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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2021

Knödel haben immer Saison

Knödelschatz
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Egal ob aus Semmelwürfel, Grieß oder Kartoffelteig, süß oder deftig gefüllt, als Hauptspeise oder Beilage, Knödel in Bayern bzw. Österreich, Klöße im nördlichen Teil Deutschlands oder knedlicek bei unseren ...

Egal ob aus Semmelwürfel, Grieß oder Kartoffelteig, süß oder deftig gefüllt, als Hauptspeise oder Beilage, Knödel in Bayern bzw. Österreich, Klöße im nördlichen Teil Deutschlands oder knedlicek bei unseren tschechischen Nachbarn, Knödel haben immer Saison.

Das Autorenduo ist den unterschiedlichsten Knödeln auf der Spur. Wir erfahren allerlei Wissenswertes zum Teig und dessen Verarbeitung.

Knödel als Suppeneinlage
Knödel als Vorspeise
Knödel als Beilage
Knödelreste
Süße Knödel
Teige, Füllungen und Begleiter

Ein ausführlicher Rezeptteil lässt einem ob der tollen Fotos das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Die Rezepte finden sich im Anhang alphabetisch und nach Themengruppe aufgezählt. Da es sich um ein österreichisches Kochbuch handelt, darf ein ausführliches Glossar auch nicht fehlen.

Ein altes Sprichwort sagt: “Wenn einer jungen Frau oder Magd die Knödel gut gelingen, dann hat sie das Zeug zum Heiraten.“

Fazit:

Ein Kochbuch, das Lust macht das eine oder andere Rezept auszuprobieren. Gerne gebe hier 5 Knödel (Sterne).

Veröffentlicht am 01.08.2021

Absolute Loyalität statt Eignung?

Kurz
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In dem 16 Kapitel und 256 Seiten umfassenden Werk arbeitet sich Peter Pilz, Ex-Politiker und Herausgeber des Online-Magazins ZackZack, an Bundeskanzler Sebastian Kurz und seiner Politik ab und durchleuchtet ...

In dem 16 Kapitel und 256 Seiten umfassenden Werk arbeitet sich Peter Pilz, Ex-Politiker und Herausgeber des Online-Magazins ZackZack, an Bundeskanzler Sebastian Kurz und seiner Politik ab und durchleuchtet das sogenannte „System Kurz“.

Man muss Peter Pilz nicht mögen, um seiner gut nachvollziehbaren Schilderung des kurz'schen Krimis "Projekt Ballhausplatz" folgen zu können. Trotzdem kann jeder Mensch mit einem Mindestmaß an moralischen Werten diesem Buch und dem Autor beipflichten, wenn es darum geht Sebastian Kurz, als jene Person zu entlarven, welche sich in einer Reihe von Victor Orban und Wladimir Putin einordnen lässt.

Kurz wirkt auf viele Menschen wie ein Heilsbringer, denn (und das ist seine Stärke) er hört zu und hat eine feine Antenne für Stimmungen. Daher kommt es nicht von ungefähr, dass er ständig Umfragen in Auftrag gibt. Dabei schafft er es, den anderen Parteien das Wasser abzugraben, wenn er deren Ideen nur ein klein wenig verändert als die seinen ausgibt. Diese Stärke ist gleichzeitig seine Schwäche, denn eigene Ideen, hat er kaum anzubieten.

Sein wahrscheinlich größtes Talent ist, von seinen Schwächen abzulenken, indem er in die Rolle eines charismatischen Kompetenten schlüpft. Er vermittelt den Eindruck, in dieser oder jener Sache sattelfest zu sein. Einen Bundeskanzler darzustellen, vermag er wie kein Zweiter.

Interessant ist, dass auch seine nähere Umgebung sich hauptsächlich durch „unbedingte Loyalität“ (manchmal hat man den Eindruck von „Kadavergehorsam“) ihm gegenüber als durch Sachverstand und Wissen auszeichnet. Gut, ein Minister muss nicht unbedingt über jedes Detail seines Ressorts Bescheid wissen, dafür hat er seine Beamten. Aber, da wird ja auch kräftig umgefärbt.

Peter Pilz fasst in seinem Buch kurz und knackig zusammen, was seit Kurz' Machtübernahme passiert ist. Dafür wälzt er Tausende Seiten von Protokollen und Akten der diversen Untersuchungsausschüsse.

Wie gesagt, man muss Peter Pilz nicht mögen, aber diese Geschichte eines skrupellosen Aufsteigers, der an die Macht will und bereit ist, alles dafür zu tun, macht betroffen. Ob Geheimdienste, Polizei, Justiz, Medien, Parlament oder öffentliche Wirtschaft, sie alle sollen nach (s)einer Pfeife tanzen. Irgendwie erschreckend, oder?

Veröffentlicht am 01.08.2021

Wien hat viele Facetten

Wien für Fortgeschrittene
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Dieses Buch ist für Einheimische, Wien-Fans und solche Leser, die es noch werden wollen geschrieben worden.
Abseits der touristischen Trampelpfade begleiten wir die Autorin und ihren Fotografen auf elf ...

Dieses Buch ist für Einheimische, Wien-Fans und solche Leser, die es noch werden wollen geschrieben worden.
Abseits der touristischen Trampelpfade begleiten wir die Autorin und ihren Fotografen auf elf verschiedenen Routen kreuz und quer durch Wien. Dabei werden Bezirksgrenzen vernachlässigt und Grenzen im Kopf überwunden.

Schon der Einstieg ist überraschend: Mit der Straßenbahnlinie D durchqueren wir die Stadt von einer Endstelle (Absberggasse) bis zur anderen (Nußdorf/Beethovenweg).

Wien quergelesen - Quer durch Wien mit der Linie D
Anfängerzonen von der Maschekseite
Aufschwung im Vierteltakt
Eine sagenhafte Mischung
Aus der Vielfalt schöpfen
Wien an die Donau
Eine Insel mitten in der Stadt
Französisches Flair, Geschichte und Kultur
Nachbarschaft, Business und schöne Künste
Mischkost in der Vorstadt
Rund um den Naschmarkt

Jedes Kapitel enthält neben Geschichte auch ein G’schichtl. Im Kapitel „Vokabularium und Begleitmusik“ werden Wiener Ausdrücke erklärt, sodass auch Nicht-Wiener gut mit diesem Buch zurechtkommen.

Leider sind nicht alle Bezirke vertreten. Doch es gibt Hoffnung auf eine Fortsetzung (wenn die Verkaufszahlen stimmen?). Denn in den fehlenden Bezirken gibt es auch zahlreiche spannende Dinge zu entdecken.

Fazit:

Mir hat dieser etwas andere Blickwinkel auf meine Heimatstadt Wien sehr gut gefallen. Ich kann dieses Buch allen Einheimischen, Wien-Fans und solchen Leser, die es noch werden wollen, unbedingt ans Herz legen. Daher gibt es eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.08.2021

Ein temporeicher Krimi, der mich gut unterhalten hat

Brillanter Abgang
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Was tun, wenn plötzlich 200 Millionen Euro auf dem eigenen Konto landen? Abheben oder die Bank informieren? Vor genau diesem Dilemma steht der insolvente Antiquitätenhändler Hans Bäumler aus Frankfurt ...

Was tun, wenn plötzlich 200 Millionen Euro auf dem eigenen Konto landen? Abheben oder die Bank informieren? Vor genau diesem Dilemma steht der insolvente Antiquitätenhändler Hans Bäumler aus Frankfurt am Main. Seine neue Freundin, die Kroatin Tonja, teilt seine Skrupel nicht und hat in Windeseile einen Plan zur Hand, die Millionen spurlos verschwinden zu lassen. Bäumler steht mit offenen Mund da und lässt Tonja gewähren.

Hans Bäumler, eher ein „Bewahrer“ denn ein „Loslasser“ (so sein Selbstbild) muss nun auf vieles verzichten: auf Frankfurt, auf seinen Jaguar, seinen Antiquitätenladen und seine Identität als Hans Bäumler. In Zukunft wird er in Kroatien leben, zuerst im kleinen Dorf von Tonja, dann in Opatja, dem ehemaligen Abazia, dem mondänen Kurort der Donaumonarchie, einen verbeulten Franzosen fahren und einen neuen Namen haben. Ist das alles die 200 Millionen Euro wert?

Meine Meinung:

Autor Alexander Hoffmann nimmt mit diesem Wirtschaftskrimi eine ganze Branche auf die Schaufel. Als Leser will man gar nicht so genau wissen, wie oft so etwas passiert. Es scheint, als ob die deutsche Rechtslage den Empfang einer solchen Fehlbuchung toleriert. „Im guten Glauben“ eine solche Summe zu erhalten und vor allem zu behalten? Also ich hätte da Skrupel. Immerhin, Tonja gibt einen Teil für ihr Dorf aus und bietet den Bewohnern eine neue Perspektive, indem sie die stillgelegte Fabrik wieder eröffnet.

Das Tempo in diesem Krimi ist recht hoch, sodass einem bei den vielen Transaktionen mit denen das Geld hin und her jongliert wird, fast schwindlig wird.

Mehrmals musste ich über die toughe Tonja und den eher behäbigen, gutgläubigen Hans schmunzeln. Kurz habe ich befürchtet, dass Tonja mit dem Geld durchbrennt.

Gut gefallen hat mir auch der zweite Erzählstrang, der in der Bank spielt. Der Geschäftsführer schreibt lieber die 200 Millionen ab, bevor seine eigenen krummen Machenschaften ans Tageslicht kommen. Ich gehe davon aus, dass es hier ein reales Vorbild gibt/gegeben hat.

Fazit:

Ein temporeicher Krimi, der zeigt, dass auch im Bankensektor nicht alles Gold ist, was glänzt. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und gebe deshalb 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 20.07.2021

Fesselnde Zeitreise in die Niederlande des 17. Jh.

In Zeiten des Tulpenwahns
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Susanne Thomas entführt uns in das Haarlem des 17. Jahrhunderts.

Nachdem er seine Frau bei einem Brand verloren und selbst eine entstellende Brandwunde davon getragen hat, bleiben dem talentierten Gärtner ...

Susanne Thomas entführt uns in das Haarlem des 17. Jahrhunderts.

Nachdem er seine Frau bei einem Brand verloren und selbst eine entstellende Brandwunde davon getragen hat, bleiben dem talentierten Gärtner Nicolaes Verbeeck nur die Liebe zu seiner Tochter Margriet und jene zu seiner Tulpenzucht. Während viele seiner Landsleute Tulpen um des schnöden Mammons wegen züchten und die Zwiebel zu Höchstpreisen verkaufen, erfreut sich Nicolaes an der Schönheit der Pflanzen. Selbst sein Dienstherr kann ihn nicht dazu bewegen, ihm eine Tulpe zu verkaufen.

„...Ich verstehe deine Leidenschaft, Nicolaes. Du hast einen Sinn für das Schöne. Das verträgt sich nicht mit der Gier nach Geld, die sich allenthalben antreffen lässt...“

Erst als er für seine Tochter eine hohe Mitgift aufbringen soll, lässt er sich auf die Spekulationen mit den Tulpenzwiebeln ein. Denn Margriet liebt den adeligen Frans, was zu dieser Zeit aufgrund des Standesunterschieds keine mögliche Verbindung ist. Es sei denn, dass die Mitgift der Frau, die Geldnöte des Adeligen beseitigt und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Meine Meinung:

Dieser historische Roman, der sehr stimmig und wortgewaltig daherkommt, zeichnet ein authentisches Bild der damaligen Gesellschaft. Man heiratet nur innerhalb seines Standes und Fremde werden scheel angesehen.

Nicolaes Verbeeck ist ein aufrechter und rechtschaffener Mann. Interessant ist, dass er alleinerziehender Vater ist. Dass er um seine Frau trauert, ist verständlich, aber dass er in Zeiten, in denen man Versorgungs- und Zweckehen eingeht, sich keine andere Frau nimmt, ist schon sehr ungewöhnlich.

Lange wehrt er sich gegen den Tulpenwahn. Dass ausgerechnet er dem Betrug und die Spekulation mit den Tulpenzwiebeln zum Opfer fällt, ist eine Ironie des Schicksals. Nicolaes Verbeeck hat einen erbitterten Feind, der im Verborgenen die Fäden zieht. Sein Motiv scheint auf den ersten Blick nicht erkennbar.

Die Autorin hat penibel recherchiert, um die Spekulationsblase mit den Tulpen authentisch darzustellen. Ich habe zu diesem Thema schon mehrere Bücher gelesen.

Diese Form des Handels - heute nennt man es Termingeschäft, bei dem ein Käufer verspricht, an einem festgelegten Tag in der Zukunft einen vorher bestimmten Preis für eine Ware zu bezahlen – ist nicht neu in Holland. Der Getreidehandel mit dem Baltikum wird seit etwa 1550 so geführt. Auch Waren wie Heringe oder Gewürze sind bereits verkauft, noch ehe sie die Niederlande erreichen.

Die Tulpenmanie und der Zusammenbruch des Marktes: Die Zeitgenossen sehen darin eine Warnung. Sie ist ein Lehrstück über die Falschheit und Vergänglichkeit irdischer Güter. Das Vertrauen in den Handel ist zeitweise gestört, doch dann nehmen Gier nach Reichtum wieder überhand und die nächste Blase wartet schon. Wie kann es sein, dass eine einfache Tulpe wertvoller ist als Gold?

Fazit:

Ein fesselnder historischer Roman, dem ich gerne 5 Sterne gebe.