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Veröffentlicht am 01.09.2021

Milieustudie Harlem der 60er Jahre

Harlem Shuffle
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Colson Whitehead führt uns anhand des Schwarzen Ray Garney durch das Leben eines Schwarzen im Harlem der 60er Jahre. Ray verlebte seine Jugend bei seiner Tante und dem Cousin Freddie, der für ihn wie ein ...

Colson Whitehead führt uns anhand des Schwarzen Ray Garney durch das Leben eines Schwarzen im Harlem der 60er Jahre. Ray verlebte seine Jugend bei seiner Tante und dem Cousin Freddie, der für ihn wie ein Bruder wurde. Rays Vater war ein Kleinganove und das einzige, was er seinem Sohn hinterließ war ein Pick-up. Ray war gut in der Schule und er hätte ein gutes, gesetzestreues Leben führen können, wenn er durch Freddie nicht in Diebstahl und Hehlerei hineingezogen worden wäre. Mit einem Anfangskapital schaffte Ray sich ein Möbelgeschäft aufzubauen, die legale Fassade für alles andere. Um seiner Familie, Elisabeth und den beiden kleinen Kindern ein Leben außerhalb der Slumgegend bieten zu können, war er immer wieder nebenbei illegal tätig. Immer in Sorge um das Leben seiner Familie, Freddies und auch sich selbst. Rivalisierende Banden und handaufhaltende Cops gaben sich in seinem Laden die Klinke in die Hand.
Elisabeth war für Anfang der 60er Jahre eine selbstbewusste Frau, sie arbeitete in einem Reisebüro, dass sichere Reisen für Schwarze organisierte. Viele Gegenden, Restaurants oder Unterkünfte waren für die Schwarzen gefährlich. Wie gefährlich zeigte sich bald auch in New York, als ein jugendlicher Schwarzer grundlos von einem Cop erschossen wurde. Es kam zu Aufständen.
In drei Kapiteln mit Zeitsprüngen wird das Leben und Überleben eines typischen Schwarzen in Harlem erzählt. Schwarz gegen Weiß, Arm gegen Reich, Korruption und Vetternwirtschaft sind die Hauptthemen dieses hochinteressanten Romans. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, erst ab dem 2. Kapital kam ich besser in die Geschichte hinein. Sehr viele abgehackte Sätze und Andeutungen erschweren es, der Handlung zu folgen. Dennoch, für die Aussagekraft dieser Geschichte lohnt es sich.

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Veröffentlicht am 13.08.2021

Tennislegende

Julius oder die Schönheit des Spiels
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Julius wächst wohlbehütet und wohlhabend in einer weltoffenen adligen Familie in einer Burg am Rhein auf. Nachdem für die Familie ein Tennisplatz angelegt wurde hält sich Julius nur noch dort auf. Er spielt ...

Julius wächst wohlbehütet und wohlhabend in einer weltoffenen adligen Familie in einer Burg am Rhein auf. Nachdem für die Familie ein Tennisplatz angelegt wurde hält sich Julius nur noch dort auf. Er spielt in jeder freien Minute und verbessert sich schnell. Er gewinnt Preise und namhafte Experten werden auf ihn aufmerksam. Nach Abschluss des Abiturs geht es für ihn nach Berlin. Das Leben dort ist freier als im Rheinland, die goldenen 20er Jahre, die ausgelassenen Feiern, bestimmen das Leben. Doch es ändert sich schnell, immer mehr Braunhemde stören das friedliche Leben. Julius, der attraktive, groß gewachsene blonde Sportler aus gutem Hause wird zum Aushängeschild der Nazis. Er soll siegen und Deutschland erstrahlen lassen.
Die Geschichte Julius ähnelt in vielem die Gottfried vom Cramms, die Jugendjahre sind eine freie Auslegung, im Erwachsenenalter ein wenig näher an der Realität. Ausgangspunkt des Romans ist das Daviscupspiel zwischen Gottfried von Cramm und dem Amerikaner Don Budge, das als Legendär in die Geschichte des Tennissports eingegangen ist. Als alter Mann nimmt und der Amerikaner mit in das Leben des Tennisspielers und wir erleben die Zeit zwischen den Weltkriegen genauso wie den damals elitären weißen Sport. Viele Persönlichkeiten dieser Zeit, die auch wirklich Kontakt mit von Cramm hatten, werden in diesem Roman neben dem Tennisspieler Julius eingebunden. Insgesamt eine spannende Geschichte, der zweite Teil über den erwachsenen Julius, der von Cramm stärker ähnelt, ist für mich der interessantere Teil.

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Veröffentlicht am 13.08.2021

unter Druck gesetzt

Eskalation
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Dina Martin hat den Abend mit ihrer Freundin verbracht. Es ist später geworden als sie vorhatte, ihre Tochter Lydia ist um diese Zeit schon im Bett. Auf der Autobahnfahrt nach Hause wird sie von einem ...

