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Veröffentlicht am 08.11.2021

Spannend erzählt mit Witz und Herz

Wir sind schließlich wer
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Eine Pastorin, die nicht an Gott glaubt! Trotzdem merkt man bald, dass sie goldrichtig in diesem Job ist, denn Seelsorge ist ihre Berufung. Dazu ist sie erst Mitte dreißig und hat einen adligen Nachnamen. ...

Eine Pastorin, die nicht an Gott glaubt! Trotzdem merkt man bald, dass sie goldrichtig in diesem Job ist, denn Seelsorge ist ihre Berufung. Dazu ist sie erst Mitte dreißig und hat einen adligen Nachnamen. Das ist Anna, die Hauptfigur dieses Romans.

Sie ist als Vertretung für den Pastor eines niederrheinischen Dorfes eingesetzt worden, wo sie von den Alteingesessenen zunächst skeptisch beäugt wird. Wir lernen sie gleich in einer Situation kennen, in der sie ahnungslos in ein Fettnäpfchen tritt, das ihr aus reiner Niedertracht von der Haushälterin des Pastors „hingestellt“ wurde. Aber es ist auch irgendwie witzig und so erleben wir gleich, wie die Dorfbewohner ticken. Die sind zwar manchmal nervig und tratschen unheimlich gerne, haben aber doch das Herz am rechten Fleck und meistens eine freche rheinische Zunge.

Die Geschichte ist so großartig erzählt, dass ich von Anfang an gleich „hineingezogen“ wurde. Die Autorin hat es durch ihren warmherzigen Schreibstil geschafft, mich derart einzubeziehen und zu fesseln, dass ich Mühe hatte, dieses Buch überhaupt zwischendurch zur Seite zu legen.

Wir lernen im Laufe der Handlung einige Mitglieder aus Annas Familie kennen. Sie sind alle adlig und die meisten davon stockkonservativ. Und sie sind alle katholisch. Nur Anna nicht. Es war eine Art Protest von ihr, evangelisch zu werden.

Anna und ihre Schwester Maria sind sehr unterschiedlich: Maria immer die „Prinzessin“ und Anna der „Wildfang“. Wir erfahren, dass Annas Ehe gescheitert ist, während Maria „standesgemäß“ geheiratet hat und in einer scheinbar perfekten Welt mit adligem Banker-Ehemann und aufgewecktem elfjährigen Sohn lebt. Letzterer spielt aber lieber mit seiner Tante Anna Fußball, als sich mit seiner Geige zu befassen.

Auch die anderen Personen aus der Familie sind prima charakterisiert. Da sind die Mutter Mechthild, und vor allem die lebensfrohe zweiundneunzigjährige Großtante Ottilie, die immer einen flotten Spruch auf Lager hat.

Außer Annas Familie lernen wir einige der Dorfbewohner kennen. Das sind alles Originale, die einem schnell ans Herz wachsen, z. B. der Postbote, den alle nur „das Martinchen“ nennen, die mürrische Haushälterin Frau Erbs mit Betonfrisur, der „Lange“ Leichenbestatter, außerdem Volker vom LKA und diverse „Tratschtanten“. Es wäre zu viel, sie alle aufzuzählen. Sie machen aber insgesamt den Zauber dieses Buches aus. Mir kommt es vor, als gäbe es diese Personen wirklich.

Mit dabei ist immer Annas Hund Freddy, ein Goldendoodle, der allein durch sein drolliges Wesen Menschen trösten und dunkle Gedanken vertreiben kann. Innen auf dem Klappentext des Buches erfährt man übrigens, dass die Autorin selbst genau solch einen Hund hat.

Die Story wird nach und nach immer spannender. Viele Dinge entpuppen sich anders, als sie vorher erscheinen. Die Fassade des so vorbildlichen Lebens von Annas Schwester Maria bröckelt nicht nur, sondern wird praktisch pulverisiert. Es ist fast ein Krimi, besonders die gemeinsame Suche nach Marias Sohn Sascha, der plötzlich verschwunden ist.

