Platzhalter für Profilbild

LindaRabbit

Lesejury Star
offline

LindaRabbit ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit LindaRabbit über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.09.2021

Roman und Realität

Das letzte Bild
0

Es gibt schreibende Menschen, die verstehen aus Etwas, über das sie hören oder lesen, einen Roman zu zaubern. Ihre Kreativität treibt zu sie zu ungeahnten Höhen und vielleicht kommen sie mit ihrem Werk ...

Es gibt schreibende Menschen, die verstehen aus Etwas, über das sie hören oder lesen, einen Roman zu zaubern. Ihre Kreativität treibt zu sie zu ungeahnten Höhen und vielleicht kommen sie mit ihrem Werk der Realität nahe.
So geschehen im Roman ‚Ritchie Girl‘ (wahre Begebenheit, das Ritchie Camp und die unerschrockene Truppe aus jungen Männern und auch Frauen, die nach Nazi-Deutschland gingen), und nun hier im Roman ‚Das letzte Bild‘. Vielleicht nähert sich der Roman der realen Geschichte einer seit 50 Jahren ungeklärten Toten in Norwegen an. Auf jeden Fall zeugt der Roman von der erzählerischen Kraft einer Autorin. Reale Fakten, die erst in jüngerer Zeit über die Tote von Isdalen durch neue forensische Methoden aufgedeckt wurden, lässt die Autorin stilsicher einfließen.

Im Roman schreibt die Autorin Anja Jonuleit über die Geschichte zweier Frauen: Eine aus dem zeitgenössischen Zeitraum, Eva, die ein Bild in der Zeitung sieht (ausgerechnet in der BILD – Zeitung, die sonst im Haus der angesehenen Schriftstellerin nicht gelesen wird, aber als solche ist sie natürlich gewöhnt zu recherchieren). Dieses Bild lässt sie erzittern, weil das Phantombild Ähnlichkeit mit ihr und ihrer Mutter besitzt.

Frau Jonuleit hat bereits mehrere interessante Bücher veröffentlicht. ‚Der Apfelsammler‘, auch dort flicht sie die Schicksale zweier Frauen zusammen (Tante und Nichte). ‚Rabenfrauen‘, Freundinnen und ihre große Liebe und die Colonia Dignidad (auch eine ungeklärte Geschichte mit großer Tragik). In diesem Roman hat die Autorin ebenfalls geschickt Fakten und Fiktion miteinander verwoben. ‚Das Nachtfräuleinspiel‘, erzählt von der 68er Studentenrebellion und von Erziehungsmodellen, dabei geht es um eine egomane Selbstdarstellerin und ihr Einfluss auf hilflose Menschen, die aber durchaus ihre eigene Kraft entwickeln und sich wehren.
Bei dieser Autorin habe ich länger zu ihren anderen Romanen recherchiert, weil sie wirklich wichtige Themen anspricht.

‚Das letzte Bild‘ wird – wie so oft in den Büchern von Jonuleit – in verschiedenen Zeitebenen erzählt, damals und heute. Die ‚damals‘ - Version meistens aus der Ich – Perspektive der älteren Person.

Stil: Sehr lesbarer Stoff (auch wenn‘s einem ab und zu mächtig durchschüttelt), leicht zu lesen.

Empfehlenswert und ein Lesegenuss, weil es zum Nachdenken anregt!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.09.2021

Wer die Wahrheit sucht, muss sie auch ertragen

Ritchie Girl
0

Wer die Wahrheit sucht, muss sie auch ertragen! Keine Überschrift könnte besser sein als diese: Es ist ungemein brutal, was Paula ertragen muss.

Das Gedicht ‚keine, die so ging wie ich‘ am Anfang des ...

Wer die Wahrheit sucht, muss sie auch ertragen! Keine Überschrift könnte besser sein als diese: Es ist ungemein brutal, was Paula ertragen muss.

