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Veröffentlicht am 29.08.2021

Anders als gedacht

Bis ans Ende aller Fragen
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Maxi ist Anfang 40, kinderlos und wurde von ihrem Expartner für eine Jüngere verlassen. Mehr durch einen Zufall kam es dazu, dass sie ein recht gut laufendes Café betreibt, wo sie bei einer Trauerfeier ...

Maxi ist Anfang 40, kinderlos und wurde von ihrem Expartner für eine Jüngere verlassen. Mehr durch einen Zufall kam es dazu, dass sie ein recht gut laufendes Café betreibt, wo sie bei einer Trauerfeier einen Witwer mit seinen beiden kleinen Kindern näher kennenlernt, was ihre Nichte auf die Idee bringt, sie in eine Trauergruppe einzuschleusen, um dort den passenden Mann oder eben auch gleich eine kleine Familie zu finden.

Ich fand die Idee hinter der Geschichte grundsätzlich recht gut, die Sache mit der Trauergruppe ging mir persönlich aber zu weit und war mir zu makaber. Außerdem entwickelte sich alles recht schnell in eine andere Richtung, als ich dem Klappentext nach erwartet hatte. Maxi ist mir aber grundsätzlich sympathisch, sie wirkt nur manchmal etwas unreif und wankelmütig, dafür, dass sie eigentlich schon Ü-40 ist. In mancher Hinsicht kann ich mich aber dennoch gut in sie hineinversetzen. Das Anne Hertz-Duo schreibt gewohnt humorvoll und gut lesbar, sodass man einen unterhaltsamen Frauenroman bekommt.

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Veröffentlicht am 27.08.2021

Abenteuerliche Ferien vor den Toren der Heimatstadt

Dicke Biber
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Zunächst einmal möchte ich die Umschlaggestaltung des Buches lobend erwähnen. Es handelt sich um einen hochwertigen Hardcover-Einwand mit rauer Haptik, da klimaneutral und plastikfrei produziert. Die Farbgestaltung ...

Zunächst einmal möchte ich die Umschlaggestaltung des Buches lobend erwähnen. Es handelt sich um einen hochwertigen Hardcover-Einwand mit rauer Haptik, da klimaneutral und plastikfrei produziert. Die Farbgestaltung ist bunt und zum Thema passend und wirkt zugleich etwas retro. Auch im Buch selbst finden sich weitere Illustrationen, die die Geschichte unterstützen und auflockern, teilweise auch in bunt.

Pico, der eigentlich Amadeus heißt, und nach den Ferien in die vierte Klasse am Gymnasium, also wohl in die 8. Klasse nach deutscher Zählweise, kommt, muss mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Urlaub in einer Hütte am Ufer eines Donauseitenarms nahe seiner Heimatstadt Wien machen. Diese Hütte hat ihnen eine alte Nachbarin vermacht. Viel lieber wäre er aber, wie sein Freund Batman, der ihm immer wieder Chatnachrichten aus Südfrankreich schreibt, irgendwo am Meer. Zum Glück lernt er bald die etwa gleichaltrige Enkelin ihrer Hüttennachbarn kennen, mit der er die Natur erkundet und schließlich einen erschossenen Biber findet.

Die Geschichte hat mir grundsätzlich sehr gut gefallen, sie thematisiert verschiedene Dinge, unter anderem, dass auch Urlaub nahe der Heimat spannender sein kann, als erwartet, aber auch, dass gute Schulnoten nicht alles sind und jeder andere Interessen und Begabungen hat, auch Familie und ein bisschen erstes Verliebtsein spielen eine Rolle. Man erfährt Dinge über die heimische Natur am Flussufer und zudem schreibt die Autorin teilweise auch mit einem subtilen Humor. Da sie Österreicherin ist, kommen aber teilweise auch Begriffe (z. B. Ribisel) vor, die in Deutschland wenig bis gar nicht gebräuchlich sind, hier wäre es für junge Leser sicher hilfreich, wenn diese irgendwo erklärt würden. Außerdem finde ich den Untertitel "Ein Naturschutz-Krimi" etwas ungünstig gewählt, da der eigentliche "Kriminalfall" sich eher am Ende abspielt und sich nur über einen Bruchteil der Seiten erstreckt. "Abenteuerliche Ferien" oder ähnliches fände ich passender.

