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Veröffentlicht am 22.08.2021

Sternflüstern - ja bitte!

Sternflüstern
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Sternflüstern - danach habe ich nun auch ganz viel Sehnsucht bekommen. Wie ich gelernt habe, beschreibt der Begriff ein Phänomen, wenn der Dampf in Atemwolken knisternd gefriert, wozu es äußerst großer ...

Sternflüstern - danach habe ich nun auch ganz viel Sehnsucht bekommen. Wie ich gelernt habe, beschreibt der Begriff ein Phänomen, wenn der Dampf in Atemwolken knisternd gefriert, wozu es äußerst großer Kälte bedarf. Fantasievoll überträgt die Autorin hier den Namen des Naturphänomens auf die Momente im Leben, wenn zwischen Menschen ein wunderbarer Austausch, ein Gleichklang, entsteht.
Irith muss mit Mitte 50 den Tod ihres Geliebten Lunis verwinden. Ihre Beziehung war unkonventionell, geprägt vom Wechsel zwischen Nähe und Distanz. Von Lunis' Tod erfährt Irith tatsächlich erst durch einen Testamentsvollstrecker. Unter anderem hat Lunis ihr ein Päckchen anvertraut, das sie einer unbekannten Frau senden soll. Doch dazu ist Irith noch nicht bereit. Lunis, selbst Künstler, hatte Irith, die ursprünglich Hotelfachfrau ist, einst zu ihrer eigenen Kunst angeregt. Aus Glas, Naturmaterialien und Gegenständen, die niemandem mehr gehören, schafft Irith seitdem Collagen und Mosaike, bunt und verschlungen wie das Leben. Als ihr Chef sie bittet, die Wand seines Hotels zu gestalten, kommt Irith unvermutet die junge Sophie zu Hilfe, die Bildern ungewöhnliche Rahmen gibt. Ich ahnte schnell, dass es mit Sophie eine tiefere Bewandtnis hat. Spannend blieb für mich die Frage, was es mit der Paketempfängerin auf sich hat und wie Irith ihren weiteren, ganz eigenständigen Weg findet.
Mit ihrer Schilderung, wie Irith lernt, mit Lunis' Tod zu leben, hat die Autorin mich berührt. Vor allem ihre naturverbundene, poetische Beschreibung des verwilderten Gartens eines leerstehenden Hauses, in den sich Irith zurückzieht, ist sehr gelungen, ebenso wie die Sternflüstern-Momente, die Irith auch in Freundschaften immer wieder findet. Ein heilendes Buch mit wunderschönem Cover, das sicher noch lange nachwirkt.

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Veröffentlicht am 20.08.2021

Romantik ist relativ

Die letzten Romantiker
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„Die letzten Romantiker“ ist ein sehr ambitionierter Familienroman, der zum Teil herkömmliche Genregrenzen zu sprengen vermag. Denn die gefeierte Dichterin Fiona Skinner erzählt mit über hundert Jahren ...

„Die letzten Romantiker“ ist ein sehr ambitionierter Familienroman, der zum Teil herkömmliche Genregrenzen zu sprengen vermag. Denn die gefeierte Dichterin Fiona Skinner erzählt mit über hundert Jahren im Jahr 2079 rückblickend die zum Teil tragische Geschichte ihrer Schwestern Renee und Caroline, ihres Bruders Joe und ihrer selbst. Das Leben auf der Erde scheint zu diesem Zeitpunkt ein sehr gefährdetes geworden zu sein. Hier ergeht sich die Autorin Tara Conklin lediglich in Andeutungen, ohne Details zu verraten, was zum Teil große Neugier weckt und einen raffinierten Kunstgriff darstellt, teilweise den Roman allerdings auch überfrachtet und die Lesenden ein wenig unbefriedigt zurücklässt.
Als der Vater mit Mitte 30 überraschend stirbt, ist Noni, die Mutter der Geschwister, komplett überfordert und zieht sich zur „Großen Pause“ zurück. So nennen die vier Nonis tiefen Fall in eine jahrelange Depression, in der die Kinder fast völlig sich selbst überlassen bleiben. Renee als Älteste kümmert sich trotz ihrer Jugend aufopferungsvoll um Schwestern und Bruder. Und alle Schwestern sind sich einig: Sie müssen vor allem für Joe da sein. Diese Jahre führen zu einer besonders tiefen Verbindung untereinander. Aber können Kinder ein solches Aufwachsen tatsächlich unbeschadet überstehen?
Oft einzigartig poetisch, fast märchenhaft und gleichzeitig mit beinahe sezierend scharfem Blick beschreibt Tara Conklin das Leben und Sterben ihrer Protagonisten. Dies ist nicht nur brillant formuliert und durch die Perspektivwechsel sehr anschaulich gelungen. Fiona, die Jüngste, fungiert als Ich-Erzählerin, vermag jedoch gleichzeitig, Begebenheiten aus der Perspektive ihrer Geschwister darzustellen. Dennoch bleibt gerade sie, die enge Bindungen scheut und Männer oft eher als nummerierte Studienobjekte für ihren Blog und nicht als Menschen wahrnimmt, seltsam blass und nicht unbedingt sympathisch.