Das Gedicht ‚keine, die so ging wie ich‘ am Anfang des Vorspanns weckt natürlich ungeheuer die Neugierde… keine, die so ging…. Und jetzt verschwunden ist? Es ist harter Tobak, denn es geht um die Nazizeit, um Aufarbeitung, ‚meine Schuld, deine Schuld‘ ?

Das Camp Ritchie existierte tatsächlich als Ausbildungslager für ‚Military Intelligence Training‘ (überwiegend deutschsprachige, jüdische und oppositionelle junge Männer, die in der US-Armee gegen Nazi-Deutschland kämpfen; dazu gehörten auch Thomas Mann, Stefan Heym, Georg Kreisler, um nur ein paar illustre Namen zu nennen). Die sogenannten Ritchie Boys waren ein wichtiger Bestandteil zur Besetzung Nazi-Deutschlands und danach für den demokratischen Aufbau. Kaum bekannt, weil alle Ritchie Boys Stillschweigen darüber hielten. Nun zum ersten Mal wird ein ‚Ritchie Girl‘ erwähnt, es gab auch später einen weiblichen Teil in Camp Ritchie. Allerdings wurden sie bei Beförderungen gerne übergangen und sie waren Belästigungen ausgesetzt. Der Name Ritchie stammt von einem Politiker.

Die Titelheldin Paula wuchs in Berlin auf und lebte neun Jahre während der Hitler-Diktatur dort (sie war eine privilegierte Ausländerin, deutsche Mutter, US-amerikanischer Vater, der aus reichem Haus kam). Nun kommen als Ritchie Girl ihre Deutschsprach- und vor Ort Kenntnisse gut an. In der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges kommt sie wieder nach Europa und erlebt die verheerenden Auswirkungen von Faschismus und Krieg in Italien, in Österreich und dann in Frankfurt.

Paula, die anfänglich Briefe schwärzen muss, damit der Feind keine Lagepläne über die Armee daraus fertigen kann, falls die Soldatenbriefe in verkehrte Hände gelangen (an was man im Kriegsfall denken muss!). Paula, die nicht weiß, wo sie hinkommt. Paula, die Lügen erzählt, weil die Moral der Truppe aufrecht erhalten werden muss. Kein leichtes Leben, aber – es ist ja Krieg und Krieg ist nie leicht. Sondern im Gegenteil, Krieg ist hässlich, und vor allem ist er unnötig. Jeder, der ein Buch über Krieg liest, weiß, dass man alles tun muss ihn zu vermeiden. Eine Leseprobe, bei der ich weinen musste.
Doch Paula, hoch intelligent, gebildet, begabt, wird für Sonderaufgaben ausgesucht. Sie wird mit schlimmen Nazi-Verbrechern konfrontiert. Sie ist sogar in Nürnberg dabei als Todesurteile ausgeführt werden. Und immer wieder sucht sie die Wahrheit, wird mit ihrer eigenen Jugend konfrontiert, was sie als junger Mensch verdrängte und wie sehr ihr eigener Vater im ‚System‘ involviert war, denn die Nazi-Größen gingen in ihrem Elternhaus ein und aus. Und da ist noch ihre große Liebe, der sie wieder begegnet und immer noch an ihm hängt. Doch peu a peu bekommt sie immer mehr über ihn heraus und es ist die größte Scham in ihrem Leben. Doch da ist immer Sam... und Sam ist Sam. (Die Geschichte ist voller Überraschungen!)

Stil: Eine wortgewaltige Explosion mit solch interessanten und aufregenden Metaphern, dass mich fast jede Metapher umreißt und ich den Boden unter meinen Füßen verliere. Großartig zu lesen! Allerdings geht es recht langsam voran, es ist kein Buch was ich so nebenbei verschlingen kann, sondern was ständig zum Nachdenken anregt. Auch recherchiere ich viel im Internet dazu, weil ich manchmal einfach nicht glauben kann was ich lese. Aber es stimmt – der Autor hat hervorragend recherchiert. Und wo er Fiktionen eingebaut hat, gab er das in seinem Schlusswort auch zu. Sehr sauberes Handwerk!

