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Veröffentlicht am 28.04.2017

very british

Der Gentleman
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„Der Gentleman“, das Erstlingswerk des englischen Autors Forrest Leo, ist durch und durch very british. Schon am Cover mag der aufmerksame Käufer erahnen ,dass das Buch sich nicht so einfach in ein Genre ...

„Der Gentleman“, das Erstlingswerk des englischen Autors Forrest Leo, ist durch und durch very british. Schon am Cover mag der aufmerksame Käufer erahnen ,dass das Buch sich nicht so einfach in ein Genre einordnen lässt. Der sarkastische Plauderton ist sehr trocken und es reiht sich dabei Scherz an Pointe, schlauer Spruch an Randbemerkung. Der Hauptcharakter des Dichters Lionel Savage ist borniert, exaltiert, auf aristokratische Weise stinkfaul und überheblich und er bringt dies auf unnachahmlich elegante Weise auch zum Ausdruck. Und nicht genug, wird aus der Teilperspektive des treuen Butlers Simmons durch unzählige, mal längere mal knapp gehaltene, Fußnoten den Erzählungen seines Arbeitgebers noch etwas angemerkt, wobei dieser meist wiederspricht oder klar stellt, wie es wirklich war.

Nachdem ich mir bewusst gemacht habe, dass wir uns ja im London 1850 befinden, konnte ich mir Savage lebhaft vorstellen in seinem gepflegten Haus am Pocklington Place, wo er über seine Zweckehe und seine Schreibblockade jammert und seine Frau zum Teufel wünscht, da er sie für alles Negative in seinem Leben verantwortlich macht. Damit löst er allerdings Geschehnisse aus, die er so nicht bedacht hat und er macht sich auf die Suche nach seinem Eheweib, wobei ihm die energische Schwester und der Schwager zu Hilfe eilen.

Ich hatte ja mit einer ungewöhnlichen Geschichte gerechnet, aber zeitweise ist sie wirklich sehr durchgeknallt und schräg. Man muss sich von Anfang an auf Lionel Savage und seinen Charakter einlassen, sonst wird die Sache etwas anstrengend. Als ausgleichender Pol ist der Butler immer mit geerdeter Ruhe und Gelassenheit bei der Hand und am besten hat mir sowieso die Schwester gefallen, die als quirlige 16-jährige ihren unterkühlten Bruder aus seiner Lethargie herausreist.

Wie gesagt – very british.

Veröffentlicht am 19.04.2017

schöner Histoschmöker

Die Heilerin
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Von Ulrike Renk kannte ich bereits die Australien-Trilogie. Ich schätze an dieser Autorin sowohl die interessanten Fakten und Details, als auch die angenehme Personenbeschreibung und die Nähe, die zu den ...

Von Ulrike Renk kannte ich bereits die Australien-Trilogie. Ich schätze an dieser Autorin sowohl die interessanten Fakten und Details, als auch die angenehme Personenbeschreibung und die Nähe, die zu den Charakteren entsteht. Auch, dass die Personen einen realen Hintergrund haben, tatsächlich gelebt haben, finde ich toll und ich war gespannt, wie mir denn eines ihrer frühen Werke - oder ist es sogar ihr erstes überhaupt – gefallen würde.

Erst war ich etwas überrascht, dass der Roman nicht wie von mir erwartet zum größten Teil in Amerika spielt, sondern ziemlich lange in Krefeld. Es ist ein Familienroman mit der zentralen Frauenfigur der Margaretha, die durch ihre Mutter zu einer heilenden Frau ausgebildet wird. Interessant war auch, dass sie den Mennoniten angehört, einer Glaubensrichtung, von der ich noch nicht so viele gelesen hatte. Wie viele kleinere Glaubensgruppen wird sie verfolgt und lebt am Rande der Gesellschaft.

Das Buch ist ziemlich dick und es besticht nicht durch atemlose Spannung – wie eigentlich keines von Renks Büchern – sondern durch eine ruhige aber durchaus intensive Erzählweise. Es geht hier nicht darum, den Leser zum Durchrasen des Buches zu bringen sondern man kann sich mit der Zeit und den Menschen auseinandersetzen und erfährt einiges Neues.
Schöner historischer Roman.

Veröffentlicht am 19.04.2017

solide

Icarus
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Ich schätze Deon Meyer schon seit Jahren als Autor spannender Kriminalromane und freue mich immer über Neues. Aber diesmal hat sein Roman für mich ein ganz eigenes Flair entwickelt, denn ich bin kurz vorher ...

Ich schätze Deon Meyer schon seit Jahren als Autor spannender Kriminalromane und freue mich immer über Neues. Aber diesmal hat sein Roman für mich ein ganz eigenes Flair entwickelt, denn ich bin kurz vorher erst aus dem Südafrika-Urlaub zurückgekommen und habe dieses Land endlich persönlich und nicht nur durch Meyers Bücher kennengelernt. Deshalb kam das Südafrika-Feeling mit doppelter Wucht bei mir an, als ich jetzt „Icarus“ gelesen habe. Und ich kann sagen, dass Meyer sein Land und seine Landsleute gut einfängt und diese spezielle kniffelige Situation der Rassen – und der noch nicht sehr lange zurückliegenden Apartheid – so bei mir ankommt, wie ich sie jetzt in meinen drei Wochen Rundreise auch erlebt hatte.