Familiäre Nähe und vor allem Verlust sind die großen, bewegenden Themen des Romans, mit denen mich Conklin beinahe durchgängig berührt hat. Lediglich im letzten Drittel hatte die Geschichte für mich einige Längen. Zudem erschienen mir manche Handlungen Fionas und Carolines bei der Suche nach der Verlobten ihres Bruders wenig plausibel. Ohne zu spoilern, kann dies leider nicht näher erläutert werden.
Regelrecht geärgert habe ich mich, als im Buch eine Katzenmutter, eigentlich wohlmeinend, mit mehreren Schmerztabletten betäubt wird, um sie aus einem Haus zu bringen. Damit könnte man sowohl Mutter als auch Kitten in der Realität dauerhaft schädigen oder töten. Als Tierfreundin muss ich sagen, dass Derartiges selbst in einer fiktiven Geschichte nicht kommentarlos verbreitet werden dürfte. Man sollte es nicht glauben, aber leider gibt es genug Tierhalter, die ein solches Verhalten dann tatsächlich nachmachen.
Eher unzufrieden bin ich mit dem einfach gehaltenen Cover, das Trübsinn vermittelt und dem Titel, der für ich trotz Erklärung im Roman wenig passend erscheint. Dennoch ein tiefgründiger, stilistisch herausragender Roman.

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Veröffentlicht am 13.08.2021

Mutiger Neubeginn

Eine Prise Meersalz
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Auswandern nach Mallorca mit über 50, und das nach dem Scheitern ihres Restaurants in Gronau und der Zwangsversteigerung ihres Hauses - mutig oder verrückt? Zumal Hanni und Harald auf Mallorca nicht wieder ...

Auswandern nach Mallorca mit über 50, und das nach dem Scheitern ihres Restaurants in Gronau und der Zwangsversteigerung ihres Hauses - mutig oder verrückt? Zumal Hanni und Harald auf Mallorca nicht wieder Gastronomen sein wollen, sondern nur vage Pläne haben. Wo viele andere nicht erfolgreich gewesen wäre, erweist sich für das sympathische, tatkräftige Paar der Neuanfang als goldrichtig. Allerdings müssen sie sich zunächst dazu durchringen, doch wieder in die Gastronomie einzusteigen. Ihr Weg ist steinig und immer wieder von Rückschlägen gekennzeichnet, so dass man die beiden wirklich bewundert.

Dennoch hat mir das Buch nicht ganz so gefallen wie andere aus der Reihe Sehnsuchtsorte. Da Nanni und Harald solche Arbeitstiere sind und, wie Nanni bzw. ihr Co-Autor Oliver Domzalski selbst schreiben, eigentlich nie Zeit haben, sich die Insel anzusehen, bekommt man tatsächlich nur sehr eingeschränkte Eindrücke von Mallorca, die sich überwiegend auf die Gastronomie beziehen. Auch Rückblicke nach Deutschland oder ein sehr langer, im Original wiedergegebener Artikel in einer kulinarischen Zeitschrift haben meine Aufmerksamkeit nicht durchgängig gefesselt. Dennoch ein Buch mit viel Südflair.

