Platzhalter für Profilbild

Steffi58

Lesejury Profi
offline

Steffi58 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Steffi58 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.09.2021

Leben und Sterben eng beieinander

Wenn die Faust des Universums zuschlägt
0

Dr. Johannes Wimmer kenne ich aus verschiedenen Medien und habe immer seine gewinnende At bewundert , über Krankheiten zu sprechen.
Auch über den Schicksalsschlag , der ihn und seine Frau im letzten Jahr ...

Dr. Johannes Wimmer kenne ich aus verschiedenen Medien und habe immer seine gewinnende At bewundert , über Krankheiten zu sprechen.
Auch über den Schicksalsschlag , der ihn und seine Frau im letzten Jahr traf , hatte ich schon gelesen. Mich hat das besonders tief berührt , weil mein Mann auch an einem unheilbaren Hirntumor verstorben ist und ich weiß , wie tückisch diese Krankheit ist und wie hilflos man ihr ausgeliefert ist. bei einem kleinen Kind ist das aber alles nochmal viel trauriger.
Der Titel Wenn die Faust des Universums zuschlägt beschreibt die Situation sehr genau – es ist ein sehr persönliches Buch geworden , das die schwere Zeit des Abschiedes beschreibt und den Verlust seiner erst wenige Monate alten Tochter Maximilia, den er und seine Frau verarbeiten und verkraften mussten.
Johannes Wimmer nimmt und mit auf diesem Weg und zeigt uns , dass es Strategien gibt , die man nutzen kann, um solche Schicksalsschläge auszuhalten und zu lernen , mit Verlusten umzugehen. Ein ganz wichtiger Satz im Buch lautet: „Das Leben mag uns Schicksalsschläge zuteilen, aber es bestimmt nicht, wie wir damit umgehen. Selbst wenn die Faust des Universums erneut zuschlägt, bin ich vorbereitet und bleibe aufrecht stehen.“
Dieses vorbereitet sein ist eine Haltung, die nicht nur bewundernswert ist , sondern auch wirklich hilfreich – ich kann das bestätigen.
Es ist wichtig , sich auch in Zeiten des tiefsten Schmerzes am Momente großen Glücks zu erinnern und dankbar zu sein. Und es ist wichtig , über den Schmerz mit Anderen zu sprechen.
Dieses Buch ist wichtig und zeigt eine Möglichkeit auf, dem Schicksal ins Auge zu blicken und dennoch auch in die Zukunft zu blicken, denn Leben und Sterben eng beieinander.
.

Veröffentlicht am 13.09.2021

Spannende Erzählung

Das Buch der verschollenen Namen
0

Das Cover lässt auf eine Art historischer Roman schließen, es erscheint etwas altertümlich.
Natürlich geht es um Geschichte, aber der Anfang liest sich eher wir ein Krimi.
Der Roman startet mit der älteren ...

Das Cover lässt auf eine Art historischer Roman schließen, es erscheint etwas altertümlich.
Natürlich geht es um Geschichte, aber der Anfang liest sich eher wir ein Krimi.
Der Roman startet mit der älteren Buchhändlerin Eva, die in einer Zeitung das Bild eines Buches entdeckt, das einst in ihrem Besitz war. Ihre Familie scheint davon keine Ahnung zu haben und sie als ganz gewöhnlich einschätzt.
Eva begibt sich auf die Spur dieses Buches. Zunächst aber gibt es einen Zeitsprung in das Jahr 1942 , nach Paris . Und wir erfahren, dass Eva Jüdin ist und dass sie und ihre Familie von Deportation bedroht sind. Die Familie ist sehr eng miteinander und die Angst und Panik dieser Menschen kann man förmlich spüren.
Der Vater kann der Verhaftung 1942 nicht entgehen, Eva selbst und ihre Mutter entkommen durch einen Zufall und gelangen ins „Freie“ Frankreich , genauer nach Aurignon. Dabei helfen ihnen von Eva gefälschte Papiere.
Die beiden Handlungsstränge ziehen sich durch den gesamten Roman und schaffen so eine nachvollziehbare Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart .
Der weitaus größere teil ist dabei der Geschichte vorbehalten.
Eva wird in Aurignon Mitglied des französischen Widerstandes; sie fälscht Dokumente um vielen Menschen die Flucht zu ermöglichen. Dabei schwebt sie ständig in Gefahr, verraten zu werden .
Damit die teilweise sehr kleinen Kinder, die ihre eigene Herkunft nicht kennen, später eine Möglichkeit haben werden, ihre Wurzeln zu finden, schreibt Eva die Daten verschlüsselt in ein Buch.
Dieses Buch ist nun – in der Gegenwart – aufgetaucht und Eva begibt sich auch in ihre eigene Vergangenheit.
Schreibstil gefällt mir gut , die Autorin schafft sie es , die Geschichte gleichzeitig spannend und tiefgründig zu erzählen.

Veröffentlicht am 08.09.2021

Mit Atmosphäre

Reise durch ein fremdes Land
0

Das zarte Cover mit einer winterlichen Landschaft durch die sich eine Straße, schlängelt finde ich atmosphärisch und gut zur Geschichte passend.
Das Zitat am Buchanfang
Der Fotograf muss etwas von der ...

Das zarte Cover mit einer winterlichen Landschaft durch die sich eine Straße, schlängelt finde ich atmosphärisch und gut zur Geschichte passend.
Das Zitat am Buchanfang
Der Fotograf muss etwas von der Empfänglichkeit des Kindes, das zum ersten Mal auf die Welt blickt, oder des Reisenden, der ein fremdes Land betritt, in sich haben und bewahren.
von Bill Brandt führt uns direkt zu einem sprachlich anspruchsvollen Roman.