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Veröffentlicht am 12.08.2021

Eine Frau sucht ihren Weg

Ein Koffer voller Schönheit
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Anne Jensen hat den Zweiten Weltkrieg überstanden, ihr Mann Benno ist zumindest körperlich unversehrt aus dem Krieg zurückgekommen und relativ kurz nach Kriegsende bekamen sie Zwillinge, Benno ernährt ...

Anne Jensen hat den Zweiten Weltkrieg überstanden, ihr Mann Benno ist zumindest körperlich unversehrt aus dem Krieg zurückgekommen und relativ kurz nach Kriegsende bekamen sie Zwillinge, Benno ernährt die kleine Familie in Lüneburg als Tischler, wie auch schon sein Vater und sein Großvater. Ein alter Freund bringt ihn dann aber dazu, mit ihm zusammen ein Möbelhaus zu eröffnen, wodurch er nicht nur weniger Zeit für seine Familie hat, sondern seiner Frau auch immer fremder wird. Da die Zwillinge auch langsam selbstständiger werden, sehnt sie sich Ende der 50er Jahre nach einer neuen Aufgabe und Bestätigung und ihre Schwiegermutter bringt sie schließlich auf die Idee, die erste deutsche Avon-Beraterin zu werden und Kosmetik an die Frauen zu bringen, die nicht von den Möglichkeiten einer Großstadt umgeben sind. Dieser Einstieg ins Berufsleben gestaltet sich Ende der 50er Jahre, als Frauen noch die Zustimmung ihres Ehemannes brauchten, um arbeiten zu dürfen, und eine "emanzipierte Frau" viel Tratsch und Klatsch ausgesetzt war, nicht ganz einfach.

Ich fand die Geschichte sehr interessant, da ich gerne Romane lese, die in der jüngeren deutschen Vergangenheit spielen. Allerdings hat die Kurzbeschreibung etwas andere Erwartungen an die Handlung bei mir geweckt. Ich dachte, die Tätigkeit der Avon-Beraterin, deren Verkaufsstrategie und die Tücken und Vorzüge dieses Systems würden mehr Platz einnehmen. Meiner Meinung nach ist die Thematik aber eher die Frauenrolle der späten 50er Jahre, verbunden mit Beziehungskonflikten und psychischen Spätfolgen des Krieges und Annes neue Tätigkeit spielt nur eine untergeordnete Rolle. Ich persönlich fand es interessant, das alles aus der Perspektive Annes, die mir sehr sympathisch ist, mitzuerleben, hatte aber eigentlich etwas andere Erwartungen an die Handlung. Mehr Leichtigkeit, Schminktipps und Partystimmung in den Wirtschaftswunderjahren. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch mit Interesse und sehr zügig gelesen. Die Autorin schreibt sehr anschaulich und gut nachvollziehbar. Durch Perspektivwechsel konnte man sich sowohl in Anne als auch in ihren Ehemann Benno gut hineinversetzen.

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Veröffentlicht am 12.08.2021

Deine Zeit läuft ab...

Die Karte
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In Hamburg wird die junge Anwältin Eva beim abendlichen Joggen brutal ermordet, ihre Partnerin, die Ärztin Laura Windmüller, erhält während deren Todeskampf eine Nachricht, dass ihrer Freundin die Zeit ...

In Hamburg wird die junge Anwältin Eva beim abendlichen Joggen brutal ermordet, ihre Partnerin, die Ärztin Laura Windmüller, erhält während deren Todeskampf eine Nachricht, dass ihrer Freundin die Zeit davon läuft. Der Täter filmt zudem alles für die Polizei und stoppt die Zeit bis zum Eintritt des Todes. Im Laufe der nächsten Tage und Wochen kommt es zudem zu weiteren Morden an Läuferinnen, die anscheinend einzige Gemeinsamkeiten ist, dass diese ihre Laufstrecken tracken und in Foren öffentlich teilen. Hauptkommissar Jens Kerner und seine Kollegin Rebecca Oswald versuchen, unterstützt durch einen IT-Forensiker, dem Täter auf die Spur zu kommen und weitere Morde zu verhindern.

Der Thriller widmet sich auf jedem Fall einem wichtigen Thema und macht dem Leser bewusst, dass man nicht jeden seiner Schritte öffentlich im Internet teilen sollte. Die Spannung, wer der Täter ist, bleibt auf jeden Fall bis quasi zum Schluss erhalten, wobei mir manche Zusammenhänge dann doch etwas zu konstruiert waren. Da hätte ich lieber auf die eine oder andere Nebenperson und ihre Geschichte verzichtet. Die Morde sind brutal, weil sie doch realitätsnah sind, werden aber gerade noch so beschrieben, dass es mir nicht zu extrem war beim abendlichen Lesen. Die beiden Ermittler:innen Jens Kerner und Rebecca Oswald sind mir sympathisch und ich finde es gut, dass auch ihr Privatleben eine gewisse Rolle spielt, was sie nahbarer macht. Der Erzählstil mit verschiedenen Perspektiven förderte auf jeden Fall die Spannung, war aber dennoch gut verständlich und nicht verwirrend.

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Veröffentlicht am 11.08.2021

Etwas schräger Liebesroman mit liebenswerten Charakteren

Dich hab ich nicht kommen sehen
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Die Juristin Mari Thaler tritt nach einer Fehlgeburt einen neuen Job in Berlin an und braucht deshalb schnell eine neue Wohnung. Schon die Besichtigung gestaltet sich recht unkonventionell und so ist dann ...

Die Juristin Mari Thaler tritt nach einer Fehlgeburt einen neuen Job in Berlin an und braucht deshalb schnell eine neue Wohnung. Schon die Besichtigung gestaltet sich recht unkonventionell und so ist dann auch ihre etwa gleichaltrige Vermieterin samt Bruder, Freund und kleinem Sohn. Aber alle nehmen sie sehr herzlich auf und behandeln sie eher als Freundin als als Mieterin und sorgen sich auch um Mari, die nach den harten Zeiten ziemlich dünn geworden ist. Besonders Alexandras Bruder Leo lässt nicht locker und scheint Mari sehr zu mögen (und sie ihn auch), macht im entscheidenden Moment aber dann meist einen Rückzieher.

Mir gefiel der erste Teil der Geschichte mit den etwas skurrilen, aber total liebenswerten Protagonist:innen am Schauplatz Berlin, der auch immer wieder erkennbar war, sehr gut. In Mari konnte ich mich gut hineinversetzen, wie sie die Fehlgeburt verkraften muss und zugleich auch in ihrem Beruf nicht wirklich glücklich ist. Zugleich ist sie aber auch sehr kreativ und denkt sich liebenswerte Phantasietiere für Toby aus, den sie für den Sohn ihrer Vermieterin hält. Man muss sie einfach mögen, genau wie die anderen Hauptpersonen. Ich finde es auch schön, dass es sich hier um keine allzu kitschige Liebesgeschichte handelt, sondern andere Dinge wichtiger sind und auch eine gute Dosis Tiefgang vorhanden ist. Es ist auch schön mitzuerleben, welchen Wandel Mari im Laufe der Handlung durchmacht und privat und beruflich mehr Selbstbewusstsein entwickelt. Gegen Ende wurde mir aber alles etwas zu wirr und unrealistisch mit zusätzlich dazu konstruierten Problemen und ich fand es auch eher unnötig, dass das Essverhalten von Mari so sehr thematisiert wurde.

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