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Veröffentlicht am 02.08.2021

Mach langsamer, Brielle

Celestial City - Akademie der Engel
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Auch wenn sich Brielle zum Beginn des Buches auf doppelte Weise in der Hölle findet (physisch und psychisch, weil sie erfährt, dass Freunde und Familie, allen voran ihr Liebster Lincoln, sie für tot halten) ...

Auch wenn sich Brielle zum Beginn des Buches auf doppelte Weise in der Hölle findet (physisch und psychisch, weil sie erfährt, dass Freunde und Familie, allen voran ihr Liebster Lincoln, sie für tot halten) hieß es für mich zunächst aufatmen. Die Hölle lieferte endlich etwas Atmosphäre und die eingesperrte Brielle führte zwangsläufig zu einer Reduzierung des zumindest im zweiten Band irrwitzigen Erzähltempos. Auch wenn man aus manchen Szenen noch viel mehr hätte machen können, wurden angenehme Erinnerungen an den Auftaktband wach. Aber ich habe eben meine Erwartungen an die Reihe auch deutlich reduziert.

Mit der zweiten Hälfte des Buches wurden leider die Fehler aus Teil 2 der Serie wiederholt. Vieles wurde nur noch angerissen, Probleme lösten sich unvermutet in Luft aus und es macht sich gegen Ende sogar Kitsch breit, der nicht eben origineller Romantasy würdig wäre. Dabei mag ich die Serie eigentlich, weil sie dämonische Urban Fantasy bietet und eben nicht zur Romantasy gehört. Warum die zweite Hälfte so unfertig wirkt, wurde mir klar, als ich erfuhr, dass es im amerikanischen Original einen noch kürzeren Teil 3,5 geben wird, der diese Erlebnisse aus Lincolns Sicht schildert. Warum der dortige Verlag das für eine gute Idee hält und damit wohl zwangsläufig auch den deutschen Markt bindet, kann ich mir nur mit kommerziellen Gründen erklären. Hätte man alles im vorliegenden Buch zusammengefasst, es hätte sich wohl trotz der viel zu impulsiven Protagonistin Brielle ein rundes Werk ergeben können. Und so verschenkt nicht nur die Autorin bei der Erzählung unnötig Potenzial. Wie schade!

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Veröffentlicht am 25.07.2021

Sie waren eben Trolle

Schattenelfen - Die Blutkönigin
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Dies war mein erstes Buch von Bernhard Hennen. Ich bin schon so lange Fantasyfan, dass ich mich mittlerweile mehr der Urban als der High Fantasy zugewandt habe. Kann ein Buch in Tolkienscher Tradition ...

Dies war mein erstes Buch von Bernhard Hennen. Ich bin schon so lange Fantasyfan, dass ich mich mittlerweile mehr der Urban als der High Fantasy zugewandt habe. Kann ein Buch in Tolkienscher Tradition mit herkömmlichen Fantasypersonal wie Elfen, Trollen und Zwergen für mich heute noch funktionieren, habe ich mich gefragt. Und wie es kann. Zumindest wenn der Autor Hennen heißt, Germanist ist und zusätzlich mit Kobolden, Chimären, Himmelsschlangen und einem überaus plausiblen, fesselnden Magiesystem aufwartet.

Dass dieser Geschichte einige andere vorausgingen, habe ich zwar gemerkt. Dennoch konnte ich mich problemlos zurechtfinden, auch dank des Glossars und des Personenverzeichnisses am Schluss. Die Geschichte um die Elfenfürstin Alathaia, der die Elfenkönigin Emerelle eine Meuchlerin auf den Hals hetzt, ist so facettenreich wie spannend, denn mit ihr sind zahlreiche Schicksale verknüpft. Und Alathaia flieht mit einer schar faszinierend gestalteter Gefährten an einen Ort, dessen Beschreibung vor Einfallsreichtum nur so strotzt.
Ich bin nun sicher, dass ich die übrigen Elfenromane des Autors ebenfalls kennenlernen möchte. Vor allem seine Drachenelfen machen mich neugierig. Außerdem hat er mir hier ein einfach wunderbares Zitat geliefert, das im wirklichen Leben leider oft verwendet werden kann: "Sie waren eben Trolle. Man konnte mit ihnen nicht reden."

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