Nur den Buchumschlag finde ich nicht besonders: Die Monumentalbauten am unteren Rand scheinen die Gebäude der IG Farben in Frankfurt zu sein, die erstaunlicherweise die Bombardierung von Frankfurt überstanden haben. Dahinter eine rot aufgehende Sonne oder Scheinwerfer – wie sie faschistische Staaten (Nazis, Stalin, usw.) gerne benutzen. Ich vermute, es bezieht sich als Symbol auf den Nazi-Faschismus.

Mein Schlusswort - der Autor sagt, als er das erste Mal vom Ritchie Camp hörte: „Du hast dein ganzes Leben lang diesen Roman in dir gehabt, und es nicht gewusst“. Jetzt hat er ihn geschrieben und es ist mehr als lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.11.2025

Fast schon ein Nachschlagewerk!

Lautlos
0

Frank Schätzing, geschätzter Autor des 'Schwarms', hat sich wieder an einer absurden Geschichte vergriffen. Aber, was ich bei Schätzing so schätze, es hat einen verdammt realistischen Hintergrund und ist ...

Frank Schätzing, geschätzter Autor des 'Schwarms', hat sich wieder an einer absurden Geschichte vergriffen. Aber, was ich bei Schätzing so schätze, es hat einen verdammt realistischen Hintergrund und ist gewürzt mit politisch einschlägigen Hinweisen.

Ich las ein Buch von 2006, vierte Auflage: Und trotz dass das Buch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat - bleibt das Thema relevanter denn je.

Besonders hervorgehoben wurde, dass die USA eine Geschichte von Präsidentenmorde hat und Anschläge auf politische Gegner üblich sind (jaja, die Waffennarren).

Also worum geht es in diesem doch recht spannend beschriebenen Roman? Um einen möglichen Präsidentenmord. Es war zu Clintons Zeiten (und wie wir wissen hat der smarte Frauenheld Bill Clinton alle möglichen Attentate überlebt, selbst die von solchen zynischen Typen wie Ken Starr). Doch dieses Mal ist die Angelegenheit heikler und spielt zudem in Deutschland, genauer in Köln. Hinter dem tatsächlich mal stattgefunden Gipfeltreffen mächtiger Leute in Köln (ausgerechnet Köln - wer kam bloß auf diese Idee? Wie kann in dieser Stadt Sicherheitsdenken postuliert werden?) versteckt sich eine unglaublich rasante, aber ebenso wirre Geschichte, die uns aber auf politische 'tracks' führt und tatsächlich ein Szenario entwirft, das nicht unrealistisch wäre, wenn man - wie im Buch - mit viel Geld um sich werfen könnte.

Es erinnert an JFK, von dessen Ermordung wir ja alle wissen, dass dieser charmante junge Präsident eine neue Richtung in der US amerikanischen Politik beschritten hat, die Gegner, gar Feinde, aufs Feld gerufen hat. Und beim Lesen ist man mehr oder weniger doch immer wieder daran erinnert, tja, könnten denn da die gleichen 'players' wie damals im Roman... oder umgekehrt ... könnten...
Der Roman lässt die Fantasie aufblühen. Auf jeden Fall intelligente Unterhaltung und weil so proppevoll mit wissenschaftlichen Erklärungen fast wie ein Nachschlagewerkt. Ich habe es nicht bei dem einmaligen Lesen belassen, vor allem las ich immer wieder die wissenschaftlichen Erklärungen durch. Und diese finde ich sehr bereichernd, mein Wissen und meine Kenntnisse.

Ein Lesegenuss!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.10.2025

Kirchzarten im schönen Dreisamtal

Im Sommer der Mörder
0

Der zweite Fall für Louise Boni (mit einem Elsässer Vater und einer deutschen Mutter) und mein erster Krimi, geschrieben von Oliver Bottini:

Im Dreisamtal liegt die kleine Stadt Kirchzarten, und wie auf ...