Zwischendurch gibt es Rückblenden und andere Episoden, die sich sehr stimmig in die Geschichte einfügen und sie damit noch würzen. Obwohl der Roman so manche schockierenden und nachdenklichen Elemente hat, wird durchweg ein angenehmes Level an Humor und Wohlbefinden beim Lesen gehalten.

Kurz gesagt:

Idee und Thema sind geschickt gewählt – irgendwie außergewöhnlich.

Die Figuren sind prima charakterisiert.

Es ist von Anfang bis Ende spannend mit humorvollen Verschmelzungen und passenden Rückblenden. Was Annas Vergangenheit angeht, hätte ich es mir noch ein wenig ausführlicher gewünscht, aber das ist Geschmackssache.

Der Sprachstil ist sehr lebendig und gefällt mir besonders gut.

Die Lösung des „Kriminalfalles“ hatte ich zwar während es Lesens schon in etwa erahnt. Aber das schadet nichts, denn diese runde Story lebt von ihren Details.

Ich hatte großen Spaß bei der Lektüre, war gleich mittendrin und am Ende ein klein wenig traurig, weil ich das Buch viel zu schnell ausgelesen hatte.

Wer spannende Geschichten mit einem außergewöhnlichen Touch und originellen Figuren mag, wird dieses Buch genießen.

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Veröffentlicht am 02.11.2021

Zum "Sich darin versenken" bestens geeignet

Revolution der Träume
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Dieses Buch ist der zweite Teil der sogenannten „Wege der Zeit“-Reihe. Darauf hatte ich nicht geachtet, als ich es ausgesucht habe. Den ersten Teil kenne ich nicht. Aber das ist nicht so schlimm, denn ...

Dieses Buch ist der zweite Teil der sogenannten „Wege der Zeit“-Reihe. Darauf hatte ich nicht geachtet, als ich es ausgesucht habe. Den ersten Teil kenne ich nicht. Aber das ist nicht so schlimm, denn es handelt sich um einen in sich abgeschlossenen Roman. Es geht darin um drei Hauptpersonen Isi, Artur und Carl. Die drei sind Freunde und kennen sich von klein auf. Nun sind sie erwachsen und es hat sie nach Berlin verschlagen. Der erste Weltkrieg ist gerade vorbei.

Die drei sind so verschieden, wie man nur sein kann, aber ergänzen sich auf eine irgendwie anrührende Art und Weise. Carl arbeitet als Kameramann, Artur ist eine Unterweltgröße und Isi ist zunächst Revolutionärin. Die drei sind authentisch und alle sind mir sehr sympathisch. Sie haben das Herz auf dem rechten Fleck und immer eine Portion gesunden Menschenverstandes.

Die Geschichte – oder eigentlich sind es mehrere Geschichten, die dann zusammenführen – ist sehr anschaulich und unterhaltsam erzählt. Begonnen wird mit drei losen Enden, die dann zusammenfinden.

Irgendwie hat dieses Buch regelrecht einen Sog auf mich ausgeübt. Je weiter ich gelesen habe, desto schwerer konnte ich mich zwischendurch davon trennen. Von Anfang bis Ende ist und bleibt es spannend, denn es gibt immer wieder neue Herausforderungen.

Das ganze Buch ist unheimlich abwechslungsreich, dabei manchmal schockierend, aber auch nachdenklich und manchmal humorvoll. Ich fand es auch sehr gut, dass am Ende alles irgendwie abgeschlossen wurde. Ich werde wohl den nächsten Roman dieser Reihe ebenfalls lesen, wenn er herauskommt, denn die Protagonisten sind mir ans Herz gewachsen. Sicher werde ich auch den ersten Teil nachholen.

Nun aber zurück zu diesem Buch: Alles ist so gut beschrieben, dass ich beim Lesen direkt einen Film vor mir gesehen habe. Meiner Meinung nach könnte man das Buch – so wie es ist – in einem Mehrteiler direkt verfilmen. Wer weiß, vielleicht kommt ja noch jemand auf die Idee.

