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Veröffentlicht am 12.09.2021

Das Marschmädchen hat mich beeindruckt !!!

Der Gesang der Flusskrebse
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Wow! Diesmal möchte ich meine Rezension direkt mit einem Begeisterungsausruf für eine ganz besondere Geschichte, die direkt unter die Haut geht, beginnen.

Sie katapultierte mich zurück in die 60er Jahre ...

Wow! Diesmal möchte ich meine Rezension direkt mit einem Begeisterungsausruf für eine ganz besondere Geschichte, die direkt unter die Haut geht, beginnen.

Sie katapultierte mich zurück in die 60er Jahre in die Carolinas der USA. Inmitten des Marschlands lebt Kya mit ihrer Familie zurückgezogen in vollkommener Armut. Das war nicht immer so, denn Kyas Eltern kamen durchaus aus einst wohlhabenden Familien. Widrige Umstände und nicht zuletzt die Trunksucht und Rücksichtslosigkeit des Vaters treiben jedoch nach und nach die Kinder und schließlich auch die Mutter auf Nimmerwiedersehen aus dem Haus. So findet sich Kya bald erst nur mit dem Vater und dann ganz allein in der baufälligen Hütte im Marsch. Doch sie ist eine Kämpfernatur und kennt nicht nur jeden Halm und jedes Tier, sonders schafft es auch, sich in ganz jungen Jahren allein durchzuschlagen. Den Menschen gegenüber, die sie abwertend nur „das Marschmädchen“ nennen, ist sie scheu. Als sie sich endlich vorsichtig auf eine zarte Beziehung einlässt, wird sie bitter enttäuscht …

Mit einer Sprachgewalt, wunderbar umgesetzt nicht nur durch die Autorin Delia Owens sondern auch durch die begabte Sprecherin Luise Helm, verzauberte mich das Buch über viele Stunden. In zwei Erzählsträngen fokussiert der Roman die Lebensumstände des jungen Mädchens während sie aufwuchs und schließlich bei einem fesselnden Mordprozess. Wie habe ich mitgelitten und – gefiebert! Mir wird dieses wunderbare Hörbuch sicher noch eine Weile im Gedächtnis bleiben und ich vergebe mit voller Überzeugung absolut verdiente fünf von fünf Sternen!

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Veröffentlicht am 31.08.2021

Eine Hommage an Paula Dehmel, geb. Oppenheimer ... absolute Empfehlung ... !!

Eine Familie in Berlin – Paulas Liebe
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Für mich ist es immer etwas ganz Besonderes, wenn AutorInnen ihren Roman um eine echte Person schreiben, anstatt einen fiktiven Charakter zu kreieren. So ist es der Fall bei Ulrike Renks erstem Teil ihrer ...

Für mich ist es immer etwas ganz Besonderes, wenn AutorInnen ihren Roman um eine echte Person schreiben, anstatt einen fiktiven Charakter zu kreieren. So ist es der Fall bei Ulrike Renks erstem Teil ihrer Saga um „Eine Familie in Berlin“. Er dreht sich primär um Paula Oppenheimer, spätere Paula Dehmel, die mit dem Dichter Richard Dehmel verheiratet war, der schließlich zu einer der führenden Persönlichkeiten im literarischen Leben Berlins aufstieg. Paula hat das Glück in einer liebevollen Familie aufzuwachsen. Das Geld ist immer knapp, doch es herrscht durch vier Kinder und zwei Untermieter stets Leben „in der Bude“. Ganz im Gegensatz zum Haushalt ihrer Tante Guste – der Schwester ihrer Mutter – bei der es eher ruhig zugeht, dafür aber Geld keine wirkliche Rolle spielt. Schweren Herzens gewährt ihre Mutter Paula den Umzug zur Tante, die sie fürsorglich unter ihre Fittiche nimmt, um sie auf das Leben vorzubereiten. Zwischenzeitlich wird auch ihr geliebter Bruder Franz erwachsener und bringt schließlich während seines Studiums den besten Freund ins Haus, den jungen Richard Dehmel, dessen Charme Paula bald erliegen wird …