Die Sprache , die Autor David Park gewählt hat, ist sehr anschaulich und bildgewaltig. Durch seine sehr genaue Beobachtungsgabe nimmt er uns mit in eine eisige Gegend. Starke Schneefälle haben vor den Weihnachtsfeiertagen fast das gesamte Land lahmgelegt .
Toms Reise mit dem Auto durch Schottland in die Universitätsstadt seines Sohnes Luke nimmt uns gefangen; mit jeder Zeile steigt die Intensität der Auseinandersetzung des Vaters mit seinem verlorenen Sohn Daniel, bei dem er glaubt , versagt zu haben.
Wir nehmen Anteil an einer Familientragödie, die zu einem dramatischen , aber offenen Ende führt.
Die Stimmung kann David Park vielleicht auch deshalb so gut vermitteln , weil er nicht nur einen faszinierenden Sprachstil hat , sondern auch durch seine Arbeit als Lehrer Einblicke in das Verhältnis von Vätern zu Söhnen besitzt.

Ein ruhiges, lesenswertes Buch.

Veröffentlicht am 07.09.2021

Durchaus anspruchsvoll

Das Glashotel
0

Das farbintensive Cover erinnert an moderne Kunstwerke und suggeriert gleichzeitig Weite.Es hat sofort mein Interesse geweckt , ebenso die Anmerkung zum Roman : „Ein Roman, der so vereinnahmend ist, ...

Das farbintensive Cover erinnert an moderne Kunstwerke und suggeriert gleichzeitig Weite.Es hat sofort mein Interesse geweckt , ebenso die Anmerkung zum Roman : „Ein Roman, der so vereinnahmend ist, so perfekt komponiert, dass er seine Leser mit sich fortreißt und ihren Möglichkeitssinns erweitert.“ NPR
Zum Inhalt : In einem Luxushotel an der westlichen Küste Kanadas- nichts als Ruhe ,Meer, Inseln, Vegetation des Nordens- erholen sich gestresste Städter. Für Vincent aber, die junge Barkeeperin des Hotels ein Ort mit schmerzhaften Erinnerungen. Als sie die Gelegenheit bekommt, der Einöde zu entfliehen, ergreift sie die Gelegenheit und geht mit dem Investor Jonathan Alkaitis nach New York. Sie weiß zunächst nicht, dass Alkaitis Vermögen auf Betrug beruht, später verdrängt sie ihre Vermutungen und genießt weiter den Luxus. Das Schneeballsystem fliegt auf und reißt die Anleger und auch Vincent mit hinab in die Tiefe…
Der Schreibstil ist ungewohnt, ebenso der Aufbau des Buches, aber so mag ich es sehr .
Zunächst startet der Roman mit einer Art Schnappschüssen, die man nicht genau zuordnenden kann.
Aber allmählich dringt man tiefer in die handelnden Personen ein.
Besonders beeindruckt hat mich die Protagonistin des Romans : Vincent.
Schon zu Beginn ihres Lebens wird sie ziemlich aus der Bahn geworfen, als ihre Mutter stirbt und sie plötzlich aus der fast unberührten Natur zur Tante in die Großstadt Toronto muss. Sie glaubt in Investor Jonathan Halt zu finden, man gönnt ihr dieses Glück von ganzem Herzen. Aber es ist zerbrechlich wie Glas…
Das Glashotel ist ein spannendes Lesevergnügen, aber auch anspruchsvolles, keins mit Action. Auch über die Abgründe der menschlichen Gesellschaft fabuliert : Soll man alle Gelegenheiten ,die sich im Leben bieten ,ergreifen oder nicht? Macht Sicherheit glücklich?

Veröffentlicht am 01.08.2021

Spannendes Familiendrama

Das letzte Bild
0

Selten habe ich eine so spannende Familiengeschichte wie "Das letzte Bild“ von Anja Jonuleit gelesen!
Mit einem Foto beginnt alles …
… Schriftstellerin Eva entdeckt zufällig in einer Zeitung das Foto einer ...

Selten habe ich eine so spannende Familiengeschichte wie "Das letzte Bild“ von Anja Jonuleit gelesen!
Mit einem Foto beginnt alles …
… Schriftstellerin Eva entdeckt zufällig in einer Zeitung das Foto einer Frau, die ihrer Mutter zu sein scheint. Ist sie nicht , aber ihr zum Verwechseln ähnlich . Wie kommt das ??? Evas Mutter will ihr diese wichtige Frage nicht beantworten. Also muss Eva sich selbst auf die Suche nach der mysteriösen Frau machen , die 1970 unter unklaren Umständen in Norwegen starb.
Eine spannende Suche beginnt , auf der wir Eva begleiten und alle Erfolge und Misserfolge während der Suche miterleben und mitfiebern dürfen. erst allmählich lichtet sich der Nebel , der diese frau aus dem Isdal-Tal umgibt.
Der Roman beruht auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1970 als eine Frau unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen ist – die sogenannte Isdal-Frau- deren Identität nie ganz geklärt werden konnte. Hier setzt der Roman von Anja Jonuleit an und gestaltet aus den realen Hintergrundfakten eine Geschichte mit tollem Spannungsbogen und vielen verschiedenen Fährten Praktisch nebenbei erhält man eine Menge geschichtlicher Informationen über das Norwegen der Kriegs- und Nachkriegszeit.
Den Zeitsprüngen kann man gut folgen.
Besonders gefallen hat mir auch das exakte recherchieren der Autorin und die Möglichkeit , den historischen Tatsachen im Anhang zu folgen.