Nebenbei habe ich zwar noch ein wenig über die historischen Hintergründe gelernt, aber ich sehe dieses Buch eher als unterhaltendes Werk. Da ich in Berlin lebe, kenne ich die beschriebenen Viertel, Straßen und Plätze und hatte während des Lesens immer ein Bild dazu aus heutiger Sicht vor Augen. Aber ich konnte es mir auch gut in der damaligen Zeit vorstellen. Das hat das Ganze für mich noch interessanter gemacht.

Mein Fazit: Dieses Buch ist für Leser*innen geeignet, die sich gern in ein Buch versenken. Dann merkt man auch nicht wie dick es ist, sondern ist froh darüber, dass es noch nicht so schnell zu Ende sein wird.

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Veröffentlicht am 26.09.2021

Mehr als ein Krimi

Betongold
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Gleich nach den ersten Seiten habe ich mich beim Lesen dieses Buches wohlgefühlt. Irgendwie erschien mir das alles sehr anheimelnd. Das Buch lebt von Rückblenden mit den Erlebnissen der drei Freunde, von ...

Gleich nach den ersten Seiten habe ich mich beim Lesen dieses Buches wohlgefühlt. Irgendwie erschien mir das alles sehr anheimelnd. Das Buch lebt von Rückblenden mit den Erlebnissen der drei Freunde, von denen einer nun tot in der Baugrube aufgefunden wurde – ausgerechnet der „Immobilienhai“.

Ich habe zwar kaum einen Bezug zu Bayern, aber dennoch gefällt mir, wie hier mit der Mundart gearbeitet wurde, dadurch erhält der Roman meiner Meinung nach ein gewisses Etwas. Irgendwie waren mir die Personen schnell vertraut.

Ganz schnell war mir klar, dass der Kriminalfall in den Hintergrund rücken würde. Es ging hier nicht um die Ermittlungen der Polizei, sondern allenfalls um die eigenen privaten Ermittlungen von Sepp alias „Smokey“. Die verliefen aber so ganz nebenbei.

Für einen Kriminalroman recht ungewöhnlich, aber mir gefällt das ausgezeichnet. Am Ende gab es natürlich eine zufriedenstellende Aufklärung. So muss es sein.

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Veröffentlicht am 16.09.2021

Thriller!

Die andere Tochter
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„Die andere Tochter“ von Dinah Marte Golch ist ganz einfach als Roman gekennzeichnet. Das ist meines Erachtens tief gestapelt. Die Geschichte hat mich schon nach wenigen Seiten gefesselt. Für mich ist ...

„Die andere Tochter“ von Dinah Marte Golch ist ganz einfach als Roman gekennzeichnet. Das ist meines Erachtens tief gestapelt. Die Geschichte hat mich schon nach wenigen Seiten gefesselt. Für mich ist das kein einfacher Roman, sondern ein Thriller, von dem ich mich kaum lösen konnte.

Wir begleiten das ganze Buch hindurch die Hauptheldin Antonia. Es spielt in zwei Zeitebenen: in der Gegenwart im Oktober 2019, kurz nachdem Antonias Mutter Brigitte umgebracht wurde, und in der Rückblende in eine jüngere Vergangenheit ab April 2019. Die beginnt damit, dass Antonia durch einen Arbeitsunfall ihr Augenlicht verliert, dieses durch eine Hornhauttransplantation zurückerlangt und dann auf unerklärliche Weise mit der Familie der Organspenderin und deren Umfeld konfrontiert wird. Irgendwie scheint es dabei auch eine mystische Komponente zu geben. Außerdem stimmt mit der Familie Mertens, die zu ihrer Organspenderin gehört, etwas nicht.