Ich gebe zu, Paul Oppenheimer sagte mir bis dato nichts, vielleicht hatte ich schon mal von Franz Oppenheimer, dem späteren Arzt, Soziologen und Nationalökonom gehört? Aber wenn, auch nur am Rande. Auch Richard Dehmel, der einst zu den bekanntesten Dichtern zählte, war mir zuerst ein Fremder. Doch schnell hatte Ulrike Renk meine Neugier geweckt. Sie nahm mich an die Hand und ließ mich teilhaben an der innigen Beziehung, die die Geschwister Franz und Paula pflegten. Ließ mich den Abenden beiwohnen, an denen Julius und Toni Oppenheimer - und später Richard und Paula - ihr Haus öffneten, um gemeinsam mit Freunden zu musizieren, debattieren und zu speisen und trinken. Sie zeigte mir Paulas Entdeckung ihrer Liebe für den unbändigen Richard, ließ mich mit ihr erst um seine Anerkennung vor den Eltern kämpfen aber auch tief mit ihm abstürzen, wenn der große Dichter sie immer wieder enttäuschte. Für mich entwickelte die Geschichte eine Sogwirkung, die mich immer tiefer eintauchen ließ in das damalige Leben. Ich liebte die Gedichte, die hübschen Lieder und die cleveren Rätselreime, die Paula erdachte, und natürlich den schönen Briefwechsel – eine Kunst, die heute verloren scheint. Gerne wäre ich auch noch tiefer in die Geschichte von Franz, Elise und Carl eingetaucht, doch das wären wohl eigenständige Romane geworden, denn alles andere hätte den Rahmen gesprengt. Aber so freue ich mich nun doppelt auf den nächsten Band, der im nächsten Februar erscheinen soll. Hier treffen wir dann abermals auf Paula und ihre Familie. Ulrike deutete ja an, dass ich mich eventuell mit Richard, der mir in diesem Buch sehr unsympathisch war, wieder ein wenig aussöhnen könnte ... ich bleibe gespannt ;)

Ich vergebe für diesen einfühlsamen autobiographischen Roman mit dem wunderbaren Cover sehr gerne alle fünf Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Neugierig geworden auf Paulas Dichtkunst, habe ich mir übrigens gerade ihr kleines Werk „Rumpumpel“ bestellt. Das wird neben diesem Buch einen Platz in meinem Bücherregal erhalten und mich an schöne Lesestunden erinnern.

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Veröffentlicht am 17.08.2021

Makkaroni in der Dämmerung oder doch lieber ein alter Schrank ...

Vor Frauen wird gewarnt
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Vor ein paar Tagen bereits habe ich dieses wunderbare Buch beendet, doch den Inhalt musste ich erst noch einmal auf mich wirken lassen. Wie ein Wirbelwind fegt Vicki Baum durch den 430 Seiten starken, ...

Vor ein paar Tagen bereits habe ich dieses wunderbare Buch beendet, doch den Inhalt musste ich erst noch einmal auf mich wirken lassen. Wie ein Wirbelwind fegt Vicki Baum durch den 430 Seiten starken, autobiografischen Roman der bekannten Autorin Heidi Rehn.

Wie schon mit ihrer Story „Die Tochter des Zauberers“, die sich rund um das Leben von Erika Mann rankt, hat Frau Rehn sich mit „Vor Frauen wird gewarnt“ einen absoluten Herzenswunsch erfüllt, indem sie den Werdegang der Vicki Baum zu Zeiten der Weimarer Republik in Berlin erzählt. Dank der detaillierten Recherche gepaart mit viel Liebe zum Schreiben, vor allem aber zu der berühmten Powerfrau, befüllt die Autorin die leeren Seiten mit einer Geschichte, für die ich nichts als Bewunderung empfinde. Was war das bloß für eine virtuose Person, die als Hedwig Braun 1888 in Wien das Licht der Welt erblickte? Nach ihrer Ausbildung zur Harfenistin und ihren ersten Schreibversuchen macht sie sich in ihren 30er Jahren schließlich selbstbewusst - Mann und Kinder zurücklassend - allein auf nach Berlin um … tja, um was eigentlich? Die Welt zu erobern? Wenn das ihr Plan war, so hat sie es auf jeden Fall innerhalb kürzester Zeit geschafft, zur teuersten und bekanntesten Schriftstellerin aufzusteigen. Bis in den Olymp beim Ullstein Verlag erhebt sie sich, wenn sie auch – auf geschäftlicher, wie auf privater Ebene – den ein oder anderen Rückschlag zu verkraften hat. Recht unkonventionell selbst für das rauschende Berlin steht sie ihren Mann und schreibt, tanzt und boxt sich durchs Leben. Harte Arbeit aber auch das Vergnügen sind großgeschrieben, doch die Laster Rauchen und Trinken lässt sie dabei stets außen vor …

Ich hätte noch stundenlang weiterlesen können, doch mit den ersten Erfolgen in Amerika endet dieses Buch. Aber meine Neugier und natürlich Lust auf mehr Vicki Braun sind dank Heidi geweckt. Sie hat es geschafft mich abzuholen und mitzunehmen in die Welt dieser erfolgreichen, ehrgeizigen und unermüdlichen Frau. Dafür vergebe ich gerne alle fünf Sterne und spreche eine absolute Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 13.08.2021

Wenn die Vergangenheit sich den Weg in die Gegenwart bahnt ...

