Schatten der Vergangenheit
Wenn die Schatten sterben"Wenn die Schatten sterben" von Christof Gasser hat mit seinen üblichen Krimis nur unwesentlich zu tun. Umso mehr habe ich mich gefreut einen "alten Bekannten" anzutreffen und zwar Dominik Dornach, der ...
"Wenn die Schatten sterben" von Christof Gasser hat mit seinen üblichen Krimis nur unwesentlich zu tun. Umso mehr habe ich mich gefreut einen "alten Bekannten" anzutreffen und zwar Dominik Dornach, der Kommissar aus seinen Solothurn Krimis. "Wenn die Schatten sterben" spielt ungefähr 10 Jahre vor dem Start der Dominik Dornach Reihe und wird außerdem auf zwei Zeitebenen erzählt. Dazu gibt es einen ganz speziellen Blick auf die Schweiz in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges. Dabei erfährt der Leser, dass sich die neutrale Schweiz alles andere als neutral verhalten und mit Hitler Deutschland paktiert hat.
Der Krimi beginnt aber in der Gegenwart. Rebecca Kolberg reist mit ihrem zehnjährigen Sohn Adrian von Kiel nach Solothurn, wo sich der herrschaftliche Familiensitz der "von Colbergs" befindet. Rebecca hat nach dem Unfalltod ihres Mannes Jan vor in der Schweiz zu bleiben und das Anwesen zu restaurieren. Bei den Renovierungsarbeiten wird im Keller eine eingemauerte weibliche Leiche gefunden. Die Frau wurde Anfang der 40iger Jahren erschossen. Rebecca möchte unbedingt wissen, wer im Keller ermordet wurde. Ihr neuer Nachbar, Dominik Dornbach, der bei der Solothurner Polizei arbeitet, erklärt ihr jedoch, dass in der Schweiz Mord nach 30 Jahren verjährt und es keine polizeiliche Untersuchtung geben wird. Becky will jedoch unbedingt wissen, was damals passiert ist, und sticht damit in ein Wespennest, denn auch noch heute gibt es Menschen, die nicht mit der (Nazi-)Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert werden möchten und alles dafür tun...
In der Vergangenheit lernen wir die sympathische und temperamentvolle Emma Kummer kennen. Sie interessiert sich - im Gegensatz zu den meisten anderen jungen Frauen - für Politik. Dabei hält sie sich mit ihrer Meinung auch nicht wirklich zurück, was zu dieser Zeit nicht gerne gesehen wird. Emma arbeitet in der Waffenfabrik von Beckys Großvater, Freiherr von Colberg, einem gebürtigen Deutschen. Durch Toni Wyler, in den sie heimlich verliebt ist, erfährt sie mehr über eine angebliche Verbindung von Schweizern zu den Nationalsozialisten. Gemeinsam mit ihm und seinen Freunden beginnt sie sich für die Schweizer Heimat eninzusetzen und sieht sich einem Netz von Verrat, Hetze und Antisemitismus gegenüber, dem es zu bekämpfen gilt. Doch dann verschwindet ihre beste Freundin Rosemarie plötzlich....
Die Charaktere hat Christof Gasser wieder vielschichtig angelegt und glaubwürdig gezeichnet. Sie sind authentisch und facettenreich. Man kann sich als Leser in die Figuren hineinversetzen und ich lernte auch so einige interessante neue Seiten eines jüngeren Dominik Dornach kennen. Einzig mit Becky wurde ich nicht ganz warm.
Was ich bei historischen Romanen auf zwei Zeitebenen immer wieder feststelle ist, dass mir der Vergangheitsstramg fast immer viel besser gefällt, als der aus der Gegenwart. Auch hier ist das so.
Die Geschichte um Emma fand ich spannend und vorallem sehr aufschlussreich. Die tiefe Verstrickung der Schweiz in die nationalsozialistischen Machenchaften waren mir kaum bekannt. Ich weiß zwar, dass viel Nazigeld und Kunstgegebstände, die sich in ehemals jüdischem Besitz befanden in die Schweiz wanderten, aber dass es auch viele Hitler Anhänger gab, war mir nicht wirklich bekannt.
Der Gegenwartsstrang konnte mich allerdings nicht gänzlich überzeugen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich Becky nicht wirklich sympathisch fand. Manche ihrer Handlungen konnte ich ebenfalls nicht nachvollziehen.
Der Spannungsaufbau ist top und der Twist am Ende absolut gelungen. Die Auflösung des Krimis ist logisch und hat mich überzeugt, wie es der Autor in jedem seiner Krimis, die ich bisher von ihm gelesen habe, geschafft hat.
Fazit:
Ein atmosphärischer und sehr gelungener Krimi auf zwei Zeitebenen, der mich nicht nur mit den historischen Begebenheiten überraschte, sondern auch mit dem unerwarteten Ende. Ein Lesevergnügen!