Dina Martin hat den Abend mit ihrer Freundin verbracht. Es ist später geworden als sie vorhatte, ihre Tochter Lydia ist um diese Zeit schon im Bett. Auf der Autobahnfahrt nach Hause wird sie von einem Unbekannten angerufen und dazu gedrängt immer weiter zu fahren. Er droht, dass er ihrer Tochter etwas antun werde. Dina gehorcht, sie hält sich an seine Anweisungen. Dann sieht sie eine Polizeikontrolle und hofft auf Rettung. Doch es kommt noch schlimmer.
Aus der Sicht vieler Protagonisten wird im zeitlichen Ablauf die Entführung erzählt. Die Verzweiflung Markus, Dinas Mann, der die Polizei davon überzeugen muss nach Dina zu suchen. Die Hilflosigkeit der Polizei, die Presse, die einerseits unbequeme Fragen stellt und andererseits die Ermittlungen behindert. Dinas Sorgen um das Wohlergehen ihrer Tochter und um ihr eigenes Leben. Gibt es bei der Polizei eine undichte Stelle? Der Presse werden Täterinformationen zugespielt, Fotos von den Tatorten und den Opfern gehen an die Öffentlichkeit. Für uns als Leser gibt es verschiedenen Hinweise auf den Täter, wer es wirklich ist wird erst am Ende deutlich.
Der Psychothriller wird sehr spannend erzählt, bis zu dem Punkt, an dem es an die Aufklärung und die Begründung des Täters geht. Diese ist extrem langatmig und ermüdend.

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Veröffentlicht am 07.06.2021

Auswirkung von Kindesmisshandlung

Der Stotterer
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Johannes Hosea Stärkle wächst in einem äußerst gläubigen Haushalt auf, die Bibel, besonders das alte Testament in Auslegung des Pfarrers Bachofen ist Richtschnur für alles. Als Johannes mit dem Stottern ...

Johannes Hosea Stärkle wächst in einem äußerst gläubigen Haushalt auf, die Bibel, besonders das alte Testament in Auslegung des Pfarrers Bachofen ist Richtschnur für alles. Als Johannes mit dem Stottern beginnt gibt es dafür jedesmal Schläge. Mit qualvoller Teufelsaustreibung soll ein Jugendlicher von der Homosexualität geheilt werden. Da das Sprechen für Johannes immer schwieriger wird wird er zum Schreiber. Er verfeinert seine Kunst so sehr, dass er manipulativen Texte verfasst und damit sein Geld verdient, auch auf kriminellem Wege. Der Gefängnispfarrer ermutigt ihn zum Verfassen seiner Lebensgeschichte, die wir nun, unterbrochen von Ereignissen im Gefängnis und seinen Tagebucheintragungen, mitlesen. Doch war ist wahr und was erdichtet? Manche Ereignisse aus seinem Leben erfahren wir in unterschiedlichen Fassungen. Gerade diese Rückblenden und immer neue Sichtweisen, versehen mit einem außergewöhnlich guten Schreibstil, lassen einen selbst nachdenklich werden, wie das Leben hätte verlaufen können.

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Veröffentlicht am 07.06.2021

Auseinandersetzung mit dem Judentum

Viktor
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Die 20-jährige Geertje lebt und studiert im holländischen Nimwegen Jura. In ihrem Elternhaus war Musik ein vorherrschen Thema, besonders die Musik Gustav Mahlers wurde von ihren Großeltern bevorzugt. Schließlich ...

Die 20-jährige Geertje lebt und studiert im holländischen Nimwegen Jura. In ihrem Elternhaus war Musik ein vorherrschen Thema, besonders die Musik Gustav Mahlers wurde von ihren Großeltern bevorzugt. Schließlich stammte auch Mahler aus Wien, auch Mahler war ursprünglich Jude und ist zum Katholizismus konvertiert. Geertjes Großeltern könnten sich auf diese Weise in einem belgischen Kloster verstecken und überlebten so den Holocaust. Was macht dieses Überleben mit den Menschen wenn sie wissen, dass andere Familienmitglieder es nicht geschafft haben? Auf dem Dachboden schlummern alte Unterlagen, mit denen Geertje sich auseinander setzt und mehr über ihre eigene Vergangenheit erfahren möchte. Ein Schritt ist ihr Weg zum Judentum, sie tritt einer Synagoge bei, lernt die Regeln kennen und ändert ihren Namen in Judith. Bei ihren Recherchen ist ihr Großonkel Viktor überall präsent. Als Frauenschwarm, als Spieler und Hallodri von der Familie beschrieben erfährt sich jedoch eine ganz andere Seite von ihm, die schließlich das Überleben der Familie und ihr eigenes Leben direkt betrifft.
Das Thema ist hochinteressant, man erfährt einerseits über die Nöte der Juden während der Nazizeit in Wien, andererseits über die Auseinandersetzung mit dem Judentum an sich. Die Kapitel wechseln dich in den Zeiten ab, sind teilweise sehr kurz und erzählen nur eine kurze Episode um dann wieder Zeit und Ort zu ändern, teilweise gab es auch keinen chronologischen Aufbau. Längere Abschnitte, mit Datumsangaben, hätten geholfen, mehr in das Leben der Menschen hinein zu tauchen, so war es mir zu sprunghaft.

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