Totenweg
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Endlich mal wieder eine – für mich – neue Krimireihe. Ich freue mich sehr, Romy Fölck hat mich mit dem ersten Band ihrer Elbmarsch Serie direkt begeistert. Das ungleiche Kommissaren-Duo Frieda Paulsen ...

Endlich mal wieder eine – für mich – neue Krimireihe. Ich freue mich sehr, Romy Fölck hat mich mit dem ersten Band ihrer Elbmarsch Serie direkt begeistert. Das ungleiche Kommissaren-Duo Frieda Paulsen und Bjarne Haverkorn hat meine Neugier geweckt!

Der brutale Überfall auf Friedjoch Paulsen bringt die junge Kommissarin Frieda Paulsen endlich wieder in die Heimat und nach Hause nach Deichgraben in der Elbmarsch. Ein Zuhause, aus dem sie vor Jahren regelrecht geflohen ist, verbindet sie es doch mit unschönen Erinnerungen. Die Ermordung ihrer besten Freundin, der anschließende Internatsaufenthalt, all das wollte sie eigentlich hinter sich lassen. Die Ermittlungen zum Überfall bringen auch den kurz vor der Pensionierung stehenden Kommissar Bjarne Haverkorn aufs Tapet. Auch er kämpft nach wie vor mit der Vergangenheit und dem Mord an der damals erst 15jährigen Marit.

Die beiden Kommissare geraten bei ihren Ermittlungen schnell an ihre Grenzen. Die Menschen sind verschlossen, die Vergangenheit soll ruhen. Als es jedoch eine neue Leiche gibt, laufen die Investigationen bald auf Hochtouren und langsam, aber sicher werden die Zusammenhänge klar …

Im Gegensatz zu manch anderen Rezensenten hat mir die Stimme von Michael Mendl im Zusammenhang mit der Story gut gefallen. Im Norden laufen die Uhren ein wenig langsamer und genau das bringt er durch seine Betonung wunderbar zum Ausdruck. Der Krimi ist spannend, ohne reißerisch zu wirken und auch das Privatleben der Kommissare findet seine Berechtigung. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil und bin gespannt, was das Leben der Beiden noch zu Tage fördern wird. Von mir gibt es eine Lese- bzw. Hörempfehlung und verdiente fünf von fünf Sternen!

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Veröffentlicht am 12.08.2021

Wie war das denn nun mit dem Dorset-Wollschwein?

Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand
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Jack und Sarah haben Glück gehabt. Naja, sagen wir Glück im Unglück. Sie konnten dem Naziterror in Deutschland im Jahr 1937 entkommen und durften einen Neubeginn in England wagen. Mit Feuer und Flamme ...

Jack und Sarah haben Glück gehabt. Naja, sagen wir Glück im Unglück. Sie konnten dem Naziterror in Deutschland im Jahr 1937 entkommen und durften einen Neubeginn in England wagen. Mit Feuer und Flamme geht Jack ans Werk. Er will englischer als jeder Engländer werden und hält sich streng an die Liste, die ihm bei seiner Ankunft übergeben wurde. Punkt für Punkt kann er im Laufe der Jahre abhaken. Er spricht englisch, er kleidet sich englisch, ja er träumt inzwischen sogar auf Englisch, nur mit der Mitgliedschaft in einem Golfclub will es so gar nicht klappen. Während er verbissen um Anerkennung kämpft, merkt er gar nicht, wie seine geliebte Sarah immer mehr auf der Strecke zu bleiben scheint. Ein tragisches Ereignis öffnet ihm schließlich die Augen …

Es ist herzerwärmend die Geschichte des deutschen jüdischen Ehepaars im eher kühl wirkenden England zu verfolgen. Während Sarah Angst hat, die Vergangenheit und die zurückgelassene Familie auch ja nicht zu vergessen, strebt Jack genau das Gegenteil an. Wie habe ich mitgelitten, mit gefiebert und manchmal auch mitgetrauert, wie habe ich Jack Erfolg mit seinem letzten großen Projekt gewünscht. Dass es schließlich ganz anders kommt und das auch gut so ist fand ich einen gelungenes Ende für dieses nachdenkliche Buch. Mit viel Gefühl und ja fast Zärtlichkeit haucht der begnadete Hörbuchsprecher Familie Rosenblum und ihrem Schicksal Leben ein. Ich vergebe hierfür mit fünf Sternen gerne die volle Punktzahl.

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