Der zweite Fall für Louise Boni (mit einem Elsässer Vater und einer deutschen Mutter) und mein erster Krimi, geschrieben von Oliver Bottini:

Im Dreisamtal liegt die kleine Stadt Kirchzarten, und wie auf der Rückseite des Buches betitelt, der friedlichste Ort der Welt. Doch dann bricht auf einer Wiese ein verheerendes Feuer aus, eine Scheune brennt ab. Die Feuerwehr rückt aus, aber ist ja nur eine Scheune. Die kann man ja auch kontrolliert abbrennen lassen. Ein Feuerwehrmann, bereits lässig geworden (was bestimmt nicht zutrifft, ich kenne keinen Feuerwehrmenschen, der oder die nachlässig werden) schlendert mehr oder weniger zu den Glutnestern hin. Doch auf einmal macht es 'bumm', hohe Stichflammen und ein ziemlich verbrannter Feuerwehrmann.

So beginnt der Roman. Denn unter der harmlosen Scheune befand sich ein Waffendepot.
Immer geheimnisvoller wird beschrieben, dass es doch gar nicht sein könnte. Doch weil ein toter Feuerwehrmann involviert ist und diese seltsame hohe Stichflamme, ein komischer Geruch, und ein seltsamer Bauer, auf dessen Eigentum die Scheune stand, muss nun auch die Kripo den Fall untersuchen.

Stück für Stück schafft sich Louise Boni, die für ihre einzelgängerischen Aktionen bekannt und nicht gerade beliebt ist, durch diesen Fall.
Ein paar Leute arbeiten ihr zu und jede Menge Zufälle bereiten den Boden für eine haarsträubende kriminalistische Entwicklung.

Und das im friedlichsten Ort der Welt, in Kirchzarten.

Für einen lokalen Menschen stellt sich zu erst einmal die Frage, kennt der Autor die Gegend? Er scheint zumindest schon mal Urlaub im Dreisamtal gemacht zu haben. Viele Begriffe von Örtlichkeiten stimmen, andere sind frei erfunden oder wurden vom Autor gefällig hingebogen.

Das Buch liest sich gut, und ja, solche Sachen können durchaus passieren. Um den Plot nicht zu verraten, wird nicht mehr von der Geschichte erzählt.
Doch was uns Einheimische beschäftigt hat - wie sprechen wir Kirchzarten aus? Es stimmt, wir betonen Kirch... zarten. Und vergleichen mit Hinterzarten, da liegt die Betonung auf ... zarten. Also muss der Autor doch längere Zeit sich bei uns aufgehalten haben...

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.09.2025

Kein 'Fairy Tale'

Einsame Entscheidung
0

Leander Lost, der Deutsche, der in Fuseta mit der portugiesischen Polizei Dienst tut, ist ein ganz besonderer Mensch:

Nach einer etwas eigentümlichen Verfolgung mit Widerständen geht es weiter mit der ...

Leander Lost, der Deutsche, der in Fuseta mit der portugiesischen Polizei Dienst tut, ist ein ganz besonderer Mensch:

Nach einer etwas eigentümlichen Verfolgung mit Widerständen geht es weiter mit der eher ungewöhnlichen Vorgehensweise von Lost und seinen Kollegen, vor allen den Kolleginnen.
Mit dem ungewöhnlichen Kripomann und dem gesamten Team wird einmal quer von der Ost-Algarve bis nach Spanien gejagt und wieder zurück. Unterwegs wird natürlich sehr plastisch und ausführlich die Landschaft beschrieben, und noch wichtiger - die herrlichen kulinarischen Leckerbissen der Region.

Schon spannend, was sich auf rund 400 Seiten für ein Szenario entwickelt. Aber nicht unrealistisch in der Schlussfolgerung. Es liegt nur an uns solchen Machenschaften ein Ende zu bereiten. Aber so wie mit anderen Thrillern der Art verlockt das unglaublich dieses Fuseta aufzusuchen und sich persönlich an die Spurensuche vor Ort zu machen.

Es lohnt sich, ich habe das bereits in der Bretagne getan und war überrascht, einer meiner schönsten Spurensuche Reisen...

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere