßen auf diverse Ungereimtheiten auf Basis von Logbuch und örtlichen Gegebenheiten, sind jedoch nicht in der Lage, das Verschwinden der Besatzung aufzuklären.

Zwanzig Jahre später widmet sich ein bekannter Autor den Ereignissen jener Zeit und wendet sich an die hinterbliebenen Frauen, um in Interviews die Umstände des Arbeitens und Lebens auf einem Leuchtturm und in dessen Einzugsbereich zu ergründen. Evtl. bietet sich ihm zudem die Chance, dem Geheimnis des Maiden Rock auf die Spur zu kommen.

Emma Stonex entzaubert in ihrem Debüt jegliche Leuchtturmromantik von lauschiger Ruhe unter dem Sternenhimmel, während den vorbeiziehenden Schiffen der Weg gewiesen wird und das glitzernde Meer den Träumen Flügel verleiht.

Auf Grundlage umfangreicher Recherchen der Autorin erfahre ich, wie sich der Aufenthalt auf einem Leuchtturm - mitten im manchmal launischen Meer - vor der Automatisierung gestaltet. Erlebe die Enge, das Fehlen von Privatsphäre, die teilweise schwere Arbeit und auch die unterschwelligen Zwischentöne, die in jeder Gruppe nach einer Weile auftreten. Man kennt sich sehr gut und doch hat jeder seine Geheimnisse, Konfrontationen lassen sich nicht immer vermeiden. Letztlich, auch durch das Dreischichtsystem, bleibt man allein.
Derweil meistern die Frauen das Getrenntsein und die damit verbundene Verantwortung und Eigenständigkeit an Land im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Man kennt sich untereinander, ist aber nicht wirklich befreundet, bleibt doch auch allein im Warten auf die Rückkehr des Partners. Und schließlich auch in der Trauer und dem Weiterleben. Erst durch dieses Buchprojekt treffen die Frauen wieder aufeinander und können eine Art Frieden mit sich und der Maiden schließen.

„Die Leuchtturmwärter“ ist mein erstes Buch, dessen Schauplatz ein Leuchtturm ist. Die Handlung wechselt zwischen dem Leben auf dem Turm und dem Rückblick der Frauen hin und her. Der forschende Buchautor tritt kaum in Erscheinung, erzählen doch die Befragten von sich aus; evtl. Fragestellungen oder ein Dialog finden nicht statt.

Dieses Buch habe ich gerne gelesen, es hat mich gut unterhalten. Zum Ende hin kommt ein wenig Spannung auf. Und doch ist es ein wenig eigenwillig, etwas sperrig; kein Buch, welches sein Geheimnis leichtfertig offenbart. Ich werde belohnt, indem ich durch die Sprache und Ausdrucksfähigkeit der Autorin fast IM Leuchtturm bin, während das Meer tost oder friedlich die Hand reicht. Das Cover ist schlicht und stimmig zum Inhalt.


Dieses eBook habe ich im Rahmen einer jellybooks-Leseaktion vorab lesen dürfen.


Emma Stonex, Die Leuchtturmwärter, Roman, eBook, Fischer eBooks, 18,99 €, 432 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 25.08.2021

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