Nach und nach werfen sich völlig andere Fragen nach Antonias Vergangenheit auf, vor allem nach ihrer Kindheit. Wir erfahren schnell, dass ihre Kindheit alles andere als normal verlaufen ist. Ab ihrem fünften Lebensjahr wuchs sie bei der Oma auf und kam dann im Alter von zwölf Jahren doch wieder zu ihren Eltern zurück. Das sind Familienverhältnisse, die Antonia selbst nicht so richtig versteht und der sie im Laufe der Handlung auf die Spur kommen wird.

Die Vergangenheitsebene bewegt sich auf die Gegenwartsebene zu und holt diese schließlich ein. Außerdem bekommt die Erinnerung an die weiter zurückliegende Vergangenheit in Antonias Kindheit im Laufe des Buches immer mehr Raum und Bedeutung. Das ist alles sehr gelungen konstruiert.

Besonders aufgefallen ist mir dabei, dass in der aktuellen Zeitebene Antonia, oder kurz Toni, in der Ich-Form zum Leser spricht, während die Szenen der Vergangenheit in der dritten Person geschrieben sind – eine nette Würze.

Ich habe beim Lesen des Buches direkt einen äußerst spannenden Film ablaufen sehen. So wundert es mich nicht, als ich über die Autorin las, dass sie auch eine erfolgreiche Drehbuchautorin ist. Ich kann mir vorstellen, dass ihr Roman eine sehr gute Vorlage für ein Drehbuch bilden könnte.

Am Ende wird alles zufriedenstellend aufgelöst. Dabei gibt es etliche Überraschungen. Ich bin total begeistert von diesem Buch, aber auch ein wenig traurig, dass ich es schon ausgelesen habe.

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Veröffentlicht am 02.08.2021

Das hat Spaß gemacht

Dich hab ich nicht kommen sehen
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Das Buch ist ein echtes Gute-Laune-Buch. Es hat mir großen Spaß gemacht. Ich konnte es kaum aus der Hand legen.

Die Autorin hat so einen herrlich lockeren und dabei ganz besonderen Schreibstil. Dementsprechend ...

Das Buch ist ein echtes Gute-Laune-Buch. Es hat mir großen Spaß gemacht. Ich konnte es kaum aus der Hand legen.

Die Autorin hat so einen herrlich lockeren und dabei ganz besonderen Schreibstil. Dementsprechend lässt sie auch ihre Hauptfiguren reden und handeln. Die Figuren sind überhaupt alle sehr gelungen geschildert. Mari, die in Berlin irgendwie neu anfangen will, war mir von Anfang an sympathisch. Immer wieder gerät sie in peinliche Situationen, die für den Leser aber ziemlich lustig sind.

So unsicher und manchmal unbeholfen Mari auch ist, desto wortgewandter ist sie. Ich glaube, dass die Autorin irgendwie ein bisschen von Mari haben muss, sonst könnte sie das nicht so schreiben.

Die Idee, dass Mari mit ihrer neuen Bleibe in Berlin praktisch gleich eine ganze Familie dazubekommt, und zwar die Familie der Vermieterin, finde ich einfach zauberhaft. Natürlich ist das zwischen Leo und Mari von Anfang an vorbestimmt, aber der Weg dorthin ist einfach witzig – natürlich überspitzt.

Besonders gut gefällt mir die Fantasie, mit der Mari ganz besondere imaginäre Haustiere für den kleinen Toby erfindet. Darüber musste ich auch immer schmunzeln.

Die Schilderung der Kollegen von Mari und die Szenen, in denen es um ihre Arbeit als Juristin geht, bereichern das Ganze noch mehr. Ich finde überhaupt, dass es eine Stärke der Autorin ist, sich interessante Personen und Dialoge und dazu absurde Situationen auszudenken.

Ich würde dieses Buch als Liebeskomödie bezeichnen. Man darf das alles auch nicht zu tiefgründig analysieren wollen. Es ist ein Roman, der beim Lesen so richtig Spaß macht. Mir hat er das jedenfalls und ich würde gern noch mehr von Nina Resinek lesen.

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