Bennie Griessel hat einen schweren Fall. Und wo er sich im letzten Band noch im Griff hatte, passiert jetzt das Unausweichliche. Er erleidet einen Rückfall und betrinkt sich. Diese persönliche Niederlage beeinflusst natürlich auch die anstehenden Ermittlungen und Bennie fällt es schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, wo doch privat alles aus dem Ruder zu laufen droht. Im Zentrum der Geschichte stehen die Winzer in der Umgebung Kapstadts. Ich musste ständig an meine eigene Weinprobe denken. Meyer lässt sich diesmal Zeit, bis er die Spannungsschrauben anzieht. Während er in „13 Stunden“ aufs Tempo drückt, erzählt er hier entspannt und teilweise sogar mit einem Augenzwinkern, vor allem wenn es um den Kollegen von Bennie, Cupido, geht.

Ein solider Krimi aus Südafrika. Ehrlich und mit einem gebrochenen Helden. Vielleicht nicht der beste Meyer-Krimi, aber immer noch eine Empfehlung wert.

Veröffentlicht am 27.02.2017

nette Liebesgeschichte

Under Your Skin. Halt mich fest
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Under your Skin ist eine neue Reihe von Scarlett Cole. Im ersten Band unter dem Titel „Halt mich fest“ geht es um Harper Connelly, die ein Tattoo machen lassen möchte, welches die Narben auf dem Rücken ...

Under your Skin ist eine neue Reihe von Scarlett Cole. Im ersten Band unter dem Titel „Halt mich fest“ geht es um Harper Connelly, die ein Tattoo machen lassen möchte, welches die Narben auf dem Rücken verbergen soll, die ihr Ex-Freund ihr zugefügt hatte. Sie wählt das Studio von Trent Andrews und wählt als Motiv ein großes Flammenschwert.

Wenn man dieses Buch liest sollte man bedenken, in welches Genre es fällt. Liebesroman und zusätzlich Young Adult. Zielgruppe sind also sicherlich weibliche Teenager. Unter diesen Kriterien läuft erst mal auch das Cover, welches ein Paar im Bett zeigt. Die Erotik wird bereits eindeutig in den Vordergrund gelegt. Der Schreibstil ist einfach und knapp, hat einen plaudernden Ton, der leider sehr wenig Raffinesse hat. Dieses Manko haben leider viele Bücher dieses Genres, eines welches ich unnötig finde, denn auch jungen Frauen ist es zuzutrauen, anspruchsvollere Texte zu lesen. Und ich finde, Liebesgeschichten müssen nicht immer so profan sein und „können durchaus auch Tiefgang“.

Demensprechend ist mein Fazit, dass das Buch keinerlei Überraschungen hat. Es ist genau dass, was man erwarten darf, wenn man es zur Hand nimmt. Eine nette Liebesgeschichte, zwei Protagonisten, die beide Verletzungen haben und sich gegenseitig heilen können. Eine Prise Erotik, aber harmlos und unverfänglich. Den letzten Stern kann ich nicht vergeben, da mir das Besondere gefehlt hat. Aber man kann die Story gut und schnell weg lesen.

Veröffentlicht am 08.02.2017

schöner Schreibstil

Perfect Girl - Nur du kennst die Wahrheit
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Was ist vor drei Jahren wirklich passiert, als drei Jugendliche von Zoe angeblich überfahren wurden? Wer war Schuld daran? Warum stirbt die Mutter so plötzlich? Hängt alles zusammen?

Was mir gefallen ...

Was ist vor drei Jahren wirklich passiert, als drei Jugendliche von Zoe angeblich überfahren wurden? Wer war Schuld daran? Warum stirbt die Mutter so plötzlich? Hängt alles zusammen?

Was mir gefallen hat: Der Erzählstil der Autorin ist routiniert und ansprechend. Sie schafft es, dass man als Leser schnell Empathie für Zoe entwickelt. Außerdem wird mit Rückblenden und verschiedenen Sichtweisen gespielt. Dadurch wird Spannung aufgebaut und die Abwechslung gibt eine Art Rundumsicht.

Was mir nicht gefallen hat: Ich fand die ganze Geschichte als Gesamtkonstrukt nicht glaubwürdig genug. Psychothriller kranken ja oft daran, dass eine Story entweder zu aufgeblasen und unnötig kompliziert ist. Oder im Gegenteil dünn und substandlos. Obwohl viel erklärt und hinterfragt wird, so fand ich es doch eher eine etwas magerere Auflösung, warum alles so passiert, wie es eben passiert.

Obwohl der Fall mich nicht überzeugt hat, ist die Sprache der Autorin so gehaltvoll, dass ich das Buch flott durchgelesen hatte und gerne noch ein weiteres von ihr lesen würde.