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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.08.2021

Habe in der fiktiven Vergangenheit den roten Faden verloren

Florance Bell und die Melodie der Maschinen
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Mit diesem Jugendbuch habe ich mich schwer getan. Dass es das Genre „Steampunk“ gibt und was es bedeutet, erfuhr ich erst durch andere Rezensenten, muss ich gestehen. So konnte ich zwar die Handlung in ...


Mit diesem Jugendbuch habe ich mich schwer getan. Dass es das Genre „Steampunk“ gibt und was es bedeutet, erfuhr ich erst durch andere Rezensenten, muss ich gestehen. So konnte ich zwar die Handlung in einer „fiktiven Vergangenheit“ besser einordnen. Aber gefallen hat mir das Buch dennoch nicht. Welchen 12-jährigen Lesern ich das Buch empfehlen sollte, bleibt mir als jemand, der früher eine eigene Buchhandlung hatte, völlig schleierhaft.
Wir befinden uns im Jahr 1820. Napoleon hat England besetzt. Die 15-jährige Florance arbeitet recht geschickt für den Meistermechaniker eines maschinenverrückten Grafen, der jedoch überfallen wird. Wichtige Erfindungen werden gestohlen, und Florance wird gefangen genommen. Doch Florance weiß sich zu wehren…
So oder so ähnlich könnte man den Plot wiedergeben. Wobei ich beim Lesen oftmals die Orientierung bzw. den roten Faden verlor. Zu verworren ist die Geschichte, die politisch sein will, auch gesellschaftspolitisch. Die aber so eifrig mäandert zwischen Fantasie und Historie, dass mir die neugierige Freude des Lesens schnell abhanden kam. Florance ist zwar eine weitgehend sympathische Hauptfigur, aber was sie letztlich dem Leser vermitteln soll, bleibt für mich durch das Auftreten so vieler anderer Personen und deren Interaktion schleierhaft.
Fazit: Ein ungewöhnliches Jugendbuch, mit dem ich zugegebenermaßen nicht viel anfangen konnte. Zu bunt war für mich die Mischung von Fantasy und Historie, von Gesellschaftskritik, technischer Detailliebe und Suche nach persönlicher Verwirklichung. Dies alles erzählt aus wechselnden Perspektiven in einer durchaus anspruchsvollen Sprache.

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Veröffentlicht am 19.08.2021

Nicht ganz überzeugend

Vollwertküche – Gesund. Einfach. Lecker.
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Sehr gespannt war ich auf dieses neu aufgelegte Standardwerk, da ich zugegebenermaßen nicht wirklich informiert bin, was Vollwertkost tatsächlich bedeutet. So war mir zum Beispiel nicht klar, dass dies ...


Sehr gespannt war ich auf dieses neu aufgelegte Standardwerk, da ich zugegebenermaßen nicht wirklich informiert bin, was Vollwertkost tatsächlich bedeutet. So war mir zum Beispiel nicht klar, dass dies wohl tatsächlich vegetarische Küche bedeutet unter dem Grundgedanken, dass Vollwertkost genügend Eiweiß liefert, um auf Fisch und Fleisch ganz verzichten zu können.
Die dem Buch vorangestellten grundlegenden Informationen sind kurz gefasst. Das ist einerseits praktisch, andererseits aber mir persönlich zu knapp, mit zu wenig belastbaren Hintergrundinformationen. Es wird so manches einfach behauptet, ohne wirklich tiefergehend begründet zu werden. Das genügt mir nicht als jemand, der sich neu mit dem Thema befasst und erst einmal überzeugt werden muss.
Das Buch bietet eine Fülle von Rezepten. Der Text dazu ist übersichtlich gestaltet, schade jedoch, dass nicht jedes Rezept mit Foto vertreten ist. Außerdem vermisse ich Nährstoff- und Kalorienangaben. Überhaupt wird meines Erachtens zu wenig darauf eingegangen, mit welchen Problemen eine Ernährungsumstellung zur Vollwertkost mit sich bringt, wie zum Beispiel, dass die propagierte Frischkost etlichen Menschen Verdauungsprobleme verursacht.
Natürlich habe ich einzelne Rezepte nachgekocht. So war für mich zum Beispiel überraschend, das Rosenkohlgemüse mit Zitronenschale und Orangensaft zu würzen, was dem Rosenkohlgeschmack tatsächlich eine peppige Note gibt. Sehr lecker fand ich auch den schnellen Schokoladenkuchen mit Schokoladenglasur.
Fazit: Zum „Vollwertköstler“ hat mich das Buch nicht gemacht. Dazu fehlten mir im Text die wissenschaftlich fundierten Informationen. Aber das eine oder andere Rezept werde ich auch in Zukunft nachkochen. Besonders die vielen Saucenrezepte haben es mir angetan.

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Veröffentlicht am 03.08.2021

Leider enttäuschend

Heldinnen werden wir dennoch sein
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Angelockt von der Inhaltsangabe und weil ich die Autorin nicht kannte, begann ich neugierig, das Buch zu lesen. Leider dauerte es gar nicht lang, bis ich das Lesen abbrechen wollte, nur mein Pflichtgefühl ...


Angelockt von der Inhaltsangabe und weil ich die Autorin nicht kannte, begann ich neugierig, das Buch zu lesen. Leider dauerte es gar nicht lang, bis ich das Lesen abbrechen wollte, nur mein Pflichtgefühl zwang mich weiterzulesen. Zwar gewöhnte ich mich nach einer Weile an die Erzählweise, aber Freude hat mir die Lektüre leider gar nicht gemacht.

Fünf seit Jugendzeit an eng verbundene Freundinnen sind geschockt, als sie vom Selbstmord ihres damals zur Clique zugehörigen Freundes Frankie erfahren. Dieses Geschehnis ruft Erinnerungen hervor, die teils sehr quälend sind. Die Freundinnen beginnen zu reflektieren, was das Leben seit ihrer Jugendzeit aus ihnen gemacht hat und wie Vergangenes und eine unausgesprochene Schuldfrage bis in die Gegenwart hinein wirken.

Ich hatte die Erwartung, dass die großen angekündigten Themen wie Freundschaft, Loyalität, Schuld, Verlust, Homosexualität, Lebensentscheidungen in einer psychologisch klugen, tiefgründigen Weise anhand einer berührenden Geschichte behandelt werden. Doch leider blieb ich emotional völlig unberührt. Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven. Jede der Freundinnen hat ein eigenes Bild von Frankie und der gemeinsamen Jugendzeit in Erinnerung und hatte jeweils ganz eigene Zukunftserwartungen. Dies wird durchaus gut dargestellt, aber dennoch so nüchtern-neutral, dass der Leser nicht berührt wird. Zusätzlich zu den Perspektivwechseln gibt es eingestreute Rückblicke an „früher“, die zwar dem Verständnis dienen, aber dennoch Verwirrung schaffen, weil dadurch immer mehr Personen auftauchen, die der Leser irgendwie einordnen muss. Die Dialoge wirken oft hölzern-konstruiert. Leider finden sich auch etliche sprachlich und grammatikalisch unsaubere Stellen. Am schlimmsten jedoch war für mich persönlich dieses häufige Verzetteln in Beschreibungen von absolut nebensächlichen Dingen. Da wird zum Beispiel von irgendwelchen Großeltern berichtet, die im Buch keine Rolle spielen, auch nie mehr erwähnt werden. Dennoch wird berichtet, was und wie sie gerne E-Bike fahren… Dies nur als kleines Beispiel der ermüdend weitschweifigen Erzählweise mit unendlich vielen unnützen Informationen, die mir das Lesen völlig verleideten. Auch hätte ich von einer guten Autorin erwartet, dass die Beiträge, die Frankie selbst in den Mund gelegt werden, in einer zu ihm passenden feinfühlig-sensiblen Sprache geschrieben worden wäre, nicht so nüchtern wie ein Zeitungsbericht.
So war in der Gesamtschau dieser Roman für mich leider sehr enttäuschend.

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Veröffentlicht am 23.07.2021

Viel Gefühl, zuwenig Tiefgang

Das Fundament der Hoffnung
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Mehrbändige Familien-Sagas sind gerade sehr in Mode. Wenn sie gut recherchiert sind, erfährt man neben den familiären Gefühlsgeschichten auch etwas über den historischen, landschaftlichen und beruflichen ...


Mehrbändige Familien-Sagas sind gerade sehr in Mode. Wenn sie gut recherchiert sind, erfährt man neben den familiären Gefühlsgeschichten auch etwas über den historischen, landschaftlichen und beruflichen Hintergrund, sodass neben dem Unterhaltungswert auch ein wenig Wissenszugewinn das Lesen sinnvoll macht. Im vorliegenden 1. Band der Mandelli-Saga habe ich allerdings Mühe, diesen Wissenszugewinn zu entdecken.
Wir befinden uns im Jahr 1956 am Comer See. Aurora ist 19 Jahre alt, als ihr geliebter Bruder den Unfalltod stirbt. Der Vater, der zusammen mit seinem Sohn ein kleines Bauunternehmen führte, ist gebrochen. Um der Familie das Überleben zu sichern, versucht Aurora, die schon immer ein Faible für die Arbeit als Maurerin, als muratore, hatte, die Firma weiterzuführen und glaubt, am langjährigen Mitarbeiter Michele einen treuen Beistand zu haben. Doch Aurora scheint am gesellschaftlichen Druck zu zerbrechen…
Allem vorangeschickt sei, dass das Buch wunderbar zu lesen ist. Man wird von Anfang an von der Geschichte eingefangen und kann die Gefühle, die Aurora und ihre Familie bewegen, stets mitempfinden. Ladina Bordoli schreibt zwar in einer sehr malerisch-ausschmückenden und weitschweifigen Erzählweise, dennoch wurde mir beim Lesen nie langweilig. Schade fand ich, dass recht viele Klischees bemüht werden, was zum Beispiel beim schnellen Wandel des Michele vom hilfsbereiten, freundlichen Menschen zum extrem widerwärtigen, saufenden, jähzornigen Ekel sichtbar wird. Merkwürdig empfinde ich auch die Darstellung von Aurora, die eine emanzipierte Seite hat und sehr selbstsicher ihre Gestaltungsvorstellungen darlegt, andererseits aber so stumm-leidend und selbstunsicher in ihren Beziehungen ist. Und leider, leider wird über die Arbeit von Aurora wenig Substantielles berichtet. Nur über ihre außerordentlich besonderen Fähigkeiten, Gegebenheiten aufzunehmen und sofort im Geist Entwürfe der Umgestaltung präsentieren zu können, erfahren wir. Wissenszugewinn wie oben erwähnt, ist im Buch nicht zu finden, weder was die Örtlichkeiten, was die schwierige Zeit der Fünfziger Jahre noch was die schwere Arbeit der Muratore betrifft. Das Buch erschöpft sich in schweigendem Ertragen, im detaillierten Beobachten und in diversen Gefühlslagen. Schön zu lesen, doch ein wenig mehr Tiefgang hätte dem Roman gut getan.

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Veröffentlicht am 12.07.2021

Das Leben ein einziges Theaterstück

Unter Freunden
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Wenn man mehrere euphorische Lobeshymnen über ein Buch liest, schraubt das die Erwartungen ziemlich hoch. Aber was ist, wenn man nach eigener Lektüre die Lobeshymnen nicht nachvollziehen kann? Liegt es ...


Wenn man mehrere euphorische Lobeshymnen über ein Buch liest, schraubt das die Erwartungen ziemlich hoch. Aber was ist, wenn man nach eigener Lektüre die Lobeshymnen nicht nachvollziehen kann? Liegt es an mir? Verstehe ich das Buch nicht richtig? Habe ich eine völlig andere Vorstellung von „glänzender Unterhaltung“, von „mitreißenden Charakteren“? Fragen, die mich bewegen und die es mir schwer machen, eine Rezension zu schreiben.

Den Inhalt kann man sehr kurz zusammenfassen. Zwei eng befreundete Ehepaare, mehrheitlich Schauspieler, über viele Jahre vertraut miteinander, werden durch eine seit langen Jahren bestehende, bestgehütete, aber schließlich doch ans Licht kommende Lüge an ihre Grenzen gebracht, ihre Beziehungen zueinander (und zu sich selbst) in Frage gestellt.

Keine Frage, Cynthia d’Aprix Sweeney schreibt gut. Sie hat die Gabe, seismographisch in Beziehungsgeflechte hineinzuschauen, vielleicht sogar durch sie hindurch und damit sie zu durchschauen. Und diese Gabe des sezierenden Blicks verpackt sie nicht in analysierende Worte, sondern in viele, viele kleine Szenen, alltägliche Szenen, im Grunde nichtssagende Szenen, die erst in der Summe ein Bild aller unausgesprochenen Wahrheiten ergeben. Und genau diese unendlich vielen puzzleartigen Einzelteile, realistisch erscheinend, unbedeutend wirkend, amerikanisch-oberflächlich, sind es, die mich beim Lesen so ermüden ließen. Zu viele amerikanische Labels, zu viele Namen von Personen, Songs, Orten, Künstlern, Gerichten, Getränken, die Amerikanern vertraut sein mögen, mir allerdings nicht, und damit in mir nichts auslösen außer gelangweiltes Darüberlesen. Aus den verschiedenen Perspektiven der Hauptpersonen wird geschildert, wie sich vertrautes Leben, in dem man es sich miteinander heimelig gemacht hatte, von einer Minute zur anderen in Nichts auflöst. Ein Schlaganfall, ein Herzinfarkt, eine alte Lüge, alles wird überlebt und dennoch beginnt in der Folge ein neues, ein wankendes, ein unsicheres Leben ohne doppelten Boden, ohne Sicherheitsnetz. Ein Thema, das man emotional spürbar, psychologisch tiefgehend hätte beschreiben können. Mir kommt das Buch jedoch vor wie ein zu detailreich inszeniertes Theaterstück, das sich um nichts als um sich selbst dreht.

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